1.1 Eingrenzung, aktueller Stand und Problemgehalt des Themas***
„Vermehrte Kundenorientierung“, „Steigerung der Qualität“, „Kosteneinsparung“, „Erhöhung der Effektivität“ und „stärkere Marktausrichtung“ - sind zurzeit die Anforderungen, denen sich Nonprofit Organisationen (NPO) stellen müssen. Ursachen dafür sind die unlängst veränderten Rahmenbedingungen, vor allem im direkten Umfeld der NPO`s. Dabei ist in erster Linie die Finanzknappheit der Haushalte herauszustellen. Die NPO`s - die zu hohen Teilen staatlich finanziert sind – werden dadurch mit starken finanziellen Restriktionen, veränderten Finanzierungsstrukturen und tendenziell höheren Leistungserwartungen konfrontiert. Zudem stehen die NPO`s, die lange Zeit durch die vorherrschenden rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland geschützt agieren konnten und daher bislang wenig Konkurrenz ausgesetzt waren, durch die gesetzliche Angleichung innerhalb der Europäischen Union plötzlich sogar im Wettbewerb mit privatwirtschaftlichen Anbietern. Aber auch innerhalb des Nonprofit Sektors ist ein Wertewandel zu spüren, der die Umstrukturierung der NPO`s vom Wohlfahrtsverband zum Dienstleistungsunternehmen nach sich zieht und nach dem soziale Arbeit mit einem Mal als Dienstleistung verstanden wird. Damit folgt der Nonprofit Sektor aber lediglich einem allgemeinen Dienstleistungs- und Ökonomisierungstrend in unserer Gesellschaft, der auch die Anspruchshaltung der - lange Zeit als Klienten wahrgenommenen - Kunden wachsen lässt. Seit Jahren drehen sich die Diskussionen in der einschlägigen Literatur des Nonprofit Sektors um diesen Wandel und die damit verbundenen Anforderungen nach mehr Effizienz und Professionalität in NPO`s (vgl. u.a. Badelt, 2007, 620ff.; Olk/Otto, 1989). Auch auf dem siebten und gleichzeitig aktuellsten Colloquium der Nonprofit Forscher beschäftigen sich die Diskussionen und Vorträge mit dem zunehmenden Ökonomisierungs- und Professionalisierungsdruck, der momentan auf den NPO`s lastet und dem damit bedingten Wandel zum Dienstleistungsunternehmen. Um diesem Umbruch und den damit gewandelten Ansprüchen gewachsen zu sein, suchen NPO`s meist in der Betriebswirtschaft nach passenden Lösungskonzepten. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Eingrenzung, aktueller Stand und Problemgehalt des Themas
1.2 Ziel und Fragestellungen dieser Arbeit
1.3 Gang der Untersuchung und Aufbau der Arbeit
2. Literaturüberblick und theoretische Datensammlung
2.1 Die Nonprofit Organisation (NPO)
2.1.1 Was ist eine Organisation?
2.1.2 Was sind NPO`s?
2.1.2.1 Ziel und Zweckbezogenheit
2.1.2.2 Formale Organisationsstruktur
2.1.2.2.1 Spezialisierung und Koordination
2.1.2.2.2 Konfiguration und Delegation
2.1.2.2.3 Formalisierung
2.1.2.2.4 Informale Organisation
2.1.2.3 Organisationsmitglieder und ihr Verhalten
2.1.2.4 Die NPO als sozialer Dienstleister
2.1.2.5 Das Fehlen des Marktprinzips im Nonprofit Sektor
2.2 Anforderungen an die NPO`s
2.2.1 Welche Entwicklungen zielen von außen auf die Veränderung der NPO`s?
2.2.2 Welche Veränderungen werden von innen heraus angestoßen?
2.2.3 Welche Anforderungen ergeben sich dadurch insgesamt für die NPO`s?
2.3 Die Organisationsentwicklung
2.3.1 Was ist Organisationsentwicklung?
2.3.2 Wie gestaltet sich der Ablauf einer Organisationsentwicklungsmaßnahme?
2.3.2.1 Problemerkennung
2.3.2.2 Datensammlung
2.3.2.3 Organisationsdiagnose
2.3.2.4 Datenrückkoppelung an die Betroffenen
2.3.2.5 Maßnahmenplanung
2.3.2.6 Maßnahmendurchführung
2.3.2.7 Erfolgskontrolle
2.4 Kurze Kapitelzusammenfassung und Überleitung
3. Das Organisationsentwicklungsprojekt im ASB Ortsverband Wertingen e.V.
3.1 Der ASB Ortsverband Wertingen e.V.
3.2 Problemerkennung
3.2.1 Festlegung des Problem- bzw. Projektgegenstandes
3.2.2 Akzeptanz-, Informations- und Vertrauensarbeit
3.2.2.1 Informationsschreiben
3.2.2.2 Informationsgespräch
3.2.2.3 Kick-Off Veranstaltung
3.3 Datensammlung
3.3.1 Aufbau eines bedarfsgerechten Personalmanagements
3.3.2 Verbesserung der internen Kommunikation
3.3.3 Steigerung der Markt- und Kundenorientierung
3.3.4 Steigerung des Images und des Bekanntheitsgrades
3.3.5 Optimierung des Kernprozesses „Buchung eines Kita-Platzes“
3.4 Organisationsdiagnose und Datenrückkoppelung an die Betroffenen
3.4.1 Wahl der Diagnoseinstrumente
3.4.1.1 Beobachtung
3.4.1.1.1 Ablauf der offenen, unstrukturierten und passiv-teilnehm. Beobachtung
3.4.1.1.1.1 Erstellung des Beobachtungsleitfadens
3.4.1.1.1.2 Auswahl des Settings
3.4.1.1.1.3 Handeln im Feld
3.4.1.1.1.4 Beobachtungsprotokolle
3.4.1.2 Mündliche Befragung
3.4.1.2.1 Ablauf der problemzentrierten Interviews
3.4.1.2.1.1 Erstellung des Interviewleitfadens
3.4.1.2.1.2 Leitfadenerprobung und Interviewschulung
3.4.1.2.1.3 Durchführung und Aufzeichnung der Interviews
3.4.1.2.1.4 Postskriptum
3.4.1.3 Dokumentenanalyse
3.4.1.3 1 Ablauf der strukturierten Dokumentenanalyse
3.4.1.3.1.1 Klare Formulierung der Fragestellungen
3.4.1.3.1.2 Auswahl der Dokumente
3.4.1.3.1.3 Erstellung eines Analyseplans
3.4.1.3.1.4 Sichtung bzw. Analyse der Dokumente
3.4.1.3.1.5 Übertragung in den Analysebogen
3.4.2 Wahl der Auswertungsmethode
3.4.2.1 Qualitative Inhaltsanalyse
3.4.2.2 Ablauf der strukturierenden, qualitativen Inhaltsanalyse
3.4.2.2.1 Angleichung des Datenmaterials
3.4.2.2.2 Transkription
3.4.2.2.3 Bestimmung der Strukturdimensionen
3.4.2.2.4 Erstellung eines Codeplans
3.4.2.2.5 Zeilenweiser Materialdurchgang
3.4.2.2.6 Beispiel-Codeplan
3.5 Maßnahmenplanung
3.6 Kurze Kapitelzusammenfassung und Überleitung
4. Forschungsmethoden
4.1 Erhebungsdesign
4.1.1 Qualitatives Erhebungsdesign
4.1.2 Beobachtung
4.1.3 Ablauf der offenen, unstrukturierten und teilnehmenden Beobachtung
4.1.3.1 Erstellung des Beobachtungsleitfadens
4.1.3.2 Auswahl des Settings
4.1.3.3 Handeln im Feld
4.1.3.4 Beobachtungsprotokoll
4.2 Auswertungsanlage
4.2.1 Gegenstandsbezogene Theoriebildung
4.2.2 Ablauf der gegenstandsbezogenen Theoriebildung
4.2.2.1 Das Kodieren bzw. Ausarbeiten von Kodes
4.2.2.2 Bilden von Kategorien
4.2.2.3 Erstellen eines Codeplans
4.2.2.4 Beispiel-Codeplan
4.3 Kurze Kapitelzusammenfassung und Überleitung
5. Forschungsergebnisse
5.1 Ergebnisse aus dem Codeplan
5.1.1 Steigerung der Effizienz der Organisation
5.1.2 Steigerung der Qualität und Fachlichkeit der Mitarbeiter
5.1.3 Steigerung der Umweltorientierung
5.1.4 Humane Ressourcen
5.1.5 Zeitliche Ressourcen
5.1.6 Finanzielle Ressourcen
5.1.7 Strategische Ausrichtung
5.1.8 Instrumentarium
5.1.9 Maßnahmen
5.1.10 Vorgehensweise
5.2 Hypothesen
6. Schluss
6.1 Zusammenfassung
6.2 Kritische Würdigung
6.3 Vorschläge für Folgeuntersuchungen
7. Anlage
7.1 Beobachtungsleitfaden der passiv-teilnehmenden Beobachtung
7.2 Interviewleitfaden
7.3 Analyseplan
7.4 Beobachtungsleitfaden der teilnehmenden Beobachtung
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob das Konzept der Organisationsentwicklung (OE) geeignet ist, um Nonprofit Organisationen (NPO) bei der Bewältigung aktueller ökonomischer und struktureller Herausforderungen zu unterstützen, und identifiziert dabei spezifische Grenzen und Problembereiche. Das primäre Ziel besteht in der Gewinnung von Hypothesen durch eine begleitete Organisationsentwicklungsmaßnahme in einem konkreten Fallbeispiel sowie durch eine theoretische Auseinandersetzung mit der einschlägigen Fachliteratur.
- Charakterisierung und Besonderheiten von Nonprofit Organisationen
- Analyse externer und interner Veränderungsanforderungen im Nonprofit Sektor
- Praktische Implementierung von Organisationsentwicklung (OE) anhand eines Fallbeispiels
- Anwendung qualitativer Forschungsmethoden zur Diagnose und Evaluierung
Auszug aus dem Buch
2.1.2.2.1 Spezialisierung und Koordination
Die Aufgliederung der für die Zielerreichung notwendigen Aktivitäten einer Organisation und deren Verteilung auf die einzelnen Mitglieder bezeichnet man als Spezialisierung bzw. Arbeitsteilung (vgl. Kieser/Kubicek 1992, 76). Die Arbeitsteilung liegt in der Natur der Sache, denn Organisationen können die verschiedenen Aufgaben aufgrund des hohen Komplexitätsgrades nicht von einer Person alleine erledigen lassen. Ebenfalls ergeben sich aus der Arbeitsteilung Effizienzvorteile in verschiedenen Bereichen. Damit ist einerseits gemeint, dass durch die Spezialisierung der Aufgaben höhere Skaleneffekte erreicht werden können, sprich durch die ständige Wiederholung derselben Tätigkeit eine Erhöhung der Produktivität stattfindet. Andererseits können Organisationen, durch die Konzentration auf bestimmte wiederholende Aufgaben, eine Unabhängigkeit vom einzelnen Mitarbeiter erreichen und durch die damit verbundene Vereinheitlichung von Berufsgruppen und Ausbildungsgängen die Suche nach Nachwuchskräften minimieren. Des Weiteren wirkt dies für den einzelnen Arbeitnehmer entlastend, da er sich lediglich auf eine unternehmerische Aufgabe konzentrieren kann und nicht alle Aufgaben von der Produktion bis zum Marketing beherrschen muss. In diesem Vorteil kann aber auch ein Nachteil gesehen werden, denn durch diese Spezialisierung verliert der Aufgabenbereich an Kreativität und wird gleichzeitig monoton und mechanisch (vgl. Kieser/Walgenbach, 2003, 17).
Die Spezialisierung erzeugt wiederum Koordinationsbedarf, d.h. die einzelnen Arbeitsbereiche bzw. -leistungen müssen anschließend wieder zusammengeführt werden. Neben der Spezialisierung stellt die Koordination demnach das zweite organisatorische Grundprinzip dar, das in allen Organisationen vorzufinden ist. Es gibt verschiedene Möglichkeiten die einzelnen, voneinander getrennten Arbeitsschritte wieder sinnvoll und effizient zusammenzuführen und aufeinander abzustimmen. Die Koordination zur Abstimmung arbeitsteiliger Prozesse und die Ausrichtung der jeweiligen Aktivitäten auf die Organisationsziele kann u.a. durch Weisungen, Selbstabstimmung, Programme, Pläne, die Bildung interner Märkte oder durch die Organisationskultur sowie durch Professionalisierung geschehen (vgl. ebd., 100ff.). Dabei ist von den einzelnen Stellen oder Arbeitsplätzen aus nicht zu überblicken, zu welcher Gesamtleistung der Organisation sich die verschiedenen Einzelleistungen zusammenfügen lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Problemkontext von NPO's ein, definiert die Forschungsfragen und erläutert den Aufbau der Arbeit.
2. Literaturüberblick und theoretische Datensammlung: Hier wird der theoretische Wissensstand zu Nonprofit Organisationen, aktuellen Anforderungen und Konzepten der Organisationsentwicklung dargestellt.
3. Das Organisationsentwicklungsprojekt im ASB Ortsverband Wertingen e.V.: Dieses Kapitel beschreibt detailliert die praktische Anwendung einer Organisationsentwicklungsmaßnahme in einem spezifischen Ortsverband.
4. Forschungsmethoden: Die empirischen Methoden zur Datenerhebung und die gewählte Auswertungsanlage (gegenstandsbezogene Theoriebildung) werden wissenschaftlich begründet.
5. Forschungsergebnisse: Die aus der empirischen Untersuchung gewonnenen Ergebnisse werden präsentiert und in die abschließende Hypothese integriert.
6. Schluss: Eine Zusammenfassung der Arbeit, eine kritische Würdigung des Vorgehens sowie Vorschläge für zukünftige Forschungsfragen bilden den Abschluss.
Schlüsselwörter
Nonprofit Organisation, NPO, Organisationsentwicklung, OE, Organisationsdiagnose, Soziale Dienstleistung, Personalmanagement, Qualitative Inhaltsanalyse, Gegenstandsbezogene Theoriebildung, Ehrenamtlichkeit, Strukturwandel, Effizienzsteigerung, Interventionsvorschläge, Fallstudie, Management
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des Konzepts der Organisationsentwicklung auf Nonprofit Organisationen, um diese bei der Bewältigung von wachsendem Veränderungsdruck und ökonomischen Herausforderungen zu unterstützen.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit adressiert?
Die zentralen Themen umfassen das theoretische Verständnis von Nonprofit Organisationen, die verschiedenen Anforderungen an diese Organisationen (von innen und außen) sowie die Methoden und der Ablauf von Organisationsentwicklungsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist die Gewinnung von Hypothesen zur Eignung des Konzepts der Organisationsentwicklung für NPO's sowie zur Identifizierung von Grenzen und Problembereichen bei deren Implementierung.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf einer Einzelfallstudie (ASB Ortsverband Wertingen) basiert. Zur Datenerhebung dienen Beobachtung, Interviews und Dokumentenanalyse; die Auswertung erfolgt mittels gegenstandsbezogener Theoriebildung und qualitativer Inhaltsanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Datensammlung, die detaillierte Beschreibung eines praktischen Organisationsentwicklungsprojekts und die methodische Aufarbeitung der dabei erhobenen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Organisationsentwicklung, NPO, soziale Dienstleistungen, Management, qualitative Forschung, Fallstudie und Personalentwicklung.
Warum wurde der ASB Ortsverband Wertingen für die Untersuchung ausgewählt?
Der Ortsverband dient als "Paradebeispiel" für eine basisnahe, private Nonprofit Organisation, die autark genug agiert, um eine Organisationsentwicklungsmaßnahme exemplarisch umsetzen zu können.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Anwendbarkeit von OE?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass Organisationsentwicklung grundsätzlich gut zu den NPO-Anforderungen passt, jedoch professionellere Strukturen und eine gesicherte finanzielle/zeitliche Ressourcenausstattung zwingende Voraussetzungen für einen dauerhaften Erfolg sind.
- Quote paper
- Dipl. Pädagoge (Univ.) & Dipl. Sozialpädagoge (FH) Sascha Jochum (Author), 2008, Effizienzsteigerung und Professionalisierung von Nonprofit Organisationen., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119979