Die Debatte um Managergehälter gerät in letzter Zeit immer häufiger in die öffentliche Kritik. So äußerte sich Bundeskanzlerin Merkel auf dem CDU-Parteitag kritisch über die hohen Gehälter und Abfindungen von deutschen Managern1. Gleichzeitig bekräftigte sie, "die Höhe der Managergehälter und der Abfindungen sei Sache der Unternehmen und Ihrer Aufsichtsräte. Einen Maximallohn festzulegen, widerspreche der Vertragsfreiheit."2 Schon die freiwillige Empfehlung der Cromme-Kommission über die Offenlegung von Vorstandsvergütungen führte 2006 erstmals dazu, dass Vorstandsbezüge im Geschäftsbericht von börsennotierten Aktiengesellschaften nun veröffentlicht werden müssen. Doch worin genau liegen die Gründe, dass das Aktiengesetz oder der "Deutsche Corporate Governance Kodex" die Ausgestaltung des Vergütungssystems von Vorstandsmitgliedern in die Hände der Aktionäre, also der Eigentümer, repräsentiert durch den Aufsichtsrat, legen3? [...] Die Arbeit ist im Folgenden derart aufgebaut, dass im zweiten Kapitel die Begriffe Shareholder (Sh.) und Shareholder Value (ShV.) definiert werden und das Konzept in das strategische Management eingeordnet wird. Außerdem soll kurz auf die rechnerische Ermittlung des ShV. eingegangen werden. Während Kapitel 3 sich mit der Abgrenzung des ShV.-Ansatzes zum Stakeholder-Konzept befasst, beginnt mit Kapitel 4 der Hauptteil. Dieses leitet die Legitimation einer Wertorientierung aus einer theoretischen und einer praktischen Warte heraus ab. Hier geht die Arbeit besonders auf die Entstehung des Wertorientierungsgedankens und dessen Logik ein. Eine Verknüpfung des ShV. als Zielkonzept des normativen Managements mit Zielkonzepten des strategischen Managements findet im fünften Kapitel statt. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Zielkonzepten auf Geschäftsfeldebene und solchen auf Unternehmensebene. In Kapitel 6 wird ausgehend von der Principal-Agent-Theory auf die damit einhergehende Auseinandersetzung mit Anreizsystemen eingegangen und hierdurch der Hauptteil der Arbeit abgeschlossen. Insbesondere aufgrund der aktuellen Diskussion über die Höhe von Managergehälter und deren Offenlegung liegt eine Beschäftigung mit diesem Thema nahe, aber auch als Teil des strategischen Managements verdeutlicht das Vergütungssystem die konkretere Implementierung eines Zielkonzeptes auf Basis einer ShV.-Orientierung und verknüpft somit Wert und Strategie. Die vorliegende Arbeit schließt mit der Hervorhebung der Bedeutung des ShV. als Zielkonzept und einer kritischen Würdigung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Shareholder und Shareholder Value
2.1 Begriff und Definition
2.2 Einordnung im strategischen Management
2.3 Rechnerische Ermittlung
3. Abgrenzung zum Stakeholder-Konzept
4. Theoretische und praktische Legitimation einer Wertorientierung
4.1 Der Wertorientierungsgedanke aus theoretischer Warte
4.2 Der Wertorientierungsgedanke aus praktischer Warte
5. Ableitung von Strategien auf Geschäftsfeld- und Unternehmensebene
5.1 Zielkonzepte auf Geschäftsfeldebene
5.2 Zielkonzepte auf Unternehmensebene
6. Anreizgestaltung als besondere Herausforderung von Principal-Agent-Beziehungen
7. Bedeutung und kritische Würdigung des Shareholder Value als Zielkonzept
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Shareholder Value-Konzept als zentrales Zielkonzept des strategischen Managements und analysiert dessen theoretische Fundierung, praktische Anwendung sowie die damit verbundene Anreizgestaltung für Führungskräfte im Kontext der Principal-Agent-Theorie.
- Grundlagen und Definition des Shareholder Value
- Abgrenzung zwischen Shareholder- und Stakeholder-Ansatz
- Theoretische und praktische Legitimation einer wertorientierten Unternehmensführung
- Konkretisierung wertorientierter Strategien auf Geschäftsfeld- und Unternehmensebene
- Anreizsysteme und die Principal-Agent-Problematik
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriff und Definition
Unter Shareholder versteht man gemäß der Übersetzung aus dem Englischen die Anteilseigner bzw. Aktionäre, also die Eigentümer einer Aktiengesellschaft. Der Shareholder Value versteht sich dann als das in der Regel in Aktien verkörperte Eigentümervermögen. Dabei ist noch zu unterscheiden zwischen Unternehmenswert und Shareholder Value. Während sich der Unternehmenswert aus dem Wert des Eigen- und Fremdkapitals zusammensetzt, umfasst der Shareholder Value lediglich den (Markt-) Wert des Eigenkapitals. Der Wert des Eigenkapitals - also letztendlich der Wert des Vermögens der Eigentümer des Unternehmens - konkretisiert sich zum einen in einer dem Risiko der jeweiligen Investition entsprechenden Verzinsung des eingesetzten Kapitals, zum anderen resultiert der Nutzen der Aktionäre aus dem Erzielen von Erträgen aus dem Unternehmen, die höher sind als Alternativanlagen.
Andere Autoren setzen den Marktwert des Eigenkapitals mit dem Unternehmenswert gleich, da dies der Preis für die vollständige Verfügungsmacht über ein Unternehmen darstellt. Bei einer Aktiengesellschaft ist dies das Produkt aus Aktienkurs und der Anzahl an Aktien. Ziel ist es demnach, den Kurswert der Aktien und damit den Marktwert des Gesamtunternehmens zu maximieren.
Im Weiteren soll vom engeren Begriff des Shareholder Value als Marktwert des Eigenkapitals ausgegangen werden. Begründet wird dies unter anderem damit, dass die Ansprüche der Eigenkapitalgeber im Gegensatz zu denen der Fremdkapitalgeber und anderer Interessengruppen (siehe hierzu Kapitel 3) lediglich aus dem Residualgewinn des Unternehmens bedient werden und somit die Eigentümer als sog. Restbetragsbeteiligte unmittelbar am Geschäftsrisiko teilhaben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Debatte um Managergehälter und verknüpft diese mit dem Aufkommen und der Bedeutung der Shareholder Value-Orientierung in der Unternehmensführung.
2. Shareholder und Shareholder Value: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Shareholder und Shareholder Value, ordnet das Konzept in das strategische Management ein und skizziert gängige Methoden zur rechnerischen Ermittlung.
3. Abgrenzung zum Stakeholder-Konzept: Hier erfolgt eine Gegenüberstellung des monistischen Shareholder-Ansatzes mit dem pluralistischen Stakeholder-Konzept unter Berücksichtigung von deren jeweiligen Schwächen und Stärken.
4. Theoretische und praktische Legitimation einer Wertorientierung: Das Kapitel begründet die Legitimität der Wertorientierung aus einer theoretischen Perspektive des Eigentums und einer praktischen Sicht durch Kapitalmarktmechanismen.
5. Ableitung von Strategien auf Geschäftsfeld- und Unternehmensebene: Hier wird erläutert, wie Shareholder Value-Ziele durch Strategien auf operativer Geschäftsfeldebene und der Ebene der Unternehmenszentrale konkretisiert werden.
6. Anreizgestaltung als besondere Herausforderung von Principal-Agent-Beziehungen: Dieses Kapitel analysiert das Principal-Agent-Problem bei Aktiengesellschaften und die Rolle von Anreizsystemen, insbesondere Aktienoptionen, zur Interessenangleichung.
7. Bedeutung und kritische Würdigung des Shareholder Value als Zielkonzept: Eine kritische Auseinandersetzung mit Gegenpositionen, die den Customer Value oder die allgemeine Unternehmenszweckmäßigkeit betonen.
8. Fazit: Die abschließende Zusammenfassung bewertet die Relevanz des Konzepts in der sozialen Marktwirtschaft und ordnet die Diskussion um Managergehälter und Wertorientierung ein.
Schlüsselwörter
Shareholder Value, Strategisches Management, Unternehmenswert, Principal-Agent-Theorie, Stakeholder-Konzept, Aktienoptionen, Managergehälter, Eigenkapital, Kapitalmarkt, Wertorientierung, Unternehmensverfassung, Geschäftsfeldstrategie,Residualgewinn, Marktwirtschaft, Werttreiber
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Konzept des Shareholder Value als zentrales Ziel strategischen Managements und untersucht dessen Auswirkungen auf die Unternehmensführung sowie die Vergütung von Topmanagern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des Shareholder Value, die Abgrenzung zum Stakeholder-Konzept, die Legitimation wertorientierter Führung sowie Anreizsysteme zur Überwindung von Interessenkonflikten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die theoretische und praktische Fundierung der Shareholder Value-Orientierung aufzuzeigen und zu erläutern, wie diese durch Strategien und Anreizsysteme in der Praxis implementiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich von Managementkonzepten sowie der ökonomischen Bewertung von Anreizstrukturen wie der Principal-Agent-Theorie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Legitimation der Wertorientierung, der strategischen Ableitung von Zielkonzepten auf Geschäftsfeld- und Unternehmensebene sowie der Gestaltung von Entlohnungssystemen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Shareholder Value, Strategisches Management, Principal-Agent-Theorie, Unternehmenswert und Anreizgestaltung charakterisieren.
Warum spielt die Principal-Agent-Theorie eine wichtige Rolle in der Arbeit?
Sie erklärt die Interessenkonflikte zwischen den Aktionären (Prinzipale) und dem Management (Agenten), was die Notwendigkeit von leistungsorientierten Anreizsystemen zur Wertsteigerung begründet.
Wie bewertet der Autor das Spannungsfeld zwischen Shareholder Value und Stakeholder-Interessen?
Der Autor argumentiert, dass eine reine Fokussierung auf Shareholder Value die Berücksichtigung kritischer Stakeholder-Interessen nicht ausschließt und die Anwendung eines finanztheoretisch fundierten Konzepts für die strategische Planung essenziell ist.
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- Christoph Meister (Author), 2007, Shareholder Value als Zielkonzept des strategischen Managements, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120805