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Così fan tutte: "Psychologie" im 18. Jahrhundert

Title: Così fan tutte: "Psychologie" im 18. Jahrhundert

Seminar Paper , 2008 , 13 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Cornelia Heuberger (Author)

Romance Studies - Italian and Sardinian Studies
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Così fan tutte – Mozarts lange Zeit umstrittenste Oper entstand im 18. Jahrhundert zu einer Zeit des Umbruchs. Man befindet sich zwischen Materialismus und Aufklärung und die Protagonisten sehen sich nun mit einer neuen Liebeskonzeption konfrontiert. Mozart und da Ponte versuchen aristokratische und bürgerliche Liebesauffassungen gegenüber zu stellen, und dabei besonderen Schwerpunkt auf den Rationalismus zu legen. Vor dem Hintergrund eines gefährlichen Experiments, einem Spiel mit Gefühlen und der Liebe, ja mit der Psyche des Menschen, wird die Strömung der Empfindsamkeit, die Einheit von Liebe und Ehe, eine Neuerung, die erst kürzlich Einzug in die Gesellschaft gefunden hat, mit kritischem Auge betrachtet. Doch um was geht es eigentlich in dieser so verwirrenden Oper, und warum verlässt der Zuschauer heute noch wie damals die Oper mit einem ungewöhnlich unbehaglichen, nachdenklichen Gefühl? Die Antwort findet sich versteckt in einer geschickt hinter Parodie, Ironie und Realität verborgenen „Psychologie“.
Da Ponte hinterlässt der Regie karge optische, räumliche und mimische Anweisungen. Die Aussage des Stücks muss sich also im Libretto verbergen, in der Handlung, dem Geschehen – und zwar sowohl in den Worten als auch in der Struktur des Libretto. Bei einer genaueren Analyse dieser Aspekte treten verborgene Motivationslagen der Protagonisten hervor, die uns Aufschluss über die Wirkung dieser im Kreuzfeuer der Kritik stehenden Oper geben und eine sinnvolle Interpretation zulassen.
Auf die Vorgabe einer konkreten Bühnenlösung verzichten Mozart und da Ponte absichtlich ausdrücklich, da sie eine Oper für die Ewigkeit kreierten. Sie schufen ein Werk, das sich mit einer zeitlosen Thematik beschäftigt, mit Gefühlen und körperlichen Bedürfnissen. Innerste Triebe und Zerrissenheiten des menschlichen Wesens stehen im Vordergrund. Strebt der Mensch nach Sicherheit, Geborgenheit und Treue, oder ist er auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer?
Oder birgt er Tendenzen zu beiden Extremen in sich? Ist der Mensch ein zerrissenes Wesen, das vielleicht selbst nicht weiβ, was es will? Oder sind es vielleicht nur die Frauen, die nicht wissen was sie wollen und somit Herzensleid schaffen?
Antwort auf diese Fragen will nun die folgende Abhandlung liefern, indem sie die einzelnen Charaktere im Hinblick auf ihre jeweilige Situation und ihre emotionalen Entwicklungsstadien beleuchtet und natürlich auch den gesamten Handlungsvorgang von einem psychologischen Standpunkt aus hinterfragt.

Excerpt


Gliederung

1. Thematik einer umstrittenen Oper

2. Eine Wette als Rahmenhandlung

3. Verborgene Motivationslagen

3.1 Ausgangssituation

3.2 Weg zur Selbstfindung

4. Ende gut – alles gut?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Strukturen und Motivationslagen der Charaktere in Mozarts Oper "Così fan tutte" im Kontext des 18. Jahrhunderts, um aufzuzeigen, wie das Werk durch das inszenierte Experiment der Wette grundlegende Fragen über menschliche Treue, Liebe und Selbstfindung verhandelt.

  • Psychologische Analyse der Protagonisten und ihrer emotionalen Entwicklung.
  • Die Wette als dramatisches Rahmenkonzept zur Entlarvung idealisierter Liebesvorstellungen.
  • Rationalismus versus Empfindsamkeit im 18. Jahrhundert.
  • Die Rolle der Täuschung und Selbsttäuschung bei der Suche nach Identität.
  • Interpretation des Finales als Prozess der Selbsterkenntnis statt als bloße Versöhnung.

Auszug aus dem Buch

3. Verborgene Motivationslagen

Schon die ersten beiden Verse geben zu Beginn der Oper einen wichtigen Aufschluss. Die beiden verliebten Herren besingen die Treue ihrer Verlobten parallel, als ob zwei verschiedene Individuen einen Gedanken hegten. Wir haben es hier also nicht mit den Gefühlen zweier komplexer Individuen zu tun, sondern mit einer Gruppe zweier Menschen, die eine idealisierte Vorstellung der Treue ihrer beiden Verlobten zum Ausdruck bringen: “La mia Dorabella capace non è”, “La mia Fiordiligi tradirmi non sa” (I.1).

Im weiteren Verlauf der ersten Szene des ersten Akts vergöttern sie ihre Freundinnen und beschreiben sie in prototypischer Perfektion. Individuelle Werte der Bräute werden in keiner Weise berücksichtigt, was den Damen ihre Menschlichkeit nimmt und sie zu austauschbaren Objekten präformiert. Diese perfekten Objekte sind in ihren Augen nicht fähig, sie zu verlassen, und das wiederum impliziert ein enormes Eigenlob der Männer. Mit einer äußerst unangebrachten Selbstsicherheit sonnen sie sich sich selbstüberschätzend im Glück einer idealen Liebe.

Die Damen stehen ihnen in dieser Hinsicht in nichts nach: auch sie idealisieren ihre Verlobten, beschreiben sie als makellos und perfekt. Sie nehmen ebenfalls individuelle Eigenschaften, kleine Makel und Schwächen der Herren nicht wahr, sondern ergeben sich auch einer seltsamen Euphorie über ihre perfekten Männer. Sie scheinen sich also nicht wirklich für deren Charakter zu interessieren, und deshalb erkennen sie kurze Zeit später ihre Verlobten in einer spärlichen Verkleidung oder an ihrer Stimme auch nicht. Bei den jungen Frauen steht die Vorfreude über eine bevorstehende Hochzeit, und die damit verbundene physische Liebe im Vordergrund, die sie bis dato noch nicht erlebt zu haben scheinen. So verspürt Fiordiligi ein „pizzicor“, ein „Prickeln“, das hier eindeutig sexuelle Assoziationen weckt. Körperliche Bedürfnisse, eine leidenschaftliche Lust soll endlich befriedigt werden. (I.2)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Thematik einer umstrittenen Oper: Einführung in den historischen Kontext von Mozarts Oper und die Fragestellung, wie psychologische Motive hinter dem librettistischen Aufbau verborgen sind.

2. Eine Wette als Rahmenhandlung: Erläuterung der Wette als künstlich inszeniertes Experiment, das den Charakteren dient, ihre Ideale kritisch zu hinterfragen und die "Schule des Lebens" zu durchlaufen.

3. Verborgene Motivationslagen: Tiefenpsychologische Untersuchung der Figuren, beginnend bei ihrer idealisierten Ausgangslage bis hin zu den individuellen Reifeprozessen.

3.1 Ausgangssituation: Analyse des Beginns der Oper, bei dem die Charaktere in einer fehlerhaften, rein idealisierten Vorstellung der Treue gefangen sind.

3.2 Weg zur Selbstfindung: Untersuchung der beginnenden Wandlung der Figuren, ausgelöst durch den Wunsch nach Veränderung und das Aufbrechen alter moralischer Vorstellungen.

4. Ende gut – alles gut?: Reflexion über das Ende der Oper, die Don Alfonso nicht als bösen Strippenzieher, sondern als Realisten interpretiert, der die Protagonisten zur Selbsterkenntnis führt.

Schlüsselwörter

Così fan tutte, Mozart, Da Ponte, Psychologie, Oper, Rationalismus, Empfindsamkeit, Treue, Wette, Selbstfindung, Libretto, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Liebeskonzeption, Identitätsentwicklung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die psychologischen Hintergründe und Motivationslagen der Charaktere in Mozarts Oper "Così fan tutte".

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte von Treue, Liebe, Idealismus, psychologische Entwicklung und die Kritik an gesellschaftlichen Normen im 18. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, zu ergründen, warum die Oper als "Psychologie" des 18. Jahrhunderts verstanden werden kann und welche Motive hinter den Handlungen der Protagonisten im Rahmen des Wetten-Experiments stehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine interpretative Analyse des Librettos und der Handlung, gestützt auf musikwissenschaftliche und psychologische Perspektiven.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet die Ausgangslage der Paare, den Prozess ihrer psychologischen Wandlung durch die "Schule des Lebens" und die Rolle der Charaktere (insbesondere Don Alfonso) bei der Auflösung der Wette.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen gehören Così fan tutte, Psychologie, Aufklärung, Idealismus, Treue, Identität und Selbstfindung.

Welche Funktion hat die Figur des Don Alfonso in dieser Interpretation?

Don Alfonso wird nicht als destruktiver Mephisto, sondern als Realist gesehen, der den Liebenden hilft, ihre idealisierten Traumwelten zu verlassen und sich selbst zu finden.

Wie unterscheidet sich Fiordiligis Entwicklung von der Dorabellas?

Fiordiligi zeigt eine komplexere Reflexion über ihre Moralvorstellungen und das Verlangen, während Dorabella eher impulsiv auf ihre neuen emotionalen Bedürfnisse reagiert.

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Details

Title
Così fan tutte: "Psychologie" im 18. Jahrhundert
College
LMU Munich  (Institut für Italianistik)
Course
Das italienische Opernlibretto des 18. Jahrhunderts
Grade
1,7
Author
Cornelia Heuberger (Author)
Publication Year
2008
Pages
13
Catalog Number
V120892
ISBN (eBook)
9783640251209
ISBN (Book)
9783640251438
Language
German
Tags
Così Psychologie Jahrhundert Opernlibretto Jahrhunderts
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Cornelia Heuberger (Author), 2008, Così fan tutte: "Psychologie" im 18. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120892
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