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Grundsätzlich gilt, dass die Annahme, dass schon kleine Kinder bestimmte Vorstellungen
über Gott oder den Himmel haben, schon vor der Entstehung einer Kindertheologie nichts
grundlegend Neues gewesen ist. So wie schon Augustinus (354-430) um die meist anthropomorphen Gottesvorstellungen der Kinder wusste, gab es auch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts empirische Forschungen hinsichtlich dieser Vorstellungen. Die Kinderäußerungen wurden jedoch oft als falsch qualifiziert, weil z.B. die oft anthropomorph
dargestellten Gottesbilder von Kindern nach Auffassung einiger Forscher und Autoren, so
z.B. nach Theodor Voß im Jahre 1926, nicht der christlichen Auffassung und Vorstellung
von Gott entsprechen würden.
Demgegenüber impliziert Kindertheologie als ein durch empirische Studien flankiertes Projekt die „religionspädagogische Option, Kinder als Subjekte ernstzunehmen und ihnen
positiv zuzumuten, Theologie hervorzubringen und mitzugestalten“. Demnach basiert es auf bestimmten, für das Selbstverständnis eines solchen Projekts grundlegenden Bedingungen und Grundsätzen, auf einem religionspädagogischen Programm, das gewährleisten soll, Kinder in ihrer Theologie zu fördern und so Handlungsanweisungen für einen angemessenen Umgang mit Kindertheologie aufzuzeigen.
Ziel dieser Hausarbeit soll es nun sein, das Programm einer Kindertheologie in seiner Bedeutsamkeit und unter besonderer Berücksichtigung des Kindergarten- und Vorschulalters überblickhaft darzustellen. So soll, beginnend mit der Entstehungsgeschichte des Programms, auf die grundlegenden Aspekte einer Kindertheologie, d.h. sowohl auf die mit dem Programm verbundenen Begrifflichkeiten und Zielvorstellungen als auch auf die Grundsätze und Bedingungen näher eingegangen werden, wobei dann auch Umgang (mit) und Umsetzung einer Kindertheologie ihre Berücksichtigung finden.
Hierzu werde ich mich vorwiegend auf die gleichnamigen, seit 2002 kontinuierlich veröffentlichten Jahrbücher für Kindertheologie und die dazugehörigen Sonderbände stützen, in denen die neueren, teils aus empirischen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse ausführlich dargestellt werden, mit dem Ziel, anhand ausgewählter Texte die immer wieder betonte Wichtigkeit einer Kindertheologie und der damit einhergehenden religiösen Entwicklung eines Kindes zu verdeutlichen.
Den Abschluss dieser Arbeit bildet ferner ein kritisches Resümee, [...].
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kindertheologische Grundsätze
2.1 Geistesgeschichtliche Hintergründe
2.2 Kind vs. Theologie?
3. Das Programm einer Kindertheologie
3.1 Definition und Dimensionen einer Kindertheologie
3.2 Religionspädagogische Grundsätze und Umgangsweisen
4. Kritisches Resümee
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, das Programm einer Kindertheologie im Hinblick auf seine Bedeutsamkeit und praktische Umsetzbarkeit, insbesondere im Kindergarten- und Vorschulalter, systematisch darzustellen und kritisch zu hinterfragen.
- Historische und geistesgeschichtliche Grundlagen der Kindertheologie
- Differenzierung zwischen Kindertheologie und Kinderphilosophie
- Definition der drei Dimensionen: Theologie von, mit und für Kinder
- Rolle von Eltern und Erziehenden als Begleiter religiöser Bildungsprozesse
- Kritische Reflexion über die Realisierbarkeit des Programms in der Praxis
Auszug aus dem Buch
2.1 Geistesgeschichtliche Hintergründe
„Jesus stellte das Kind in die Mitte und erhob es zum Vorbild. In einer Zeit, in der Kinder nicht viel galten, war diese Zeichenhandlung revolutionär. Doch die Christentumsgeschichte hielt diese hohe Wertschätzung des Kindes nicht durch und verbannte es oft auf die unterste Stufe, sah in ihm ein verdorbenes, törichtes Wesen, ein leeres Gefäß, das mit `richtigen´ Glaubensinhalten zu füllen sei.“
Kaum eine andere Phase menschlichen Lebens ist so oft und nachhaltig in ihrer heute so selbstverständlichen Bedeutsamkeit eingeschränkt worden wie die Kindheit: Kinder galten über Jahrhunderte hinweg „als unwissend und töricht, als ihren Trieben ausgeliefert, von ihren Launen hin- und hergerissen“. Da man ihnen kein eigenständiges und kompetentes Denken und Handeln zutraute, waren auch eigenständig entwickelte `theologisch-philosophische Erkenntnisse´ von Kindern lange Zeit undenkbar. Als prägnantes Beispiel führt Bucher hierbei René Descartes an, für den eine Theologie der Kinder schlichtweg unmöglich war, da seiner Ansicht nach die den Kindern angeborene Vernunft von ihren Trieben überlagert wird.
Diese Sichtweise vom Kind änderte sich dann jedoch grundlegend mit Jean Jacques Rousseau, dem `Begründer und Entdecker der Kindheit´. Resolut trat der Verfasser des pädagogischen Erziehungsromans `Emil´ mit der Annahme, dass Kinder, wie alles, was aus den Händen des Schöpfers kommt, von Natur aus gut seien, für den „Eigenwert der Kindheit ein, habe diese doch `eine eigene Art zu sehen, zu denken und zu fühlen´“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung thematisiert die Entstehung des kindertheologischen Projekts und betont die Fähigkeit von Kindern, eigene religiöse Gedanken zu entwickeln, während sie das Ziel der Arbeit absteckt.
2. Kindertheologische Grundsätze: Das Kapitel beleuchtet den historischen Wandel des Kindheitsbildes sowie das Verhältnis von Kindheit, Philosophie und Theologie.
3. Das Programm einer Kindertheologie: Hier werden Definitionen und Dimensionen der Kindertheologie sowie die religionspädagogischen Anforderungen an Erziehende erläutert.
4. Kritisches Resümee: Dieses Kapitel prüft, inwiefern das theoretische Programm einer Kindertheologie in der realen pädagogischen Praxis tatsächlich umsetzbar ist und wo Grenzen liegen.
Schlüsselwörter
Kindertheologie, Religionspädagogik, Kindheit, Gottesvorstellung, religiöse Entwicklung, Vorschulalter, Kindergarten, Subjektorientierung, Theologie mit Kindern, Kinderphilosophie, religiöse Bildung, Selbstbildung, Empirie, Erziehungspersonen, Glaubensinhalte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem „Programm einer Kindertheologie“ und untersucht, wie das Konzept der kindlichen Theologiefähigkeit theoretisch fundiert ist und praktisch im Kindergartenalltag gelebt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die Entstehungsgeschichte der Kindertheologie, den Einfluss der Entwicklungspsychologie, die Abgrenzung zur Kinderphilosophie und die pädagogische Rolle von Eltern und Erziehern ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Bedeutung der Kindertheologie aufzuzeigen und kritisch zu reflektieren, ob die hohen Ansprüche des Programms in der Realität der Vorschulerziehung umsetzbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, wobei sie sich vorwiegend auf die „Jahrbücher für Kindertheologie“ und einschlägige Fachliteratur der Religionspädagogik stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundsätze (Historie, Kindesbild) und die konkrete Ausformulierung des Programms (Dimensionen wie „Theologie mit Kindern“ und pädagogische Umgangsweisen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben der Kindertheologie insbesondere die religiöse Bildung, die Kompetenz von Kindern als Subjekte der Theologie und die Herausforderungen für pädagogische Bezugspersonen.
Warum wird die „romantische Idealisierung“ des Kindes kritisch betrachtet?
Die Autorin warnt davor, das Kindertheologie-Programm auf einem idealisierten Bild aufzubauen, da dies der komplexen Realität kindlicher Entwicklung und dem pädagogischen Alltag nicht gerecht wird.
Warum empfinden Erziehende das Programm oft als überfordernd?
Viele Erziehende fühlen sich zwischen der notwendigen professionellen Beobachtung und der authentischen pädagogischen Unterstützung hin- und hergerissen, insbesondere wenn ihnen spezifische fachdidaktische Kompetenzen für religiöse Bildung fehlen.
- Quote paper
- Christina Busch (Author), 2008, Das Programm einer Kindertheologie im Vorschulalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120031