In einer Gesellschaft, in der Medialisierung in nahezu allen Lebensbereichen stattfindet, sich immer rasanter vollzieht und für gesellschaftliche Veränderungen verantwortlich gemacht wird, ist die Frage nach Ursache und Wirkung medialer Entwicklungen aktueller denn je. Die gesellschaftliche Entwicklung wird nicht nur von neuen Kommunikationsformen gekennzeichnet und beeinflusst, sondern sichert auch deren Fortbestand.
Die hier vorliegende Arbeit präsentiert einen solchen Untersuchungsgegenstand mit Fragestellungen, die jedoch nach medienwissenschaftlicher Einschätzung eigentlich nicht zu beantworten sind. Es handelt sich um die gesellschaftliche Wirkung der Medien und die Beeinflussung des Mediengeschehens durch die Gesellschaft. Darunter die Fragen: Wie finden mediale Beeinflussung und gesellschaftliche Rezeption statt und wie haben sie sich seit 1945 verändert? Welche Einflüsse hat umgekehrt die Gesellschaft auf die Gestaltung des Medienangebotes? Welche Gründe sind dafür zu erkennen? Was bedeutet der Wandel in der Medienentwicklung für die Gesellschaft?
Um sich mit einem derart komplexen Thema dennoch im Rahmen einer Hausarbeit auseinander setzen zu können, handelt es sich im Folgenden um eine stark zusammenfassende, vereinfachende und selektive Darstellung und Analyse. Die dafür genutzte Literatur besteht zum einen aus medienhistorischen, überblicksartigen Arbeiten, zum anderen aus medientheoretischen Handbüchern und mediensoziologischen Untersuchungen sowie medienphilosophischen Einschätzungen.
Eine rein historische Untersuchung würde die oben aufgeworfenen Fragen nur unzureichend beantworten. In der verwendeten Literatur finden sich Werke, zu deren Autoren Soziologen, Historiker, Kommunikationswissenschaftler oder Psychologen gehören. Demzufolge bemüht sich diese Untersuchung ebenfalls um eine interdisziplinäre Herangehensweise, bei der die historische Entwicklung der Mediengesellschaft jedoch die Ausgangsbasis für letztendliche Schlussfolgerungen darstellt. Das methodische Vorgehen der Arbeit geht von einer Mediengeschichte als Sozialgeschichte aus und versucht, die mediale Produktion und Rezeption funktional im Kontext des gesellschaftlichen Lebens zu sehen und dementsprechend die Entwicklungsstufe dieser Gesellschaft zu bestimmen. Der Fragestellung entsprechend werden dabei sowohl institutions- und programm- als auch rezeptionsgeschichtliche Aspekte behandelt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Medien und ihre Wirkung: Theoretische Überlegungen
3. Die Entwicklung der Mediengesellschaft seit 1945 – eine Skizze
3.1 Das Fenster zur Welt
3.2 Die „wohlkomponierte Mitte“
3.3 Kulturkritik und „neue Innerlichkeit“
3.4 Flexibilisierung und Duales System
3.5 Wende zum Wachstum
3.6 Der systematische Medienwandel?
4. Medien als Informationsvermittler
5. Die Rolle des Fernsehens
6. Die Einflussmöglichkeiten des Fernsehens auf die Gesellschaft
6.1 politisch
6.2 kulturell
6.3 emotional
6.4 sozial
6.5 Fazit: Kann der Mensch sich wehren?
7. Der gesellschaftliche Einfluss auf das Fernsehen
7.1 Einschaltquoten: Der Mensch, das berechenbare Wesen?
7.2 Staatliche (De-)Regulierungsmaßnahmen: trial and error
8. Medienkritik
9. Perspektiven für das zukünftige Verhältnis zwischen Fernsehen und Gesellschaft
10. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe Wechselverhältnis zwischen Fernsehen und Gesellschaft in Deutschland seit 1945, wobei die mediale Wirkung auf das Individuum sowie die gesellschaftliche Rückwirkung auf das Fernsehprogramm im Fokus stehen.
- Historische Entwicklung der westdeutschen Mediengesellschaft
- Dynamik zwischen Fernsehen und Zuschauerrezeption
- Politischer, kultureller, emotionaler und sozialer Einfluss des Mediums
- Konzentrationsprozesse in der Medienlandschaft und staatliche Regulierung
- Medienkompetenz und zukünftige Perspektiven der Mediennutzung
Auszug aus dem Buch
6.1 politisch
Unter diesen Aspekt subsumieren sich zwei wesentliche Formen politischer Beeinflussung: zum einen die ästhetisch-inhaltliche und zum anderen die medienpolitische. Bei ersterer handelt es sich um die Darstellungsart politischer Inhalte im Fernsehen. In Abhängigkeit davon können der Wille zur Partizipation und das politische Engagement oder im umgekehrten Fall der Rückzug aus den politischen Gestaltungsräumen bewirkt werden. So kann Über-Information und Über-Präsenz politischer Akteure zur Kapitulation vor politischer Teilhabe führen. Des weiteren begünstigen medial verarbeitete Katastrophen, dramatische Ereignisse oder Skandale das Verlangen des Zuschauers, sich dieser negativen Situation oder deren Folgen gedanklich zu entziehen. Andererseits schaffen bestimmte Vermittlungsformate auch partizipatorische Ansätze. Wie unter Punkt 4 erwähnt, orientieren sich die Rezipienten in erster Linie an Personen, wenn es um die Aufnahme medialer Aussagen geht. Insofern kommen Politiker-Portraits, Rede-Duelle oder Interviews in persönlicher Atmosphäre dem Rezeptionsverhalten des Publikums entgegen und entsprechen den Absichten nach einer positiven Selbstdarstellung der Politiker und dem Quotendenken der Produzenten.
Die andererseits medienpolitisch bedingte Beeinflussung besteht in der Konzentration einzelner Unternehmen in großen Medienmonopolen. Herrscht dort eine bestimmte politische Meinung oder Tendenz vor, hat das Auswirkungen auf ein breites Spektrum an Medien. So auch im Fall von Rupert Murdoch, der in den neunziger Jahren wechselnde strategische Allianzen mit der Kirch-Gruppe und Bertelsmann einging, daraufhin größter Gesellschafter mit 49,9 % bei den Sendern VOX und RTL wurde und bis 1993 zum größten Werbeträger avancierte. Mit Marktanteilen von über 20 % nahm er zeitweise die Position vor ARD und ZDF ein. Ausgenutzt wurde diese Situation während des Irak-Krieges als Murdoch mit seinen Medien eindeutig Stellung gegen die Gegner des Krieges bezog und damit eine direkte Meinungsbeeinflussung bewirkt wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der komplexen Fragestellung zur gesellschaftlichen Wirkung von Medien und der interdisziplinären Herangehensweise der Arbeit.
2. Medien und ihre Wirkung: Theoretische Überlegungen: Vorstellung des dynamisch-transaktionalen Modells als theoretische Basis zur Analyse von Medienwirkung und Massenkommunikation.
3. Die Entwicklung der Mediengesellschaft seit 1945 – eine Skizze: Historischer Überblick über die Phasen der Fernsehentwicklung in Westdeutschland von den Anfängen bis zur modernen Mediengesellschaft.
4. Medien als Informationsvermittler: Analyse der konstruktiven und selektiven Merkmale der Informationsvermittlung sowie der Rolle des Fernsehens im Rezeptionsprozess.
5. Die Rolle des Fernsehens: Untersuchung des Fernsehens als Leitmedium, das wahrnehmungsstrukturierende Eigenschaften besitzt und sich inhaltlich gewandelt hat.
6. Die Einflussmöglichkeiten des Fernsehens auf die Gesellschaft: Detaillierte Betrachtung der Wirkungsbereiche auf politischer, kultureller, emotionaler und sozialer Ebene.
7. Der gesellschaftliche Einfluss auf das Fernsehen: Analyse der Rückkopplung durch Einschaltquoten und die Rolle staatlicher Regulierungsmaßnahmen.
8. Medienkritik: Kritik an Kommerzialisierung, Konzentrationsprozessen und der wachsenden Kluft bei der Medienkompetenz.
9. Perspektiven für das zukünftige Verhältnis zwischen Fernsehen und Gesellschaft: Diskussion zukünftiger Herausforderungen wie Medienzeitbudget und die notwendige Förderung von Medienkompetenz.
10. Schlussfolgerungen: Synthese der Erkenntnisse über den Wandel zur Medienkultur und die Bedeutung des mündigen Zuschauers.
Schlüsselwörter
Fernsehen, Medienwirkung, Massenkommunikation, Gesellschaft, Rezeption, Medienkompetenz, Programmgeschichte, duales Rundfunksystem, Medienkonzentration, Unterhaltungsmedium, Sozialgeschichte, Medienkultur, Einschaltquoten, Medienpolitik, Wissenskluft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das wechselseitige Verhältnis zwischen Fernsehen und Gesellschaft in Deutschland seit 1945.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der historischen Fernsehentwicklung, den gesellschaftlichen Auswirkungen des Fernsehens und der Rückwirkung der Gesellschaft auf das Medium.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die mediale Beeinflussung des Zuschauers sowie die Steuerungsmöglichkeiten des Fernsehens durch die Gesellschaft zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verfolgt eine interdisziplinäre Herangehensweise, die medienhistorische, medientheoretische und mediensoziologische Ansätze kombiniert.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil erörtert die historische Skizze der Mediengesellschaft, die Wirkungsdimensionen (politisch, sozial, kulturell, emotional) und die Einflussmöglichkeiten des Publikums.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Medienwirkung, Rezeption, Medienkompetenz, duales Rundfunksystem und Medienkultur.
Wie bewertet die Autorin die heutige Medienkompetenz?
Die Autorin diagnostiziert eine "Klassengesellschaft der Medienkompetenz", in der immer weniger Zuschauer in der Lage sind, Medien unabhängig und kritisch zu konsumieren.
Welches Fazit zieht die Arbeit zur Macht des Zuschauers?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Zuschauer zwar durch Einschaltquoten und Beschwerden Einfluss nehmen kann, aber oft durch eine "Rezipientenmentalität des Desinvolvement" und mangelnde Medienkompetenz in seiner Wahlfreiheit eingeschränkt ist.
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- Chrstiane Baltes (Author), 2006, Medien, Macht und Individuum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119699