In diesem Aufsatz habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, darzulegen, dass Macht, die sich auf die Furcht Untergebener stützt, nicht, wie allgemein angenommen, das Recht, sonder vielmehr die Pflicht zur Gewaltanwendung beinhaltet. Um meine These zu untermauern, werde ich einleitend auf den Begriff der Macht und seine Rezeption eingehen und über das Verhältnis von Macht und Gewalt in Gruppen sprechen. In einem weiteren Schritt werde ich anhand der Schaffung des Selbstbilds des Costellos die Konstruierung künstlicher Machtbilder beleuchten sowie die Bedeutung der Glaubwürdigkeit für das Konzept der Macht untersuchen, bevor ich in einem letzten Schritt meine Erkenntnisse in einem Fazit zusammenfasse.
Gliederung
1. Einleitung: Über das Recht und die Pflicht zur Gewaltanwendung
2. Der Begriff der Macht
2.1. Instrumentelle Macht
2.2. Aktionsmacht
3. Macht und Gewalt in Gruppen
4. Machtbilder – Selbstbilder
5. Glaubwürdigkeit
6. Befehlsgewalt vs. Ausführende Gewalt
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Macht und Gewalt im Kontext krimineller Bandenstrukturen, illustriert durch die Filmfigur Frank Costello aus „Departed“. Ziel ist es, die These zu belegen, dass eine auf Furcht basierende Machtausübung den Anführer zur kontinuierlichen Gewaltanwendung verpflichtet, um seine Autorität und die Stabilität der Gruppe zu wahren.
- Analyse des Machtbegriffs nach Max Weber und Heinrich Popitz.
- Untersuchung von instrumenteller Macht und Aktionsmacht.
- Konstruktion von künstlichen Machtbildern und Selbstbildern.
- Die Rolle der Glaubwürdigkeit bei der Aufrechterhaltung von Hierarchien.
- Abgrenzung von Befehlsgewalt und ausführender Gewalt in kriminellen Organisationen.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung: Über das Recht und die Pflicht zur Gewaltanwendung
„Ich will nicht das Produkt meiner Umwelt sein. Ich will, dass meine Umwelt ein Produkt von mit ist.“ Mit diesen Worten leitet Francis „Frank“ Costello (Jack Nicholson) die Handlung des Filmes The Departed, einem Thriller um die irische Mafia, ein. Impliziert wird hier die Vorstellung von Macht – Macht über die Realität - als eine Legitimation zur Willkür: Macht wird verstanden als das Recht die Realität zu „produzieren“, zu formen; die Person in der Machtposition wird zur Schöpferfigur, Realität zu einem Untergebenen. Aber ist Costellos Einschätzung seiner Situation angemessen? Ist er nicht allein durch das Äußern einer solchen Machtvorstellung bereits „das Produkt seiner Umwelt“, die ihm diese Denkweise gelehrt hat? Steht er nicht als fiktive Figur in einer langen Tradition von „Vorbildern“? Die Macht des prototypischen Mafiabosses gründet sich auf die Erfüllung einer Erwartungshaltung, die von der „Umwelt“ vorgegeben wird. Sein intelligenter Charme, sein bizarrer Witz, seine kaltblütige Grausamkeit qualifizieren Costello für die Figur des Mafiabosses und er ist gebunden an diese Eigenschaften, wenn er seine Integrität als Bandenanführer nicht aufs Spiel setzen will. Es wäre ihm in seiner Funktion als Anführer, der seine Macht auf die Furcht seiner Untergebenen gründet, nicht möglich, keine Gewalt gegen einen Feind anzuwenden, selbst wenn er es wollte. Denn Inkonsequenz wird dem Mächtigen als Schwäche ausgelegt und die Offenbarung von Schwäche unterminiert das Furchtgerüst, auf das er seine Macht gründet.
In diesem Aufsatz habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, darzulegen, dass Macht, die sich auf die Furcht Untergebener stützt, nicht, wie allgemein angenommen, das Recht, sonder vielmehr die Pflicht zur Gewaltanwendung beinhaltet. Um meine These zu untermauern, werde ich einleitend auf den Begriff der Macht und seine Rezeption eingehen und über das Verhältnis von Macht und Gewalt in Gruppen sprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Über das Recht und die Pflicht zur Gewaltanwendung: Das Kapitel führt in die Thematik ein und stellt die These auf, dass Macht innerhalb krimineller Gruppen zur Gewaltanwendung verpflichtet.
2. Der Begriff der Macht: Es werden soziologische Machtbegriffe (u.a. nach Weber und Popitz) diskutiert und die Formen instrumenteller Macht sowie Aktionsmacht definiert.
3. Macht und Gewalt in Gruppen: Dieses Kapitel beleuchtet das dynamische Verhältnis von Macht und Gewalt innerhalb von Gruppen, wobei Frank Costello als Beispiel für einen „Rockstar“ der Verbrecherwelt fungiert.
4. Machtbilder – Selbstbilder: Der Autor untersucht, wie Bandenanführer durch die Konstruktion eines spezifischen Selbstbildes die Erwartungshaltungen ihrer Gruppe bedienen.
5. Glaubwürdigkeit: Hier wird erläutert, warum die Demonstration von Macht durch Gewalt essenziell ist, um die Glaubwürdigkeit des Anführers in einem Furchtsystem zu bewahren.
6. Befehlsgewalt vs. Ausführende Gewalt: Das Kapitel analysiert die Verschiebung von physischer Gewaltanwendung hin zu strategischer Befehlsgewalt innerhalb einer hierarchischen Organisationsstruktur.
7. Fazit: Die Arbeit fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt die zentrale These, dass Gewalt für den Machterhalt in der Mafia unverzichtbar ist.
Schlüsselwörter
Macht, Gewalt, Bandenkriminalität, Frank Costello, The Departed, Instrumentelle Macht, Aktionsmacht, Gruppendynamik, Machtbild, Selbstbild, Glaubwürdigkeit, Befehlsgewalt, Sozialpsychologie, Mafia, Hierarchie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Verhältnis von Macht und Gewalt innerhalb krimineller Bandenstrukturen, basierend auf soziologischen Theorien und der Analyse der Filmfigur Frank Costello aus „Departed“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Konzepte der Machtausübung, die psychologische Bedeutung von Gewalt für den Machterhalt, die Rolle von Selbstbildern in Führungspositionen sowie die Gruppendynamik innerhalb krimineller Organisationen.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Sind Anführer krimineller Banden zur Anwendung von Gewalt verpflichtet, um ihre Machtposition innerhalb der Hierarchie zu behaupten?
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der soziologische Fachbegriffe (u.a. von Max Weber und Heinrich Popitz) auf eine filmische Fallstudie angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Machtformen, die Untersuchung des Verhältnisses von Macht und Gewalt in Gruppen, die Bedeutung der Selbstinszenierung sowie die Unterscheidung zwischen Befehlsgewalt und der physischen Ausführung von Gewalt.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Schlüsselwörter wie Machtkonstitution, Aktionsmacht, Gewaltbereitschaft, Glaubwürdigkeit des Mächtigen und kriminelle Gruppendynamik charakterisieren.
Wie unterscheidet der Autor zwischen „Befehlsgewalt“ und „ausführender Gewalt“?
Befehlsgewalt bezeichnet die strategische Macht, Entscheidungen zu treffen und Urteile zu fällen, während ausführende Gewalt den direkten Akt der physischen Durchsetzung beschreibt, der an Untergebene delegiert wird.
Welche Rolle spielt die Figur Frank Costello bei der Argumentation?
Frank Costello dient als illustratives Fallbeispiel für einen Anführer, dessen Macht auf Furcht basiert und der sich durch ein künstlich konstruiertes, eiskaltes Selbstbild zur ständigen Demonstration von Gewalt gezwungen sieht.
Warum wird im Text auch auf historische oder andere filmische Vergleiche eingegangen?
Der Autor nutzt Vergleiche, etwa zum Nationalsozialismus oder zum Film „Schindlers Liste“, um die Grenzen bestimmter Machtbilder und die Notwendigkeit von Gewalt zur Wahrung der Glaubwürdigkeit in totalitären oder verbrecherischen Systemen zu verdeutlichen.
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- Mario Schmiedel (Author), 2007, Verpflichtet Macht zu Gewalt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120627