Arbeitsmarktexperimente - Labor market experiments


Seminararbeit, 2008

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Probleme der Standardökonomik

3. Arbeitsmarktexperimente

4. Arbeitsverträge

5. Neuer Ansatz für Arbeitslosigkeit

6. Bewertung der Laborexperimente
6.1. Vorteile
6.2. Einwände

7. Grenzen der Laborexperimente. Ein Beispiel

8. Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Interesse für Vorgänge auf dem Arbeitsmarkt ist bei den meisten Menschen vorhanden, da praktisch jedermann dort auftritt, meist als Arbeitnehmer oder Arbeitgeber.

Fragen bezüglich Arbeitsmarktaspekten sind in den meisten Lehrbüchern der Makro- oder Mikroökonomik bereits in beträchtlichem Umfang enthalten.

Wozu brauchen wir also noch so genannte Arbeitsmarktexperimente, die erst seit relativ wenigen Jahren im wissenschaftlichen Kontext erscheinen? Stimmt es nicht, dass man die letzten Jahrzehnte auch mit herkömmlichen Ansätzen der Arbeitsmarktökonomik das Zusammenspiel von Arbeitsanbietern und –nachfragern in vernünftiger Weise erklären konnte? Selbstverständlich sollen im Rahmen dieser Arbeit herkömmliche neoklassische Theorien nicht als überholt dargestellt werden. Allerdings hat der Arbeitsmarkt erhebliche Unterschiede zu anderen Märkten, womit neue Methoden, wie sie von der experimentellen Wirtschaftsforschung aufgezeigt werden, grundsätzlich begrüßt werden dürfen.

„Arbeit stellt einen wichtigen Produktionsfaktor dar, aber im Gegensatz zu vielen anderen Gütern „kauft“ man keine Arbeiter, sondern deren Leistungen, die jedoch untrennbar mit den Menschen verbunden sind.“1

Der Verfasser dieser Arbeit hat selbst an diversen Arbeitsmarktexperimenten teilgenommen und möchte mit dieser Arbeit zeigen, dass mit dieser experimentellen Forschung sich neue Chancen ergeben, um das Verhalten der Marktteilnehmer zu durchleuchten.

„Die experimentelle ökonomische Forschung, speziell die Arbeitsmarktexperimente, hat der mikroökonomischen Analyse von Löhnen und Beschäftigung neue Impulse gegeben.“2 So soll in dieser Arbeit gezeigt werden, dass der Mensch nicht grundsätzlich als Homo oeconomicus (egoistischer Wirtschaftsmensch) auftritt, sondern sich am Arbeitsplatz eher nach dem Motto „Wie du mir, so ich dir“ (Homo reciprocans) verhält, selbst wenn ihm dadurch ein Nachteil entsteht. Weitere Ergebnisse der Wirtschaftsforschung werden aufgezeigt, die zum Teil erstaunliche Erkenntnisse hervor gebracht haben. Aber auch Grundsätzliches zu Arbeitsverträgen soll erwähnt werden, weil man diese durch intensive Forschung inzwischen in anderem Licht sieht. Experimente unter Laborbedingungen sind stetiger Kritik ausgesetzt. Eine konstruktive Auseinandersetzung mit dieser Kritik scheint angebracht. Abgerundet wird die Arbeit durch die Beschreibung einer Studie der Universität Zürich.

2. Probleme der Standardökonomik

Wenn wir uns die wissenschaftlich getroffenen Aussagen der letzten Jahre betrachten, so fällt vor allem auf, dass an der Homo-oeconmicus-Annahme festgehalten wird. In bestimmten Bereichen mag ein bestimmtes Menschenbild keine Rolle spielen, allerdings kamen gerade durch das Auftreten der experimentellen Wirtschaftsforschung begründete Zweifel auf.

Der Leser könnte nun Wert darauf legen, dass diese Behauptung mit einem Beispiel untermauert wird. Vielleicht kann das folgende Exempel den Sachverhalt nahe bringen: Herr Meier, Gründer eines kleinen Unternehmens, lädt seine Mitarbeiter nach Feierabend zu einem Bier ein. Diese freuen sich und nehmen die Einladung gerne an. Kann man jetzt nicht davon ausgehen, dass einige seiner Angestellten das Bedürfnis haben, sich zu revanchieren? Es entsteht also ein Gefühl der Verpflichtung, das nur schwer geleugnet werden kann. Ein egoistischer Mensch hegt solche Regungen nicht. Ein solcher Wirtschaftsmensch ist auf geringste Kosten bedacht und zeichnet sich grundsätzlich nicht durch Ausgaben für seine Mitmenschen aus. Da in der wirtschaftlichen Forschung der eigensüchtige Mitarbeiter allerdings als Grundsatz angesehen wurde, sieht man, dass die Standardökonomik an ihre Grenzen stößt bzw. die Realität nicht exakt abbilden kann.

„Wenn ein so restriktiv gefasstes Menschenbild gültig wäre, hätten in der Tat Regungen, die von der ausschließlichen Verfolgung individuellen Vorteils ablenken, in der Erklärung menschlichen Verhaltens nichts zu suchen.“3

Gerade für den Arbeitsmarkt und die darauf aufbauenden Experimente muss man sich im Klaren sein, dass andere Vorraussetzungen gelten und für Aktionen bzw. Reaktionen verantwortlich sind. Hier treffen Transaktionspartner aufeinander, genauer gesagt wird hier Angebot und Nachfrage unter Menschen ausgemacht. Eine klassische Preistheorie und das bereits angesprochenen Bild des nur an sich denkenden Menschen ist schlicht zu wenig. Wir reden hier von komplexen Bereichen menschlichen Wirtschaftens. Wer das nicht beachtet, läuft Gefahr, dass er Arbeitsleistung mit materiellen Gütern gleich setzt. Beweggründe von Arbeitgebern und Arbeitnehmern können nicht aus rein statistischem Material gewonnen werden, sondern es muss ein neuer Weg gefunden werden. Direkte Beobachtung, eine unmittelbare Konfrontation mit handelnden Akteuren, sind einige wenige Stärken der Verhaltensexperimente.

3. Arbeitsmarktexperimente

Bevor hier Ergebnisse präsentiert werden, soll dem Leser kurz verdeutlicht werden, welche Kennzeichen Versuche in der experimentellen Wirtschaftsforschung haben.

Selbstverständlich trifft die nun folgende Beschreibung zum Teil auch auf andere Experimente zu, so etwa für Fragestellungen in der Politik oder soziologische Theorieüberprüfungen. Bei solchen Experimenten, die meist in einem Labor stattfinden, werden Teilnehmer, oftmals Studenten, eingeladen.

Ein Experiment kann man grundsätzlich als Spiel ansehen. Der Experimentator macht sich Gedanken über die Anzahl von Teilnehmern, deren Aktionsraum sowie mögliche Auszahlungsfunktionen.

Diese Freiwilligen erhalten zunächst Informationsunterlagen, die den Ablauf des Experiments beschreiben. Nachdem diese Dokumente durchgearbeitet sind, müssen Kontrollfragen beantwortet werden. Es muss unbedingt sichergestellt werden, dass alle den Inhalt des Experiments verstanden haben.4 Unter Umständen muss man sich an dieser Stelle auch von bestimmten Teilnehmern verabschieden, falls durch die Ergebnisse der Kontrollrunde festgestellt wird, dass jene den Anforderungen nicht gerecht werden. Am Computer müssen die partizipierenden Personen anschließend mit speziellen Programmen (seltener mit Papier und Bleistift) Entscheidungen treffen. Es erfolgt eine kontrollierte Variation unabhängiger Variablen (so genannte Treatments). Die Experimentteilnehmer werden diesen Treatments zufällig zugeordnet.5 Der Ablauf zeichnet sich durch kontrollierte Bedingungen aus.

Ein wichtiger Punkt ist natürlich, dass für Testpersonen ökonomische Anreize geschaffen werden. Eine entscheidungsabhängige Bezahlung sichert so einen vernünftigen „geistigen Einsatz“, da die Entscheidungen der Teilnehmer unmittelbare monetäre Konsequenzen haben. Dieses Thema ist wichtig. Der Leser darf sich gerne einmal in Gedanken in die Lager versetzten, an einer gewöhnlichen mündlichen Umfrage teil zunehmen. Dort könnte etwa gefragt werden: „Sind Sie ein kooperativer Mensch?“ Diese Frage einfach mit „Ja“ zu beantworten ist kein Problem. Im Experiment erfordert diese Willensäußerung allerdings ein Verhalten, welches mit Geld bzw. Kosten verbunden ist.6 Zu diesen Vorteilen der experimentellen Wirtschaftsforschung folgt später mehr.

4. Arbeitsverträge

Von zentraler Bedeutung für die vorliegende Arbeit ist, dass Arbeitgeber-Arbeitnehmer- Beziehungen unter herkömmlichen Umständen vertraglich unvollständig geregelt sind.

Was darf man darunter verstehen? Wie ist ein Arbeitsvertrag definiert? An dieser Stelle lohnt es sich zunächst, etwas genauer auf dieses Dauerschuldverhältnis einzugehen.

„Der Arbeitsvertrag ist der privatrechtlich-schuldrechtlich gegenseitige

Vertrag, durch den sich der Arbeitnehmer zur Leistung von Diensten in abhängiger Stellung, der Arbeitgeber zur Leistung einer Vergütung verpflichtet.“7

Wir sprechen von einem so genannten Dauerschuldverhältnis, das durch den Abschluss des Einzelvertrages begründet wurde. Grundsätzlich bezieht sich dieses Verhältnis auf längere Zeit, wobei es sogar meist auf unbestimmte Zeit geschlossen wird und nur bei Vorliegen bestimmter Gründe befristet wird. Ein besonderes Merkmal des Vertrages ist die persönliche Abhängigkeit des Arbeitnehmers vom Arbeitgeber bei Erbringung seiner Arbeitsleistung.

Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer haben außerdem bestimmte Pflichten, die im Arbeitsrecht festgelegt worden sind. Exemplarisch sollen ein paar dieser Pflichten erläutert werden. Der Arbeitnehmer muss natürlich in erster Linie seiner Arbeitspflicht nachkommen. Außerdem ist er gegenüber Dritten zur Verschwiegenheit angehalten. Weiterhin spricht man von einem Wettbewerbsverbot. Darunter darf man z.B. verstehen, dass er nach Feierabend nicht bei der Konkurrenz arbeitet. Auch darf er keine Mitteilungen bzw. Veröffentlichungen erlassen, welche seiner Firma den guten Ruf kosten könnten. Der Arbeitgeber muss vor allem den Lohn zahlen. Eine weitere Pflicht ist die Beschäftigungspflicht. Daher muss dem Arbeitnehmer die Möglichkeit gegeben werden stets zu arbeiten, da Arbeit auch Selbstverwirklichung darstellt. Die Persönlichkeitsrechte des Angestellten müssen ebenfalls geschützt werden. Die weiteren Pflichten teilen sich ebenfalls in so genannte Schutz- und Fürsorgepflichten ein und müssen hier aber nicht weiter vertieft werden. Soweit gibt die Theorie bzw. das Arbeitsrecht einen Rahmen für die Arbeitsbeziehungen vor. Nun stellt sich allerdings die Frage, was in der Realität geschieht. In einem normalen Arbeitsvertrag werden nicht alle relevanten Aspekte umfassend determiniert. Arbeitsverträge können Lohnhöhe, Arbeitszeit, Sozialleistungen und Ähnliches enthalten. Aber wie sieht es mit der geschuldeten Leistung aus, ist sie tatsächlich so exakt definiert, wie man vielleicht auf Grund der eben gezeigten rechtlichen Abhandlung meinen könnte? Hier kann man vielleicht dem Vertrag entnehmen, für welche Arbeitsbereiche man zuständig ist.

[...]


1 Franz, Arbeitsmarktökonomik, S. 10.

2 Franz, Beschäftigung, S. 13.

3 Wehner, Ökonmie, S. 4.

4 Falk, Reciprocans, S. 2.

5 Kocher, Ökonomik, S. 8.

6 Falk, Reciprocans, S. 2.

7 Weise, Neue Mikroökonomie, S. 365.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Arbeitsmarktexperimente - Labor market experiments
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Veranstaltung
Verhaltensökonomik / Behavioural Economics
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V119722
ISBN (eBook)
9783640226764
ISBN (Buch)
9783640227938
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitsmarktexperimente, Labor, Verhaltensökonomik, Behavioural, Economics
Arbeit zitieren
Johannes Kreuzer (Autor:in), 2008, Arbeitsmarktexperimente - Labor market experiments, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119722

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