Eine fMRI-Studie, die versucht, das "Geheimnis" des Simultandolmetschens und der darin involvierten Gehirnareale aus neurophysiologischer Sicht aufzudecken.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Das menschliche Gehirn
1.1 Im Inneren des Gehirns: Aufbau und Areale
1.2 Das Nervensystem: Aufbau und Funktionsweise
2 Das Neuron als „Baustein“ des Gehirns
2.1 Funktion des Neurons
2.2 Kommunikation zwischen den einzelnen Neuronen
3 Das mehrsprachige Gehirn
3.1 Das mentale Lexikon
3.2 Lokalisation der Sprachen
3.3 Rezeption, Perzeption und Produktion von Sprache
3.3.1 Am Beispiel der Muttersprache
3.3.2 Am Beispiel der Fremdsprache
3.4 Vom Ausgangstext zum Zieltext: eine Hypothese zum funktionellen Ablauf des Simultandolmetschens
4 Bildgebende Methoden zur Darstellung des Gehirns
4.1 Elektroenzephalographie (EEG)
4.2 Magnetoenzephalographie (MEG)
4.3 Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
4.4 Kernspintomographie
4.5 Die functional Magnetic Resonance Imaging-Technik (fMRI)
4.6 Weitere Untersuchungsmethoden
5 Neurophysiologische Forschungen zum Dolmetschen – Stand der Forschung
5.1 Die Untersuchung von Kraushaar und Lambert
5.2 Die Untersuchung von Gran und Fabbro
5.3 Die Untersuchung von Kurz
6 Eine fMRI-Fallstudie zur Untersuchung der neurophysiologischen Prozessen beim Simultandolmetschen
6.1 Korpus der Studie
6.1.1 Vorbereitung
6.1.2 Textunterteilung, Ablauf und Dauer
6.2 Zusammensetzung und Vorbereitung der Probandengruppe
7 Auswertung: Ergebnisse und Diskussion. Feedback der Probanden
8 Schluss: Ausblick auf zukünftige neurophysiologische Studien zum Dolmetschen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den komplexen kognitiven Prozess des Simultandolmetschens aus neurophysiologischer Perspektive, um zu verstehen, wie das menschliche Gehirn Informationen verarbeitet und Sprachleistungen erbringt.
- Grundlagen der Gehirnstruktur und neuronalen Kommunikation
- Neurophysiologische Aspekte des mehrsprachigen Gehirns
- Methoden der Gehirnforschung (insb. fMRI)
- Empirische Fallstudie zum Simultandolmetschen in der Sprachkombination Spanisch-Deutsch
Auszug aus dem Buch
Die Untersuchung von Kraushaar und Lambert
1987 führten Brigitte Kraushaar und Sylvie Lambert an der Universität von Ottawa eine Fallstudie durch (s. Kraushaar, Lambert 1987:17). Dabei nahmen 20 Studenten mit Muttersprache Englisch und erster Fremdsprache Französisch oder umgekehrt teil. Die Texte für die Studie wurden mit einer Geschwindigkeit von 2,89 Wörter pro Sekunde vorgelesen (s. Kraushaar, Lambert 1987:21). Die Studenten mussten Shadowing-Aufgaben erfüllen, bei denen sie beide Sprachen entweder im linken oder im rechten Ohr zu hören bekamen. Das Ergebnis war, dass alle Versuchspersonen beim Shadowing mehr Fehler in ihrer Fremdsprache machten als in ihrer Muttersprache. Kraushaar und Lambert teilten die Probanden weiterhin in early bilinguals und late bilinguals ein, je nach Alter, in dem die zweite Sprache erlernt wurde. Dabei stellte sich heraus, dass bei late bilinguals eher das rechte Ohr, d. h. die linke Gehirnhälfte dominant war; bei early bilinguals war dieses Phänomen nicht zu beobachten (s. Kraushaar, Lambert 1987:25).
Einige der wichtigsten Ergebnisse ihrer Studie zeigten, dass Shadowing – und dieses Phänomen übertragen sie auf den Dolmetschprozess (s. Kraushaar, Lambert 1987:26f) – in die Muttersprache weniger Fehler aufweist als Shadowing in die Fremdsprache. Was die Fehlerquote und die Sprachproduktion beim Simultandolmetschen betrifft, vermuten sie
towards one's A language (L1), interpreters are free to process incoming speech through either or both ears. [...] there is a suggestion that when working from one's A language (L1) towards one's B language (L2), speech may be better processed when directed through the right ear. (Kraushaar, Lambert 1987:27)
Laut dieser Theorie müsste der Informationsinput zunächst durch die rechte Hemisphäre erfolgen, vermutlich dort analysiert und dann zur Verarbeitung in die linke geschickt werden. Das steht im Widerspruch zu der Tatsache, dass viele Dolmetscher doch präferenziell den Kopfhörer dem linken Ohr haben, weil sie wahrscheinlich dadurch sozusagen einen „direkten“ Zugang zu ihrer linken Hemisphäre haben und dann mit dem rechten Ohr und der rechten Hemisphäre den Output besser kontrollieren können.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage und Motivation zur Untersuchung der neurophysiologischen Grundlagen des Dolmetschprozesses.
1 Das menschliche Gehirn: Einführung in die Anatomie und die Funktionsweise des Gehirns als Basis für mentale Prozesse.
2 Das Neuron als „Baustein“ des Gehirns: Erläuterung der neuronalen Struktur und der Informationsübertragung mittels elektrischer und chemischer Signale.
3 Das mehrsprachige Gehirn: Diskussion über das mentale Lexikon und die neuronale Organisation von Sprachrezeption und -produktion.
4 Bildgebende Methoden zur Darstellung des Gehirns: Überblick über wissenschaftliche Verfahren zur Messung von Hirnaktivitäten, insbesondere die fMRI-Technik.
5 Neurophysiologische Forschungen zum Dolmetschen – Stand der Forschung: Zusammenfassung bestehender Studien zu kognitiven Prozessen beim Dolmetschen.
6 Eine fMRI-Fallstudie zur Untersuchung der neurophysiologischen Prozessen beim Simultandolmetschen: Darstellung der eigenen empirischen Fallstudie, inklusive Korpus, Ablauf und Probandengruppe.
7 Auswertung: Ergebnisse und Diskussion. Feedback der Probanden: Analyse der fMRI-Daten und Auswertung der begleitenden Befragung der Teilnehmer.
8 Schluss: Ausblick auf zukünftige neurophysiologische Studien zum Dolmetschen: Resümee der Arbeit und Empfehlungen für weiterführende Forschungsvorhaben.
Schlüsselwörter
Simultandolmetschen, Neurophysiologie, fMRI, Gehirn, neuronale Prozesse, mentale Repräsentation, Sprachproduktion, Sprachrezeption, Fallstudie, Kognition, mentale Lexika, Sprachverarbeitung, Bildgebende Verfahren, Hemisphärendominanz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit widmet sich der Erforschung der neurophysiologischen Grundlagen des Simultandolmetschens und untersucht, welche Gehirnareale bei diesem komplexen kognitiven Prozess aktiv sind.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die menschliche Gehirnanatomie, neuronale Informationsübertragung, die Sprachverarbeitung bei mehrsprachigen Individuen sowie die Anwendung bildgebender Verfahren wie fMRI in der Dolmetschwissenschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis einer eigenen Fallstudie zu verstehen, wie sich der Dolmetschprozess neurologisch von der freien Sprachproduktion unterscheidet und welche Gehirnregionen dabei spezifisch beansprucht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine fMRI-gestützte (funktionelle Magnetresonanztomographie) Fallstudie sowie begleitende Probanden-Fragebögen, um kognitive Prozesse beim Dolmetschen zu objektivieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Aufarbeitung der neuroanatomischen Grundlagen und eine detaillierte Auswertung der empirischen fMRI-Daten, gewonnen aus einer Gruppe von Dolmetschstudenten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Simultandolmetschen, fMRI, neuronale Aktivität, mentale Lexika, Sprachrezeption, Sprachproduktion und Kognition.
Wie unterscheidet sich die Sprachverarbeitung beim Simultandolmetschen von der freien Rede?
Die Fallstudie deutet darauf hin, dass beim Simultandolmetschen zusätzliche kognitive Kapazitäten gefordert sind, insbesondere zur Bewältigung des schnellen Informationswechsels zwischen Ausgangs- und Zielsprache.
Welche Rolle spielen die Probanden in der Fallstudie?
Die Probanden lieferten durch das Simultandolmetschen von Reden unter fMRI-Bedingungen die notwendigen neurologischen Daten, um Aktivitätsmuster im Gehirn mit den Ergebnissen der freien Sprachproduktion zu vergleichen.
- Quote paper
- Eliza Kalderon (Author), 2007, Dem Simultandolmetschen auf der Spur - Eine neurophysiologische Fallstudie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120916