„Sic Parvis Magna“ – vom Kleinen zum Großen. Das war das Motto auf dem Wappen desjenigen Kapitäns, dessen Ruhm wie der keines zweiten aus der Schar bekannter und z.T. auch berüchtigter englischer Seefahrer hervorragt. Dieses Motto beschreibt seinen Lebensweg nur zu treffend, der in einfachen Verhältnissen begann und im Laufe seines Lebens die höchsten gesellschaftlichen Kreise erreichte. Das Wappen ziert eine Abbildung des Nord- und des Südsterns, in Erinnerung an seine Weltumseglung die weit nach Süden und Norden führte. Die Spanier fürchteten (und bewunderten) seinen Mut, der bisweilen schierer Übermut war, und seine Unberechenbarkeit. Sie nannten ihn „El Dragon“, der Drache. Mehr noch als dem spanischen Volk und seinen Seefahrern aber war er dem spanischen König Philipp II. verhasst, der einmal eine Belohnung von 20.000 Dukaten auf seinen Kopf ausgesetzt hat. Das war mehr Gold, als damals das Lösegeld für manche Städte betrug. Dass ihm von seinem vermutlich erbittertsten, sicherlich aber mächtigsten Feind ein so hoher Wert beigemessen wurde (wenn auch nur finanziell), ist eine ehrlichere Anerkennung für seine Leistungen, als Lob, Orden oder Privilegien hätten ausdrücken können. Welche Leistungen das waren, ob und wie sie von seiner Nation und seiner Königin gewürdigt wurden und welche Bedeutung sie nicht zuletzt in der damals von Spanien dominierten innereuropäischen Politik hatten, soll sich im Laufe der Arbeit herausstellen.
In der Tat war die spanische Politik im Laufe des 16. Jahrhunderts offensiver, als die der anderen europäischen Mächte. Der Hauptgrund hierfür ist in den Edelmetalleinfuhren aus der neuen Welt, Westindien, zu finden. Seit Cortés und seine militärischen und ideologischen „Erben“ das Azteken- und Inkareich von 1519 an erobert hatten, wuchs die Macht Spaniens gewaltig, denn Geld ist mehr als alles andere ein Werkzeug, das zu Einfluss verhilft. Allein bis 1600 belief sich die Menge des erbeuteten Goldes aus Südamerika auf 340.000 kg, über ein Drittel der Goldgewinnung in der damaligen Welt im gleichen Zeitraum. […]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.1. Herkunft, Jugend und Lehrjahre von Francis Drake
2.2. Die Reisen und Kaperfahrten nach Westindien bis 1580
3.1. Sein Verhältnis zu Elisabeth I.
3.2. Die Speerspitze der Marine
4. Schlussbetrachtung: Das Erbe eines Nationalhelden
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den sozialen und militärischen Aufstieg von Sir Francis Drake im Kontext der frühneuzeitlichen englischen Geschichte und der machtpolitischen Auseinandersetzungen mit Spanien. Es wird analysiert, wie Drake durch seefahrerisches Talent und Improvisationsfähigkeit trotz seiner bescheidenen Herkunft zu einer Schlüsselfigur für die englische Marine und einem Instrument königlicher Interessen wurde.
- Die gesellschaftliche Stellung und Herkunft von Francis Drake
- Die Rolle des Sklavenhandels und der englischen Expansion in Westindien
- Die komplexe politische Beziehung zwischen Francis Drake und Königin Elisabeth I.
- Der Wandel Drakes vom Freibeuter zum offiziellen Marinebefehlshaber
- Die Bedeutung Drakes für den Aufstieg Englands zur Seemacht
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Sic Parvis Magna“ – vom Kleinen zum Großen. Das war das Motto auf dem Wappen desjenigen Kapitäns, dessen Ruhm wie der keines zweiten aus der Schar bekannter und z.T. auch berüchtigter englischer Seefahrer hervorragt. Dieses Motto beschreibt seinen Lebensweg nur zu treffend, der in einfachen Verhältnissen begann und im Laufe seines Lebens die höchsten gesellschaftlichen Kreise erreichte. Das Wappen ziert eine Abbildung des Nord- und des Südsterns, in Erinnerung an seine Weltumseglung die weit nach Süden und Norden führte.1 Die Spanier fürchteten (und bewunderten) seinen Mut, der bisweilen schierer Übermut war, und seine Unberechenbarkeit. Sie nannten ihn „El Dragon“, der Drache. Mehr noch als dem spanischen Volk und seinen Seefahrern aber war er dem spanischen König Philipp II. verhasst, der einmal eine Belohnung von 20.000 Dukaten auf seinen Kopf ausgesetzt hat.2 Das war mehr Gold, als damals das Lösegeld für manche Städte betrug. Dass ihm von seinem vermutlich erbittertsten, sicherlich aber mächtigsten Feind ein so hoher Wert beigemessen wurde (wenn auch nur finanziell), ist eine ehrlichere Anerkennung für seine Leistungen, als Lob, Orden oder Privilegien hätten ausdrücken können. Welche Leistungen das waren, ob und wie sie von seiner Nation und seiner Königin gewürdigt wurden und welche Bedeutung sie nicht zuletzt in der damals von Spanien dominierten innereuropäischen Politik hatten, soll sich im Laufe der Arbeit herausstellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Leben und Wirken von Sir Francis Drake ein und skizziert den historischen Rahmen der spanisch-englischen Rivalität im 16. Jahrhundert.
2.1. Herkunft, Jugend und Lehrjahre von Francis Drake: Hier wird die Herkunft Drakes aus einfachen Verhältnissen und seine frühkindliche Prägung durch das Leben auf einem Schiff sowie seine religiöse Sozialisation als Protestant beschrieben.
2.2. Die Reisen und Kaperfahrten nach Westindien bis 1580: Das Kapitel behandelt Drakes Einstieg in den Sklavenhandel, seine frühen Expeditionen unter John Hawkins und die Vorbereitungen zu seiner Weltumseglung.
3.1. Sein Verhältnis zu Elisabeth I.: Hier wird das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Drake und der Königin sowie die politische Instrumentalisierung seiner Taten im Kontext der englischen Außenpolitik analysiert.
3.2. Die Speerspitze der Marine: Dieses Kapitel dokumentiert Drakes Aufstieg zum offiziellen Marinebefehlshaber, seinen Einsatz gegen die Armada und seine letzte, gescheiterte Expedition nach Westindien.
4. Schlussbetrachtung: Das Erbe eines Nationalhelden: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über Drakes historische Bedeutung als Pionier, der den Grundstein für Englands Aufstieg zur Seefahrernation legte.
Schlüsselwörter
Sir Francis Drake, Elisabeth I., Spanische Armada, Freibeuter, Weltumseglung, Kolonialismus, Neu-Spanien, Philipp II., England, Westindien, Marine, John Hawkins, Reformation, Seefahrt, Handelsprivilegien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem sozialen und militärischen Aufstieg von Sir Francis Drake und analysiert dessen Rolle im Spannungsfeld der englisch-spanischen Konflikte des 16. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die frühneuzeitliche englische Gesellschaft, die wirtschaftlichen Interessen in der „Neuen Welt“, die Rolle des Piratentums als politisches Werkzeug und die militärische Evolution der englischen Marine.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie es Drake gelang, trotz seiner Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen eine derart prominente und einflussreiche Position zu erreichen und welche Bedeutung seine Taten für den späteren Aufstieg Englands zur Weltmacht hatten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse, die primär auf zeitgenössischen Berichten, Biografien und historischen Sekundärquellen zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Englands aufbaut.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die biografischen Grundlagen, die Analyse seiner Kaperfahrten, das Machtverhältnis zwischen Drake und Königin Elisabeth I. sowie den Wandel Drakes vom eigenmächtigen Freibeuter zum professionellen Vizeadmiral.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren den Inhalt?
Die wichtigsten Begriffe umfassen den Aufstieg des Bürgertums zur See, den Konflikt zwischen Protestantismus und Katholizismus, das spanische Handelsmonopol sowie die Rolle Drakes als „Nationalheld“.
Welche Rolle spielte der Sklavenhandel in Drakes früher Karriere?
Der Sklavenhandel diente als Einstieg in die Navigation und das Geschäft in der Neuen Welt, wobei Drake unter John Hawkins operierte, bevor er seine eigenen Expeditionen startete.
Wie bewertet der Autor den Erfolg von Drakes letzter Reise?
Der Autor ordnet die letzte Reise als Scheitern ein, bedingt durch unzureichende Planung, Konflikte in der Führung zwischen Drake und Hawkins sowie eine verbesserte Verteidigungsstrategie der Spanier.
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- Toralf Schrader (Author), 2005, Der soziale und militärische Aufstieg von Sir Francis Drake, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119811