Das Buch Jesus Sirach war vom 12. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ausschließlich in griechischer, lateinischer und einer syrischen Übersetzung, der Peschitta bekannt. Bis heute stellt die griechische Übersetzung des Enkels des Jesus Sirach, die ca. 132-117 v.Chr. angefertigt worden ist, die Grundlage für viele Übersetzungen.1 Die Datierung und Verortung der hebräischen Textvorlage dieser Übersetzung ist durch Angaben im Text ungefähr auf das Jahr 190 v. Chr. in Jerusalem möglich.2
Die Textüberlieferung des Buches ist kompliziert und bis heute nicht restlos geklärt. Bei der Entdeckung einer großen Zahl von Schriftrollen in der Geniza der Esrasynagoge der Karäer in Altkairo im Jahr 1896 wurden große Teile einer hebräischen Textfassung gefunden, kleinere Textausschnitte fanden sich auch in Qumran. 1964 schließlich tauchten bei Ausgrabungen in Masada weitere Teile auf, so dass heute 68% einer hebräischen Textfassung vorhanden sind. Die Annahme, es handle sich bei dem bis heute bekannten hebräischen Fragment um den Urtext, wird in der Forschung konträr diskutiert. Insbesondere die späte Datierung der hebräischen Abschriften ins 10. und 11. Jahrhundert lassen zweifeln. Darüber, welcher Textfassung bei Übersetzungen künftig der Vorrang gilt, einer hebräischgriechischen Mischlösung oder der bezeugten Tradition der alten Übersetzungen, herrscht noch kein Konsens.
Inhaltsverzeichnis
1. Zur Textgeschichte und Textüberlieferung des Buches Jesus Sirach
2. Innerer Aufbau und Entstehung
3. Zur Person des Ben Sira und seinem historischen Kontext
4. Die literarischen Gattungen in Jesus Sirach
4.1. Der Hymnus
4.2. Der Verschiedenen Spruchformen
4.3. Der besondere Hymnus in Kap. 24
4.4. Der Weisheitsliteratur fremde Gattungen:
• Prophetische Heilsverheißung
• Allegorische Liebesgeschichte
• Trinklied
• Totenklage
• Bauernlied
5. Das theologische Anliegen Jesus Sirachs zwischen Judentum und Hellenismus.
6. Zur Wirkungsgeschichte des Buches Jesus Sirach
7. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Buch Jesus Sirach und untersucht dessen Aufbau, Entstehungsgeschichte sowie die literarischen Gattungen des Werks. Ein zentrales Ziel ist es, das theologische Anliegen Ben Siras im Spannungsfeld zwischen traditionellem Judentum und den Einflüssen des Hellenismus zu analysieren und die Wirkungsgeschichte des Buches nachzuzeichnen.
- Historische Einordnung und Textüberlieferung von Jesus Sirach
- Struktur und Komposition des Werks
- Literarische Vielfalt: Vom weisheitlichen Spruch bis zur Aretalogie
- Theologische Synthese: Weisheit, Gesetz und Gottesfurcht
- Wirkungsgeschichte im Judentum und Christentum
Auszug aus dem Buch
4. Die literarischen Gattungen in Jesus Sirach
Andere Bücher der Weisheitsliteratur, wie Hiob oder das Buch der Sprüche, zeigen entweder eine mehr oder minder zusammenhängende Handlung oder eine zusammenhangslose Spruchsammlung. Jesus Sirach dagegen zeichnet sich durch eine zusammenkomponierte Ordnung von prinzipiell isolierbaren Perikopen aus. Diese Perikopen stellen dabei für sich betrachtet Beispiele der verschiedensten literarischen Gattungen dar, die in dieser Vielfalt in keinem anderen Weisheitsbuch zu finden ist. Dennoch steht Jesus Sirach ungebrochen in alttestamentlicher Tradition. Zwei drittel der von ihm gewählten literarischen Formen begegnen bereits in der älteren israelitischen Weisheit. Genannt seinen hier der weisheitliche Einzelspruch, der kurze Mahnspruch, Zahlensprüche, Vergleiche, Segenssprüche Rätselfragen, aber auch Hymnen, Lehrgedichte. Über diese „klassischen“ literarischen Gattungen hinaus lässt er aber auch fremde Formen einfließen. Es finden sich prophetische Heilsverheißungen, die Totenklage und einen Hymnus der stark an ägyptische Isis-Aretalogien erinnert. Erwähnt werden weiterhin ein Bauernlied und ein Trinklied. Diese fremden Gattungen machen nach W. Baumgartner immerhin mehr als ein Viertel des Buches aus. Einzelne Beispiele für diese Gattungen sollen hier genauer betrachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zur Textgeschichte und Textüberlieferung des Buches Jesus Sirach: Dieses Kapitel beleuchtet die schwierige Überlieferungslage des hebräischen Urtextes und die Bedeutung der griechischen Übersetzungen.
2. Innerer Aufbau und Entstehung: Hier wird die Gliederung in 51 Kapitel analysiert und die Entstehung des Werks als Komposition verschiedener Perikopen diskutiert.
3. Zur Person des Ben Sira und seinem historischen Kontext: Der Autor wird als weiser Gelehrter in das Jerusalem des frühen 2. Jahrhunderts v. Chr. vor dem Hintergrund hellenistischer Einflüsse eingeordnet.
4. Die literarischen Gattungen in Jesus Sirach: Dieses Kapitel arbeitet die Vielfalt der Gattungen heraus, von traditionellen Sprüchen bis hin zu hellenistisch geprägten Hymnen und Aretalogien.
5. Das theologische Anliegen Jesus Sirachs zwischen Judentum und Hellenismus.: Die Untersuchung konzentriert sich auf die Synthese von Weisheit, Gesetz und Gottesfurcht im kritischen Dialog mit der Umwelt.
6. Zur Wirkungsgeschichte des Buches Jesus Sirach: Das Kapitel zeichnet die Rezeption des Buches von der Antike bis in die Neuzeit und seine unterschiedliche Kanonizität nach.
7. Zusammenfassung: Abschließend werden die zentralen Thesen zur Sonderstellung des Werks als systematischer Synthese jüdischen Glaubens zusammengeführt.
Schlüsselwörter
Jesus Sirach, Ben Sira, Weisheitsliteratur, Hellenismus, Textüberlieferung, Aretalogie, Weisheit, Gesetz, Gottesfurcht, Wirkungsgeschichte, Judentum, Prophetie, Gattungen, Theologie, Kanon.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Buch Jesus Sirach (Sirach) hinsichtlich seiner literarischen Struktur, seiner theologischen Aussagen und seiner historischen Verortung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Entstehung des Buches, die literarischen Gattungen, der Einfluss des Hellenismus auf das jüdische Denken sowie die spätere Aufnahme des Buches in die biblischen Kanones.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Ben Sira eine systematische Synthese zwischen traditioneller jüdischer Weisheit und den Einflüssen seiner hellenistischen Umwelt erreicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und religionswissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung von Kommentaren und Forschungsliteratur zur alttestamentlichen Weisheitsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des inneren Aufbaus, die Bestimmung der literarischen Gattungen (einschließlich der Aretalogien), die theologische Einordnung sowie eine Skizze der Wirkungsgeschichte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ben Sira, Weisheitsliteratur, Hellenismus, Gesetz, Gottesfurcht, Hymnus und Wirkungsgeschichte.
In welchem Verhältnis steht die Weisheit bei Ben Sira zum Gesetz?
Ben Sira vollzieht eine In-Eins-Setzung von Weisheit und Tora (Gesetz). Die Weisheit wird als das besondere Geschenk Gottes an Israel begriffen, das im Gesetz des Mose gegenwärtig ist.
Wie bewertet die Arbeit den Einfluss der Isis-Aretalogien?
Die Arbeit stellt fest, dass Ben Sira die hellenistische Form der Aretalogie für sein Selbstlob der Weisheit in Kapitel 24 verarbeitet hat, wobei er diese Form jedoch in einen spezifisch jüdischen Kontext integriert.
- Quote paper
- Joachim Pautz (Author), 2003, Über das Buch Jesus Sirach, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11974