Bekannte Landespolitiker der jüngsten Vergangenheit und der Gegenwart sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Da heißt es 1981 in einem Geleitwort des damaligen Hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner: "Die hessischen Dialekte bewahren viel von der Erfahrung der Menschen unserer Heimat auf, von ihrem Umgang miteinander, wie sie die Welt um sich herum beurteilen. Ich begrüße es, dass die Menschen heute ihren Dialekt wieder ungeniert sprechen. In ihm fühlt sich zu Hause und ungezwungen, und das kommt der Sprache zugute. Die Wirklichkeitsnähe, Unverblümtheit, Angriffslust und Musikalität der Dialekte sind eine große kulturelle Leistung, die ebenso wenig verlorengehen darf wie die Handwerkskunst des Volkes. Sprachen, und besonders Dialekte, gedeihen schlecht im Gewächshaus. Wer Dialekte erforscht, erfährt etwas über die Menschen der Vergangenheit und der Gegenwart. (...) Wir Hessen lieben unser schönes kulturerfülltes Land und sind stolz auf unsere Muttersprache in ihrer vielfältigen Ausprägung."
Inhaltsverzeichnis
Hessische Geschichte
Zur Geschichte der hessischen Mundarten
Geographie der hessischen Mundarten heute
Die sprachliche Gliederung Hessens
Sprüche in Mundart
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit widmet sich der sprachwissenschaftlichen Untersuchung des Hessischen Dialekts, indem sie dessen historische Entwicklung, die geografische Verteilung sowie die feinere sprachliche Gliederung innerhalb des Landes analysiert. Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die sprachliche Diversität Hessens zu schaffen und die Dialektmerkmale anhand von Beispielen zu veranschaulichen.
- Historische Herleitung des hessischen Sprachgebiets
- Geografische Einordnung und dialektologische Abgrenzung
- Strukturelle Analyse der sprachlichen Gliederung (Westmitteldeutsch)
- Sammlung und Erläuterung mundartlicher Sprüche
Auszug aus dem Buch
Die sprachliche Gliederung Hessens
Für den hessischen Bereich (s. Karte 1 und 3) ist zunächst der Laut ch im Wort „ich“ interessant. Ich und ik trennen die hochdeutschen Mundarten von den niederdeutschen.
„Appel-Apfel-Linie“ weist auf den nächsten sprachlichen Unterschied hin. Die Mundarten, die den Typ Appel haben, zählen zu den mitteldeutschen Mundarten, die mit dem Typ Apfel zu den oberdeutschen.
Hessen gehört zu den mitteldeutschen Mundarten, die in Westmitteldeutsche und Ostmitteldeutsche getrennt werden, wobei die Aussprache des Wortes „Pfund“ als ostmitteldeutsch Fund oder westmitteldeutsch Pund trennendes Kriterium ist. Bis auf einen schmalen Streifen um Eschwege und Witzenhausen wird Hessen nach diesem Maßstab der westmitteldeutschen Mundart zugerechnet.
Innerhalb der westmitteldeutschen Mundarten wird nochmals zwischen rheinfränkischen und mittelfränkischen Dialekten unterschieden. Unterscheidungsmerkmal ist hier das Hochdeutsche „Was“, im Rheinfränkischen ebenfalls als „was“ gesprochen, hingegen Mittelfränkisch „Wat“. Im historischen Hessen wird Rheinfränkisch gesprochen, Mittelfränkisch hingegen im Westwald und in der Linie Haiger-Limburg-St. Goarshausen.
Zusammenfassung der Kapitel
Hessische Geschichte: Das Kapitel bietet einen historischen Abriss über die politische Entwicklung Hessens von der Zeit der Chatten bis zur modernen Gebietsstruktur.
Zur Geschichte der hessischen Mundarten: Diese Sektion beleuchtet die Entstehung der sprachlichen Kleinteiligkeit in Hessen durch politische und geistliche Einflussfaktoren im 13. Jahrhundert.
Geographie der hessischen Mundarten heute: Hier wird die Problematik der dialektologischen Umgrenzung diskutiert und die Definition des Begriffs „Hessisch“ als politischer statt rein sprachlicher Einheit geklärt.
Die sprachliche Gliederung Hessens: Dieses Kapitel erläutert die phonetischen und morphologischen Kriterien, anhand derer die hessischen Dialekte innerhalb des westmitteldeutschen Sprachraums klassifiziert werden.
Sprüche in Mundart: Eine beispielhafte Sammlung hessischer Redewendungen, die die Alltagssprache und den kulturellen Kontext des Dialekts illustriert.
Schlüsselwörter
Hessischer Dialekt, Sprachwissenschaft, Diachronie, Rheinfränkisch, Westmitteldeutsch, Dialektologie, Mundartgrenzen, Chatten, Hessengau, Sprachgeografie, Phonetik, Dialektlandschaft, Regionalsprache, Sprachgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung des Hessischen, wobei der Fokus auf seiner historischen Entstehung und der internen sprachlichen Struktur liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Entwicklung der hessischen Region, die geografische Verortung der Dialekte und die wissenschaftliche Einordnung in den westmitteldeutschen Sprachraum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Komplexität und die feinen Unterschiede innerhalb der hessischen Mundarten systematisch darzustellen und die kulturelle Bedeutung des Dialekts aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine diachronische sprachtheoretische Analyse angewandt, die durch Kartenmaterial und phonetische Vergleichskriterien gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Genese der Sprachlandschaften und erklärt anhand von Isoglossen wie der „Appel-Apfel-Linie“ die Gliederung der Dialekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Hessischer Dialekt, Rheinfränkisch, Sprachgliederung und historische Sprachgeografie.
Was unterscheidet das Nordrheinfränkische vom Südrheinfränkischen?
Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist die Lautung von Konsonanten in bestimmten Wörtern, wie beispielsweise „Fest“ gegenüber „fescht“.
Welche Rolle spielen die „Fulda-Mundarten“ in der Gliederung?
Sie bilden einen speziellen Bereich innerhalb des „hessischen“ Nordrheinfränkischen, der sich durch die Erhaltung von Monophtongen wie i, u, ü auszeichnet.
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- Tatiana Hoyer (Author), 2003, Hessischer Dialekt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12000