Analyse des Verlaufs des realen Wechselkurses


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen des Realen Wechselkurses
2.1 Das Einheitspreisgesetz
2.2 Die Kaufkraftparitätentheorie

3. Der reale Wechselkurs
3.1 Theorie
3.2 Empirie
3.3 Theorien zu Abweichungen des realen Wechselkurses.

4. Der Balassa-Samuelson Effekt

5. Studie von Canzoneri, Cumby, Diba (1999)
5.1 Überblick
5.2 Test der ersten Hypothese.
5.3 Test der zweiten Hypothese.
5.4 Ergebnisse

6. Fazit und Ausblick

1. Einleitung

Der reale Wechselkurs ist von großer theoretischer und praktischer Relevanz bei der Erforschung internationaler makroökonomischer Zusammenhänge. Er ist in erster Linie ein Instrument zur Analyse von Kaufkraftparitäten. Mit dem Wissen über den realen Außenwert einer Währung lassen sich langfristige makroökonomische Anpassungsprozesse, wie zum Beispiel Preissteigerungen, nominale Wechselkurse oder die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes analysieren und prognostizieren. (Mark 2001, S. 163). Der reale Aussenwert einer Währung liefert also wichtige Informationen sowohl für staatliche Institutionen wie Zentralbanken und Ministerien als auch für private Investoren wie Banken und Versicherungen.

In dieser Arbeit werden die theoretischen Grundlagen des realen Wechselkurses, wie das Einheitspreisgesetz und die Kaufkraftparitätentheorie, näher erläutert um im folgenden Kapitel auf die theoretischen Eigenschaften des realen Wechselkurses selbst und die wichtigsten empirischen Grundlagen zu dessen Analyse sowie Ergebnisse einzugehen. Weiterhin werden die wichtigsten Theorien zu Abweichungen von der Kaufkraftparität kurz dargestellt. In Kapitel 4 wird eine dieser Theorien, das Balassa- Samuelson Modell, etwas eingehender besprochen um in Kapitel 5 die Studie von Canzoneri et al. (1999) vorzustellen, welche die Postulate der Balassa-Samuelson Theorie empirisch untersucht. Im letzten Kapitel soll ein Fazit gezogen und ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des realen Wechselkurses gegeben werden.

2. Theoretische Grundlagen des realen Wechselkurses

2.1 Das Einheitspreisgesetz

Das Einheitspreisgesetz bzw. Gesetz der Preiseinheitlichkeit (LOOP) ist die Grundlage der Kaufkraftparitätentheorie. Es besagt, dass in verschiedenen Ländern produzierte homogene Güter, unter Vernachlässigung von Transaktionskosten, denselben Preis in einer Währung ausgedrückt besitzen (Sarno et al. 2002, S.51).

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P-Stern bezeichnet hier den Preis des ausländischen Gutes i zum Zeitpunkt t umgerechnet mit dem nominalen Wechselkurs S zum Zeitpunkt t, der bei Gültigkeit des Einheitspreisgesetzes dem Preis des inländischen Gutes i zum Zeitpunkt t im Inland entsprechen soll. Der Grund für den einheitlichen Preis in verschiedenen Ländern ist die Annahme einer perfekten Güterarbitrage.

2.2 Die Kaufkraftparitätentheorie

Die Kaufkraftparitätentheorie (im weiteren Textverlauf KKP genannt) in ihrer heutigen Form wurde von dem schwedischen Ökonomen Gustav Cassel im Jahre 1918 entwickelt, wobei sich schon diverse Ökonomen vor ihm mit dem Thema beschäftigten (Sarno et al. 2002, S. 51, Krugman 2006, S. 478) Sie besagt, dass Kaufkraftparität herrscht, also zwei Währungen dieselbe Kaufkraft besitzen, wenn das Preisniveau des Auslands dividiert durch das inländische Preisniveau dem nominalen Wechselkurs (Mengennotierung) entspricht. Man unterscheidet in der Literatur zwei Arten von KKP. Absolute KKP ist gegeben, wenn erfüllt ist, wobei S den nominalen Wechselkurs P das Preisniveau des Inlands und P* das Preisniveau des Auslands zum Zeitpunkt t bezeichnen. Dieses Preisniveau wird über einen bestimmten Warenkorb oder Preisindex bestimmt. Die KKP besagt, dass Preissteigerungen im Inland (was einem Verlust der inländischen Kaufkraft entspricht) mit einer Abwertung der eigenen Währung verbunden sein müssen um das Gleichgewicht wiederherzustellen. (Krugman 2006, S. 478).

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Relative KKP ist bei

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erfüllt. Hier entspricht die Veränderung des nominalen Wechselkurses der relativen Veränderung des inländischen und ausländischen Preisniveaus zwischen den Zeitpunkten t und t+1. Die relative KKP bezieht sich im Gegensatz zur absoluten KKP auf Preis- und Wechselkursänderungen und nicht auf deren Niveaus.

3. Der reale Wechselkurs

3.1 Theorie

Mit Hilfe des realen Wechselkurses können Abweichungen von der Kaufkraftparität sehr komfortabel analysiert werden. Der reale Wechselkurs q (hier in logarithmierter Form aufgeführt) setzt sich aus den relativen Preisniveaus und dem nominalen Wechselkurs ( Mengennotierung) jeweils zum Zeitpunkt t zusammen.

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Während der nominale Wechselkurs den relativen Preis zweier Währungen bezeichnet, stellt der reale Wechselkurs den relativen Preis zweier Warenkörbe dar (Krugman 2000, S. 502). Bei Gültigkeit der KKP müssten beide Warenkörbe gleich teuer sein und der reale Wechselkurs folglich den Wert 1 bzw. in der logarithmierten Form den Wert 0 annehmen.

3.2 Empirie

Bisher sind weder die von der Theorie postulierten Paritätswerte noch konstante Werte für den realen Wechselkurs für einen bestimmten Zeitraum nachgewiesen worden. Grafik A.1 im Anhang zeigt dies anhand des Verlaufs des realen US$/DM Wechsel- kurses von 1970-2004. Allgemein gilt die KKP daher als erfüllt, wenn der Entwicklung des realen Wechselkurses ein stationärer Prozess zugrunde liegt. Für schwache Stationarität müssen die folgenden Bedingungen erfüllt sein (Mosler 2006, S. 26):

1. Mittelwertstationarität:

E (q t) = m

(3.2)

Der Erwartungswert des realen Wechselkurses zum Zeitpunkt t muss dem

Mittelwert entsprechen.

2. Kovarianzstationarität: Die Kovarianz

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Differenz von t - s abhängig, wobei t und s zwei verschiedene Zeitpunkte darstellen.

Grafik A.2 zeigt einen typischen stationären Prozess.

Das Gegenteil eines stationären Prozesses ist ein Random Walk (Irrfahrt). In diesem Fall wäre die KKP nicht erfüllt. Ein Prozess ist dann ein Random Walk wenn gilt:

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Beim realen Wechselkurs würde ein Random Walk vorliegen wenn der Wert der

Vorperiode t-1 addiert mit einem unabhängigen White Noise u t den Wert der Periode tergäbe. Der unabhängige White Noise ist unabhängig und gleichverteilt (i.i.d.) mit einem Erwartungswert von Null und einer Varianz größer 0. Somit wird sichergestellt, dass fast jeder Wert mit der gleichen Wahrscheinlichkeit erreicht wird. In Grafik A.3 sind einige repräsentative Random Walks dargestellt. Im Gegensatz zu einem stationären Prozess hat ein Random Walk keinerlei Stabilitäts-bzw. Prognose- eigenschaften (Mosler 2006, S. 27). Die Fachwelt ist sich einig, dass der reale Wechselkurs kurzfristig einen Random Walk beschreitet, langfristig jedoch irgendeine Art von KKP gilt. „ (…) that some form of PPP holds at least as a long-run relationship.“ (Sarno et al 2002, S. 51). Weiterhin kann man zwischen festen und flexiblen Wechselkursen unterscheiden. Bei Ersteren sind die Abweichungen von der KKP generell geringer als bei Letzteren (Krugman 2006, S.489; Froot 1994, S. 39). Hierbei ist jedoch anzumerken, dass die statistischen Methoden zur Analyse des realen Wechselkurses zahlreich sind und deren Validität in Fachkreisen sehr umstritten ist (Levin 1993, Maddala 1999, Wu 1996, Engel 2000). Hinzu kommt noch, dass die Halbwertszeiten dieser Abweichungen mit 3-5 Jahren für die wichtigsten Industrienationen sehr hoch sind (Sarno et al. S. 87, Lothian 1996, S. 505). Es dauert also statistisch gesehen zwischen 6 und 10 Jahren bis sich Abweichungen im Preisniveau zwischen zwei Nationen ausgleichen. Vor diesem Hintergrund ist es angebracht die Frage zu stellen, ob angesichts solch träger Prozesse überhaupt noch KKP im Sinne Cassels vorliegt (MacDonald 1998, S.43).

3.3 Erklärungsansätze zur Abweichung des realen Wechselkurses

Wie im vorhergehenden Kapitel erläutert, ist es unbestritten, dass Abweichungen von der KKP kurz- bis mittelfristig auftreten. Mit der ökonometrischen Analyse geht daher meist das theoretische Problem nach den Ursachen für die beträchtlichen zeitlichen und zahlenmäßigen Abweichungen des realen Wechselkurses von der KKP einher.

Transaktionskosten:

Die Abstraktion von Transaktionskosten insbesondere Transportkosten hält der Realität nicht Stand. Trotz Globalisierung, multilateralen Freihandelsabkommen und Wirtschaftsgemeinscha]ften bestehen weiterhin tarifäre und nichttarifäre Handelshemmnisse. Politische und wirtschaftliche Instabilitäten sowie kulturelle und sprachliche Unterschiede können einem Angleichen der Preise durch Güterarbitrage ebenfalls im Wege stehen. Engel und Rogers (1996) konnten in einer Studie für die USA und Kanada bestätigen, dass sowohl die Entfernung als auch die Staatsgrenze eine verzerrende Wirkung auf das Einheitspreisgesetz hat.

Preisindizes:

Für die Berechnung des realen Wechselkurses muss auf die von offizieller Seite veröffentlichten Preisindizes zurückgegriffen werden. Jedoch ist die Äquivalenz dieser Preisindizes durch die von Land zu Land unterschiedlichen Messmethoden nicht gegeben. Weiterhin gibt es sehr große Differenzen in den Präferenzstrukturen der einzelnen Nationen was sich in der unterschiedlichen Gewichtung einzelner Güter und Dienstleistungen in den Indizes niederschlägt. Letztlich ändern sich über den

Zeitverlauf auch die Gewichte innerhalb eines Preisindex. Alle diese Faktoren können zu starken Abweichungen von der KKP führen. (Krugman 2006, S. 495)

Pricing-to-Market (marktbezogene bzw. regionale Preisdifferenzierung):

Die „Pricing to Market“ Theorie von Paul Krugman (1987) und Rüdiger Dornbusch (1987) erklärt die Abweichungen des realen Wechselkurses mit dem Vorhandensein von oligopolistischen Anbietern, die ihre Preise abhängig von den Nachfrageelastizitäten der Absatzmärkte differenzieren (Froot 1994, S. 37f).

Schwankungen des nominalen Wechselkurses:

Der nominale Wechselkurs unterliegt starken Schwankungen, deren Ursachen in den seltensten Fällen realwirtschaftliche Transaktionen sind. Devisengeschäfte sind heutzutage größtenteils rein monetäre Transaktionen (Arbitragegeschäfte, Termingeschäfte) ohne realwirtschaftlichen Hintergrund.

Starre Preise:

Nach der KKP müssten die Preise zusammen mit dem nominalen Wechselkurs schwanken. Jedoch können die Exportunternehmen nicht täglich ihre Preise anpassen. Dies würde zu hohe Kosten verursachen (Menükosten). Engel und Rogers (2001) konnten den Zusammenhang zwischen flexiblen Wechselkursen und Abweichungen vom Einheitspreisgesetz bestätigen.

In der Literatur werden ebenfalls die Einflüsse von nominalen (monetären) und realen Angebots- und Nachfrageschocks und deren Auswirkungen auf den realen Wechselkurs untersucht (Clarida, Gali 1994, Ronald Macdonald 1998, S. 33 ).

Eine weitere Theorie, die die Abweichungen von der KKP zu erklären versucht, ist der Balassa-Samuelson Effekt, der im folgenden Kapitel näher erläutert werden soll.

4. Das Balassa-Samuelson Modell

Die Balassa-Samuelson Theorie, in der Folge mit BST abgekürzt, wurde 1964 von den Ökonomen Bela Balassa und Paul Samuelson unabhängig voneinander entwickelt. In dem Modell wird von zwei verschiedenen Ländern, einem armen und einem reichen Land, und zwei verschiedenen Sektoren, einem Sektor für handelbare sowie für nichthandelbare Güter ausgegangen. Nichthandelbare Güter können nur lokal bzw. regional angeboten werden, weil sie an Personen und Orte gebunden sind oder deren Handel aufgrund zu hoher Transaktionskosten sich nicht lohnt (Obstfeld 2002, S. 202).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Analyse des Verlaufs des realen Wechselkurses
Hochschule
Universität zu Köln  (Staatswissenschaftliches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar Monetäre Außenwirtschaft
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V120669
ISBN (eBook)
9783640249183
ISBN (Buch)
9783640251414
Dateigröße
756 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Außenwirtschaft, Kaufkraftparitätentheorie, KKP, PPP, Balassa-Samuelson Effekt, Produktivität, Statistik
Schlagworte
realer Wechselkurs, PPP, Kaufkraftparität, Balassa-Samuelson Effekt, Volkswirtschaftslehre, Monetäre Außenwirtschaft
Arbeit zitieren
Clemens Wörner (Autor), 2007, Analyse des Verlaufs des realen Wechselkurses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120669

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