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Die schöne Seele bei Heinrich von Kleists "Die Verlobung in St. Domingo"

Title: Die schöne Seele bei Heinrich von Kleists "Die Verlobung in St. Domingo"

Term Paper , 2006 , 15 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Carla Pohl (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Geschichte von St. Domingo ist ein Freiheitskampf der ‚Schwarzen’ gegen die französische Kolonialmacht.
Dessalines ist der Anführer der ‚Schwarzen’. Er ist Nachfolger von Toussaint L’ Ouverture, der durch den Befehl Napoleons eingekerkert und zu Tode geschunden wurde. L’ Ouverture sitzt in demselben Gefängnis in welches auch Kleist durch die Franzosen 1807 gesperrt wurde. Unter Dessalines Führung wird St. Domingo am 1. Januar 1804 offiziell zum unabhängigen schwarzen Staat erklärt.
Mit diesem Hintergrund erscheint die Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ 1811 in der Zeitschrift „Der Freimüthige“ .
Die Novelle erzählt eine Liebesgeschichte unter Extrembedingungen. Gustav, ein Schweizer, sucht Zuflucht auf dem Hof von Congo Hoango, „ein[em] fürchterliche[n] alte[n] Neger“ , welcher mit Babekan, der Haushälterin und Babekans Tochter Toni dort lebt. Toni und Gustav werden sich, wie der Titel hergibt, verloben. Beide Protagonisten sterben zuletzt durch Mord und Selbstmord.
Hauptaspekt meiner Betrachtungen soll das Thema der ‚schönen Seele’ sein. Die Seele als ein Konzept von Weiblichkeits- und Schönheitsideal ist geprägt von Anmutigkeit, Edelmut, Tugendhaftigkeit und Demut. Friedrich Schiller, ein Zeitgenosse Kleists, schreibt in seiner Abhandlung „Ueber Anmuth und Würde“:
In einer schönen Seele ist es also, wo Sinnlichkeit und Vernunft, Pflicht und Neigung harmoniren, und Grazie ist ihr Ausdruck in der Erscheinung. Nur im Dienst einer schönen Seele kann die Natur zugleich Freyheit besitzen, und ihre Form bewahren, da sie erstere unter der Herrschaft eines strengen Gemüths, letztere unter der Anarchie der Sinnlichkeit einbüßt.
Inwieweit besitzt Toni bereits eine ‚schöne Seele’? Wird sie erst durch eine ethisch-moralische Leistung zu einer ‚schönen Seele’? Muss Toni sterben, weil sie eine ‚schöne Seele’ hat und sie dadurch nicht in die Welt passt, die Kleist in seiner Novelle beschreibt?
Kann man bei Gustav von einer ‚schönen Seele’ sprechen? Welche Rolle in dieser Seelenkonzeption spielen dabei Babekan und Congo Hoango? Inwieweit ist der Rassenkonflikt von Bedeutung?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Congo Hoango und Babekan

Die schöne Seele bei Congo Hoango und Babekan – Zwischenstand

Toni und Gustav

Die „wahren“ Gefühle

Die Parallelgeschichten und die Verlobung

Die ‚schöne Seele’ – Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der „schönen Seele“ in Heinrich von Kleists Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“. Dabei liegt der Fokus auf der Frage, inwiefern die Protagonisten Toni und Gustav dieses Ideal erfüllen können, welche Rolle das Vertrauen im Kontext des Rassenkonflikts spielt und warum die Figur der Toni eine tragische Entwicklung durchläuft.

  • Analyse des Schönheits- und Weiblichkeitsideals nach Friedrich Schiller im Kontext der Novelle.
  • Untersuchung der Figurengestaltung und der Entwicklung von Toni im Spannungsfeld zwischen „schwarzer“ und „weißer“ Identität.
  • Deutung der Rolle von Vertrauen, Körpersprache und Liebesverrat für die Handlung.
  • Reflektion der „Parallelgeschichten“ (Pestkranke, Mariane) als Prüfinstanz für die Protagonisten.
  • Diskussion über die Passivität Gustavs und die Notwendigkeit der „schönen Seele“ als tragisches Ziel.

Auszug aus dem Buch

Die „wahren“ Gefühle

Die gesamte Erzählung ist von Lügen durchzogen. Babekan und Toni lügen Gustav an. Toni, in ihrer Funktion als Geliebte, lügt ihre Mutter und Congo Hoango an. Wo also ist nun die Wahrheit zu finden, wenn niemand Wahrheit spricht?

Die Körpersprache dient als ein sicheres Zeichen über die „wahren“ Gefühle sobald Gesprochenes nicht mehr vertrauenswürdig erscheint. „Doch selbst die vermeintliche Unfehlbarkeit der Körpersprache findet ihre Grenze, wenn Gebärden willentlich gesteuert werden und damit den trügerischen Perspektivismus der Sprache nur körpersprachlich abbilden. Die Gebärdensprache als Ausdruck des ‚innersten Gefühls’ und damit als letzte Instanz emotionaler Verbindlichkeit wird in Kleists Die Verlobung in St. Domingo radikal in Frage gestellt.“

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Vorstellung des historischen Hintergrunds von St. Domingo und Einführung in das Leitmotiv der „schönen Seele“ nach Schillers Konzept.

Congo Hoango und Babekan: Analyse der beiden Figuren als Repräsentanten des Rassenkonflikts, die aufgrund ihrer Vergangenheit und ihres rachegetriebenen Handelns keinen Zugang zum Ideal der schönen Seele finden.

Die schöne Seele bei Congo Hoango und Babekan – Zwischenstand: Kritische Bestandsaufnahme, die verdeutlicht, dass beide Figuren durch schreckliche Erlebnisse geprägt sind und keine Anzeichen für Tugendhaftigkeit oder Grazie zeigen.

Toni und Gustav: Betrachtung der ersten Begegnung zwischen Toni und dem Schweizer Gustav sowie der problematischen Einordnung Tonis zwischen die verfeindeten Parteien.

Die „wahren“ Gefühle: Erörterung der Körpersprache als vermeintliches, jedoch in Kleists Werk kritisch hinterfragtes Mittel zur Erkennung der Wahrheit.

Die Parallelgeschichten und die Verlobung: Untersuchung, wie die Erzählungen über die Pestkranke und Mariane als Spiegel dienen, um Toni zu prüfen und ihre Bindung zu Gustav zu festigen.

Die ‚schöne Seele’ – Fazit: Abschließende Reflexion über das Scheitern des Ideals der „schönen Seele“ im Rahmen der gewaltsamen Handlung und die Notwendigkeit des Vertrauens als Fundament der Liebe.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Die Verlobung in St. Domingo, schöne Seele, Friedrich Schiller, Vertrauen, Rassenkonflikt, Toni, Gustav, Körpersprache, Identität, Liebesverrat, Weiblichkeitsideal, Novelle, Literaturanalyse, St. Domingo.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert Heinrich von Kleists Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ unter dem speziellen Aspekt des Konzepts der „schönen Seele“.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Zentrale Themen sind das Vertrauen, die Identitätssuche zwischen den Fronten eines Rassenkonflikts, das Ideal der Weiblichkeit und die Rolle der Liebe.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll geklärt werden, ob die Protagonistin Toni das Ideal der „schönen Seele“ erreicht und warum dieses Konzept in der Welt der Novelle zwangsläufig zum Scheitern verurteilt ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär textimmanent vorgeht und theoretische Bezüge zu Friedrich Schillers ästhetischen Schriften einbindet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Charakteranalysen von Toni, Gustav, Congo Hoango und Babekan sowie in die Untersuchung von Schlüsselszenen, wie den Parallelgeschichten und dem Finale.

Welche Begriffe sind für die Arbeit besonders prägend?

Wichtige Begriffe sind „schöne Seele“, „Vertrauen“, „Körpersprache“, „Liebesverrat“ und die „Mestizin“-Rolle Tonis.

Warum spielt das Erröten eine zentrale Rolle bei Toni?

Das Erröten dient im Kontext der Novelle als Indikator für „wahre Gefühle“ und als ein Moment, in dem Toni sich in Richtung der weißen Identität und damit zur „schönen Seele“ hinbewegt.

Warum ist Gustavs Vertrauen so problematisch?

Gustavs Vertrauen ist instabil, da er Toni primär durch die Identifikation mit früheren traumatischen Erfahrungen (wie der Pestkranken) wahrnimmt, anstatt ihr als Individuum zu begegnen.

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Details

Title
Die schöne Seele bei Heinrich von Kleists "Die Verlobung in St. Domingo"
College
Free University of Berlin  (Deutsche Philologie)
Course
Die schöne Seele
Grade
1,0
Author
Carla Pohl (Author)
Publication Year
2006
Pages
15
Catalog Number
V120879
ISBN (eBook)
9783640251131
ISBN (Book)
9783640251285
Language
German
Tags
seele kleist st. domingo
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Carla Pohl (Author), 2006, Die schöne Seele bei Heinrich von Kleists "Die Verlobung in St. Domingo", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120879
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