In der vorliegenden Hausarbeit soll sich besonders mit der Machtbeziehung zwischen den Klient*innen und den Fachkräften im Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamts beschäftigt werden. Dabei wird aus einer psychologischen Perspektive
die Wirkungsweise der Macht in dieser Institution der Sozialen Arbeit näher erläutert. Folgenden Fragen sollen in der Hausarbeit nachgegangen werden: "Inwiefern üben Fachkräfte des Jugendamtes Macht auf die Klient*innen aus und
welche Auswirkungen hat dies auf die Zusammenarbeit?" Hierfür wird zunächst das psychologische Phänomen der Macht erläutert. Dabei werden unter anderem die Grundprinzipen und Formen von Macht dargestellt. Im zweiten Schritt wird näher
auf den Allgemeinen Sozialen Dienst eingegangen und die Zusammenarbeit von Fachkräften und Klient*in dargestellt. In einem dritten Schritt soll eine Verbindung geschaffen werden und somit die vorhandenen Machtstrukturen in der Zusammenarbeit der Klient*innen mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst ergründet werden. Mögliche Auswirkungen auf die Fachkräfte und Klient*innen sollen herausgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen von Macht
2.1 Grundprinzipien der Macht
2.1.1 Formen von sozialer Macht
2.1.2 Das Macht-Paradox
2.2 Jugendamt als Institution der Sozialen Arbeit
2.2.1 Der Allgemeine Soziale Dienst des Jugendamtes
2.2.2 Aufgabenbereiche des Allgemeinen Sozialen Dienstes
2.3 Machtprozesse in der Sozialen Arbeit
2.3.1 Machtauswirkungen im Allgemeinen Sozialen Dienst
2.3.2 Konstruktive Nutzung von Zwang in der Zusammenarbeit mit unmotivierten Klient*innen
2.3.3 Machtasymmetrie zwischen den Klient*innen und Fachkräften
2.3.4 Gelingende Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst
3 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die machttheoretischen Grundlagen in der Interaktion zwischen Klient*innen und Fachkräften im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) des Jugendamtes, um aufzuzeigen, wie Macht ausgeübt wird und welche Auswirkungen diese Asymmetrie auf die professionelle Zusammenarbeit hat.
- Psychologische und soziologische Definitionen von Macht
- Die Doppelrolle des Jugendamtes zwischen Hilfe und Kontrolle
- Machtasymmetrien im Arbeitsbündnis zwischen Fachkräften und Klient*innen
- Konstruktiver Umgang mit Zwang in der Arbeit mit unmotivierten Klient*innen
- Anforderungen an eine gelingende Beziehungsarbeit im Kinderschutz
Auszug aus dem Buch
2.3.2 Konstruktive Nutzung von Zwang in der Zusammenarbeit mit unmotivierten Klient*innen
Fachkräfte verfügen über einen erheblichen Einfluss auf ihre Klienten, besonders wenn Druck oder Zwang angewendet werden muss. In diesen Zwangskontexten können die Fachkräfte selbst auch nicht wählen. Sie müssen den Anforderungen seitens des Jugendamtes nachgehen und auf das ablehnende Verhalten der Klient*innen reagieren (vgl. Conen, 2019, S. 296). Fachkräfte des Allgemeinen Sozialen Dienstes versuchen bei einer Gefährdungslage zunächst ihre Klient*innen zu einer Verhaltensänderung auf einer freiwilligen Basis zu motivieren. Tritt dies jedoch nicht ein, wird Druck aufgebaut und notwendige Verhaltensänderungen werden eingefordert. Einen richtigen Zwang üben dann zuletzt gerichtliche Entscheidungen aus, bei welchen negative Sanktionen als Konsequenz auf das unerwünschte Verhalten folgen. Viele Klient*innen wollen diese Konsequenzen jedoch nicht tragen und stimmen einer „freiwilligen Hilfe“ zu (vgl. Conen, 2019, S. 295).
„Zwang kann helfen, a Klienten für Hilfen zu erreichen, die sie sonst nie erhalten hätten; b einen Einstieg in die Arbeit mit einem Klienten überhaupt zu ermöglichen; c bei Klienten eine Motivation aufzubauen; d eine beraterische oder therapeutische Arbeit mit Klienten zu ermöglichen; e die Bereitschaft für Veränderungen zu erhöhen; f Klienten, die sonst hoffnungslos ausgegrenzt wären, für eine Zusammenarbeit zu „gewinnen“; g Klienten mit der Verleugnung zu konfrontieren; h auch die Klienten zu erreichen, die auf Grund ihrer Hoffnungslosigkeit nie den Weg von sich aus finden würden, eine Hilfe anzunehmen“ (Conen & Cecchin, 2007, S. 74 zitiert nach Conen, 2019, S. 295)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema in der Sozialen Arbeit und stellt die Forschungsfrage nach der Machtausübung des Jugendamtes und deren Auswirkungen auf die Zusammenarbeit.
2 Definitionen von Macht: Dieses Kapitel liefert einen theoretischen Rahmen durch soziologische und psychologische Machtbegriffe sowie die Darstellung von Keltners Grundprinzipien der Macht.
2.1 Grundprinzipien der Macht: Hier werden die Mechanismen erläutert, wie Macht Status verändert und in sozialen Netzwerken wirkt, ergänzt um die klassischen Formen der sozialen Macht nach French und Raven.
2.1.2 Das Macht-Paradox: Dieses Unterkapitel thematisiert, wie der Prozess des Machtgewinns durch das "Macht-Paradoxon" zu einem Verlust an Empathie und moralischem Handeln führen kann.
2.2 Jugendamt als Institution der Sozialen Arbeit: Es wird die historische und rechtliche Einbettung des Jugendamtes als Institution zur Sicherung des Kindeswohls dargelegt.
2.2.1 Der Allgemeine Soziale Dienst des Jugendamtes: Dieses Kapitel definiert den ASD als bezirklich organisierten Basisdienst und erste Anlaufstelle für soziale Hilfeleistungen.
2.2.2 Aufgabenbereiche des Allgemeinen Sozialen Dienstes: Die vielfältigen Funktionen des ASD werden beschrieben, insbesondere die Rollen als Beratungs-, Vermittlungs- und Wächterinstanz.
2.3 Machtprozesse in der Sozialen Arbeit: Hier wird der innewohnende Widerspruch der Sozialen Arbeit zwischen Fürsorge und Kontrolle analysiert, der das Fachpersonal in ein Doppelmandat zwingt.
2.3.1 Machtauswirkungen im Allgemeinen Sozialen Dienst: Das Kapitel beleuchtet, wie der staatliche Schutzauftrag und der elterliche Vorrang in Konflikt geraten und Macht in der Kinderschutzpraxis manifestieren.
2.3.2 Konstruktive Nutzung von Zwang in der Zusammenarbeit mit unmotivierten Klient*innen: Hier wird diskutiert, unter welchen Umständen Zwang als notwendiges Mittel eingesetzt wird, um Hilfe überhaupt erst zu ermöglichen.
2.3.3 Machtasymmetrie zwischen den Klient*innen und Fachkräften: Anhand des Modells des Arbeitsbündnisses wird aufgezeigt, warum eine Partnerschaft auf Augenhöhe im Kontext staatlicher Eingriffe oft unrealistisch ist.
2.3.4 Gelingende Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst: Dieses Kapitel identifiziert Faktoren für gelingende Arbeit, die über reine Verfahrenstreue hinausgehen und auf den Aufbau tragfähiger Beziehungsarbeit setzen.
3 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Machtausübung im ASD unvermeidbar ist, aber durch Empathie und professionelle Reflexion in eine gelingende Zusammenarbeit überführt werden muss.
Schlüsselwörter
Allgemeiner Sozialer Dienst, Soziale Arbeit, Macht, Machtasymmetrie, Kinderschutz, Zwang, Hilfe und Kontrolle, Arbeitsbündnis, Macht-Paradox, Partizipation, Jugendamt, Sozialpädagogik, Beziehungsarbeit, Kindeswohlgefährdung, Empowerment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Machtstrukturen in der professionellen Beziehung zwischen Fachkräften des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) und den betreuten Klient*innen im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen Machttheorien, das Spannungsfeld zwischen Hilfegewährung und staatlicher Kontrolle sowie die Herausforderungen der Beziehungsgestaltung im Kinderschutz.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Inwiefern üben Fachkräfte des Jugendamtes Macht auf die Klient*innen aus und welche Auswirkungen hat dies auf die Zusammenarbeit?“
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der psychologischen Reflexion von Machtphänomenen sowie der Darstellung institutioneller Machtstrukturen im ASD.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Machtbegriffs, die institutionelle Analyse des Jugendamtes und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Doppelmandat von Hilfe und Kontrolle.
Welche Schlüsselbegriffe definieren diese Publikation?
Die wichtigsten Begriffe sind Machtasymmetrie, ASD, Kinderschutz, Arbeitsbündnis und das Macht-Paradox nach Keltner.
Wie kann Zwang in der Arbeit des Jugendamtes konstruktiv genutzt werden?
Zwang wird als Mittel verstanden, um Klient*innen, die sich der Hilfe entziehen, für eine Zusammenarbeit zu gewinnen oder den Zugang zu lebensnotwendigen Hilfsangeboten sicherzustellen.
Warum ist ein "Arbeitsbündnis auf Augenhöhe" im Kinderschutz oft schwierig zu erreichen?
Aufgrund des staatlichen Schutzauftrags und der rechtlichen Befugnisse des ASD liegt ein strukturelles Machtgefälle vor, das eine echte Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Eltern und Fachkräften erschwert.
- Arbeit zitieren
- Soffi Werner (Autor:in), 2022, Die Asymmetrie der Macht in der Arbeitsbeziehung zwischen den Klienten und Fachkräften im Allgemeinen Sozialen Dienst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1202265