Im Rahmen einer Darstellung der Wahrheitstheorie Jürgen Habermas’, die letztlich in der Arbeit an seinem Hauptwerk Theorie des kommunikativen Handelns ihre Grundlegung fand, soll die Frage nach der Wahrheit zunächst auch in diesem Kontext erörtert werden.
Es wird daher in einem ersten Themenfeld die Einbettung der Wahrheitsfrage in eine Theorie des kommunikativen Handelns dargelegt werden, sowie die daraus sich ergebenden Vorfragen nach dem Wesen der Wahrheit, dem Ort ihrer Einlösung, der Gegenstandskonstitution und der daraus resultierenden Abgrenzung gegenüber einer Korrespondenztheorie der Wahrheit.
Aus diesen Vorfragen wird weiterhin darzustellen sein, auf welchem Wege und angesichts welcher anderen theoretischen Vorarbeiten Habermas seinen eigenen Ansatz begründet. Erst nach der Grundlegung dieses Kontextes werden die eigentlichen Elemente der Konsensustheorie näher erläutert und im Anschluss daran die genaue Erörterung der Wahrheit als diskursiv einlösbarer Geltungsanspruch expliziert, und zwar sowohl in Hinblick auf eine Logik des Diskurses, als auch auf die ideale Sprechsituation.
Nachdem auf diesem Wege die Wahrheit als diskursiv einlösbarer Geltungsanspruch im Sinne Habermas bestimmt wurde, sollen Einwände gegenüber dieser Theorie ausgeführt werden. Da jedoch im Rahmen dieser Arbeit nicht die oftmals kritisierten möglichen Unstimmigkeiten der Habermasschen Theorie im Einzelnen behandelt werden können, wird stattdessen auf den grundlegenden Einwand eines mangelnden Gegenstandsbezuges, dem sich eine Konsensustheorie der Wahrheit ausgesetzt sieht, eingegangen, woraus sich ebenso die grundlegende Erkenntnis dieser Theorie, nämlich eine Einbettung der Wahrheitsfrage in die gesellschaftliche Praxis begründet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegung der Wahrheitstheorie Habermas’ innerhalb einer Theorie des kommunikativen Handelns
2.1.Vorklärungen zu einer Konsensustheorie der Wahrheit
2.2.Objektivität und Wahrheit
3. Wahrheit als diskursiv einlösbarer Geltungsanspruch
4. Die diskursive Einlösung des Wahrheitsanspruches
4.1.Die Logik des Diskurses
4.2.Die ideale Sprechsituation
4.3.Die konsensustheoretische Bestimmung der Wahrheit
5. Entgegnung positivistischer und korrespondenztheoretischer Kritik der Konsensustheorie
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konsensustheorie der Wahrheit von Jürgen Habermas und bettet sie in den theoretischen Rahmen seines Hauptwerks „Theorie des kommunikativen Handelns“ ein. Ziel ist es, den Wahrheitsbegriff nicht als Korrespondenz zu objektiven Tatsachen, sondern als diskursiv einlösbaren Geltungsanspruch zu bestimmen, der seine Grundlage in der gesellschaftlichen Praxis findet.
- Einbettung der Wahrheitsfrage in das kommunikative Handeln
- Die diskursive Struktur und Logik der Wahrheitsfindung
- Bedeutung der idealen Sprechsituation als normatives Fundament
- Auseinandersetzung mit korrespondenztheoretischer Kritik
Auszug aus dem Buch
4.2.Die ideale Sprechsituation
Bildet die Logik des Diskurses, also die Argumentationsstruktur, eine erste Grundlage des Diskurses, so ist mit ihr noch nicht hinreichend eine Herbeiführung rational motivierter Entscheidungen über den Wahrheitsanspruch begründet. Soll ein begründeter von einem falschen Konsensus unterschieden werden, muss eine weitere Forderung für die formalen Eigenschaften des Diskurses erfüllt werden: die schrittweise Selbstreflexion des erkennenden Subjekts, die die Revision vorhandener, beziehungsweise gewählter Sprachsysteme erlaubt.
Diese sukzessive Selbstreflexion findet laut Habermas durch vier Schritte statt. Zunächst wird im ersten Schritt der kontroverse Geltungsanspruch thematisiert (Eintritt in den Diskurs). Auf der zweiten Stufe wird der Diskurs selbst durchgeführt, durch Angabe von Argumenten innerhalb des Sprachsystems (theoretischer Diskurs).
In der nächsten Stufe wird zu einer Abwägung der Modifikation, beziehungsweise der Angemessenheit des zunächst gewählten Sprachsystems übergegangen (metatheoretischer Diskurs). In einem letzten Schritt und einer weiteren Radikalisierung sollen die systematischen Veränderungen der Begründungssprache reflektiert werden, dabei soll durch die substantielle Sprachkritik und schrittweise Überwindung von unangemessenen Sprach und Begriffssystemen eine Nachkonstruktion des Erkenntnisfortschritts vollzogen werden, die letztlich den Begriff der Erkenntnis normativ begründen soll, das heißt bestimmen muss was als Erkenntnis gelten soll (Kritik der Erkenntnis). Soll eine solche Selbstreflexion möglich sein muss jedem Diskursteilnehmer die Freizügigkeit des Wechsels der unterschiedlichen Diskursebenen gestattet sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Wahrheitsfrage innerhalb von Habermas' „Theorie des kommunikativen Handelns“ ein und skizziert das Vorhaben, den Wahrheitsbegriff als diskursiv einlösbaren Geltungsanspruch zu explizieren.
2. Grundlegung der Wahrheitstheorie Habermas’ innerhalb einer Theorie des kommunikativen Handelns: Dieses Kapitel verortet die Wahrheitsfrage in der kommunikativen Rationalität und nimmt erste begriffliche Abgrenzungen, etwa zur Korrespondenztheorie, vor.
3. Wahrheit als diskursiv einlösbarer Geltungsanspruch: Es werden die vier Geltungsansprüche – Verständlichkeit, Wahrheit, Richtigkeit und Wahrhaftigkeit – sowie ihre Bedeutung als Fundament der Kommunikation dargestellt.
4. Die diskursive Einlösung des Wahrheitsanspruches: Dieses Kapitel erläutert die Logik des Diskurses, das Konzept der idealen Sprechsituation und die konsensustheoretische Definition von Wahrheit.
5. Entgegnung positivistischer und korrespondenztheoretischer Kritik der Konsensustheorie: Hier wird der Einwand eines mangelnden Gegenstandsbezugs thematisiert und im Kontext von Habermas' Handlungstheorie entkräftet.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung des Paradigmenwechsels vom Erkenntnissubjekt zum handelnden und sprechenden Subjekt zusammen.
Schlüsselwörter
Jürgen Habermas, Konsensustheorie, Wahrheit, kommunikatives Handeln, Geltungsanspruch, Diskurs, ideale Sprechsituation, Argumentationstheorie, Intersubjektivität, Kritik, Erkenntnistheorie, Sprachspiel, gesellschaftliche Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Konsensustheorie der Wahrheit nach Jürgen Habermas und beleuchtet deren Einbettung in seine Theorie des kommunikativen Handelns.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Universalpragmatik, die diskursive Einlösung von Wahrheitsansprüchen und die Abgrenzung von traditionellen Korrespondenztheorien der Wahrheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wahrheit im Rahmen des kommunikativen Handelns als diskursiv einlösbarer Geltungsanspruch definiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische, philosophische Textanalyse der Habermaschen Schriften und der dazu gehörigen Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Grundlegung des kommunikativen Handelns, die Explikation der Geltungsansprüche, die Logik des Diskurses und die Funktion der idealen Sprechsituation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Habermas, Konsensustheorie, diskursiver Wahrheitsanspruch, ideale Sprechsituation und kommunikative Rationalität.
Wie unterscheidet Habermas zwischen Wahrheit und Objektivität?
Habermas trennt Wahrheit als sprachliches Phänomen von der Objektivität, welche sich an der erfolgreichen Anwendung von Handlungen auf Gegenstände der Erfahrung bemisst.
Was genau ist die "ideale Sprechsituation"?
Sie ist ein normatives Fundament des Diskurses, das Chancengleichheit aller Teilnehmer bei der Verwendung von Sprechakten und der Kritik von Geltungsansprüchen fordert, um einen begründeten Konsens zu ermöglichen.
Warum reicht der Konsens allein laut Habermas nicht aus?
Ein rein faktischer Konsens könnte trügerisch sein; daher bedarf es der formalen Regeln des theoretischen Diskurses und des Vorgriffs auf eine ideale Sprechsituation, um einen rational begründeten Konsens zu gewährleisten.
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- Marc Alexander Amlinger (Author), 2005, Jürgen Habermas’ Konsensustheorie der Wahrheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120760