Die aserbaidschanischen Volksmärchen entstanden im 6.-7. Jahrhundert v.Chr. In diesen Volksmärchen kann man auf der einen Seite den Einfluss der Kultur des mittelalterlichen Orients sehen, auf der anderen Seite die griechisch-hellenischen, kaukasisch-albanischen Einflüsse bemerken. Auch die Transformation der altindischen und arabischen Folkloremotive kann darin erkannt werden.
Jahrhunderte lang von Generation zu Generation übertragenen Märchen haben einen großen Wert in der Kultur Aserbaidschans, das als eines der ältesten Kulturzentren der Welt gilt. Diese Märchen drücken Weisheit, Gastfreundschaft, Toleranz, Alltag und ganz verschiedene Sitten und Gebräuche des aserbaidschanischen Märchens aus. Es ist kein Zufall, dass die aserbaidschanischen Forscher, wie Mehemmed Hüseyn Tahmasib glauben, bei einigen erst in jüngster Zeit aufgezeichneten Märchenstoffen selbst medische Charakteristika nachweisen zu können.
Den über Jahrhunderte von Generation zu Generation überlieferten aserbaidschanischen Volksmärchen kommt eine wichtige erzieherische Bedeutung zu. Sie haben außerdem einen großen Stellenwert in der Kultur Aserbaidschans. Diese Volkserzählungen geben Kunde von der aserbaidschanischen Vorstellungswelt, vom Glauben an den Sieg des Guten und der Hoffnung auf eine ausgleichende Gerechtigkeit.
Gliederung
1. Aserbaidschanisches Märchen
2. Erste Sammlungen
3. Märchentypen
3.1 Tiermärchen
3.2 Zaubermärchen
3.3 Schwank- und Sozialmärchen
4. Übersetzungen ins Deutsche
5. „Die Geschichte von Yusif“
5.1 Die Merkmale des Märchens „Die Geschichte von Yusif“
5.1.1 Inhaltliche Merkmale
5.1.2 Stilisische Merkmale
6. Die Sage „Der blinde Junge“
6.1 Merkmale von der Sage „Der blinde Junge“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die charakteristischen Merkmale aserbaidschanischer Märchen und Sagen anhand ausgewählter Beispiele zu analysieren und deren kulturelle Bedeutung sowie strukturelle Eigenheiten im Kontext der Volksliteratur aufzuzeigen.
- Historische Ursprünge und Einflüsse auf die aserbaidschanische Märchenkultur.
- Klassifizierung der aserbaidschanischen Märchen nach Typologien (Tier-, Zauber-, Schwank- und Sozialmärchen).
- Analyse inhaltlicher und stilistischer Merkmale am Beispiel der Erzählung "Die Geschichte von Yusif".
- Untersuchung der narrativen Struktur und Symbolik in der Sage "Der blinde Junge".
- Übersetzungsgeschichte und Verbreitung aserbaidschanischer Märchen im deutschen Sprachraum.
Auszug aus dem Buch
3.1 Tiermärchen
Die Zahl der Tiermärchen ist in der aserbaidschanischen Folklore relativ gering. In Tiermärchen können gleichzeitig allegorische und symbolische Fabeln beobachtet werden. Nach den handelnden Personen gliedern sie sich in zwei Gruppen:
• Märchen, in denen die handelnden Personen Tiere sind
• Märchen, in denen Menschen und Tiere gleichzeitig vorkommen
Diese Märchen sind kurz, belehrend und scharfsinnig. Die Tiere sind mit menschlichen Eigenschaften ausgestattet und deren Beziehungen zueinander nach dem Vorbild der Menschenwelt eingerichtet. In den Tiermärchen ist die soziale Situation in allegorischer Form zum Ausdruck gebracht, schwache Tiere stehen den Stärkeren gegenüber. Damit spiegeln diese Märchen Gegensätze zwischen dem einfachen Volk und den Herrschenden wieder. Hierbei kann das Märchen satirische Züge annehmen. Für diese Gruppe kann man unter den aserbaidschanischen Märchen „Der alte Löwe“ (Qoca aslan), und „Der schlaue Fuchs“ (Hiyləgər tülkü) nennen. Die aserbaidschanischen Volksmärchen bezwecken, eine moralische Lehre zu erteilen. Die häufigsten Tiere in den aserbaidschanischen Volksmärchen sind schlaue Füchse, dumme Bären, böse Wölfe, Schlangen und Hähne. Am meisten verbreitet ist die Figur des schlauen Fuchses.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Aserbaidschanisches Märchen: Beschreibt die historischen Entstehungsursprünge der Volksmärchen ab dem 6.-7. Jahrhundert v.Chr. und deren Bedeutung für die aserbaidschanische Kultur.
2. Erste Sammlungen: Gibt einen Überblick über die Anfänge der schriftlichen Fixierung aserbaidschanischer Märchen im 20. Jahrhundert durch Forscher wie Himmet Alisade und Mehemmed Hüseyn Tahmasib.
3. Märchentypen: Definiert die Unterteilung in Tier-, Zauber- sowie Schwank- und Sozialmärchen als primäre Klassifikationsgrundlage.
4. Übersetzungen ins Deutsche: Dokumentiert die Rezeption und Publikationsgeschichte aserbaidschanischer Märchen in deutscher Sprache seit 1951.
5. „Die Geschichte von Yusif“: Analysiert dieses spezifische Märchen hinsichtlich seiner inhaltlichen und stilistischen Besonderheiten, wie etwa der Symbolik und Figurenkonstellation.
6. Die Sage „Der blinde Junge“: Untersucht die realistische Darstellungsweise und den tieferen ethischen bzw. religiösen Gehalt dieser Sage.
Schlüsselwörter
Aserbaidschan, Volksmärchen, Sage, Zaubermärchen, Tiermärchen, Folklore, Erzählstruktur, Metaphorik, Kulturgeschichte, Symbolik, Identität, Übersetzung, Orient, Heldenerzählung, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse aserbaidschanischer Märchen und Sagen, wobei sowohl deren historischer Hintergrund als auch ihre strukturellen und inhaltlichen Merkmale untersucht werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Klassifizierung von Märchen-Genres, die Analyse typischer Erzählformeln und Motive sowie die Untersuchung der kulturellen Identität, die in den Geschichten zum Ausdruck kommt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, dem Leser einen wissenschaftlichen Einblick in die Struktur und die charakteristischen Motive der aserbaidschanischen Volksliteratur zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Literaturarbeit, die auf Basis von Märchensammlungen und theoretischer Märchenforschung (z.B. nach Lüthi) durchgeführt wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Einführung in die Typologie, eine Übersicht über die Übersetzungsgeschichte sowie eine detaillierte Fallanalyse zu zwei ausgewählten Textbeispielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Aserbaidschan, Volksmärchen, Symbolik, kulturelle Identität und die genrespezifische Unterteilung in Zauber-, Tier- und Sozialmärchen.
Welche Rolle spielt der "Zauberer" in der "Geschichte von Yusif"?
Der Zauberer fungiert als zentraler Gegenspieler, der die Hindernisse für den Helden erschafft und durch den Kampf gegen ihn den Reifungsprozess und den Erfolg des Helden Yusif einleitet.
Wie unterscheiden sich die Märchen von der Sage „Der blinde Junge“ in der Darstellung?
Während Märchen oft losgelöst von konkreten historischen Bezügen agieren, weist die Sage „Der blinde Junge“ eine realistischere Darstellung menschlicher Charaktere auf und ist stärker an einen spezifischen Ort und eine moralisch-religiöse Belehrung gebunden.
Warum ist die Zahl „Vierzig“ im aserbaidschanischen Kontext von Bedeutung?
Die Zahl „vierzig“ gilt als heilige Zahl, die eng mit der islamischen Tradition verbunden ist und in den untersuchten Texten häufig für Zeitangaben oder die Charakterisierung von Hindernissen verwendet wird.
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- Nubar Karimova-Lange (Author), 2008, Die "Geschichte von Yusif" und "Der blinde Junge". Aserbaidschanische Märchen und Sagen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119830