Ferruccio Busonis Oper „Doktor Faust“ entstand in den Jahren 1910 bis 1924. In meiner Arbeit werden die ersten beiden Auftritte der beiden Figuren Faust und Mephistopheles im ersten Vorspiel analysiert. Es geht mir hierbei um die musikalische Charakterisierung der beiden „Antagonisten“: Ich gehe hierbei auf die jeweilige musikalische Atmosphäre, musikalische Klangsigeln, Harmonik und den Sprach- bzw. Singduktus von Faust und Mephisto ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Zur Werkgenese
1.2. Zur vorliegenden Arbeit
2. Analyse
2.1. „Er naht mit ihm das Wunderbare. Wir werden staunen und erschauern.“ Die Einführung Fausts (T. 141 – 320)
2.1.1. Instrumentales Vorspiel
2.1.2. Faust und Wagner
2.1.3. Monolog Fausts: „Faust, Faust, nun erfüllt sich dein Augenblick“
2.2. „Die Macht des Bösen ist nicht unterschätzbar.“ Der Auftritt Mephistopheles’ (T. 401 – 541)
2.2.1. Die erste Anrufung Fausts
2.2.2. Die zweite Anrufung Fausts
2.2.3. Die dritte Anrufung Fausts
3. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die musikalische Charakterisierung der beiden Protagonisten Faust und Mephistopheles in den ersten beiden Auftritten des ersten Vorspiels von Ferruccio Busonis Oper „Doktor Faust“. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse der musikalischen Atmosphäre, harmonischer Strukturen, Klangsigel sowie des individuellen Singduktus, um aufzuzeigen, wie Busoni das Phantastische und die psychologische Tiefe seiner Figuren musikalisch umsetzt.
- Analyse der instrumentalen und vokalen Charakterisierung von Faust und Mephistopheles.
- Untersuchung der musikalischen Gestaltung des „Wunderbaren“ und des Übernatürlichen.
- Analyse von Motiven, Harmonik und Instrumentation im Kontext der dramaturgischen Handlung.
- Beleuchtung der Autonomie der Musik gegenüber der Textsemantik in Busonis Opernästhetik.
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Instrumentales Vorspiel
Das erste Vorspiel beginnt mit einem Paukenschlag, gefolgt von einem liegenden Klang in den Blechbläsern, der dynamisch anschwillt und sich im Motiv, das in den Holzbläsern erklingt, entlädt, dann in die Streicher übergeht und dort in einem gesplitteten Achtellauf fortgesetzt wird. Einen schwebenden, instabilen Charakter erhält das einleitende Crescendo durch den fragilen Sextakkord über c, der von dem überlagernden Motiv „übertroffen“ wird durch den Sextsprung zum cis’’’. Schon hier kann man eine Charakterisierung des Faust herauslesen, zu dessen Auftritt dieses orchestrale Vorspiel erklingt und damit als akustischer Seelenspiegel fungiert: Schreibt man dieses Motiv der Figur Faust zu, so überschreitet er bereits hier die harmonisch vorgegebenen Grenzen. Übertragen lässt sich dies mit seinem unbedingten Willen, die „Welt [zu] umfassen, der Menschen Tun [zu] begreifen“, gleichsetzen: Er schreitet über die menschlichen Gegebenheiten hinweg. Gleichzeitig wird noch ein anderer Aspekt seiner Person in Musik umgesetzt: Der in Sechzehntel aufgesplittete Achtellauf ist die Fortsetzung des Motivs der Takte 145f. und vermittelt einen unruhigen, suchenden Gestus. Keine „heroische“ Atmosphäre macht sich breit: Stattdessen wird das Individuum, das nach dem Unerreichbaren strebt, in seiner Hilflosigkeit dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Werkgenese der Oper „Doktor Faust“ zwischen 1910 und 1924 und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die musikalische Charakterisierung der Hauptfiguren zu untersuchen.
2. Analyse: Das Hauptkapitel widmet sich der detaillierten Untersuchung des ersten Vorspiels, unterteilt in die Einführung Fausts und den Auftritt Mephistopheles’, anhand der musikalischen Gestaltung ihrer jeweiligen Auftritte.
3. Schlussbemerkung: In diesem abschließenden Teil werden die Ergebnisse zusammengefasst, wobei Busonis Leistung hervorgehoben wird, das jahrhundertealte Menschheitsdrama mit modernen musikalischen Mitteln ins 20. Jahrhundert zu überführen.
Schlüsselwörter
Ferruccio Busoni, Doktor Faust, Opernanalyse, Mephistopheles, musikalische Charakterisierung, Vorspiel, Tritonus, Rufmotiv, Harmonik, Musikästhetik, Phantastik, Opernpartitur, Instrumentierung, Faust-Stoff.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der musikalischen Charakterisierung der beiden Protagonisten Faust und Mephistopheles im ersten Vorspiel der Oper „Doktor Faust“ von Ferruccio Busoni.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die musikalische Atmosphäre, harmonische Eigenheiten, spezifische Klangsigel und der Singduktus der Figuren, eingebettet in Busonis musikästhetische Konzepte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, wie Busoni durch musikalische Mittel die inneren Zustände, den Machtanspruch und die dämonische Natur der Figuren charakterisiert und das „Wunderbare“ musikalisch umsetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine musikwissenschaftliche Analyse der Partitur vorgenommen, ergänzt durch den Rückgriff auf Busonis eigene musikästhetische Schriften sowie relevante Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden exemplarisch die Takte 141–320 (Fausts erster Auftritt) und die Takte 401–541 (Mephistopheles’ erster Auftritt) detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind u.a. Ferruccio Busoni, Doktor Faust, musikalische Charakterisierung, Tritonus, Rufmotiv, Musikästhetik und Phantastik.
Welche Rolle spielt das „Rufmotiv“ in der musikalischen Analyse?
Das Rufmotiv dient als zentrales Element zur Charakterisierung Mephistopheles’, wobei seine Verwendung in verschiedenen Kontexten Aufschluss über dessen diabolisches Wesen und die Beziehung zu Faust gibt.
Wie unterscheidet sich die musikalische Darstellung von Faust und Mephistopheles?
Während Faust oft durch einen suchenden, unruhigen Gestus und menschliche Züge charakterisiert wird, nutzt Busoni für Mephistopheles extreme Intervallschritte, Dissonanzen und eine künstliche Artikulation, um dessen unmenschliche, dämonische Natur zu verdeutlichen.
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- Karin Pfundstein (Author), 2006, Ferruccio Busonis „Doktor Faust“ , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119929