Um in einer Fremdsprache erfolgreich kommunizieren zu können, sind verschiedene Fertigkeiten notwendig. Sowohl die Grammatik, als auch der nicht weniger bedeutende Bereich des Wortschatzes nehmen dabei einen wesentlichen Stellenwert ein.
Dabei ist insbesondere der Stellenwert der Grammatik in der Fremdsprachendidaktik sehr umstritten. Nach Ansicht des herkömmlichen Fremdsprachenunterrichts ist ein Sprachenlernen ohne Grammatik schlichtweg unmöglich. Andererseits vertreten Anhänger der direkten Methode die Ansicht, Grammatik habe im Fremdsprachenunterricht gar nichts zu suchen. In der kommunikativ- funktionalen Grammatik hingegen ist das Erlernen der korrekten sprachlichen Form (Perfekt, Konjunktiv II usw.) nicht das eigentliche Ziel, sondern der intentions- und situationsadäquate Gebrauch dieser Mittel durch den Lernenden Hier wird also besonderes Augenmerk darauf gelegt, in welchen kommunikativen Situationen die gelernten Strukturen am häufigsten verwendet werden.
Das Lernen von Wörtern beziehungsweise Vokabeln erfolgt normalerweise seriell, das heißt in beliebiger Reihenfolge und ungeordnet. Der Wortschatz wird in der Regel autonom, also vom Lernenden eigenständig außerhalb des Unterrichts erlernt. Ziel der Wortschatzarbeit wäre es allerdings, dem Lernenden durch Aufzeigen von Lernstrategien und gezielten Übungen bei der Verinnerlichung des erlernten Wortschatzes Hilfe zu leisten.
Das Lernen von Grammatikthemen hingegen wird stärker in der Klasse thematisiert und dabei im Umfang und Verlauf durch die Lehrpersonen gelenkt.
In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich kontrastiv mit den Lern- und Lehrmethoden im Bereich Grammatik und Wortschatz und deren Funktion im Fremdsprachenlernen, insbesondere im Erlernen des Deutschen, näher auseinandersetzen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Wortschatz - Begriffsklärung
Grammatik - Begriffsklärung
Ziele und Funktion der Grammatikvermittlung
Methodische Schritte der Grammatikvermittlung
Orientierung
Systematik
Automatisierung
Zusammenfassung
Ziele und Funktion der Wortschatzvermittlung
Methodische Schritte der Wortschatzarbeit
Präsentation und Orientierung
Vermittlung neuer lexikalischer Einheiten
Üben und Anwenden
Wiederholen und Lernkontrolle
Beispiele für Übungstypen der Wortschatzvermittlung
Beispiele für Grammatikübungen
Beispiele für übergreifende Übungen
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kontrastiv die Lern- und Lehrmethoden der Grammatik- und Wortschatzvermittlung im Kontext des Fremdsprachenlernens, insbesondere des Deutschen. Ziel ist es, die Funktionen dieser Bereiche sowie effektive methodische Vorgehensweisen zu beleuchten, um die Verinnerlichung und praktische Anwendung durch Lernende zu optimieren.
- Stellenwert und didaktische Einordnung von Grammatik und Wortschatz
- Methodische Phasen der Vermittlung (Orientierung, Systematik, Automatisierung)
- Entwicklung von Lernstrategien zur Förderung der Autonomie
- Praktische Umsetzung durch diverse Übungstypen (Zuordnung, Lückentexte, Kettenübungen)
- Kontrastive Betrachtung der Lernprozesse unter Berücksichtigung der Erstsprache
Auszug aus dem Buch
Methodische Schritte der Wortschatzarbeit
An erster Stelle stehen die Darbietung des neuen Materials (Aussprache, Schreibweise) und dessen Semantisierung (Bedeutungsklärung). Semantisierung im Anfängerunterricht beschränkt sich auf die Hauptbedeutung eines Wortes, konnotative und kulturspezifische Bedeutung wird erst im fortgeschrittenen Lernstadium vermittelt, da dieses Verständnis hohes Lernniveau verlangt. Bedeutungsunterschiede ergeben sich oft aus historischen, sozialen, kulturellen und funktionalen Bedingungen, unter denen Menschen miteinander kommunizieren. Hinter den einzelnen Begriffen verbergen sich immer sehr konkrete Vorstellungen, die individuell und kulturspezifisch geprägt sind. Dieses interkulturelle Wissen sollte im Unterricht stets übermittelt werden.
Bei der Vermittlung neuer lexikalischer Einheiten wird ein aktiver Wortschatzbesitz angestrebt, die sich nicht auf reines Lese- oder Hörverstehen beschränken darf. Um dieser Forderung gerecht zu werden, werden lexikalische Einheiten in Kontexten und nicht isoliert vermittelt. Bei der Entwicklung des Lese- und Hörverstehens bilden Texte die Rezeptionsgrundlage, d.h. sie sind sowohl das Ziel, als auch die Grundlage der Wortschatzarbeit.
Die Wortschatzvermittlung ist aufgrund ihres Umfangs sehr übungsintensiv, daher entwickeln die Lerner im Idealfall Techniken und Lernstrategien, die ihnen beim selbstständigen Lernen außerhalb des Unterrichts hilfreich sind. „Lernstrategien sind bewusste Pläne, auf die der Lerner bei Versuchen zurückgreift, seine Kompetenz in der Fremdsprache zu verbessern. Sie werden eingesetzt, um Hypothesen über Eigenschaften und Regelmäßigkeiten der neuen Sprache zu bilden und zu überprüfen.“ Eine wichtige Technik im Bereich der Wortschatzarbeit stellt das assoziative Denken dar. Die dadurch entstandenen Verknüpfungen helfen, Wörter miteinander in Verbindung zu bringen und sie somit leichter zu internalisieren. Es ist schwierig, isolierte, einzelne Wörter zu behalten und zu erinnern; einfach ist es, viele Wörter in Netzen zu verknüpfen, sie so zu behalten und zu erinnern.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Umreißt die Notwendigkeit von Grammatik und Wortschatz für die Kommunikation und stellt das Ziel der kontrastiven Betrachtung von Lernmethoden im Deutschen als Fremdsprache vor.
Wortschatz - Begriffsklärung: Definiert den Begriff Wortschatz und unterscheidet zwischen aktivem, passivem und potenziellem Wortschatz sowie Internationalismen.
Grammatik - Begriffsklärung: Unterscheidet drei Ebenen der Grammatik im Fremdsprachenunterricht: die Sprache der Muttersprachler, das vermittelte Wissen darüber und die Fähigkeit der Lernenden zur Anwendung.
Ziele und Funktion der Grammatikvermittlung: Erläutert, wie Grammatikkenntnisse das Lernen stabilisieren und beschleunigen, indem sie Orientierung bieten und die Selbstkontrolle im Sprachgebrauch ermöglichen.
Methodische Schritte der Grammatikvermittlung: Schlägt eine Unterteilung der Behandlung in die vier Phasen Orientierung, Systematik, Automatisierung und Zusammenfassung vor.
Ziele und Funktion der Wortschatzvermittlung: Definiert das Generalziel als Aneignung eines dauerhaften, schnell abrufbaren und korrekt anwendbaren Wortschatzbesitzes für kommunikative Situationen.
Methodische Schritte der Wortschatzarbeit: Beschreibt den Prozess von der Präsentation über die Semantisierung und Vermittlung in Kontexten bis hin zur Bedeutung von Lernstrategien.
Üben und Anwenden: Behandelt die Notwendigkeit strukturierter Übungen zur Speicherung und flexiblen Verwendung neuer Wörter.
Wiederholung und Lernkontrolle: Betont den Abschluss der Unterrichtseinheit durch Überprüfung des Gelernten.
Beispiele für Übungstypen der Wortschatzvermittlung: Stellt konkrete Übungsformen wie Zuordnungsaufgaben und das Finden unpassender Wörter vor.
Beispiele für Grammatikübungen: Zeigt praktische Ansätze wie Lückentexte und Lückentabellen zur aktiven Festigung von Strukturen.
Beispiele für übergreifende Übungen: Präsentiert komplexe Formate wie Kettenübungen und das Switchboard, die verschiedene Fertigkeiten kombinieren.
Zusammenfassung: Reflektiert den unterschiedlichen Prozess des Zweitspracherwerbs gegenüber dem Erstspracherwerb und unterstreicht das notwendige Ineinandergreifen von Grammatik- und Wortschatzarbeit.
Schlüsselwörter
Fremdsprachendidaktik, Grammatikvermittlung, Wortschatzarbeit, Lernstrategien, Kontrastive Methode, Semantisierung, Sprachlehrforschung, Deutsch als Fremdsprache, Lexik, Grammatikalische Strukturen, Kommunikation, Didaktik, Sprachvermittlung, Aktiver Wortschatz, Lernergrammatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt kontrastiv die Methoden zur Vermittlung von Grammatik und Wortschatz im Unterricht von Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache.
Welche Themenfelder sind zentral?
Zentral sind die Didaktik der Wortschatzarbeit, die Strukturierung von Grammatikunterricht, die Anwendung von Lernstrategien und der Einsatz verschiedener Übungstypen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch methodisch durchdachte Schritte und die Vermittlung von Lernstrategien der Sprachlernprozess effizienter gestaltet und die Sprachkompetenz der Lernenden verbessert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine kontrastive Betrachtungsweise der Lern- und Lehrmethoden, gestützt auf fachdidaktische Literatur und existierende Konzepte zur Fremdsprachenvermittlung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsklärungen, die Darstellung didaktischer Phasen für Grammatik und Wortschatz sowie eine Vielzahl an konkreten praktischen Übungsbeispielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fremdsprachendidaktik, Wortschatzarbeit, Grammatikvermittlung, Lernstrategien, Semantisierung und kommunikative Kompetenz.
Warum wird im Buch zwischen "aktivem" und "passivem" Wortschatz unterschieden?
Die Unterscheidung ist für die Methodik essenziell, da die Förderung des aktiven Wortschatzes, den der Lerner produktiv einsetzen kann, eine andere didaktische Herangehensweise erfordert als das reine Verständnis (passiver Wortschatz).
Welche Bedeutung misst die Autorin dem interkulturellen Wissen bei der Wortschatzvermittlung bei?
Sie betont, dass Wörter oft mit sehr konkreten, kulturspezifischen Vorstellungen verknüpft sind, weshalb dieses interkulturelle Wissen im Unterricht unerlässlich ist, um Bedeutungsnuancen korrekt zu erfassen.
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- Sandra Götz (Autor), 2008, Grammatik- und Wortschatzvermittlung kontrastiv betrachtet, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120508