Drei Auseinandersetzungen um die französische Oper des 18. Jahrhunderts werden in dieser Arbeit näher betrachtet: die „Querelle des Lullistes et des Ramistes“, die „Querelle des Buffons“ und die „Querelle des Gluckistes et des Piccinistes“.
Bei allen Streitigkeiten fallen Ähnlichkeiten auf; es existieren aber auch grundlegende Unterschiede.
Das Verhältnis der französischen zur italienischen Musik war immer Gegenstand der Diskussionen. Auch fand stets ein Rückbezug zu Lullys Operntradition statt, wobei vor allem die von ihm und Quinault begründete Gattung der tragédie lyrique im Zentrum stand. Ebenfalls ähnlich war die Rolle der Medien; Streitschriften und polemisierende Artikel in den Journalen und Periodika der jeweiligen Zeit waren die Grundlage der mal mehr, mal weniger sachlich-konstruktiven Debatten.
Grundsätzlich oder teilweise unterschiedlich erscheinen hingegen die Anlässe und Beweggründe der einzelnen Auseinandersetzungen.
Die Beschäftigung mit den Schriften, die im Umfeld der hier dargestellten Auseinandersetzungen verfasst und entweder als Artikel in damals populären Zeitschriften oder als eigenständige Abhandlungen veröffentlicht wurden, erlaubt einen umfassenden und lebensnahen Einblick in die historische Entwicklung des Musiktheaters im Europa des 18. Jahrhunderts. In der Überlieferung dieser Ideen und Gedanken durch das fortgeschrittene Musikschrifttum jener Zeit besteht aus heutiger Sicht die große Bedeutung für die Musikwissenschaft.
Inhaltsverzeichnis
- Vorwort und historisch-inhaltliche Einführung
- Jean-Baptiste Lully und seine Zeit
- Das französische Musiktheater in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts
- Jean-Baptiste Lully (1632-1687)
- Jean-Philippe Rameau und der erste französische Opernstreit
- Politische Tendenzen und ästhetische Auffassungen zu Beginn des 18. Jhdts.
- Jean-Philippe Rameau (1683-1764)
- „Querelle des buffons“ – Der Buffonistenstreit von 1752-1754
- Ereignisse und Strömungen im Vorfeld der Streitigkeiten
- Die Encyclopédie Francaise
- Die Vorläufer der Opéra comique
- Friedrich Melchior Grimm (1723-1807)
- Die Pariser Aufführung von La Serva Padrona und die Folgen
- „Guerre des Coins“
- Le devin du village
- Verschärfung der öffentlichen Debatte
- Einfluss der gesellschaftspolitischen Komponente
- Ereignisse und Strömungen im Vorfeld der Streitigkeiten
- Gluckisten gegen Piccinnisten - Die wachsende Bedeutung der Medien
- Die Zeit nach dem Buffonistenstreit
- Du Roullet, Gluck und die Rolle von Werbung und Medien
- Ein kurzer Rückblick auf Glucks Tätigkeit am Wiener Hof
- Zusammentreffen mit Du Roullet und publizistische Vorbereitung
- Weitgehende Einlösung der ästhetischen Forderungen
- Der konstruierte Wettkampf zwischen Gluck und Piccinni (1776-1779)
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die „Pariser Opernfehden“ und die daraus resultierende „Opernreform“ im 18. Jahrhundert. Sie beleuchtet die ästhetischen Kontroversen, die politischen und gesellschaftlichen Einflüsse sowie die Rolle der Medien in diesen Auseinandersetzungen.
- Entwicklung des französischen Musiktheaters im 17. und 18. Jahrhundert
- Einfluss italienischer Oper auf Frankreich
- Der Buffonistenstreit und seine Ursachen
- Die Rolle der Enzyklopädisten in der öffentlichen Debatte
- Der Konflikt zwischen Gluck und Piccinni
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel behandelt das französische Musiktheater der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und stellt Jean-Baptiste Lully vor. Kapitel zwei widmet sich Jean-Philippe Rameau und den politischen und ästhetischen Strömungen zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Kapitel drei beleuchtet den Buffonistenstreit, seine Vorgeschichte und die öffentlichen Debatten. Kapitel vier untersucht den Konflikt zwischen Gluck und Piccinni, die Rolle der Medien und die „Opernreform“.
Schlüsselwörter
Französisches Musiktheater, Opernfehden, Opernreform, Jean-Baptiste Lully, Jean-Philippe Rameau, Buffonistenstreit, Christoph Willibald Gluck, Niccolò Piccinni, Enzyklopädisten, Ästhetik, Politik, Medien.
Was war der "Buffonistenstreit"?
Ein ästhetischer Konflikt in Paris (1752–1754) zwischen Anhängern der traditionellen französischen Oper und Befürwortern der neuen, italienischen Opera buffa nach einer Aufführung von "La Serva Padrona".
Welche Rolle spielte Christoph Willibald Gluck für die Oper?
Gluck leitete eine Opernreform ein, die die dramatische Wahrheit und den Ausdruck über die rein virtuose Gesangskunst stellte und so das Musiktheater modernisierte.
Was ist der Unterschied zwischen Lullisten und Ramisten?
Es war der erste große französische Opernstreit, bei dem die Anhänger der klassischen Tradition Lullys gegen die harmonischen Neuerungen von Jean-Philippe Rameau opponierten.
Wie beeinflussten Medien die Opernfehden im 18. Jahrhundert?
Streitschriften, polemische Artikel in Journalen und Periodika waren die Grundlage der Debatten und trugen zur Formung der öffentlichen Meinung über Kunst bei.
Was ist eine "tragédie lyrique"?
Die von Lully und Quinault begründete Hauptgattung der französischen Oper, die Tanz, Chor und Rezitativ zu einem repräsentativen Gesamtkunstwerk verband.