Die zentrale Fragestellung, ob eine Öko-Zertifizierung der Shrimpzucht in Aceh einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung leisten kann, wird in drei Schritten bearbeitet. Die Arbeit gliedert sich dementsprechend in drei Teile:
In einem ersten theoretischen Teil (Kapitel 2 und Kapitel 3) wird anhand einer Analyse der Fachliteratur das Konzept der nachhaltigen Entwicklung als entwicklungstheoretisches Leitbild untersucht. In Kapitel 2 erfolgt zunächst eine Einordnung des Leitbilds in den entwicklungstheoretischen Hintergrund und eine Erörterung seiner Entstehungsgeschichte aus entwicklungstheoretischer Sicht. Im Anschluss daran beschreibt Kapitel 3 die historische Genese des Begriffs und analysiert die aktuelle wissenschaftliche Diskussion. Dabei werden vor allem die zentralen Prämissen, über welche im wissenschaftlichen Diskurs mittlerweile weitestgehend Einigkeit herrscht, ebenso wie zentrale Kontroversen identifiziert. Darauf aufbauend erfolgt, in Anlehnung an das integrative Nachhaltigkeitskonzept der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren (HGF), eine Benennung genereller Zielvorstellungen und ihnen zugeordneter Regeln. Anhand dieser Regeln ist es möglich, in den folgenden Kapiteln Nachhaltigkeitsuntersuchungen durchzuführen.
Kapitel 4 stellt den zweiten Teil der Arbeit dar. Es werden die Entwicklungen und der aktuelle Status des Shrimpzuchtsektors in der indonesischen Provinz Aceh untersucht. Anhand von Studien und Erhebungen internationaler Organisationen werden zunächst die Entwicklungen der Fischerei und der Aquakultur auf globaler Ebene analysiert, bevor eine detaillierte Betrachtung des lokalen Shrimpzuchtsektors in Aceh erfolgt. Für die Analyse der Situation in Aceh werden zusätzlich zur Literatur eigene Beobachtungen und nichtrepräsentative Befragungen herangezogen, die im Rahmen zweier Aufenthalte in Aceh von Januar bis Februar 2006 und von September bis Dezember 2006 durchgeführt wurden. Hierauf aufbauend werden dann Nachhaltigkeitsdefizite der Shrimpzucht in Aceh identifiziert.
Im dritten Teil dieser Arbeit wird das Konzept der ökologischen Shrimpzucht untersucht. Zunächst erfolgt eine Beschreibung der Entwicklungen des ökologischen Landbaus im Allgemeinen und der ökologischen Shrimpzucht im Speziellen. Anschließend werden die Richtlinien zur ökologischen Shrimpzucht und zwei Praxisbeispiele aus Ecuador und Indonesien untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Begriffsbestimmungen
1.3 Aufbau und Methodik
1.4 Aktueller Forschungsstand
2 Entwicklungstheoretischer Kontext
2.1 Entwicklungstheoretische Positionen
2.2 Krise der großen Theorien
2.3 Entwicklungstheoretische Alternativen
3 Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung
3.1 Ideengeschichte
3.1.1 Frühe Querdenker
3.1.2 Umdenken - Die Debatte der 60er und 70er Jahre
3.1.3 Der Brundtland-Bericht
3.1.4 Die UNCED-Konferenz und der Rio-Folgeprozess
3.2 Nachhaltigkeit in der wissenschaftlichen Diskussion
3.2.1 Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung
3.2.2 Grundlegende Prämissen
3.2.3 Konzeptionen nachhaltiger Entwicklung und zentrale Kontroversen
3.3 Positionierung und Operationalisierung
3.4 Zusammenfassung
4 Shrimp-Farming in Aceh - Nachhaltigkeitsdefizite
4.1 Allgemeine Entwicklung und Bedeutung des Fischereisektors und der Shrimpzucht
4.1.1 Entwicklung und Bedeutung des Fischfangs
4.1.2 Entwicklung und Bedeutung des Aquakultursektors
4.1.3 Entwicklung und Bedeutung der Shrimpzucht
4.1.4 Probleme und Zukunftsaussichten der Shrimpzucht
4.2 Entwicklung und Bedeutung der Shrimpzucht in Aceh
4.2.1 Der nationale Kontext
4.2.2 Der Aquakultursektor vor dem Tsunami
4.2.3 Auswirkungen des Tsunami
4.2.4 Bisherige Wiederaufbaumaßnahmen und Probleme
4.3 Identifikation der Problembereiche - Wo liegt Nichtnachhaltigkeit vor?
4.3.1 Sicherung der menschlichen Existenz
4.3.2 Erhaltung des gesellschaftlichen Produktivpotenzials
4.3.3 Bewahrung der Entwicklungs- und Handlungsmöglichkeiten
4.4 Zwischenfazit
5 Öko-Zertifizierung als Lösungsansatz?
5.1 Das Konzept des ökologischen Landbaus
5.1.1 Definition des ökologischen Landbaus
5.1.2 Die historische Entwicklung des ökologischen Landbaus
5.1.3 Nachhaltigkeit des ökologischen Landbaus in Entwicklungsländern
5.2 Ökologische Shrimpzucht
5.2.1 Entwicklung und Bedeutung der ökologischen Aquakultur
5.2.2 Richtlinien zur ökologischen Shrimpzucht
5.2.3 Ökologische Shrimpzucht in der Praxis
5.3 Möglichkeiten einer Zertifizierung in Aceh
5.4 Öko-Shrimpzucht in Aceh = nachhaltige Shrimpzucht?
5.4.1 Sicherung der menschlichen Existenz
5.4.2 Erhaltung des gesellschaftlichen Produktivpotenzials
5.4.3 Bewahrung der Entwicklungs- und Handlungsmöglichkeiten
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern eine Öko-Zertifizierung der Shrimpzucht in der indonesischen Provinz Aceh einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung leisten kann. Angesichts sozio-ökonomischer und ökologischer Probleme im Shrimp-Sektor, die durch den Tsunami 2004 verschärft wurden, wird das Konzept der nachhaltigen Entwicklung operationalisiert und auf lokale Gegebenheiten angewandt.
- Entwicklungstheoretische Einordnung von Nachhaltigkeit.
- Analyse der globalen und lokalen Shrimpzucht-Problematik.
- Definition von Nachhaltigkeitszielen und -regeln (HGF-Modell).
- Untersuchung des ökologischen Landbaus als Lösungsmodell.
- Bewertung der Öko-Zertifizierung in der Praxis (Ecuador und Indonesien).
Auszug aus dem Buch
1.1 Zielsetzung
Versucht man die Entwicklungen zusammenzufassen, welche die Shrimpzucht während der letzten Jahrzehnte in verschiedenen Ländern durchlaufen hat, so gibt dieses Zitat von BERTOLD BRECHT ein treffendes Bild ab.
Noch vor einiger Zeit erschienen die Ozeane als eine für alle Zeiten unerschöpfliche Quelle an Nahrung. Dass sich diese Denkweise jedoch als Trugschluss erweist, ist spätestens seit Mitte der 1980er Jahre ins Bewusstsein vieler Menschen gerückt. Die Fangzahlen von Fisch stagnieren und manche Bestände sind derart überfischt, dass bezweifelt wird ob sie sich je wieder erholen werden. Nach Angaben der Food and Agriculture Organisation of the United Nations (FAO) wurden im Jahr 2003 rund drei Viertel aller Bestände am maximal aufrechterhaltbaren Limit befischt oder waren bereits erschöpft (FAO, 2004, S. 32). Der weltweite Hunger nach Fisch steigt jedoch noch immer. Dies ließ Aquakulturen, also die kontrollierte Aufzucht von Wasserlebewesen, stark an Bedeutung gewinnen. In Anlehnung an die Entwicklungen im Agrarsektor war sogar von einer Blauen Revolution die Rede. Aquakulturen wurden als Universal-Lösung gepriesen. Durch sie sollte der weltweit steigende Nahrungsmittelbedarf gedeckt, Armut bekämpft und der Fangdruck auf die Ozeane reduziert werden. Diese Hoffnungen haben sich bis heute allerdings nicht erfüllt. Der Aquakultursektor, und in Entwicklungsländern vor allem die Shrimpzucht, haben im Gegenteil eine Reihe neuer sozio-ökonomischer und ökologischer Probleme hervorgerufen.
Auch in der Provinz Nanggroe Aceh Darussalam (NAD) in Indonesien, waren diese Entwicklungen beobachtbar. In der Ausicht auf höhere Gewinne war man von der traditionellen Polykultur auf eine Shrimp-Monokultur umgestiegen und große Mangrovenbestände mussten neuen Shrimpteichen weichen. Eine Intensivierung der Zucht in Verbindung mit dem Einsatz von Chemikalien und Medikamenten versprach dabei immer höhere Gewinne. Dies blieb jedoch nicht ohne Folgen. Seit den 1990er Jahren hatte man immer häufiger mit der Ausbreitung von Krankheiten in den Teichen zu kämpfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der weltweiten Shrimpzucht und Zielsetzung der Arbeit unter Berücksichtigung der speziellen Situation in Aceh.
2 Entwicklungstheoretischer Kontext: Diskussion klassischer Entwicklungstheorien und deren Krise im Hinblick auf das Konzept der nachhaltigen Entwicklung.
3 Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung: Historische Herleitung, Definition der Prämissen und Operationalisierung des Konzepts anhand eines Regelwerks.
4 Shrimp-Farming in Aceh - Nachhaltigkeitsdefizite: Detaillierte Analyse des Shrimpzuchtsektors in Aceh, einschließlich Tsunami-Auswirkungen und Identifikation von Problembereichen.
5 Öko-Zertifizierung als Lösungsansatz?: Untersuchung des ökologischen Landbaus und seiner Übertragbarkeit auf die Shrimpzucht sowie Bewertung konkreter Zertifizierungsprojekte.
6 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung des Beitrags einer Öko-Zertifizierung zur nachhaltigen Entwicklung des Sektors in Aceh.
Schlüsselwörter
Shrimpzucht, Aceh, Nachhaltige Entwicklung, Öko-Zertifizierung, Aquakultur, Mangroven, Fischerei, Tsunami, Nachhaltigkeitsdefizite, Naturland, Ökologischer Landbau, Sozio-ökonomische Probleme, Ressourcenschutz, Ernährungssicherung, Export.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen industrieller Shrimpzucht und nachhaltiger Entwicklung am Beispiel der indonesischen Provinz Aceh.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Themen sind die Theorie der nachhaltigen Entwicklung, die ökologischen und sozialen Probleme der globalen und lokalen Shrimpzucht sowie der potenzielle Lösungsbeitrag durch Öko-Zertifizierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, ob eine Öko-Zertifizierung der Shrimpzucht in Aceh einen tatsächlichen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung der Region leisten kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer qualitativen Untersuchung vor Ort, inklusive Befragungen von Farmern und Experten.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert die aktuelle Situation in Aceh, identifiziert Nachhaltigkeitsdefizite anhand eines Kriterienkatalogs und bewertet darauf aufbauend ökologische Zertifizierungsansätze.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Shrimpzucht, Aceh, Nachhaltige Entwicklung, Öko-Zertifizierung, Mangroven, Aquakultur, Tsunami und soziale/ökologische Nachhaltigkeit.
Warum ist die Shrimpzucht in Aceh besonders problematisch?
Sie ist geprägt durch Krankheitsanfälligkeit, Mangrovenzerstörung und Abhängigkeiten der kleinbäuerlichen Produzenten von globalen Lieferketten und Chemikalieneinsatz.
Können Öko-Richtlinien die Probleme in Aceh vollständig lösen?
Nein, die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Öko-Zertifizierungen zwar ökologische Vorteile bieten, aber strukturelle Probleme wie Armut oder unklare Landbesitzverhältnisse nur bedingt adressieren können.
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- Moritz Teriete (Author), 2008, Shrimpfarming in Aceh. Biozertifizierung als Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119912