„In unserem Allgemeinverständnis ist Schule mehr ein ‚Sitz- und Gesprächsraum’ denn ein Bewegungsraum“ (Hildebrandt-Stramann, 1999, S.5). Nach diesem Verständnis ist auch der aktuelle Lehrplan aufgebaut. Jedes Fach hat seinen entsprechenden Fachunterricht und bewegen können die Kinder sich im Sportunterricht sowie in
den Pausen.
Verschiedene Forscher haben diverse Konzepte entwickelt, um den Alltag für Kinder und Jugendliche bewegter zu gestalten. Es wird vermutet, dass Kinder in einer bewegungsfreundlichen, abwechslungsreichen Umgebung leistungsfähiger sind und die Schule durch einige Veränderungen zum angenehmeren Lebensraum für Kinder und
Lehrerschaft werden kann. Es wird dafür plädiert, den 45 Minuten Rhythmus und somit auch die fest definierten Bewegungszeiten abzuschaffen und den Schulalltag unter bewegungswissenschaftlichen Hintergrund zu reformieren.
Der Grundgedanke ist zwar bei allen Forschern der gleiche, dennoch vertreten sie je nach Akzentuierung andere Konzepte. Im Folgenden wird versucht, aus den unterschiedlichen Arbeiten ein Grundgerüst für ein kompaktes Konzept der Bewegten Schule zu erstellen.
Danach werden einige Argumente dargestellt, warum man eine Bewegte Schule dringend realisieren sollte. Hierbei ist zu erwähnen, dass auf die medizinische Begründung nicht explizit eingegangen wird, der Grundtenor ist durch die gesundheitliche Begründung aber zu erkennen.
Zum Schluss wird eine Versuchsschule genauer betrachtet und diskutiert, inwiefern sich vermutete positive Entwicklungen einstellen und wo Probleme bei der Umsetzung entstehen könnten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Konzept der Bewegten Schule
2.1 Rahmenmerkmale
2.2 Inhaltliche Merkmale
2.2.1 Unterrichtsinterne Merkmale
2.2.2 Unterrichtsexterne Merkmale
3 Notwendigkeit der Bewegten Schule
3.1 Entwicklungs- und lerntheoretische Begründung
3.2 Gesundheitliche Begründung
3.3 Schulprogrammatische Begründung
4 Bewegte Schule in der Praxis – Die Liobaschule
4.1 Die Liobaschule
4.2 Umsetzung und Erkenntnisse
4.2.1 Das mobile Klassenzimmer
4.2.2 Körper- und Haltungsthemen
4.2.3 Bewegter Fachunterricht – Bewegtes Lernen
4.3 Bewertung des Schulversuchs
5 Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der theoretischen Konzeption und der praktischen Implementierung der „Bewegten Schule“. Ziel ist es, ein Grundgerüst für die bewegungsfreundliche Gestaltung des Schulalltags zu erstellen und auf Basis des Schulversuchs der Liobaschule Vechta zu evaluieren, wie sich dieser Ansatz auf die Lernumgebung und die Schülerentwicklung auswirkt.
- Grundlagen und Rahmenbedingungen einer Bewegten Schule
- Notwendigkeit von Bewegung aus entwicklungstheoretischer und gesundheitlicher Sicht
- Praktische Umsetzung: Das mobile Klassenzimmer und bewegter Fachunterricht
- Evaluation des Schulversuchs an der Liobaschule
- Herausforderungen und Problematiken bei der schulischen Implementierung
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Das mobile Klassenzimmer
In einigen Versuchsklassen wurde das mobile Klassenzimmer eingeführt, in dem die Stühle und Tische durch bewegliches Mobiliar ersetzt wurden. Die neuen Sitzgelegenheiten waren mit Teppich überzogene Styroporwürfel und Halbwalzen. Aus dem gleichen Material wurden ebenfalls Lese bzw. Schreibpulte sowie Schreibtische zum Zusammenbauen angeschafft. Diese Möbel ermöglichten eine flexible Unterrichtsgestaltung ohne Zeitverlust zwischen den verschiedenen Arbeitsphasen. Dies wurde realisiert, indem man schnelle Wechsel zwischen Sitzkreis, Gruppen- oder Einzelarbeit und Bewegungsaufgaben in den Unterricht einbaute.
Das bewegliche, leichte Mobiliar wurde von den Lehrerinnen und Lehrern als sehr nützlich empfunden. Es wurde festgestellt, dass die Kinder konzentrierter arbeiten konnten, da sie selbständig in Bewegungsaktivitäten wechseln konnten, falls die Konzentration nachließ.
Die Schwierigkeit, dass ein Teil der Kinder noch mit der Stillarbeit beschäftigt war, der Andere sich aber schon im Raum bewegte, wurde gelöst, indem auch andere Räume und der Flur mitbenutzt werden durften (vgl. Feldhaus; Hildebrant-Stramann, 2001, S.46f).
Die Umfrage unter den Schülerinnen und Schülern einer Versuchsklasse ergab, dass lediglich ein Kind von 24 nach wie vor lieber auf einem Stuhl als auf einer alternativen Sitzgelegenheit saß (vgl. Hildebrant-Stramann, 2001, S.187).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Schulsituation als meist statischen Sitzraum und führt in die Notwendigkeit bewegungsfreundlicher Konzepte zur Steigerung der Lernqualität ein.
2 Konzept der Bewegten Schule: Dieses Kapitel definiert die strukturellen Rahmenbedingungen sowie inhaltliche Merkmale wie unterrichtsinterne und -externe Gestaltungsmöglichkeiten für mehr Bewegung.
3 Notwendigkeit der Bewegten Schule: Hier wird der Bedarf an Bewegung durch entwicklungs-, gesundheits- und schulprogrammatische Begründungen wissenschaftlich untermauert.
4 Bewegte Schule in der Praxis – Die Liobaschule: Anhand eines Fallbeispiels wird die praktische Umsetzung mit Teilprojekten wie dem mobilen Klassenzimmer und bewegtem Fachunterricht sowie deren Ergebnisse analysiert.
5 Resümee: Das Resümee fasst den Erfolg des Modellversuchs zusammen und diskutiert die Hürden bei der praktischen Skalierbarkeit und Finanzierung für den Schulalltag.
Schlüsselwörter
Bewegte Schule, Schulentwicklung, Bewegungsförderung, Bewegtes Lernen, Liobaschule, Schulversuch, Gesundheitsbildung, Körperbewusstsein, mobiles Klassenzimmer, Unterrichtsgestaltung, Lernwirksamkeit, Bewegungspausen, Ergonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Konzept der „Bewegten Schule“, welches darauf abzielt, die starre Sitzkultur im Unterricht durch bewegungsfreundliche Elemente und eine Umgestaltung des Lebensraums Schule aufzubrechen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit gliedert sich in theoretische Begründungen zur Notwendigkeit von Bewegung sowie die praktische Anwendung und Evaluation des Konzepts anhand eines Schulversuchs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, ein theoretisches Grundgerüst für die Bewegte Schule zu bilden und die Erfahrungen einer Modellschule zu bewerten, um Erkenntnisse für eine breitere Umsetzung zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse bestehender Konzepte sowie die qualitative Auswertung eines spezifischen Modellversuchs (Liobaschule Vechta).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Rahmen- und Inhaltspunkte, die medizinische und entwicklungspsychologische Notwendigkeit von Bewegung sowie konkrete Praxisbeispiele wie das „mobile Klassenzimmer“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Bewegte Schule, Bewegungsförderung, Schulentwicklung, Lernwirksamkeit und Gesundheitsbildung.
Wie reagieren die Kinder auf das mobile Mobiliar?
Laut den Erhebungen in den Versuchsklassen wurden die neuen Sitzmöglichkeiten sehr positiv angenommen; die Kinder konnten konzentrierter arbeiten und der Lärmpegel sank.
Welche Hauptprobleme erschweren die Umsetzung?
Herausforderungen sind der hohe Arbeitsaufwand für das Kollegium, finanzielle Investitionen für neues Mobiliar und infrastrukturelle Gegebenheiten.
Wie steht die Arbeit zum Sportunterricht?
Der Sportunterricht gilt als unverzichtbar, reicht aber allein nicht aus, um den Bewegungsmangel zu kompensieren, weshalb Bewegung in den gesamten Schulalltag integriert werden muss.
- Citation du texte
- Steffen Weber (Auteur), 2007, Das Konzept der "Bewegten Schule", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121088