Diese Examenarbeit wurde im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für Lehrämter der Sekundarstufe I verfasst. Die Arbeit hat die typischen Formen und Formungsprozesse der mediterranen Küsten zum Schwerpunkt. Die meisten Formen, die wir an den Küsten des Mittelmeergebietes vorfinden, lassen sich gleichwohl auch außerhalb des mediterranen Küstengebietes antreffen. Beachrocks und Äolianite sind zahlreich an vielen Küsten im Mittelmeer verstreut. Aber auch tsunamigene Ablagerungen sind – vor allem im östlichen Mittelmeergebiet – ein fester Bestandteil der typischen Formen des Mittelmeers und finden somit auch in dieser Arbeit Berücksichtigung.
Verschiedene Akkumulationsformen gehören ebenso zu den Erscheinungen mediterraner Küstenformation. Aber vor allem sind es die biogenen Formationen, geschaffen durch Bioerosion und Biokonstruktion, welche die in ihrer Art wahrscheinlich typischsten Erscheinungsformen im Mittelmeergebiet darstellen. Dies führt uns direkt zum Problem der Zonalität von Küstenformen und Küstenformungsprozessen im Mittelmeergebiet; denn die biogenen Erscheinungen der Mittelmeerküste sind wohl die besten Indikatoren zur Bestimmung der Zonalität im Mittelmeergebiet.
Vorher erfahren wir noch etwas über die Definition des Begriffs Küste, die Lage und Ausdehnung und die Küstenklassifikation.
Außerdem werden wir merken, dass es noch viele Kontroversen in der Küstenmorphologie gibt (vgl. Kapitel 2.4.1.3 und 2.4.1.4). Eine der Ursachen ist sicherlich bedingt durch die Tatsache, dass die Küste der geomorphologischen Aspekte noch immer ein äußerst vernachlässigtes Forschungsgebiet ist (im Vergleich zur Geomorphologie des Festlandes), wenn auch sich in den letzten Jahren positive Veränderungen abgespielt haben. Auch die entsprechende Literatur im deutschsprachigen Raum ist kläglich, wobei auch hier im letzten Jahrzehnt deutliche Verbesserungen stattgefunden haben. Ende der 1980er Jahre lagen die geowissenschaftlichen Publikationen zum Thema „Meere und Küsten“ bei ca. 2,5 %, etwa zehn Jahre später hat sich der prozentuelle Anteil mehr als verdoppelt.
Beim Lesen dieser Arbeit wird auch offensichtlich, dass Vieles von der Akzeptanz neuer (bewiesener) Forschungsergebnisse abhängig ist (vlg. hierzu Kapitel 2.4.1.3) und zugleich, dass sich alte widerlegte Theorien nach wie vor halten und somit womöglich Forschungsergebnisse (zumindest teilweise) verfälschen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Allgemeines: Definition Küsten, Lage und Ausdehnung der Küsten und Küstenklassifikation
2.Typische Formen der Mittelmeerküsten und die daran beteiligten Prozesse
2.1 Ingressionsform überwiegend fluvialer Genese: Die Calanquen der französischen Mittelmeerküste
2.2 Verwitterungsformen: Tafoni und Honeycombs
2.2.1 Entstehung mit Hartrindenbildung
2.2.2 Entstehung durch Salzsprengung
2.3 Tsunamigene Ablagerungen im Mittelmeer
2.3.1 Sedimentologische Spuren: Dislozierte Blöcke, Blockreihen und Blockwälle
2.3.2 Lösungsansätze: Tsunami- oder Sturmwelle?
2.3.3 Vergleich der sedimentologischen Feldbefunde: Karibik und westliches Mittelmeergebiet
2.4 Sekundäre Verfestigungen (Zementation)
2.4.1 Beachrock
2.4.1.1 Definition „Beachrock“
2.4.1.2 Beachrock--Vorkommen
2.4.1.3 Die Genese von Beachrock: „Water table“- Theorie vs.
2.4.1.4 Beachrock als Meeresspiegelindikator?
2.4.2 Äolianite
2.4.2.1 Die quartären Äolianite von Ibiza, Formentera und Nord - Menorca (Balearen)
2.5 Akkumulationsformen durch Brandungseinwirkung
2.5.1 Wellen, Bodenreibung und Brandung
2.5.2 Akkumulationsformen
2.6 Abtragungsform durch mechanische Abrasion: Kliff
2.6.1 Typisierung
2.6.2 Morphodynamik
2.6.3 Inaktivierung der Kliffe
2.7 Biogene Abbau- und Aufbauformen und -vorgänge
2.7.1 Bioerosion
2.7.2 Biokonstruktion
2.8 Anthropogene Eingriffe auf die Küsten
3. Das Problem der Zonalität von Küstenformen und Küstenformungsprozessen im Mittelmeergebiet
3.1 Das Mittelmeergebiet als Küstenzone
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der Analyse der charakteristischen küstenmorphologischen Formen und der zugrunde liegenden Formungsprozesse an den Mittelmeerküsten. Dabei wird untersucht, wie natürliche Prozesse wie Bioerosion, mechanische Abrasion und Akkumulation durch Brandungswirkung das Erscheinungsbild der Küsten prägen und inwieweit diese durch anthropogene Eingriffe oder extreme Ereignisse wie Tsunamis modifiziert werden.
- Typische Küstenformen wie Calanquen, Tafoni, Beachrocks und Äolianite.
- Sedimentologische Nachweise tsunamigener Ereignisse im östlichen Mittelmeer.
- Prozesse der Küsteninaktivierung durch natürliche und menschliche Faktoren.
- Die Bedeutung biogener Küstenformung und Biokonstruktion.
- Die Problematik der Zonalität von Küstenformen und die kritische Einordnung von Küstenzonen.
Auszug aus dem Buch
2.6.2 Morphodynamik
Auch wenn einige Autoren die Angaben über Kliffrückgänge in bestimmten Regionen für übertrieben halten, so sind sie sich in einem einig: Dass eine generelle Aussage über die Geschwindigkeit des Kliffrückgangs nicht möglich ist.
Dies ist darauf zurückzuführen, dass nicht die kontinuierlichen Prozesse für die Rückverlegung eines Kliffs verantwortlich sind. Es sind eher die ruckhaften Ereignisse, die den meisten Kliffs die Formprägung geben. Sturmwellen, Wirbelstürme, Erdbeben, Tsunami sind die wichtigsten morphodynamischen Einflussfaktoren bei Kliffen. Tsunami oder heftige Wirbelstürme können innerhalb von Stunden, ja sogar Minuten Kliffen ein komplett neues Gesicht geben, welches zuvor Jahrtausende geformt und umgeformt wurde.
Ellenberg & Sturm bezeichnen diese episodisch auftretenden Ereignisse als „morphodynamische Superaktivität“.
Die Jahresrate des Rückgangs eines Kliffs wird von mindestens einem Dutzend Faktoren auf komplexe Weise beeinflusst: Gesteinsart der Kliffe, die Qualität und Geschwindigkeit der Bioerosion, terrestrische Abtragungs- und Transportprozesse, Lagerung der Gesteinsschichten, Temperaturschwankungen (Trockenrisse im Material) usw.
Deshalb verwundert es auch nicht, dass es viele Einzelbeschreibungen- und Werte über Kliffe gibt, welche natürlich nicht auf andere Kliffe übertragbar sind, wie man schon aus der Typisierung konstatieren konnte.
Selbstverständlich dürfen wir nicht die anthropogenen Einflüsse außer Acht lassen. Als Beispiel sei hier das Aufstellen von Tetrapoden-Bollwerken am Klifffuß erwähnt, die somit für ein Ausschalten der exogenen Prozesse sorgen und schließlich für eine Inaktivierung der Kliffe oder eine Anlage von Fußwegen am Kliffhang, welche wiederum Sackungen und Rutschungen auslösen kann. All diese Prozesse wirken nicht vereinzelt und isoliert, sondern müssen als ein Prozessgefüge gesehen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Arbeit beschreibt die typischen Formen und Formungsprozesse der mediterranen Küsten unter Berücksichtigung verschiedener Küstenphänomene.
2.Typische Formen der Mittelmeerküsten und die daran beteiligten Prozesse: In diesem Hauptteil werden die geomorphologischen Erscheinungsformen wie Calanquen, Verwitterungsformen, tsunamigene Ablagerungen, sekundäre Verfestigungen, Akkumulations- und Abtragungsformen sowie biogene Prozesse detailliert analysiert.
3. Das Problem der Zonalität von Küstenformen und Küstenformungsprozessen im Mittelmeergebiet: Dieses Kapitel erörtert die wissenschaftliche Problematik der Einordnung von Küsten in zonale oder azonale Systeme und untersucht das Mittelmeergebiet als Küstenzone.
4. Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zu den mediterranen Küstenformen, Prozessen und der Problematik ihrer Zonalität zusammen.
Schlüsselwörter
Küstenmorphologie, Mittelmeer, Beachrock, Äolianite, Bioerosion, Biokonstruktion, Tsunami, Abrasion, Kliff, Zonalität, Küstenprozesse, Sedimentologie, Verwitterung, Nehrung, Küstentypologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der typischen geomorphologischen Formen der Mittelmeerküsten und den zugrunde liegenden Prozessen, die diese Küstenlandschaften formen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen Küstentypen (Calanquen, Kliffe), Verwitterungsprozesse (Tafoni), Sedimentologie (Beachrock, Äolianite), biogene Formung (Bioerosion, Biokonstruktion) sowie die Auswirkungen von Tsunamis und menschlichen Eingriffen auf die Küstendynamik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme der typischen Formen und Prozesse im Mittelmeerraum, um ein besseres Verständnis für die Küstenentwicklung zu gewinnen und die Problematik einer zonalen Klassifikation zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein induktiver Forschungsansatz verfolgt, der auf der Auswertung geomorphologischer Feldbefunde und bestehender Fachliteratur basiert, um allgemeinere Aussagen über Küstenformungsprozesse abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung spezifischer Küstenformen und deren Bildungsbedingungen – von der Entstehung von Kliffen und deren Inaktivierung bis hin zur Rolle biogener Prozesse und tsunamigener Ablagerungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Küstenmorphologie, Mittelmeer, Beachrock, Äolianite, Bioerosion, Biokonstruktion, Tsunami und Abrasion.
Was ist das Besondere an der Entstehung von Beachrock laut dieser Arbeit?
Die Arbeit hinterfragt die klassische „Water table“-Theorie und favorisiert stattdessen die supralitorale Verfestigungs-Theorie, bei der Evaporation und Salzwassersprays oberhalb der Hochwasserlinie eine entscheidende Rolle spielen.
Wie beeinflusst der Mensch die Küsteninaktivierung?
Der Mensch greift aktiv in das Prozessgefüge ein, beispielsweise durch den Bau von Schutzmauern, Tetrapoden oder Deichen, um den natürlichen Kliffrückgang zu verlangsamen, was jedoch die marine Morphodynamik an diesen Stellen unterbindet.
- Quote paper
- Slaven Bumba (Author), 2006, Die Küsten des Mittelmeers - Typische Formen und Formungsprozesse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119747