Der heutige Deutschunterricht, insbesondere die Aneignung von Literatur, kann nicht mehr, wird den Forderungen vieler Didaktiker und Pädagogen nachgegangen, ein rein frontaler und fragend-analytischer Unterricht sein, sondern muss sich innovativen Unterrichtsverfahren öffnen, um die Lesemotivation der Schüler als wichtigste Voraussetzung für Textverständnis zu schaffen. Gerade der Umgang mit Literatur bietet viele Möglichkeiten einer schülerorientierten, motivierenden und interessenorientierten Auseinandersetzung mit literarischen Texten. Es müssen den Schülern vielfältige individuelle Aneignungszugänge ermöglicht werden, um den in der PISA-Studie1 gezeigten alarmierend-schlechten Lesekompetenz-Ergebnissen deutscher 15-jähriger Schüler2 entgegenwirken zu können. Besonders im elementaren Bereich der Lesekompetenz gilt es, Förderungsansätze einzubeziehen, die die Schüler mehr in den Unterricht einbinden, sie freudvoller, motivierter und individueller daran teilhaben lassen und diesen abwechslungsreicher gestalten. Folglich liegt der Schwerpunkt auf der Unterrichtsgestaltung. Da in allen Schulfächern, speziell aber im Fach Deutsch und dessen Literaturunterricht, ein Großteil der Wissensvermittlung über Texte erfolgt und auch die Bedeutung lebenslangen Lernens auf der Basis schriftlichen Materials zunimmt, ist die Lesekompetenz als Kernziel der schulischen Ausbildung zu verstehen.3Vor diesem Hintergrund wird auch deutlich, dass die Entwicklung der Lesekompetenz nicht mit der Grundschule abgeschlossen sein kann, sondern auch in der Sekundarstufe I besonders gefördert werden muss. In der vorliegenden Arbeit wird nach einer theoretischen Einleitung zur Begriffserläuterung von handlungs- und produktionsorientiertem Literaturunterricht ein Unterrichtskonzept zu dieser Form von Literaturunterricht dargelegt, die einer Bearbeitung und vielfältigen Erschließung des Jugendromans „Ich knall euch ab!“ von Morton Rhue in der Sekundarstufe I dienen. Im direkten Anschluss werden die einzelnen Unterrichtsbeispiele betrachtet und bewertet, um schließlich eine Gesamtauswertung vorzunehmen. Diese enthält auch relevante Folgerungen für die Unterrichtspraxis.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Didaktik des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts
2.1 Was ist handlungs- und produktionsorientierter Unterricht?
2.2 Abgrenzung der Begriffe „handlungsorientiert“ und „produktionsorientiert“
2.3 Begründung des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts und Abgrenzung zum rein analytischen Literaturunterricht
2.4 Von den historischen Vorläufern bis zur Gegenwart
2.5 Szenische Orientierung im handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht
2.6 Ziele des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts
2.7 Methoden der handlungs- und produktionsorientierten Literaturdidaktik
2.8 Motivations- und Lesekompetenzförderung durch handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht
3. Vorstellung des Jugendromans „Ich knall euch ab!“
3.1 Zeitgeschichtlicher Hintergrund
3.2 Inhalt
3.3 Begründung der Themenwahl
3.4 Begründung der Romanauswahl
3.5 Handlungs- und produktionsorientierte Erschließung des Romans
3.6 Lernvoraussetzungen
4. Unterrichtsbeispiele
4.1 Aufbau der Unterrichtsbeispiele
4.2 Ziele der Unterrichtsbeispiele
4.3 Unterrichtsbeispiel zur Vorgeschichte
4.3.1 Einen Brief zu Ende schreiben
4.4 Unterrichtsbeispiel für das siebte Schuljahr
4.4.1 Szenische Darstellung
4.5 Unterrichtsbeispiele für das achte Schuljahr
4.5.1 Verfassen eines inneren Monologs
4.5.2 Szenische Darstellung
4.6 Unterrichtsbeispiel für das neunte Schuljahr
4.6.1 Verfassen einer E-Mail
4.7 Unterrichtsbeispiel für das zehnte Schuljahr
4.7.1 Akustische Gestaltung eines Hörspiels
4.8 Auswertung der Unterrichtsbeispiele
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, durch die Entwicklung und Bewertung handlungs- und produktionsorientierter Unterrichtsbeispiele für den Jugendroman „Ich knall euch ab!“ von Morton Rhue aufzuzeigen, wie diese didaktischen Verfahren die Lesemotivation und Lesekompetenz von Schülern in der Sekundarstufe I effektiv fördern können.
- Theoretische Grundlagen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts.
- Analyse des Jugendromans „Ich knall euch ab!“ im Hinblick auf seine Eignung für schülerorientierte Erschließungsformen.
- Erstellung konkreter, unterrichtspraktischer Anwendungsbeispiele für die Klassenstufen 8 bis 10.
- Förderung von Empathie, Imagination und Perspektivenwechsel durch textproduktive und szenische Methoden.
- Bewertung der Ergebnisse hinsichtlich der Anforderungen des Rahmenlehrplans.
Auszug aus dem Buch
2.1 Was ist handlungs- und produktionsorientierter Unterricht?
Der handlungs- und produktionsorientierte Unterricht will nicht als Methode oder Unterrichtskonzept für kognitiv weniger begabte Schüler verstanden werden. Vielmehr ist seine Aufgabe die Erziehung zum kritischen Denken und Handeln. In einem handlungs- und produktionsorientierten Unterricht lernen die Schüler nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit den Händen und Füßen, dem Herzen und allen Sinnen. Es handelt sich folglich um einen ganzheitlichen und schüleraktiven Unterricht, der den Schülern einen handelnden und produktiven Umgang mit Unterrichtsinhalten ermöglichen soll. Drei der führenden Didaktiker des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts, Haas, Menzel und Spinner, betonen, dass es keinen einheitlichen Ansatz dieser Literaturdidaktik gibt. Dennoch wird durch die sich überschneidenden Zielsetzungen, die im Abschnitt 2.5 noch genannt werden, eine Bedeutungskonstellation für diese Arbeit definiert:
Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht bezeichnet einen Unterricht, der die Schüler über die kognitive Ebene hinaus auch auf affektiver und kreativer Ebene eigentätig werden lässt, um so eine motivierte ganzheitliche Textannäherung, die individuelle Textaneignung der Schüler und hierüber ein tieferes Textverständnis zu fördern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Notwendigkeit, den Deutschunterricht durch innovative, schülerorientierte Methoden zu öffnen, um der PISA-Problematik der mangelnden Lesemotivation bei Jugendlichen entgegenzuwirken.
2. Didaktik des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen, definiert die zentralen Begriffe und Konzepte der Literaturdidaktik und begründet die Bedeutung von Szenik und aktiv-produktivem Handeln.
3. Vorstellung des Jugendromans „Ich knall euch ab!“: Hier wird der gewählte Roman von Morton Rhue in seinen zeitgeschichtlichen Kontext gesetzt und die Entscheidung begründet, warum er sich besonders für eine handlungs- und produktionsorientierte Erschließung eignet.
4. Unterrichtsbeispiele: Dieser umfangreiche Anwendungsteil präsentiert konkrete Unterrichtskonzepte für verschiedene Jahrgangsstufen, die von der Vorgeschichte bis hin zum Attentat reichen und evaluiert deren didaktischen Nutzen.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass handlungs- und produktionsorientierte Verfahren einen wesentlichen Beitrag zur Leseförderung leisten können, indem sie Theorie und Praxis integrativ verbinden.
Schlüsselwörter
Literaturunterricht, Handlungs- und Produktionsorientierung, Lesekompetenz, Lesemotivation, Morton Rhue, Ich knall euch ab!, Szenisches Interpretieren, Schreibkompetenz, Sekundarstufe I, Literaturdidaktik, Schülerorientierung, Textverstehen, Perspektivenwechsel, Empathie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie handlungs- und produktionsorientierte Unterrichtsmethoden die Lesekompetenz und Motivation von Schülern in der Sekundarstufe I verbessern können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Didaktik des Literaturunterrichts, die Förderung von Leselust sowie die konkrete Anwendung von Methoden wie szenischem Spiel oder textproduktivem Schreiben an einem Jugendroman.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, praxisnahe Unterrichtsbeispiele zu entwickeln, die Schülern einen motivierenden und ganzheitlichen Zugang zum literarischen Werk „Ich knall euch ab!“ ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch literaturdidaktische Fachliteratur und überträgt diese Konzepte in konkrete, evaluierte Unterrichtsmodelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben der theoretischen Einbettung konkrete Unterrichtsmodule für die Klassenstufen 8-10 konzipiert, durchgeführt und hinsichtlich ihrer Lernziele bewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lesekompetenz, Handlungs- und Produktionsorientierung, Empathie, Literaturdidaktik und Schülerorientierung geprägt.
Warum wurde gerade Morton Rhues Roman „Ich knall euch ab!“ gewählt?
Der Roman eignet sich aufgrund seiner Thematik (Schulgewalt) besonders gut, um Schüler affektiv anzusprechen und sie durch die komplexe Erzählstruktur zur eigenständigen Rekonstruktion der Handlung zu bewegen.
Inwiefern hilft die szenische Darstellung bei der Interpretation?
Szenisches Interpretieren fördert die Empathie, da Schüler durch das Einnehmen von Rollen und die Gestaltung von Interaktionen die Motivation und Beweggründe der literarischen Figuren besser nachempfinden können.
- Quote paper
- Taraneh Tehrani (Author), 2008, Unterrichtsentwurf für den Jugendroman "Ich knall Euch ab!" von Morthon Rhue in der Sekundarstufe I, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119833