Im Zuge einer fortschreitenden Kapitalmarktintegration, konnte in den letzten beiden Dekaden
ein starker Anstieg der weltweiten Kapitalflüsse beobachtet werden. Durch den rasanten
technischen Fortschritt vor allem im Bereich der Informationsverarbeitung und –übertragung,
verloren nationale Grenzen für den sehr mobilen Faktor Kapital zunehmend an Bedeutung.
Bemerkenswert hierbei ist jedoch die unterschiedliche Verteilung der Kapitalströme. Denn
während viele Schwellenländer in den letzten Jahren und insbesondere Mitte der 1990er Jahre
große Mengen an Kapitalzuflüssen verzeichnen konnten, scheinen nur sehr wenige Entwicklungsländer
an dieser Entwicklung zu partizipieren.
Ziel dieser Arbeit ist es, zum einen die Bedeutung von importiertem Kapital im Entwicklungsprozess
der Entwicklungsländer darzustellen, und zum anderen Ursachen für das Ausbleiben
der Kapitalflüsse zu identifizieren.
Hierzu werden zunächst in Kapitel 2 die beiden Begriffe Globalisierung und Entwicklungsland
aufgrund der Vielzahl in der Literatur vorzufindenden Auffassungen und Definitionen
kurz erläutert. In Kapitel 3 werden die Kapitalzuflüsse der letzten beiden Dekaden in Entwicklungsländer
mit denen in ausgewählte Schwellenländergruppen verglichen. Im Anschluss
erfolgt eine detaillierte Betrachtung der Kapitalstromentwicklung in die Entwicklungsländer.
Kapitel 4 gibt einen Einblick in die entwicklungstheoretische Relevanz der Kapitalakkumulation
und erläutert den Beitrag privater Kapitalströme zur Kapitalakkumulation. Einen Überblick
über die Ursachen ausbleibender Kapitalströme in Entwicklungsländer gibt Kapitel 5.
Die Arbeit endet mit einer Schlussbemerkung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erläuterung der Begriffe Globalisierung und Entwicklungsland
3. Beschreibung der Kapitalflüsse in die LDC
4. Ökonomische Bedeutung der Kapitalakkumulation
4.1 Relevanz der Kapitalakkumulation im Rahmen wachstumstheoretischer Ansätze
4.2 Beitrag ausländischer Direktinvestitionen zur Kapitalakkumulation
4.3 Beitrag privater Portfolioinvestitionen zur Kapitalakkumulation
5. Ursachen für ausbleibende Kapitalströme in die LDC
5.1 Ursachen für das Ausbleiben ausländischer Direktinvestitionen
5.2 Ursachen für das Ausbleiben privater Portfolioinvestitionen
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von importiertem Kapital für den Entwicklungsprozess der sogenannten Least Developed Countries (LDC) im Kontext der zunehmenden globalen Kapitalmarktintegration und analysiert die spezifischen Ursachen für die ausbleibenden Kapitalströme in diese Ländergruppe.
- Bedeutung von Kapitalakkumulation für den wirtschaftlichen Entwicklungsprozess
- Vergleich der Kapitalflüsse in LDC gegenüber Schwellenländern
- Rolle ausländischer Direktinvestitionen und privater Portfolioinvestitionen
- Makroökonomische, institutionelle und infrastrukturelle Hemmnisse für Kapitalzuflüsse
- Auswirkung von politischer Instabilität und Rechtsunsicherheit auf Investitionsentscheidungen
Auszug aus dem Buch
4.2 Beitrag ausländischer Direktinvestitionen zur Kapitalakkumulation
Ausländische Direktinvestitionen sind in der Lage, die Kapitalbildung im Empfängerland auf unterschiedliche Weise zu fördern. Die Akkumulation von Sachkapital wird realisiert, da die Investitionsquote im Investitionsland erhöht werden kann, ohne die inländischen Ersparnisse oder Devisenbestände in gleicher Höhe zu belasten, wie dies bei der Investition eines inländischen Unternehmens der Fall wäre. Durch die Entlastung der inländischen Kreditmärkte kann zudem eine Verdrängung inländischer Investoren durch Zinscrowding out weitgehend vermieden werden (vgl. Borenzstein et al. 1994 S. 11ff.). Eine weitere potentiell vorteilhafte Wirkung zeigen positive Kopplungseffekte (linkage effects) auf vor- und nachgelagerte Industriezweige im Gastland. Die Wachstumswirkung der Direktinvestitionen ist also umso größer, je stärker das Gastland mit der eigenen Produktion am Bruttoproduktionswert der zu erstellenden Leistung beteiligt ist (vgl. Lall 1995, S 524f.). Eine Gefahr besteht hier jedoch dann für inländische Anbieter mit traditionellen arbeitsintensiven Produktionsverfahren wenn das ausländische Unternehmen kapitalintensiv produziert und daher den Faktor Arbeit weniger nachfragt. Dem Wachstumseffekt der Direktinvestitionen steht dann der Verlust von Arbeitsplätzen entgegen (vgl. Lall 1995, S. 525).
Nachfolgend soll noch auf die Wirkungen der Direktinvestitionen auf die Humankapitalbildung eingegangen werden. Durch den Transfer von Wissen im Sinne von neuen Produktions- und Managementmethoden kann der Humankapitalstock mittels Aus- und Weiterbildung der Arbeitskräfte vor Ort erhöht werden. Für humankapitalarme Länder ist der Import des Wissens entscheidend, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können (vgl. Hemmer 2006, S. 4).
Allerdings muss auf die teils komplementäre Beziehung zwischen Sach- und Humankapital hingewiesen werden. Wenn ausländische Investoren kapitalintensive Investitionen im Ausland tätigen, benötigen sie dort von Anfang an qualifiziertes Personal. Ist dieses Mindestmaß an Humankapital dort nicht vorhanden, werden Schlüsselpositionen oftmals mit Personal, das nicht aus dem Gastgeberland stammt, besetzt (vgl. Radke 1992, S. 25). Die entscheidenden Wachstumseffekte der Direktinvestitionen können sich also nur dann entfalten, wenn das importierte Humankapital auch an das Gastland weitergegeben wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die zunehmende Bedeutung der Kapitalmarktintegration und stellt das Ziel der Arbeit vor, die Bedeutung von importiertem Kapital für LDC und die Gründe für deren ausbleibende Zuflüsse zu untersuchen.
2. Erläuterung der Begriffe Globalisierung und Entwicklungsland: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe und begründet die methodische Entscheidung, die Ländergruppe der Least Developed Countries (LDC) gemäß der UN-Kriterien zu betrachten.
3. Beschreibung der Kapitalflüsse in die LDC: Es erfolgt eine empirische Bestandsaufnahme der Kapitalströme in die LDC im Vergleich zu Schwellenländergruppen sowie eine Analyse der unterschiedlichen Kapitalarten.
4. Ökonomische Bedeutung der Kapitalakkumulation: Das Kapitel vergleicht theoretische Ansätze zur Kapitalbildung und beleuchtet den Beitrag von Direkt- und Portfolioinvestitionen zur Wachstumsförderung.
5. Ursachen für ausbleibende Kapitalströme in die LDC: Hier werden die wesentlichen Hemmnisse analysiert, darunter makroökonomische Instabilität, mangelnde Institutionen, politisches Risiko und eine schwache Infrastruktur.
6. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, den Integrationsprozess der LDC-Kapitalmärkte trotz der identifizierten strukturellen Herausforderungen voranzutreiben.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Kapitalmarktintegration, LDC, Entwicklungsländer, Kapitalakkumulation, Direktinvestitionen, Portfolioinvestitionen, Sachkapital, Humankapital, Auslandskapital, Wirtschaftswachstum, Institutionelle Rahmenbedingungen, Investitionsklima, Kapitalverkehrskontrollen, Auslandsverschuldung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die globale Kapitalmarktintegration die Kapitalströme in die ärmsten Entwicklungsländer (LDC) beeinflusst und warum diese Ländergruppe im Vergleich zu Schwellenländern deutlich geringere private Kapitalzuflüsse verzeichnet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der ökonomischen Bedeutung der Kapitalakkumulation, den verschiedenen Formen der Kapitalflüsse (Direktinvestitionen vs. Portfolioinvestitionen) und den politischen sowie makroökonomischen Barrieren in den LDC.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Relevanz von importiertem Kapital für den Entwicklungsprozess aufzuzeigen und die spezifischen Gründe zu identifizieren, die private Investoren davon abhalten, Kapital in LDC zu investieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische und empirische Literaturanalyse, die aktuelle ökonomische Wachstumsmodelle mit statistischen Daten der UNCTAD, Weltbank und OECD verknüpft, um die Kapitalstromentwicklungen zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung der Kapitalakkumulation sowie die detaillierte Untersuchung der Ursachen für das Ausbleiben von Investitionen, wie etwa Inflationsrisiken, instabile politische Rahmenbedingungen und mangelnde Rechtsstaatlichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Globalisierung, Kapitalakkumulation, Least Developed Countries (LDC), ausländische Direktinvestitionen und institutionelle Stabilität.
Warum profitieren LDC weniger von Direktinvestitionen als Schwellenländer?
Die Arbeit zeigt, dass Investoren neben mangelnder Infrastruktur und Humankapitalmangel vor allem instabile makroökonomische Bedingungen und eine unsichere Rechtslage in vielen LDC als Abschreckung wahrnehmen.
Welche Rolle spielt die Auslandsverschuldung für das Ausbleiben von Portfolioinvestitionen?
Eine hohe Auslandsverschuldung mindert die Glaubwürdigkeit der Politik und erhöht das Ausfallrisiko für Gläubiger, was zu einer schlechten Bonität führt und private Portfolioinvestoren vom Markt fernhält.
- Citation du texte
- Bastian Beck (Auteur), 2006, Einfluss der Globalisierung auf Kapitalströme in Entwicklungsländer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120972