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Ethik und Moral in der Ethnologie

Komplizierte Ethik und verantwortungsvolle Forschung

Title: Ethik und Moral in der Ethnologie

Term Paper , 2007 , 17 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Julia Helmstädter (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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„[…] stellen Sie sich mal einen Ethnologen vor: der Mann hat zwei Jahre bei einem fremden Volk gelebt, ist auf die Jagd gegangen, hat Knollen ausgebuddelt, war einsam und vergnügt, hat mit seinen Gastgebern gelacht, geheult, getanzt und geliebt, der Medizinmann hat ihm anvertraut, wie man mit den Feen in den Bergen bumst, und dann geht er heim und schreibt eine strukturell-funktionale Analyse der Eigentums- und Verwandtschaftsverhältnisse der Tarahumara unter der Berücksichtigung der marxistischen XY. Das ist eine schamlose Ausbeutung der Menschlichkeit dieser Leute, die gottseidank [sic!] dieses Buch niemals lesen werden“ (Duerr 1977: 100).
Diese Problematik zwischen Verbindung zu den Erforschten und wissenschaftlichem Publikationsdiktat ist Diskussionsgegenstand der Ethnologie, da eine Lösung, die allen Ansprüchen genügt, unmöglich zu finden scheint.
Die Debatte ist in den größeren Kontext der Ethik einzuordnen und unter Berücksichtigung des richtigen ethischen Verhaltens für Ethnologen in ihrer Feldforschung zu führen. Somit stellt sich die Frage, ob beziehungsweise wie Ethnologen während ihrer Forschung verantwortlich und ethisch korrekt handeln können. Die Thematisierung von Ausnahmesituation ist dabei zu berücksichtigen. Im Kontext dieser Auseinandersetzung steht zusätzlich die Betrachtung der Verantwortung die Ethnologen den Untersuchten gegenüber tragen und welche Probleme sich ergeben.
Zunächst werde ich Ethik definieren und vom Begriff des Ethos abgrenzen, da diese beiden Terme relevant für die weitere Auseinandersetzung sind. Hieran gliedert sich der Umgang mit Ethik in der Ethnologie als Wissenschaft, welche Entscheidungen Forscher treffen, indem sie sich der Akademie verschreiben und welcher Umgang in der Empirie gewählt wird, da dies Ausgangslage weiterer Entwicklungs- und Lösungsansätze ist. Anschließend werde ich die American Anthropological Association mit ihren Zielen und ihrem Vorschlag einer ethischen Handlungsrichtlinie thematisieren und den Kategorischen Imperativ nach Immanuel Kant als ethische Norm mit ihren Konsequenzen besprechen, um Ansätze des verantwortlichen Umgangs mit Feldforschungsproblemen aufzuzeigen. Die darauf folgenden Beispiele des Projektes Camelot und einer Feldstudie in El Salvador/ Honduras verdeutlichen die Schwierigkeiten der Durchsetzung und konsequenten Anwendbarkeit einer ethischen Norm in einer reaktiven Wissenschaft wie der Ethnologie. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ethos versus Ethik

3 Ethik in Ethnologie als Wissenschaft

3.1 Ethische Probleme

3.2 Empirischer Umgang

4 Ethik-Codes

4.1 American Anthropological Association

4.1.1 Ziele der AAA

4.1.2 Ethische Normen der AAA

4.1.3 Europäische Übertragung

4.2 Kategorischer Imperativ nach Immanuel Kant

5 Fallbeispiele

5.1 Projekt Camelot

5.2 Running for my life in El Salvador

6 Trend: individuelle Ethik

6.1 Voraussetzungen

6.2 Lösungsansatz: Aktionsethnologie

6.3 Konsequenzen

7 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die ethischen Spannungsfelder in der ethnologischen Feldforschung, insbesondere das Dilemma zwischen der Verantwortung gegenüber den Erforschten und den Anforderungen wissenschaftlicher Publikationen oder Auftraggeber. Das primäre Ziel ist es, die Grenzen allgemeingültiger ethischer Kodizes aufzuzeigen und einen Trend zur individuellen, partizipativen Entscheidungsfindung des Forschers zu diskutieren.

  • Abgrenzung von Ethos und Ethik
  • Analyse bestehender ethischer Richtlinien (z.B. AAA)
  • Kritische Betrachtung des Kategorischen Imperativs in der Ethnologie
  • Reflexion historischer Fallbeispiele (Projekt Camelot, El Salvador)
  • Konzept der Aktionsethnologie als Antwort auf ethische Herausforderungen

Auszug aus dem Buch

Running for my life in El Salvador

Phillippe Bourgois forschte in den 1980ern in Honduras, um dort die Umsetzung eines salvadorschen Flüchtlingslagers zu untersuchen.

Von einigen Flüchtlingen wurde Bourgois ermuntert, die Menschenrechtsituation und deren Missbrauch zu dokumentieren und dies mit Verantwortlichen in El Salvador, dem Heimatland der Flüchtlinge, zu besprechen und mit diesem Vorhaben die Grenze von Honduras nach El Salvador zu überqueren. Mit der Absicht nur 48 Stunden dort zu verbringen, schloss sich Bourgois einer Gruppe an, die nach El Salvador aufbrach, jedoch verlängerte sich dieser Aufenthalt zu einem „fourteen day nightmare when the Salvadoran military launched to search and destroy operation against the region“ (Bourgois 1997: 294). Das besuchte Gebiet Cabanas Province wurde bombardiert, sodass die Gruppe um Bourgois versuchte, aus dem umzingelten Gebiet zu fliehen: „[f]or the next six days, I found myself in a no-man’s land, hiding during the day, running and looking for food and better shelter at night” (Bourgois 1982: 3).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das grundlegende Spannungsfeld zwischen der Verbindung zu den Erforschten und dem wissenschaftlichen Publizieren sowie die Fragestellung nach verantwortungsvollem Handeln in der Forschung.

2 Ethos versus Ethik: Dieses Kapitel differenziert zwischen dem kulturspezifischen Ethos als unbewusste Lebenshaltung und der Ethik als philosophisch-reflexiver Disziplin des rechten Handelns.

3 Ethik in Ethnologie als Wissenschaft: Hier wird thematisiert, wie wissenschaftliche Objektivitätsansprüche zu einer Objektivierung der Untersuchungssubjekte führen und welche ethischen Probleme sich daraus im Feld ergeben.

4 Ethik-Codes: Es werden bestehende Handlungsrichtlinien der American Anthropological Association und der Kategorische Imperativ nach Kant als normative Lösungsversuche für ethische Dilemmata diskutiert.

5 Fallbeispiele: Anhand der Projekte Camelot und Bourgois' Arbeit in El Salvador werden die Grenzen formaler ethischer Normen in der Realität kontroverser Forschungssituationen aufgezeigt.

6 Trend: individuelle Ethik: Das Kapitel stellt die individuelle Entscheidungsfindung durch partizipative Methoden, insbesondere die Aktionsethnologie, als zukünftigen Lösungsweg dar.

7 Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass allgemeingültige Normen der Komplexität ethnologischer Forschung oft nicht gerecht werden und plädiert für eine fachspezifische, auf Verantwortung basierende Ethik.

Schlüsselwörter

Ethnologie, Ethik, Feldforschung, Verantwortung, American Anthropological Association, Aktionsethnologie, Projekt Camelot, Menschenrechte, Ethos, Partizipation, Forschungsethik, Objektivität, Immersion, Disziplin, Entscheidungsfindung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Dimension der ethnologischen Feldforschung und der Herausforderung, Forschung verantwortungsvoll gegenüber den Untersuchten durchzuführen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit behandelt die Unterscheidung von Ethos und Ethik, die Analyse von Ethik-Kodizes, Fallstudien zur Forschung in Krisengebieten und die Entwicklung hin zu partizipativen Methoden.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu hinterfragen, ob Ethnologen während ihrer Forschung ethisch korrekt handeln können und inwieweit starre Richtlinien durch individuelle, verantwortungsbewusste Entscheidungen ersetzt werden sollten.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär analysiert?

Im Zentrum steht die teilnehmende Beobachtung und deren ethische Implikationen, sowie die Aktionsethnologie als partizipativer Ansatz.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert theoretische ethische Normen, vergleicht diese mit der Forschungspraxis und diskutiert anhand konkreter Fallbeispiele die Grenzen von Ethik-Kodizes.

Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Forschungsethik, Verantwortung, partizipative Ethnologie und den Schutz der Erforschten charakterisieren.

Was verdeutlicht das Projekt Camelot für die Forschungsethik?

Das Beispiel zeigt den massiven ethischen Konflikt auf, der entsteht, wenn anthropologische Methoden für militärische Zwecke instrumentalisiert werden.

Warum wird die Aktionsethnologie als Lösungsvorschlag diskutiert?

Da allgemeingültige Normen oft scheitern, bietet die Aktionsethnologie durch den Ansatz des "Hilfens und Lernens" mit den Betroffenen eine Möglichkeit, Machtstrukturen abzubauen und ethisch angemessener zu handeln.

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Details

Title
Ethik und Moral in der Ethnologie
Subtitle
Komplizierte Ethik und verantwortungsvolle Forschung
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Ethnologie und Afrikastudien)
Course
Grundseminar: Methoden und Techniken det Ethnologie
Grade
1,0
Author
Julia Helmstädter (Author)
Publication Year
2007
Pages
17
Catalog Number
V120904
ISBN (eBook)
9783640251599
ISBN (Book)
9783656150664
Language
German
Tags
Ethik Moral Ethnologie Grundseminar Methoden Techniken Ethnologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Helmstädter (Author), 2007, Ethik und Moral in der Ethnologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120904
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