Im Rahmen dieser Arbeit sollen die beiden Schöpfungsberichte im ersten Buch Mose im Hinblick auf den Menschen und speziell auf die Frau genauer betrachtet, ihre Bedeutung in der Zeit ihrer Entstehung untersucht und ein Blick auf die daraus folgende Wirkungsgeschichte bis heute geworfen werden. Dabei rückt dann die feministisch-theologische Betrachtungsweise in den Mittelpunkt der Untersuchung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die beiden Schöpfungsberichte
1.1 Genesis 2-3
Die vorpriesterschriftliche Überlieferung
1.2 Genesis 1
Die priesterschriftliche Urgeschichte
2. Auslegungstradition und ihre Folgen
3. Feministische Theologie als ein Weg aus der Fehlinterpretation
Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die biblischen Schöpfungsberichte des ersten Buches Mose im Hinblick auf den Menschen und speziell die Frau, um aufzuzeigen, dass die Texte selbst keine Legitimation für die patriarchalische Unterdrückung von Frauen bieten, sondern ihre Wurzeln in einer fehlgeleiteten Auslegungstradition haben.
- Analyse der beiden Schöpfungsberichte (Genesis 1 sowie Genesis 2-3)
- Aufarbeitung der patriarchalisch geprägten Auslegungstradition
- Kritische Untersuchung der Rolle Evas und des Sündenfalls
- Vorstellung feministischer Theologie als korrigierender Ansatz
- Reflexion der Wirkungsgeschichte biblischer Texte
Auszug aus dem Buch
1.1 Der vorpriesterschriftliche Schöpfungsbericht
Da es sich bei Genesis 2,4b-3 um den älteren der beiden Schöpfungsberichte handelt und diese Tatsache auch Auswirkungen auf die Auslegung hat, möchte ich ihn hier an den Anfang stellen. Fast hundert Jahre lang herrschte in der Wissenschaft Konsens, dass dieser Bericht vom so genannten Jahwisten verfasst worden ist. Dagegen sind in jüngerer Zeit eine Reihe von Einwänden erhoben worden (vgl. W. Klaiber 2005, 48), auf die ich hier aber nicht näher eingehen möchte. Einigkeit besteht jedenfalls dahingehend, dass es sich bei dem zweiten Schöpfungsbericht um eine „vorpriesterschriftliche“ Überlieferung handelt, er also wirklich älter ist. Durch das Verweben der beiden Erzählfäden von Gen 1-2,4a und Gen 2,4b-3 ergibt sich ein neuer Sinnzusammenhang in der Gesamttextur der biblischen Urgeschichte.
Während im ersten Schöpfungsbericht die Weltschöpfung durch das Wort Gottes im Vordergrund steht, beschreibt der vorpriesterschriftliche Bericht im Rahmen einer bäuerlichen Umwelt das handwerkliche Tun Gottes, indem erzählt wird, wie er „formte“ und „baute“. Die Erschaffung der Welt wird hier nur andeutend in einem Nebensatz am Anfang erwähnt, dann wird gleich zu der Erschaffung des Menschen übergegangen. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Woher, dem Ursprung des Menschen (vgl. C. Westermann, 1983, 101). Dabei sind zwei ursprünglich selbstständige Erzählungen so kunstvoll miteinander verwoben, dass eine neue in sich geschlossene Erzählung entsteht.
Die eine Geschichte berichtet von der Erschaffung des Menschen und von Gottes Feststellung, dass „es nicht gut ist, dass der Mensch allein ist“. Er will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei (Gen 2,18). Also erschafft Gott Tiere, die den Menschen ergänzen sollen, aber das erweist sich als nicht ausreichend. Erst in der Erschaffung der Frau ist die Schöpfung des Menschen komplett und gelungen. Mit „Gehilfin“ ist allerdings nicht eine Art Dienerin gemeint, sondern ein ebenbürtiges Gegenüber. Der Mensch bedarf des gegenseitigen Helfens, so ist er von Gott geschaffen, und dieses gegenseitige Helfen ist ein Wesensbestandteil seines Menschseins (vgl. C. Westermann 1976, 309).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet den historischen Kontext des Alten Testaments und kritisiert die jahrtausendelange patriarchalische Auslegung der Schöpfungsgeschichte.
1. Die beiden Schöpfungsberichte: Das Kapitel differenziert zwischen dem vorpriesterschriftlichen Bericht und der priesterschriftlichen Urgeschichte und arbeitet deren jeweilige theologische Schwerpunkte heraus.
2. Auslegungstradition und ihre Folgen: Hier wird dargelegt, wie selektive Lesarten und Übersetzungsentscheidungen zur Konstruktion eines Sündenfalls durch die Frau genutzt wurden, um männliche Dominanz zu legitimieren.
3. Feministische Theologie als ein Weg aus der Fehlinterpretation: Dieses Kapitel definiert feministische Theologie als einen wissenschaftlichen Neuansatz, der patriarchale Strukturen hinterfragt und eine gerechtere Bibelauslegung anstrebt.
Schlüsselwörter
Schöpfungsbericht, Genesis, Altes Testament, Patriarchat, Feministische Theologie, Bibelauslegung, Eva, Sündenfall, Geschlechterdifferenz, Exegese, Unterdrückung, Emanzipation, Wirkungsgeschichte, Gottesbild, Menschenschöpfung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer feministisch-theologischen Untersuchung der biblischen Schöpfungsberichte und deren Einfluss auf das Bild der Frau.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die exegese-kritische Analyse von Genesis 1 bis 3, die Kritik an patriarchalischen Auslegungstraditionen und die Perspektiven der feministischen Theologie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass die biblischen Urtexte keine Begründung für die Unterdrückung von Frauen liefern, sondern durch historische Fehlinterpretationen hierfür zweckentfremdet wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt Ansätze der historisch-kritischen Exegese, ergänzt durch einen kritischen feministischen Standpunkt, um die Texte in ihrem Entstehungskontext zu verstehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die beiden unterschiedlichen Schöpfungsberichte, die Entwicklung der negativen Auslegungstradition (speziell hinsichtlich Evas Rolle) und den methodischen Ansatz der feministischen Theologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie feministische Exegese, Patriarchatskritik, Schöpfungstheologie und alttestamentliche Hermeneutik definieren.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Übersetzungen bei der Entstehung von Fehldeutungen?
Die Arbeit betont, dass Übersetzungen (wie die Septuaginta) häufig unbewusst oder gezielt Interpretationen enthielten, die in einem männlich geprägten Kontext zur Zementierung patriarchaler Strukturen beitrugen.
Warum wird im Text speziell auf die Figur der Eva und das Sirachbuch eingegangen?
Eva wird als Zielscheibe frauenfeindlicher Exegese identifiziert, während das Buch Jesus Sirach als ein Beispiel für die Verknüpfung von Sünde und Frau in der Weisheitsliteratur angeführt wird, welche das spätere christliche Verständnis stark beeinflusste.
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- Annette Heilmann (Author), 2008, Ist Eva wirklich an allem Schuld?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120789