Berufsausbildung in der DDR

Einflüsse der sozialistischen Ideologie auf die Berufspädagogik


Hausarbeit, 2006

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1. Ideologische Hintergründe
2.2. Berufsausbildung und Duales System

3. Berufsausbildung in der DDR
3.1. Überwindung des „Dualen Berufsausbildungssystems“
3.2. Strukturen und Inhalte der Berufsausbildung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Verwendete Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Die DDR war mit dem ausdrücklichen Ziel angetreten, die beiden zentralen Aufgaben eines jeden Ausbildungssystems – Herausbildung des politischen Bewusstseins und der Ausbildung marktfähiger Qualifikationen – in einer neuen Ausbildungsstruktur zu ordnen und sich somit von dem traditionsleitenden Dualen System deutlich abzusetzen.“ [1] Diese Aussage wirft die Frage auf, in welchem Ausmaß dies dem Regime der DDR gelang und was die Hintergründe und Motivationen hierfür waren. Handelte die DDR nur nach sowjetischem Vorbild, da sie noch deutlich von den geschichtlichen Ereignissen des 2. Weltkrieges geprägt war? Versuchte sie eine Vorreiterrolle innerhalb der sozialistisch regierten Staaten einzunehmen oder gar ein völlig neues sozialistisches Ausbildungsmodell zu konstituieren, welches zur optimalen Ausbildung der Arbeiterklasse bestimmt war?

Inhalt dieser Arbeit ist, diese Hintergründe und die sozialistischen Einflüsse auf die Berufspädagogik zu untersuchen und zu analysieren. Sie soll einen Einblick in die Strukturen der damaligen Berufsbildungspolitik gewähren und zeigen, wie sich die Ideologie nach den Lehren des Marxismus-Leninismus im beruflichen Ausbildungsalltag manifestiert hat.

Prägnant ist auch, dass die sozialistische Ideologie innerhalb des Bildungswesens einen gesetzlichen Rahmen bekam. Zum Beispiel mit dem 1965 verabschiedeten (mitteldeutschen) Bildungsgesetz, in dem Richtlinien für die weitere Entwicklung des Bildungswesens gesetzlich festgelegt und bis dahin durchgeführte und eingeleitete Maßnahmen zur „sozialistischen Umgestaltung“ systematisch zusammengefasst wurden. [2] „Alle Überlegungen zu einer Reform der Schulstruktur, des Lehrplans und ansatzweise der Unterrichtsmethoden gingen mit einer systemsichernden und ideologieaufgeladenen „patriotischen Erziehung“ einher, die zugleich, u.a. durch die seit 1954 stattfindende Jugendweihe vorangetrieben wurde.“ [3] Auf die ideologischen Einflüsse, welche im Vorfeld der Berufsausbildung stattgefunden haben, wie die Erziehung in Kindergärten oder die Schulausbildung, kann nicht näher eingegangen werden, da es den Rahmen dieser Arbeit überziehen würde. Ebenso muss auf eine tiefergehende Erläuterung im Detail verzichtet werden. Ziel ist, den beruflichen Ausbildungsteil der Jugendlichen in der DDR darzustellen und zu klären, welchen Einfluss die Ideologie dieser Zeit auf die Auszubildenden, die Lehrkräfte und die Berufsbildungspolitik hatte und aufzuzeigen welche Auswirkungen sich eventuell daraus ergaben. Zunächst werden einige Hintergründe, auf denen diese Arbeit fußt, erörtert, um eine verständnisvollere Basis zu schaffen. Im weiteren Verlauf sollen, mit Hilfe von Auszügen aus Vergangenheits- und Gegenwartsliteratur, o.g. Fragen geklärt und das Kernthema dargestellt werden.

2. Begriffsklärung

2.1. Ideologische Hintergründe

Die Frage nach der Ideologie oder vielmehr nach der Entwicklung der Ideologie der DDR, welche sich durch alle gesellschaftlichen Bereiche, somit auch durch die Berufsausbildung, zog und zum größten Teil durch gesetzliche Regelungen konstituiert wurde, ist mit eine der interessantesten Fragen und stellt einen großen Teil der Basis dieser Arbeit dar.

„In der unmittelbaren Nachkriegsperiode existierten Vorstellungen einer marxistisch-leninistischen Pädagogik höchstens im Rahmen der von der sowjetischen Besatzungsmacht gegebenen Direktiven.“ [4] John verweist, auch über andere Autoren, auf verschiedene pädagogische Strömungen, die zu dieser Zeit vorherrschten. „Das Vorhandensein unterschiedlicher geistiger Standpunkte [...] geriet seit Mitte 1947 zunehmend in Widerspruch zu den gesellschafts- und bildungspolitischen Intentionen der sich zu einer „marxistisch-leninistischen Kampfpartei“ formierenden SED, die sich die permanente Kritik der SMAD an den Erziehungswissenschaften zunehmend zu eigen machte. [...] Der unmittelbare Prozess der Durchsetzung des Marxismus-Leninismus in der Erziehungswissenschaft/Pädagogik setzte 1949 ein“. [5] Noch im selben Jahr wurde auf einer Sitzung der SED die Notwendigkeit des „ideologischen Kampfes“ auf dem Gebiet der Pädagogik herausgestellt, da die Partei die Konstituierung der marxistischen Pädagogik, die nach sowjetischem Vorbild entwickelt werden sollte, durch „wirre Auffassungen“, „schädliche und feindliche Theorien“ etc. , bedroht sah. Um dem entgegen zu wirken wurden auf dieser Tagung schulpolitische Richtlinien beschlossen in denen die Entwicklung „politisch bewusster und fachlich hochqualifizierter Lehrer“ gefordert wurde. Rigoros wurde dann zu Beginn der 50er Jahre die Auseinadersetzung mit der marxistisch-leninistischen Theorie vorangetrieben. Alle Bestrebungen liefen auf eine zentral gesteuerte und kontrollierte, sowie „meinungsmonopolisierende“ Führung durch die SED und deren Organe hinaus, in der die Haltung der Sowjetpädagogik zur Glaubensfrage stilisiert wurde. Doch die durch rigide politische und ideologische Disziplinierung angestrebte Durchsetzung des Marxismus-Leninismus stieß in der Erziehungswissenschaft auf Grenzen, wurde jedoch nach der Staatskrise 1953 neu modifiziert, wodurch die Bestrebungen die sozialistischen Ideale zu manifestieren, verstärkt wurden. [6] „Aus der Sicht der SED-Führung war es hohe Zeit, die schulpolitische Kontrolle wieder voll herzustellen. [...] Von der [...] heraufgeführten offenen Diktatur konnten die Diktatoren [...] nur um den Preis des eigenen Untergangs wegkommen. Ihn zu zahlen gedachten sie nicht.“ [7]

Wie man unmissverständlich feststellen kann, wurden nach Ende des zweiten Weltkrieges und der Gründung der DDR nicht nur Rahmen für eine Gesellschafts- und Bildungspolitik [8] durch das damalige Regime geschaffen, sondern es wurde ein ideologisches Idealbild einer Gesellschaft konzipiert, das allen Vorstellungen einer freien, liberalen und demokratischen Lebensweise widersprach, welches es aber so schnell wie möglich umzusetzen galt. Geißler spricht von „politisch-ideologischen Klärungsprozessen“, „sozialistischer Revolution auf dem Gebiet der Kultur“ oder „personalpolitischer Säuberung“ und „qualitativ neuer Umgestaltung des Schulwesens“. Auf allen Gebieten des kulturellen Lebens sollte die führende Rolle der Partei gefestigt werden, was mit der „ideologischen Auseinandersetzung an den Oberschulen in Bezug auf die moralisch-politische Verbundenheit der Lehrer, Erzieher und Schüler mit der Arbeiter-und-Bauern-Macht“ begann. Die Organe der SED, wie das Ministerium für Volksbildung (MfV), das die Aufgabe hatte das o.g. Idealbild mit zu konstituieren und zu propagieren, konzentrierte sich Ende der 50er auf die ideologische Arbeit an Schulen. Es sollte ein „System der wirklichen politischen Führung der Schule anstelle sporadischer Anleitung“ geschaffen werden. [9]

Mit dem 1965 verabschiedeten Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem („Bildungsgesetz“, Anhang Abb. 5), was neben anderen Verordnungen eines der wichtigsten in Bezug auf Bildung und Gesellschaft, der zur damaligen Zeit entstandenen Gesetze war, wurde die Ideologie auch für das Bildungswesen in rechtliche Rahmen gesteckt und rundete evident vorerst das Bild einer vollkommenen Bildungspolitik ab.

„Die siebziger und achtziger Jahre sind auf bildungspolitischem Gebiet vor allem dadurch geprägt, die in den sechziger Jahren getroffenen strukturellen und inhaltlichen Entscheidungen mit hoher Effizienz in der Praxis umzusetzen. Dieses Grundanliegen stand im Einklang mit der offiziellen Auffassung, dass die DDR [...] über eine theoretisch fundierte Strategie zur Gestaltung der „entwickelten sozialistischen Gesellschaft“ verfüge. Daraus resultierte die Forderung nach dem umfassenden Ausschöpfen qualitativer Parameter in allen gesellschaftlichen Bereichen, also auch im Bildungswesen. Diese Aufgabenstellung atmete den Geist einer gewissen „Endgültigkeit“. Die offizielle DDR glaubte [...] auf bildungspolitischem Gebiet das Konzept gefunden zu haben, mit dessen Hilfe auf lange Sicht der Sozialismus in der DDR vollendet werden konnte.“ [10] Da in der voran genannten Pädagogik und Bildungspolitik auch die Berufsausbildung und -pädagogik enthalten ist, ist die Frage nach dem Einfluss der Ideologie an dieser Stelle schon beantwortet. Die Berufsbildungspolitik und Berufsausbildung wurde also nicht nur beeinflusst, sondern durch die SED-Führung und deren Organe, wie dem MfV bestimmt und in klaren Linien reglementiert. In welchen Strukturen diese Reglementierungen organisiert wurden, wird im Abschnitt 3.2. und in Abb. 1 des Anhangs gezeigt. In der Frage nach der Motivation, diese sozialistische Ideologie aufzubauen, verweise ich auf John, der schrieb, „dass sich in der wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion zwei theoretische Grundauffassungen gegenüber stehen. Die einen sehen im Marxismus-Leninismus die ideologische Grundlage der DDR bzw. eine Theorie, die von der SED-Führung zur Gestaltung ihrer Politik angewandt wurde und diese bestimmte, die anderen charakterisieren dagegen den Marxismus-Leninismus als Instrument zur Legitimierung und Verschleierung von SED-Politik.“ [11]

[...]


[1] BIERMANN, Horst: Berufsausbildung in der DDR. Zwischen Ausbildung und Auslese. Opladen: Leske+Budrich, 1990, S. 6

[2] Vgl. VOGT, Hartmut: Berufsbildung in Mitteldeutschland. Gestaltungsgrundsätze und Entwicklungstendenzen nach dem Bildungsgesetz von 1965. Köln: Herausgegeben von der Bildungsabteilung des Deutschen Industrieinstituts, Materialien zu Bildungs- und Gesellschaftspolitischen Fragen, 1966, S. 1

[3] GEISSLER, Gert; Wiegmann, Ulrich: Pädagogik und Herrschaft in der DDR. Die parteilichen, geheimdienstlichen und vormilitärischen Erziehungsverhältnisse. Frankfurt/Main u.a.: Peter Lang Verlag, 1996, S. 134

[4] JOHN, Bernd: Ideologie und Pädagogik: zur Geschichte der vergleichenden Pädagogik in der DDR. Köln u.a.: Böhlau Verlag, 1998, S. 14

[5] JOHN, Bernd, 1998, a.a.O., S. 15 u. 16

[6] Vgl. JOHN, Bernd, 1998, a.a.O., S. 19ff

[7] GEISSLER, Gert; Wiegmann, Ulrich: 1996, a.a.O., S. 139

[8] Die Bildungspolitik der DDR wurde wissenschaftlich sowohl kurzfristig aufgrund aktueller Themen als auch langfristig geplant und mit wissenschaftlichen Methoden verwirklicht. Damit die Bildungspolitik gestaltend wirken konnte, beruft sie sich auf die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung. Das Kernproblem der Bildungspolitik bestand darin, die produktiven Fähigkeiten der Individuen allseitig zu entwickeln, wobei das primäre Interesse zunächst der Vervollkommnung der Fähigkeiten galt, da diese die Grundlage für die Herausbildung der allseitig entwickelten sozialistischen Persönlichkeiten waren.

(Vgl. NIERMANN, Johannes u. Monika, 1974, a.a.O., S. 54/55)

[9] Vgl. Geißler/Wiegmann, 1996, a.a.O., S. 137-140

[10] FUCHS, Hans-Jürgen: Petermann, Eberhard: Bildungspolitik in der DDR 1966 – 1990. Dokumente. Berlin, Wiesbaden: In

Kommission bei Otto Harrassowitz, 1991, S. 17

[11] JOHN, Bernd, 1998, a.a.O., S. 8 u. 9

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Berufsausbildung in der DDR
Untertitel
Einflüsse der sozialistischen Ideologie auf die Berufspädagogik
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Einführung in Wirtschaftspädagogik)
Veranstaltung
Wirtschaftspädagogisches Proseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V120250
ISBN (eBook)
9783640241224
ISBN (Buch)
9783640249091
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berufsausbildung, Wirtschaftspädagogisches, Proseminar, DDR, sozialistisch, Ideologie, Pädagogik, Berufspädagogik
Arbeit zitieren
Christian Schäfer (Autor), 2006, Berufsausbildung in der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120250

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