Der erste Gedanke, den man mit den Begriffen „Aufstand“ und „1923“ verbindet, führt einen unweigerlich zum so genannten „Hitler-Putsch“, der am 9. November an der Münchener Feldherrenhalle sein unrühmliches Ende nahm. Grund dafür mag sein, dass dieser erste gescheiterte Machtergreifungsversuch des späteren Diktators, im Schulunterricht, in der Literatur und in den Medien ausgiebig unter die Lupe genommen wurde und wird. Dass exakt an jenem 9. November auch der Startschuss für die kommunistische Revolution in Deutschland fallen sollte, ist jedoch nur den wenigsten bekannt. Der „Deutsche Oktober“ ist in der öffentlichen Wahrnehmung, obwohl er einige Parallelen zum „Hitler-Putsch aufweisen kann und ebenfalls gründlich misslang, gewissermaßen ein „Nichtereignis“ der Weltgeschichte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Anfangsjahre der KPD
2.1 Die KPD von 1919 bis 1923
2.2 Märzaktion 1921
2.3 Auswirkungen der russischen Oktoberrevolution
3. Das Krisenjahr 1923
4. Die KPD 1923
4.1 Einheitsfront und Arbeiterregierung
4.2 Schlageter-Kurs und Nationale Einheitsfront
4.3 Die KPD in der Ruhrkrise
4.4 Innerparteiliche Differenzen und Fraktionskämpfe
4.5 Stärke und Aufbau
4.6 Das Verhältnis zwischen KPD und SPD
4.7 Haltung der KPD zu Aufstand und Gewalt
5. Die Kommunistische Internationale und die Weltrevolution
6. Der „Deutsche Oktober“
6.1 Die Entscheidung, loszuschlagen
6.2 Die Vorbereitung des Aufstands
6.2.1 Moskauer Besprechungen
6.2.2 Aktionspläne
6.3 Regierungsbeteiligungen in Sachsen und Thüringen
6.4 Die Chemnitzer Konferenz
6.5 Der Hamburger Aufstand
7. Gegenmaßnahmen der Reichsregierung
7.1 Verhängung des militärischen Ausnahmezustands
7.2 Reichsexekutionen gegen Sachsen und Thüringen
8. Die gescheiterte Revolution und deren Auswirkungen auf die kommunistischen Partei(en)
8.1 Fortsetzung und Ende der Aufstandsvorbereitungen
8.2 Gründe des Scheiterns
8.3 Die These vom „Sieg des Faschismus“
8.4 Folgen der gescheiterten Revolution
9. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert den „Deutschen Oktober“ des Jahres 1923, einen von Moskau initiierten, aber gescheiterten Revolutionsversuch der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Ziel ist es, die Hintergründe, den Verlauf sowie die Gründe für das Scheitern dieser Aktion unter Berücksichtigung neu zugänglicher Quellen detailliert darzustellen und zu bewerten.
- Die Entstehung und Entwicklung der KPD im Kontext der Weimarer Republik.
- Die Rolle der Kommunistischen Internationale (Komintern) bei den Aufstandsplänen.
- Die taktischen und strategischen Fehlkalkulationen der KPD-Führung sowie der Moskauer Verantwortlichen.
- Die Auswirkungen der Ruhrkrise und der Hyperinflation auf das revolutionäre Potenzial.
- Die Bedeutung der Reichsexekutionen und der Gegenmaßnahmen der Reichsregierung.
Auszug aus dem Buch
6.4 Die Chemnitzer Konferenz
Berichte über den unmittelbar bevorstehenden Einmarsch der Reichswehr erreichten die KPD am 20. Oktober. In diesem Zusammenhang tagte das Zentralkomitee am selben Tag in Chemnitz und beschloss auf Grund der neuen Situation am nächsten Tag zum Generalstreik aufzurufen und daraufhin zum bewaffneten Kampf überzugehen. Lozoskij berichtete über die Sitzung:
„Am Sonnabend den 20. spät in der Nacht fand in Chemnitz eine Sitzung des Sechsergruppe statt, auf der die Frage aufgeworfen wurde, was im Zusammenhang mit der Entsendung der Reichswehr nach Sachsen zu tun sei. (…) Generalstreik und Aufstand – das war die einmütige Meinung der leitenden Sechsergruppe.“
Zuvor sollte aber noch die Stimmung auf der Chemnitzer Konferenz ausgelotet werden, um zu erfahren, inwieweit Rückhalt in der Arbeiterklasse und bei den Arbeiterorganisationen bestand, da die Zusammensetzung der Konferenz als durchaus repräsentativ für die Arbeiterschaft Sachsens und des Reichs eingeschätzt wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet den „Deutschen Oktober“ als weitgehend unbekanntes Ereignis im Vergleich zum Hitler-Putsch und erläutert das Ziel der Arbeit, die Hintergründe und das Scheitern dieses kommunistischen Revolutionsversuchs zu analysieren.
2. Die Anfangsjahre der KPD: Dieses Kapitel beleuchtet die historischen Wurzeln der KPD, die Auswirkungen der russischen Oktoberrevolution und die Erfahrungen der Märzaktion 1921 als prägende Faktoren für die spätere Strategie der Partei.
3. Das Krisenjahr 1923: Der Autor beschreibt das Krisenjahr 1923, geprägt durch Ruhrkampf und Hyperinflation, als Grundlage für das Entstehen der als revolutionär eingeschätzten Situation.
4. Die KPD 1923: Hier werden die Taktik, Strategie, der Aufbau und die innerparteilichen Konflikte der KPD im Jahr 1923 untersucht, einschließlich der Einheitsfrontpolitik und der Haltung zu Gewalt.
5. Die Kommunistische Internationale und die Weltrevolution: Das Kapitel analysiert den maßgeblichen Einfluss der Komintern und der Führung der Russischen Kommunistischen Partei auf die KPD sowie den Leitgedanken der Weltrevolution.
6. Der „Deutsche Oktober“: Im Mittelpunkt stehen hier die konkreten Moskauer Pläne, die Vorbereitungen des Aufstands, die Regierungsbeteiligungen in Sachsen und Thüringen sowie der Verlauf der Chemnitzer Konferenz und der Hamburger Aufstand.
7. Gegenmaßnahmen der Reichsregierung: Der Autor behandelt den militärischen Ausnahmezustand und die Reichsexekutionen gegen Sachsen und Thüringen als entscheidende Schritte zur Niederschlagung der Revolutionspläne.
8. Die gescheiterte Revolution und deren Auswirkungen auf die kommunistischen Partei(en): Das Kapitel arbeitet die Gründe für das Scheitern des Revolutionsversuchs heraus und analysiert die daraus resultierenden politischen Folgen für die KPD und RKP.
9. Schluss: Die Schlussbetrachtung fasst die historischen Erkenntnisse zusammen und ordnet das Scheitern des „Deutschen Oktobers“ in die Geschichte der Weimarer Republik ein.
Schlüsselwörter
Deutscher Oktober, KPD, Komintern, Krisenjahr 1923, Weimarer Republik, Aufstand, Einheitsfronttaktik, Reichsexekution, Heinrich Brandler, Weltrevolution, Ruhrkrise, Inflation, Chemnitzer Konferenz, Arbeiterregierung, Proletarische Hundertschaften
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den gescheiterten kommunistischen Revolutionsversuch in Deutschland im Jahr 1923, den sogenannten „Deutschen Oktober“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse umfasst die historische Entwicklung der KPD, die strategische Steuerung durch die Komintern in Moskau, die innerparteilichen Konflikte, die Rolle der sächsischen und thüringischen Regierungsbeteiligungen sowie die Gegenmaßnahmen der Reichsregierung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, mit Hilfe neuer Quellen Hintergründe, Verlauf und Folgen des Revolutionsversuchs von 1923 darzustellen und die Gründe für dessen Scheitern zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Analyse zeitgenössischer Dokumente, Quellensammlungen und bestehender wissenschaftlicher Abhandlungen zur Frühzeit der KPD.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Moskauer Plänen, der Vorbereitung der proletarischen Hundertschaften, den Regierungsbeteiligungen der KPD in Sachsen und Thüringen sowie dem letztendlichen Scheitern der Aufstandspläne auf der Chemnitzer Konferenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind unter anderem Deutscher Oktober, KPD, Komintern, Krisenjahr 1923, Arbeiterregierung und Reichsexekution.
Warum war der Aufstand von Anfang an zum Scheitern verurteilt?
Die Arbeit argumentiert, dass eine breite Unterstützung durch die Massen ausblieb, die Partei intern zerstritten war und der deutsche Staat sowie die Reichswehr eine deutlich stärkere Kontrolle und Entschlossenheit zeigten, als von den Komintern-Führern in Moskau angenommen wurde.
Welche Rolle spielte die "Chemnitzer Konferenz" für den weiteren Verlauf?
Die Konferenz war der entscheidende Wendepunkt, an dem die KPD-Führung erkennen musste, dass der erhoffte Rückhalt in der Arbeiterschaft fehlte und ein Aufstand zu diesem Zeitpunkt aussichtslos war, was zum Abbruch der Revolutionspläne führte.
Wie wirkte sich das Scheitern langfristig auf die KPD aus?
Das Scheitern führte zur "Bolschewisierung" der KPD unter strikter Moskauer Kontrolle, zum Ausschluss gemäßigter Kräfte und letztlich zum Verlust der Eigenständigkeit der Partei.
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- Stefan Schusterbauer (Author), 2007, Der „Deutsche Oktober“ und die Politik der KPD im Krisenjahr 1923, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120995