Für die Pädagogik, die Erziehung als auch für die Bildungsprozesse stellt die Frage nach dem „animal symbolicum“ eine Wende bzw. einen neuen Blickpunkt in der Anthropologie dar. Diesbezüglich wird Bildung als ein Erlernen und Anwenden von symbolischen Formen definiert und der Mensch als ein symbolisches Wesen verstanden.
Im Fokus dieser Arbeit stehen die menschliche Fähigkeit zur Sprache, ihr Symbolcharakter und die Bedeutung für den Menschen und dessen Wesenswerdung. Als Bezugspunkt hierfür dienen die Ausführungen Wilhelm Diltheys zum Ausdrucksvermögen, zum Verstehensprozess und zur Kunst, welche im Kontext zu seinem „Plan der Fortsetzung zum Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften“ stehen.
Zu Beginn der Arbeit möchte ich relevante Begrifflichkeiten klären, die für das Selbst- und Fremdverstehen von Bedeutung sind. Hierrunter fallen beispielsweise Ausdruck, Lebensäußerungen und Erleben. Im Folgenden möchte ich das Menschenbild Diltheys, die Entstehung und die Formen des Verstehens, als auch die Wechselwirkung und Abhängigkeit der Individuen voneinander darstellen. In diesem Zusammenhang möchte ich die bildende Wirkung und den Nutzen der Sprache klären. Neben der Darstellung der Ausdrucks- und Verstehenstheorie Ditheys möchte ich die Frage untersuchen, welche Bedeutung die Sprache und die Annahme von symbolischen Formen für die Kunst hat. Hierbei sollen die Schaffenskraft des Künstlers, speziell des Musikers und des Poeten betrachtet werden und die (ästhetische) Wirkung der Kunst.
Inhaltsverzeichnis
1) Vorwort
2.1) Begriffsbestimmungen
2.2.1) Was meint „Verstehen“?
2.2.2) Diltheys vorherrschendes Menschenbild
2.2.3) Die Beziehung zwischen Ich und Du
2.2.4) Die Wirkung des Verstehens und die Notwendigkeit für den Menschen
3) Das Verstehen der Kunst (Poetik, Musik) und ihre (symbolische) Bedeutung
4) Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Menschenbild des Philosophen Wilhelm Dilthey, insbesondere dessen Konzeption des Menschen als "animal symbolicum". Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Sprache, Ausdruck und der Verstehensprozess die menschliche Wesenswerdung und die soziale Interaktion prägen sowie welche Rolle die Kunst in diesem Kontext für das Verständnis von Fremderfahrungen spielt.
- Wilhelm Diltheys Anthropologie und die Theorie des Ausdrucks
- Die Dynamik von Selbst- und Fremdverstehen
- Die Bedeutung von Sprache und Symbolen für die menschliche Kommunikation
- Wechselwirkungen zwischen Individuum, Gesellschaft und kultureller Prägung
- Die ästhetische Erfahrung durch Kunst als Form des Nacherlebens
Auszug aus dem Buch
2.1) Begriffsbestimmungen
Die menschliche Kommunikation und das damit verbundende Verstehen knüpfen sich nach Diltheys Auffassung an sogenannte Lebensäußerungen. „Das Gegebene sind hier immer Lebensäußerungen. In der Sinnenwelt auftretend, sind sie der Ausdruck eines Geistigen; so ermöglichen sie uns, dieses zu erkennen. Ich verstehe hier unter Lebensäußerung nicht nur die Ausdrücke, die etwas meinen oder bedeuten (wollen), sondern ebenso diejenigen, die ohne solche Absicht Ausdruck eines Geistigen ein solches für uns verständlich machen.“
Diese Äußerung führt zahlreiche Aspekte an, die Grundlage für das Verstehen bilden. Zum einen definiert Dilthey die Welt als eine Sinn- und Ausdruckswelt, in der sich die Innenwelt bzw. das Geistige des Menschen auszudrücken vermag. Dieser Ausdruck erfolgt über die Lebensäußerungen bzw. ist mit diesen gleichzusetzen, zu denen die beabsichtigten, bedeutungsvollen Ausdrücke zählen, als auch die zufälligen, ungewollten.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Vorwort: Dieses Kapitel führt in die anthropologische Bedeutung des "animal symbolicum" ein und legt den Fokus auf Diltheys Theorien zum Ausdrucksvermögen und Verstehensprozess.
2.1) Begriffsbestimmungen: Es werden grundlegende Termini wie Lebensäußerung, Ausdruck und Erleben definiert, die als Basis für Diltheys Hermeneutik dienen.
2.2.1) Was meint „Verstehen“?: Das Kapitel beleuchtet den Ursprung des Verstehens im praktischen Leben und unterscheidet zwischen elementaren und höheren Formen des Verstehens.
2.2.2) Diltheys vorherrschendes Menschenbild: Hier wird der Mensch als Ausdruckswesen innerhalb kultureller Ordnungssysteme dargestellt, wobei Zeitlichkeit und das Prinzip der Individuation zentrale Rollen spielen.
2.2.3) Die Beziehung zwischen Ich und Du: Es wird analysiert, wie durch die Wechselwirkung von Selbst- und Fremdverstehen ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem Ich und dem Du entsteht.
2.2.4) Die Wirkung des Verstehens und die Notwendigkeit für den Menschen: Dieses Kapitel resümiert die Bedeutung des Verstehens für die Entwicklung des Menschen im Kontext sprachlicher Symbole.
3) Das Verstehen der Kunst (Poetik, Musik) und ihre (symbolische) Bedeutung: Hier wird die Kunst als ästhetische Bildung und Form des Nacherlebens untersucht, mit besonderem Blick auf Dichtung und Musik.
4) Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse über die tragende Rolle von Sprache und der Angewiesenheit auf den Anderen für Bildungsprozesse zusammen.
Schlüsselwörter
Wilhelm Dilthey, animal symbolicum, Hermeneutik, Verstehensprozess, Lebensäußerungen, Ausdruck, Anthropologie, Bildungsprozess, Nacherleben, Symbolik, ästhetische Erfahrung, Individuation, Fremdverstehen, Kommunikation, Geistige Welt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Untersuchung grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die anthropologische Vorstellung des Menschen als "animal symbolicum" auf Basis der philosophischen Schriften Wilhelm Diltheys.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Ausdruckstheorie, der Hermeneutik (Verstehen), der zwischenmenschlichen Kommunikation und der Bedeutung der Kunst für das menschliche Erleben.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die bildende Wirkung von Sprache und Symbolen sowie die Notwendigkeit des Verstehens für die menschliche Entwicklung zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Untersuchung, die hermeneutische Ansätze nutzt, um Diltheys Texte zu interpretieren und in einen pädagogischen Kontext zu setzen.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der Differenzierung des Verstehensbegriffs, dem Verhältnis von Ich und Du sowie der Analyse von Kunstwerken als Ausdrucksmedien.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?
Zu den Schlüsselbegriffen gehören Lebensäußerung, Nacherleben, Ausdrucksvermögen, symbolische Formen und das Prinzip der Individuation.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "elementarem" und "höherem" Verstehen eine Rolle?
Diese Unterscheidung hilft zu verdeutlichen, wie wir sowohl Alltagssituationen bewältigen als auch komplexe, fremde Lebenswelten durch Nacherleben erschließen.
Wie trägt die Kunst zur menschlichen Wesenswerdung bei?
Kunst ermöglicht laut Dilthey ästhetische Erfahrungen, durch die wir die Welt und die Gefühle anderer Menschen nachempfinden können, was unseren geistigen Horizont erweitert.
- Citar trabajo
- Marlen Berg (Autor), 2008, Kannst du mich verstehen?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120606