Verpflichtet Macht zu Gewalt?

Zum Verhältnis von Macht und Gewalt im Kontext von Bandenkriminalität mit Beispielen aus dem Film "Departed" (2006)


Hausarbeit, 2007

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung: Über das Recht und die Pflicht zur Gewaltanwendung

2. Der Begriff der Macht
2.1. Instrumentelle Macht
2.2. Aktionsmacht

3. Macht und Gewalt in Gruppen

4. Machtbilder – Selbstbilder

5. Glaubwürdigkeit

6. Befehlsgewalt vs. Ausführende Gewalt

7. Fazit

Bibliografie

1. Einleitung: Über das Recht und die Pflicht zur Gewaltanwendung

„Ich will nicht das Produkt meiner Umwelt sein. Ich will, dass meine Umwelt ein Produkt von mit ist.“ Mit diesen Worten leitet Francis „Frank“ Costello (Jack Nicholson) die Handlung des Filmes The Departed, einem Thriller um die irische Mafia, ein.

Impliziert wird hier die Vorstellung von Macht – Macht über die Realität - als eine Legitimation zur Willkür: Macht wird verstanden als das Recht die Realität zu „produzieren“, zu formen; die Person in der Machtposition wird zur Schöpferfigur, Realität zu einem Untergebenen. Aber ist Costellos Einschätzung seiner Situation angemessen? Ist er nicht allein durch das Äußern einer solchen Machtvorstellung bereits „das Produkt seiner Umwelt“, die ihm diese Denkweise gelehrt hat? Steht er nicht als fiktive Figur in einer langen Tradition von „Vorbildern“? Die Macht des prototypischen Mafiabosses gründet sich auf die Erfüllung einer Erwartungshaltung, die von der „Umwelt“ vorgegeben wird. Sein intelligenter Charme, sein bizarrer Witz, seine kaltblütige Grausamkeit qualifizieren Costello für die Figur des Mafiabosses und er ist gebunden an diese Eigenschaften, wenn er seine Integrität als Bandenanführer nicht aufs Spiel setzen will. Es wäre ihm in seiner Funktion als Anführer, der seine Macht auf die Furcht seiner Untergebenen gründet, nicht möglich, keine Gewalt gegen einen Feind anzuwenden, selbst wenn er es wollte. Denn Inkonsequenz wird dem Mächtigen als Schwäche ausgelegt und die Offenbarung von Schwäche unterminiert das Furchtgerüst, auf das er seine Macht gründet.

In diesem Aufsatz habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, darzulegen, dass Macht, die sich auf die Furcht Untergebener stützt, nicht, wie allgemein angenommen, das Recht, sonder vielmehr die Pflicht zur Gewaltanwendung beinhaltet. Um meine These zu untermauern, werde ich einleitend auf den Begriff der Macht und seine Rezeption eingehen und über das Verhältnis von Macht und Gewalt in Gruppen sprechen. In einem weiteren Schritt werde ich anhand der Schaffung des Selbstbilds des Costellos die Konstruierung künstlicher Machtbilder beleuchten sowie die Bedeutung der Glaubwürdigkeit für das Konzept der Macht untersuchen, bevor ich in einem letzten Schritt meine Erkenntnisse in einem Fazit zusammenfasse.

2. Der Begriff der Macht

„Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“ (Weber, S. 28) definiert Max Weber den Begriff der Macht in seiner Abhandlung Wirtschaft und Gesellschaft - Grundriss der verstehenden Soziologie [1]. Webers Begriffserklärung besitzt bis heute ihre Gültigkeit und wurde in den nachfolgenden Jahrzehnten von mehreren Autoren aufgegriffen und weitergeführt: Nach Popitz[2] ist jede Machtanwendung eine Freiheitsbegrenzung, die einer Rechtfertigung bedarf. Er sieht Macht als das Vermögen, sich gegen fremde Kräfte durchzusetzen. Er nennt vier Machtformen - instrumentelle Macht, autoritative Macht, Aktionsmacht und Datensetzende Macht - die sowohl einzeln als auch in Verbindung auftreten können. Ich will mich an dieser Stelle auf die beiden erstgenannten Machtformen beziehen, die ich als Fundament einer auf Furcht und Gewaltandrohung aufgebauten Machtkonstellation wie sie etwa im Film Departed vorgeführt wird begreife.

2.1. Instrumentelle Macht

Die Grundlage der instrumentellen Macht sieht Popitz im Geben-und-Nehmen-Können des Mächtigen; in der Verfügung über Belohnungen und Strafen. Popitz spezifiziert seine Terminologisierung, wenn er instrumentelle Macht weiterhin als eine Machtform beschreibt, bei welcher dem Untergebenen glaubhaft gemacht werden muss, dass er Strafen – und auch Belohnungen – zu erwarten habe. In Aufbau und Bewahrung dieser Glaubhaftigkeit sieht er den Schlüssel zu dieser Strategie. Er nennt zwei Wege, zur Anwendung instrumenteller Macht auf Personen(-gruppen): Ängstigung und Zusage. Popitz unterscheidet hier zwischen auf Drohung basierter Macht, die den Charakter der Erpressung annimmt, und auf Versprechungen gegründeter Macht, die sich der Bestechung bedient.

Unabhängig davon, für welche der beiden Methoden ein Individuum oder eine Gruppe anfällig ist, ist die Auswirkung stets die gleiche: Der Machtinhaber setzt seinen Willen durch, um durch Machtdemonstration seine Position innerhalb der Gruppe zu festigen.

[...]


[1] Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie (1925). Tübingen: Mohr, 1980.

[2] Popitz, Heinrich: Phänomene der Macht. 2. Auflage. Tübingen: Mohr, 1992.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Verpflichtet Macht zu Gewalt?
Untertitel
Zum Verhältnis von Macht und Gewalt im Kontext von Bandenkriminalität mit Beispielen aus dem Film "Departed" (2006)
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln  (Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Psychologie Semniar: Aggression & Gewalt
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V120627
ISBN (eBook)
9783640249039
ISBN (Buch)
9783640249077
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Macht, Gewalt, Departed, Leonardo DiCaprio, Jack Nickolson, Aggression, Bandenkriminalität, Verbrechen, Ohnmacht, Filme
Arbeit zitieren
Mario Schmiedel (Autor:in), 2007, Verpflichtet Macht zu Gewalt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120627

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