Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Film Science

„Kolberg“ – Der letzte Propagandafilm des Dritten Reiches

Title: „Kolberg“ – Der letzte Propagandafilm des Dritten Reiches

Term Paper , 2005 , 15 Pages , Grade: Sehr Gut

Autor:in: MMag. Silvia Kornberger (Author)

Film Science
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

„In their war propaganda films the Nazis, of course, pictured themselves exactly as they wanted to be seen, and when, with the passing of time, some traitor lost its attraction, the propaganda experts did not hesitate to suppress it.“ (Kracauer)

Trotz Aufruf zum „Widerstand bis zum Letzten“ klaffen Realität und Fiktion weit auseinander: Am 19. März schreibt Goebbels angesichts der verlustreichen Lage an der deutschen Ostfront: „Kolberg haben wir nunmehr räumen müssen. Die Stadt, die sich mit einem so außerordentlichen Heroismus verteidigt hat, konnte nicht mehr länger gehalten werden. Ich will dafür sorgen, dass die Räumung von Kolberg nicht im OKW-Bericht verzeichnet wird. Wir können das angesichts der starken psychologischen Folgen für den Kolberg-Film augenblicklich nicht gebrauchen.“

Die berechnete Verführung durch Ästhetisierung und Theatralisierung politischer Inhalte zur Mobilisierung des kollektiven Patriotismus ging nicht mehr auf. An der rauen Wirklichkeit prallte auch die schauspielerische Leistung der UFA-Stars wie Söderbaum oder George ab, denn weder Dialogführung noch der Einsatz symbolträchtiger Bilder konnten zu diesem Zeitpunkt noch mit der Realität Schritt halten.
Der Film zum universalisierten „deutschen Heldentum“ steht auch im Vergleich zur medialen Berichterstattung der späten NS-Täterprozesse Ende Fünfzigerjahre und des spektakulären Eichmann-Prozesses 1960/61 in Israel – nach Abflauen der alliierten Entnazifizierungsmaßnahmen – als sich öffentliche Stimmung wieder allmählich zu Gunsten der Täter veränderte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Prolog

1. Die Intention hinter „Kolberg“

1.1 Eine filmische Materialschlacht

1.2. Die Entstehungsgeschichte

1.3. Propagandaerfahrene Publikumslieblinge werben fürs Durchhalten

1.3.1. Kristina Söderbaum – die Verkörperung des nationalsozialistischen Frauentypus

1.3.2. Heinrich George – ein wandlungsfähiger Schauspieler

2. „Blut und Boden“- Dialogführung

3.1. „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“ – Misstrauen gegenüber hohen Militärs

3.2. Aufruf zur Opferbereitschaft

3.3. Maria – das Ideal des „deutschen Mädchens“

3.4. Der Feind

4. Deutsche Filmästhetik im Kontext mit dem Faschismus

4.1. Massenszenen verbildlichen den „Volkskörper“

4.2. Der mächtige Feind

4.3. Optische Umsetzung des nationalsozialistischen Frauenbildes

4.4. Der Feind im eigenen Lager

4.4. „Gott ist mit den Gerechten“

5. Epilog

6. Appendix

6.1. Literaturverzeichnis

6.2. Filmographie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den nationalsozialistischen Propagandafilm „Kolberg“ hinsichtlich seiner Funktion als Instrument zur Mobilisierung der Bevölkerung in der Endphase des Zweiten Weltkriegs. Dabei wird analysiert, durch welche filmischen Stilelemente, Dialoge und Darstellungsformen das NS-Regime versuchte, das Publikum zum „Durchhalten“ zu bewegen und ein völkisches Gemeinschaftsgefühl zu evozieren.

  • Analyse der Entstehungsgeschichte und Intention des Films „Kolberg“.
  • Untersuchung der propagandistischen Wirkungsweise von Dialogführung und Bildsprache.
  • Darstellung der idealisierten Rollenbilder (Frauen- und Heldenbild) im Kontext des Nationalsozialismus.
  • Deutung der filmischen Ästhetik und Massenszenen als Instrument der Ideologievermittlung.
  • Diskussion über das Scheitern der filmischen Propaganda angesichts der realen Kriegslage.

Auszug aus dem Buch

1.1 Eine filmische Materialschlacht

Kurz vor der endgültigen Niederlage Nazideutschlands sollte die letzte Uraufführung eines NS-Filmes das Volk nochmals zum „Durchhalten“ aufrufen. Der deutsche Propagandafilm „Kolberg“ wurde am symbolträchtigen 30. Jänner 1945 – dem zwölften Jahrestag der nationalsozialistischen Machtübernahme – gleichzeitig im zerbombten Berlin und in der heiß umkämpften Atlantikfestung La Rochelle uraufgeführt, wobei hier die Filmrollen bereits per Fallschirm abgeworfen werden mussten. Die Lage in Berlin sah zu dieser Zeit nicht viel rosiger aus, denn die Rote Armee war kaum 80 km von der Hauptstadt des Dritten Reichs entfernt und die kriegsbedingte Tristesse angesichts der unaufhaltsamen Niederlage hatte bereits vom Großteil der deutschen Bevölkerung Besitz ergriffen. Die beabsichtigte propagandistische Wirkung des monumentalen Nazi-Machwerks hielt sich daher in Grenzen und „das Volk“ verzichtete auf einen heroischen „Abwehrkampf“.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Prolog: Die Einleitung erläutert die Auswahl des Films „Kolberg“ als Forschungsgegenstand und skizziert die Fragestellungen zur propagandistischen Gestaltung im Vergleich zu anderen Werken der NS-Zeit.

1. Die Intention hinter „Kolberg“: Dieses Kapitel behandelt den historischen Kontext der Entstehung des Films unter Veit Harlan sowie die Rolle der UFA-Stars bei der Vermittlung der Durchhalte-Ideologie.

2. „Blut und Boden“- Dialogführung: Der Abschnitt analysiert die spezifische Rhetorik des Films, die darauf abzielte, rationale Kritik auszuschalten und stattdessen eine hochgradig emotionale, auf Opferbereitschaft ausgerichtete Stimmung zu erzeugen.

3.1. „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“ – Misstrauen gegenüber hohen Militärs: Die Untersuchung zeigt auf, wie der Film das Misstrauen der NS-Führung gegenüber den eigenen Militärs durch die Figur Nettelbeck und die Dolchstoßlegende verarbeitet.

3.2. Aufruf zur Opferbereitschaft: Hier wird thematisiert, wie der Film die totale Aufopferung für die Heimat als höchste Bürgerpflicht propagiert, bis hin zur Verherrlichung des eigenen Untergangs.

3.3. Maria – das Ideal des „deutschen Mädchens“: Kapitel 3.3 analysiert das Frauenbild, das im Film als naiv, opferbereit und untergeordnet dargestellt wird, um nationalsozialistische Moralvorstellungen zu festigen.

3.4. Der Feind: Es wird untersucht, wie der französische Gegner dargestellt wurde, um durch die Stärke des Feindes den vermeintlichen heroischen Triumph der Verteidiger künstlich aufzuwerten.

4. Deutsche Filmästhetik im Kontext mit dem Faschismus: Dieser Teil betrachtet die visuelle Gestaltung des Films, insbesondere den Einsatz von Massenszenen zur Verbildlichung des „Volkskörpers“.

4.1. Massenszenen verbildlichen den „Volkskörper“: Das Kapitel erläutert die Funktion dynamischer Massenszenen, die den Zuschauer emotional in das Geschehen integrieren und zur Einhaltung der nationalsozialistischen Normen bewegen sollen.

4.2. Der mächtige Feind: Die optische Inszenierung des Feindes wird als Mittel analysiert, um eine militärische Ästhetik zu erzeugen, die an Riefenstahls Parteitagsfilme erinnert.

4.3. Optische Umsetzung des nationalsozialistischen Frauenbildes: Hier steht die visuelle Repräsentation Marias als „germanisches“ Ideal und Symbol für die Heimat im Vordergrund.

4.4. Der Feind im eigenen Lager: Es wird beleuchtet, wie abweichende Charaktere, wie der pazifistische Musiker oder der als schwach dargestellte Kommandant, als Feindbilder innerhalb der eigenen Reihen fungieren.

4.4. „Gott ist mit den Gerechten“: Das Kapitel diskutiert den gezielten Rückgriff auf christliche Symbolik und die Amtskirche, um die nationalsozialistische Durchhaltetaktik ideologisch religiös zu legitimieren.

5. Epilog: Das Schlusswort stellt den Film der Realität der Kriegsniederlage gegenüber und reflektiert die spätere Wahrnehmung und Instrumentalisierung in der Nachkriegszeit.

6. Appendix: Der Anhang bietet das Literaturverzeichnis und die Filmographie als Belege für die durchgeführten Analysen.

Schlüsselwörter

Kolberg, Veit Harlan, NS-Propagandafilm, Durchhalten, Opferbereitschaft, Volkskörper, Joachim Nettelbeck, Kristina Söderbaum, Heinrich George, Ideologie, Nationalsozialismus, UFA, Filmästhetik, Heldentum, Zweiter Weltkrieg.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht den Propagandafilm „Kolberg“ (1945) als Medium zur ideologischen Mobilisierung der deutschen Bevölkerung am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind die propagandistische Dialogführung, die filmische Ästhetik des „Volkskörpers“, die Konstruktion von Feindbildern sowie die Darstellung nationalsozialistischer Rollenbilder.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, mit welchen spezifischen Stilelementen und narrativen Strategien der Film versuchte, den Glauben an einen Sieg trotz aussichtsloser militärischer Lage zu erzwingen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die den Inhalt, die Dialoge, die schauspielerische Darstellung und die visuelle Gestaltung des Films in einen historischen Kontext setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Intention, die sprachliche Gestaltung („Blut und Boden“-Rhetorik) und die Analyse der filmästhetischen Umsetzung nationalsozialistischer Ideale.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Publikation?

Die wichtigsten Begriffe sind NS-Propagandafilm, Durchhalteparolen, Kolberg, Veit Harlan, Volkskörper und nationale Identität.

Wie werden Frauenrollen in „Kolberg“ dargestellt?

Frauen werden primär als opferbereit, bodenständig und untergeordnet dargestellt, um das nationalsozialistische Ideal der „deutschen Frau“ zu stützen.

Warum wird im Film das „Misstrauen gegenüber hohen Militärs“ thematisiert?

Dies diente dazu, die Niederlage gegen Napoleon auf die Diplomaten und Militärs zu schieben, analog zur Dolchstoßlegende, um das Vertrauen in die NS-Kriegsführung zu retten.

Welche Rolle spielt die christliche Symbolik im Film?

Der Film nutzt religiöse Motive, wie den Dom und christliche Werte, um den NS-Kampf als eine von höherer Instanz legitimierte Mission darzustellen.

Excerpt out of 15 pages  - scroll top

Details

Title
„Kolberg“ – Der letzte Propagandafilm des Dritten Reiches
College
University of Vienna  (Institut für Zeitgeschichte)
Course
VL Das 20. Jahrhundert auf der Leinwand: Spielfilm-Geschichte (n)
Grade
Sehr Gut
Author
MMag. Silvia Kornberger (Author)
Publication Year
2005
Pages
15
Catalog Number
V120467
ISBN (eBook)
9783640242023
ISBN (Book)
9783640252596
Language
German
Tags
Propagandafilm Dritten Reiches Jahrhundert Leinwand Spielfilm-Geschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
MMag. Silvia Kornberger (Author), 2005, „Kolberg“ – Der letzte Propagandafilm des Dritten Reiches, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120467
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  15  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint