In der globalisierten und hoch digitalisierten Welt von heute ist aktuelles Wissenbereits Wissen von gestern. Für Unternehmen gilt dies in besonderer Weise. Ein Unternehmen, das in einer immer komplexer werdenden und sich immer schneller verändernden Umwelt überleben und erfolgreich wirtschaften will, muss hoch aufnahmefähig und flexibel sein. Es muss sich in einem permanenten Zustand des Lernens befinden, also eine lernende Organisation sein.
Auf das Lernen, vor allem von klassenbesten Unternehmen, fokussiert sich ebenso
das mittlerweile als Standardmanagement-Instrument etablierte Benchmarking.
Eine Weiterentwicklung des Benchmarkings, die sich noch spezifischer auf den
Lernaspekt konzentriert, ist das Benchlearning. Karlöf, Lundgren und Edenfeldt
Froment stellten das Gesamtkonzept des Benchlearning im Jahre 2001 vor. Sie
selbst siedeln das Benchlearning an der Schnittstelle von organisationalem Lernen und Unternehmensentwicklung an.
Die Aufgabe, die sich im Rahmen dieser Arbeit stellt und die bislang in der Literatur nicht hinreichend konkretisiert wurde, ist die Beurteilung und Analyse des Benchlearning und des Benchmarkings im Hinblick auf eine lernende Organisation. Die zentralen Fragestellungen dieses Beitrages sind:
1. Wird bei der Durchführung eines Benchmarking- beziehungsweise Benchlearning-
Projekts organisational gelernt?
2. Wird ein Unternehmen durch die Verwendung der Instrumente zu einer
lernenden Organisation?
3. Inwiefern verbessert die Weiterentwicklung des Benchmarkings, das
Benchlearning, die Wirkung hinsichtlich der oben genannten Fragen?
Um diese Zielsetzung zu erfüllen, wird folgende Vorgehensweise gewählt: Zunächst
wird das Benchmarking in Kapitel 2 kurz vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Benchmarking
2.1 Definition des Benchmarkings
2.2 Formen des Benchmarkings
2.2.1 Unterscheidungsmerkmal Benchmarking-Partner
2.2.2 Unterscheidungsmerkmal Benchmarking-Objekt
2.3 Ziele des Benchmarkings
2.4 Phasen des Benchmarkings
2.4.1 Zielsetzungs- und Vorbereitungsphase
2.4.2 Vergleichsphase
2.4.3 Umsetzungsphase
2.4.4 Kontrollphase
3. Lernende Organisation
3.1 Wissen
3.1.1 Explizites und implizites Wissen
3.1.2 Transformation von Wissen
3.1.3 Individuelles und kollektives Wissen
3.2 Lernen
3.2.1 Lernen in einer Organisation
3.2.2 Lernarten
3.2.3 Ablauf des organisationalen Lernens
3.2.4 Kernpunkte des organisationalen Lernens
3.2.5 Hindernisse des organisationalen Lernens
3.3 Die lernende Organisation
3.3.1 Definition
3.3.2 Elemente des Konzepts
3.4 Bildung einer Bewertungsgrundlage
4. Benchmarking im Kontext der lernenden Organisation
4.1 Wissen
4.2 Lernen
4.2.1 Lernprozess
4.2.2 Lernarten
4.3 Lernklima
4.3.1 Lernfördernde Organisation
4.3.2 Abschaffung von Lernhindernissen
4.4 Lernende Organisation
4.4.1 Senge-Disziplinen
4.4.2 Garvins Haupttätigkeiten
4.5 Zusammenfassung und Fazit der Bewertung
5. Benchlearning
5.1 Begriff und Inhalt
5.2 Vorgehensweise
5.3 Innovationscharakter des Benchlearning
6. Benchlearning im Kontext der lernenden Organisation
6.1 Wissen
6.2 Lernen
6.2.1 Lernprozess
6.2.2 Lernarten
6.3 Lernklima
6.3.1 Lernfördernde Organisation
6.3.2 Abschaffung von Lernhindernissen
6.4 Lernende Organisation
6.4.1 Senge-Disziplinen
6.4.2 Garvins Haupttätigkeiten
6.5 Zusammenfassung und Fazit der Bewertung des Benchlearning
7. Ergebnis und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der Analyse und Beurteilung der Managementinstrumente Benchmarking und Benchlearning im Hinblick auf ihre Eignung, ein Unternehmen zu einer lernenden Organisation zu entwickeln. Ziel ist es zu untersuchen, ob durch diese Instrumente organisationales Lernen stattfindet und inwiefern das Benchlearning als Weiterentwicklung des Benchmarkings die Wirkung verbessert.
- Grundlagen des Benchmarkings und seine Anwendungsformen
- Lerntheoretische Grundlagen und das Konzept der lernenden Organisation
- Systematische Bewertungsgrundlage für Managementinstrumente
- Kritische Analyse des Benchmarkings im Kontext organisationalen Lernens
- Bewertung des Benchlearning als Weiterentwicklung und lernorientiertes Instrument
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition des Benchmarkings
Die frühesten Definitionen des Benchmarkings stammen aus dem Standardwerk der Benchmarking-Literatur von Robert C. Camp. Camp zitiert den CEO der Xerox Corporation David T. Kearns: „Benchmarking ist der kontinuierliche Prozess, Produkte, Dienstleistungen und Praktiken zu messen gegen den stärksten Mitbewerber oder die Firmen, die als Industrieführer angesehen werden.“5 Camp verwendet eine andere Definition, die er als Arbeitsdefinition bezeichnet: „Benchmarking ist die Suche nach den besten Industriepraktiken, die zu Spitzenleistungen führen.“6
Offensichtlich wurde die Definition Kearns’ durch die Einschränkungen der möglichen Messgegenstände und Vergleichspartner dem Wesen des Benchmarkings nicht gerecht. Ebenso gibt die Beschränkung auf das Vergleichen nicht das gesamte Ausmaß des Benchmarkings wieder, weshalb Camp seine sogenannte Arbeitsdefinition hinzufügte.
Auf diese anfänglichen Definitionen folgten zahlreiche andere, die ihrerseits einige Schwachpunkte vorweisen. Einige Autoren listen im Anhang ihrer Publikationen mehr als 20 Seiten mit Definitionen des Benchmarkings von unzähligen Autoren auf.7
Spendolini berücksichtigt in seinem Benchmarking-Menü verschiedene Herangehensweisen, Anwender sowie Zielsetzungen. Anhand des Benchmarking-Menüs kann die passende Definition zusammengestellt werden (Darstellung 1).8 Um der Kernidee des Benchmarkings, die „in einer durch Vergleiche ermöglichten Nutzung vorhandener und besonders guter Problemlösungen, insbesondere im Hinblick auf Prozesse, Produkte und Organisationen“ sowie in „der Identifikation von Leistungsabweichungen, um die erkannte Leistungslücke zumindest zu schließen“9 besteht, zu entsprechen, wählt der Verfasser dieses Beitrages die Definition Ulrichs, der das Benchmarking folgendermaßen definiert: „Benchmarking ist ein systematischer und kooperativer Prozess, bei dem bestimmte Untersuchungsgegenstände einer Organisation mit anderen Organisationsbereichen oder fremden Organisationen verglichen werden. Durch diesen Vergleich sollen die Unterschiede zwischen den Vergleichspartnern auf Basis quantitativer Messgrößen (benchmarks) offen gelegt, die Ursachen für die identifizierten Unterschiede analysiert und die gewonnenen Erkenntnisse in Leistungsverbesserungen umgesetzt werden.“10
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definition der Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Rolle von Benchmarking und Benchlearning bei der Entwicklung einer lernenden Organisation.
2. Benchmarking: Umfassende Einführung in das Managementinstrument Benchmarking, einschließlich Definitionen, Formen, Zielsetzungen und des zugrunde liegenden Vier-Phasen-Modells.
3. Lernende Organisation: Theoretische Auseinandersetzung mit Wissensmanagement, organisationalem Lernen, den Merkmalen einer lernenden Organisation sowie Erstellung einer Bewertungsgrundlage.
4. Benchmarking im Kontext der lernenden Organisation: Kritische Analyse des Benchmarkings basierend auf der erstellten Bewertungsgrundlage hinsichtlich Wissen, Lernprozess, Lernklima und Disziplinen/Haupttätigkeiten.
5. Benchlearning: Einführung in das Konzept des Benchlearning, seine Entstehung sowie detaillierte Darstellung der sieben Phasen des Benchlearning-Prozesses.
6. Benchlearning im Kontext der lernenden Organisation: Systematische Beurteilung des Benchlearning-Ansatzes unter Anwendung derselben Bewertungsgrundlage wie für das Benchmarking.
7. Ergebnis und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung beider Instrumente, Gegenüberstellung der Ergebnisse sowie Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Benchmarking, Benchlearning, Lernende Organisation, Organisationales Lernen, Wissensmanagement, Best Practice, Prozessoptimierung, Wissenstransformation, Lernklima, Organisationsentwicklung, Systemdenken, Team-Lernen, Lernprozess, Qualitätsmanagement, Veränderungsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, inwieweit das Standard-Managementinstrument Benchmarking und seine Weiterentwicklung Benchlearning geeignet sind, Unternehmen bei der Entwicklung zu einer lernenden Organisation zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das organisationale Lernen, das Wissensmanagement, der Aufbau lernförderlicher Strukturen sowie die detaillierte Analyse der Prozessmodelle von Benchmarking und Benchlearning.
Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Das primäre Ziel ist eine wissenschaftliche Beurteilung und Analyse der beiden Instrumente hinsichtlich ihrer Wirkung auf das organisationale Lernen und die Unternehmenskultur, da hierzu bislang kaum konkrete Literatur existiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Bewertung verwendet?
Der Autor erstellt zunächst eine umfassende, tabellarische Bewertungsgrundlage (basierend auf Literatur von Probst, Büchel, Senge und Garvin), die in Kategorien wie Wissen, Lernen, Lernklima und Disziplinen unterteilt ist, und wendet diese dann auf beide Instrumente an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine methodische Herleitung der Bewertungsgrundlage sowie die sukzessive Evaluation von Benchmarking und Benchlearning anhand dieser Kriterien, ergänzt durch Fazits und Ergebnisvergleiche.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Benchmarking, Benchlearning, organisationale Lernzirkel, implizites/explizites Wissen, lernende Organisation nach Senge und Garvin sowie Wissensbasis geprägt.
Was unterscheidet Benchlearning wesentlich vom klassischen Benchmarking?
Benchlearning fokussiert stärker auf den Lernaspekt ("Warum" anstatt nur "Wie"), integriert die Mitarbeiter von Beginn an tief in den Prozess und zielt auf die Vermittlung der Methode an sich sowie die Sensibilisierung für kontinuierliches Lernen ab.
Zu welcher Schlussfolgerung kommt der Autor hinsichtlich der Eignung beider Instrumente?
Beide Instrumente sind exzellente Werkzeuge für das organisationale Lernen innerhalb von Projekten, führen jedoch allein nicht dazu, dass ein Unternehmen als Ganzes zur "lernenden Organisation" wird, da sie an Anforderungen wie dem Lernklima und unternehmensweiter Visionen scheitern.
- Quote paper
- Diplom-Ingenieur Tarik Karaduman (Author), 2008, Instrumente der lernenden Organisation - Vom Benchmarking zum Benchlearning, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119996