Das deutsche Bildungssystem steht nicht erst seit der ersten PISA-Studie aus dem Jahr 2000 unter starker Kritik. Es werden Ansätze von Teilreformen diskutiert und doch nicht umgesetzt. Ursachen werden gesucht und die Verantwortung wird innerhalb des Systems umher gereicht. Ein konträres Bild dazu bietet das finnische Schulsystem, welches durch die hervorragenden PISA-Ergebnisse zum Gewinner dieses internationalen Vergleichs avancierte.
Die PISA-Studien erfassen, welches Niveau 15-jährige SchülerInnen der großen Industriestaaten in einem breiten Spektrum an Fähigkeiten und Kenntnissen erreichen. In diesem Sinne wurden die ausgewählten SchülerInnen in ihren eigenen Schulen in den drei Grundbildungsbereichen - Lesekompetenz, Naturwissenschaft und Mathematik - getestet (vgl. OECD 2001: 14ff).
Betrachtet man im Rahmen der vorliegenden Arbeit die Ergebnisse von Finnland und Deutschland, so werden signifikante Unterschiede nicht nur in den drei Grundbildungsbereichen, sondern vor allem im Gesamtergebnis deutlich. Während die deutschen Ergebnisse jeweils unterhalb der errechneten durchschnittlichen Punktzahl liegen, erreicht Finnland in allen Bereichen Punktzahlen, die zu den besten Ergebnissen aller Industrienationen gehören (vgl. ebd.: 60).
Aus diesem Grund wird die vorliegende Arbeit einen Überblick über beide Schulsysteme hinsichtlich der Geschichte, der rechtlichen Rahmenbedingungen, der Finanzierung und des allgemeinen Aufbaus geben.
Jedes Kapitel beinhaltet in diesem Zusammenhang zunächst die Darstellung der immanenten Charakteristika des deutschen Schulsystems und anschließend die Wesensmerkmale des finnischen Schulsystems mit den jeweiligen Schwerpunkten. Abschließend wird in jedem Kapitel eine Zusammenfassung formuliert, welche die Leitideen des jeweiligen Systems spezifiziert.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1 GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER SCHULSYSTEME
1.1 DIE ENTWICKLUNG DES DEUTSCHEN SCHULSYSTEMS SEIT 1945
1.2 DIE ENTWICKLUNG DES FINNISCHEN SCHULSYSTEMS
1.3 FAZIT
2 RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN DER SCHULSYSTEME
2.1 DIE DEUTSCHEN RECHTSGRUNDLAGEN
2.2 DIE FINNISCHEN RECHTSGRUNDLAGEN
2.3 FAZIT
3 DIE FINANZIERUNG DER SCHULSYSTEME
3.1 DIE DEUTSCHE FINANZIERUNG
3.2 DIE FINNISCHE FINANZIERUNG
3.3 FAZIT
4 DER ALLGEMEINE AUFBAU DER SCHULSYSTEME
4.1 DAS DEUTSCHE SCHULSYSTEM
4.1.1 Der Primarbereich
4.1.2 Der Sekundarbereich
4.1.3 Der tertiäre Bereich
4.2 DAS FINNISCHE SCHULSYSTEM
4.2.1 Der grundlegende Unterricht
4.2.2 Die Sekundarstufe II
4.2.2.1 Die gymnasiale Oberstufe
4.2.2.2 Die Berufsausbildung
4.2.3 Die höhere Bildung
4.2.3.1 Die Fachhochschulen
4.2.3.2 Die Universitäten
4.3 FAZIT
5 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit vergleicht die Schulsysteme von Deutschland und Finnland, um die strukturellen Ursachen für die unterschiedlichen Leistungen in den PISA-Studien zu identifizieren und den Reformbedarf im deutschen Bildungssystem aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung der Schulsysteme in beiden Ländern
- Rechtliche Rahmenbedingungen und staatliche Zuständigkeiten
- Finanzierungsmodelle und Ressourcenverteilung
- Strukturaufbau vom Primarbereich bis zur tertiären Bildung
- Soziopolitische Einordnung und Aspekte von Inklusion und Exklusion
Auszug aus dem Buch
1.1 Die Entwicklung des deutschen Schulsystems seit 1945
In Deutschland wurden bereits in der frühen Nachkriegszeit in den drei westlichen und der sowjetischen Besatzungszone unterschiedliche Entscheidungen über die politischen Grundlagen des Bildungswesens getroffen (vgl. Eckhardt/Lohmar 2007: 28).
In der Bundesrepublik Deutschland (BRD) wurde die Fortsetzung der traditionellen föderalen Ordnung beschlossen, wodurch die Entscheidungsmacht hinsichtlich der Bildungspolitik zunächst bei den einzelnen Ländern lag. Signifikant für ein vergleichbares Bildungssystem in allen westlichen Besatzungszonen war die 1948 gegründete Kultusministerkonferenz. Diese verabschiedet durch das „Düsseldorfer Abkommen“ (1955) und die „Hamburger Abkommen“ (1964,1971) Beschlüsse zur „Vereinheitlichung auf dem Gebiet des allgemein bildenden Schulwesens“ (ebd.). Auch die Feststellung des Bedarfs (1961-1970) für Schulwesen, Lehrerbildung, Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kulturpflege waren entscheidend für den Ausbau der Schul- und Studienplätze. Im Jahr 1970 wurde die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung als Gesprächsforum für alle Fragen des Bildungswesens gegründet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER SCHULSYSTEME: Dieses Kapitel beleuchtet die bildungspolitischen Entwicklungen in Deutschland nach 1945 sowie die historischen Reformen und Strukturen in Finnland, die zur dortigen Einheitsschule führten.
2 RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN DER SCHULSYSTEME: Hier wird analysiert, wie das Recht auf Bildung in den Verfassungen beider Länder verankert ist und welche unterschiedlichen Kompetenzverteilungen zwischen staatlichen Ebenen bestehen.
3 DIE FINANZIERUNG DER SCHULSYSTEME: Dieses Kapitel vergleicht die Finanzierungsmodelle, wobei der Fokus auf dem vertikal gestuften System Deutschlands gegenüber der zentral gesteuerten Finanzierung Finnlands liegt.
4 DER ALLGEMEINE AUFBAU DER SCHULSYSTEME: Ein detaillierter Vergleich der Schulstufen, beginnend beim Primarbereich bis hin zu den Hochschulsektoren, der die Differenzierung vs. Einheitlichkeit der Systeme verdeutlicht.
5 ZUSAMMENFASSUNG: Abschließend werden die Ergebnisse in den Kontext von Wohlfahrtsstaatsregimen gesetzt und die Notwendigkeit umfassender Reformen im deutschen System unterstrichen.
Schlüsselwörter
Bildungspolitik, Schulsystem, Deutschland, Finnland, PISA-Studie, Reformbedarf, Chancengleichheit, Finanzierung, Rechtsgrundlagen, Hochschulbildung, Bildungsniveau, Inklusion, Exklusion, Schulreform, Bildungssektor.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert und vergleicht das Bildungssystem Deutschlands und Finnlands hinsichtlich ihrer historischen Entwicklung, Finanzierung, rechtlichen Basis und des strukturellen Aufbaus.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Unterschiede im Förderansatz, das Ausmaß staatlicher Autonomie, die Effizienz der Mittelverteilung und die Auswirkung auf die nationale Bildungsqualität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aus dem erfolgreichen finnischen Schulsystem Lehren für das deutsche System abzuleiten, um den dort festgestellten Reformbedarf fundiert zu begründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Analyse sowie die Literaturrecherche und greift auf sozialwissenschaftliche Theorien, wie das Wohlfahrtsstaatsregime nach Esping-Andersen, zurück.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in vier inhaltliche Kapitel, die systematisch Geschichte, Recht, Finanzierung und den schulischen Aufbau beider Länder gegenüberstellen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Wichtige Begriffe sind Chancengleichheit, Heterogenität, Einheitsschule, Bildungsföderalismus und Dekommodifikation.
Wie unterscheidet sich die Finanzierung laut der Autorin?
Während in Deutschland die Last bei den Ländern und Kommunen liegt, was zu Ungleichheiten führen kann, sorgt in Finnland eine zentral kalkulierte staatliche Verteilung für einheitliche Standards.
Was ist die zentrale Schlussfolgerung in Bezug auf das deutsche Schulsystem?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass das deutsche System durch zu viel Exklusion gekennzeichnet ist und dringend eine Reform hin zu mehr Chancengleichheit und einem einheitlicheren strukturellen Aufbau benötigt.
- Citar trabajo
- Sabrina Wolfframm (Autor), 2008, Bildungspolitik in Deutschland und Finnland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121086