Im alltäglichen Leben ist der Mensch ständig in Bewegung. Obgleich wir uns immer bewegen, machen wir uns den tiefgreifenderen Sinn einer Bewegung nicht bewusst. In der Vergangenheit haben sich verschiedene Wissenschaftler mit diesem Sachverhalt beschäftigt. Auf zwei solcher Ansätze möchte ich in der folgenden Arbeit eingehen.
So soll es in einem ersten Teil um die so genannte „Gestaltkreistheorie“ des Arztes Viktor von Weizsäcker gehen, einer Darstellung des Zusammenhangs zwischen Wahrnehmung und Bewegung. Den zweiten theoretischen Hintergrund wird das „dialogische Bewegungskonzept“ darstellen, mit dem der Bewegungsforscher Gordijn die Idee der Bewegung als Dialog zwischen Mensch und Welt weiterentwickelte. Beide Theorien sind noch heute maßgebend für pädagogisches Handeln im Sportunterricht. Deshalb wird es, vor dem Hintergrund dessen, in einem letzten Kapitel um die didaktischen
Perspektiven für Bewegung und Bewegungslernen in der Schule gehen, welche an einem Beispiel erläutert werden sollen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 THEORETISCHER HINTERGRUND
2.1 Die Gestaltkreistheorie
2.2 Das „dialogische Bewegungskonzept“
2.2.1 Physikalische und menschliche Bewegung
2.2.2 Intentionalität
2.2.3 Leiblichkeit einer Bewegung
2.2.4 Arten der intentionalen Gerichtetheit
3 DIDAKTISCHE PERSPEKTIVE
4 BEISPIEL
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Bewegungslernens unter dem Aspekt des „Dialogs zwischen Mensch und Welt“. Ziel ist es, ein pädagogisches Verständnis zu entwickeln, das Bewegung nicht als rein mechanische Zielerreichung betrachtet, sondern als einen persönlichen und situativen Prozess der Auseinandersetzung mit der Umwelt, und dies für den Sportunterricht nutzbar zu machen.
- Die Gestaltkreistheorie nach Viktor von Weizsäcker als Grundlage wechselseitiger Wahrnehmung und Bewegung.
- Einführung des „dialogischen Bewegungskonzepts“ nach Gordijn.
- Die Bedeutung von Intentionalität und Leiblichkeit im menschlichen Bewegen.
- Didaktische Strategien für einen autonomen und erfahrungsbasierten Sportunterricht.
- Praktische Anwendung am Beispiel des Handstützüberschlags.
Auszug aus dem Buch
4 Beispiel
Die im vorangegangenen Kapitel vorgestellten Überlegungen zu einem Bewegungsunterricht, der auf den Erkenntnissen des „dialogischen Bewegungskonzeptes“ basiert, sollen im Folgenden an dem praktischen Beispiel des Handstützüberschlages verdeutlicht werden. Bei dem Vorhaben einer Schulklasse den Handstützüberschlag beizubringen, ist es demnach zunächst wichtig, dass die zu erlernende Bewegung als eigene Antwort auf ein Bewegungsproblem entstehen soll. Aus diesem Grunde könnte die erste Anweisung an die Schüler sein, eine kleine Matte zu überqueren, ohne sie mit den Füßen zu berühren. Vermutlich werden einige darüber springen, während andere sie mit einem Rad überqueren werden. Weitere Möglichkeiten des Passierens der Matte könnten die Radwende, die Rolle oder die Flugrolle sein. Es werden viele Bewegungsformen vorkommen, wobei nicht alle Parallelitäten zum Handstützüberschlag aufweisen werden. Eine weitere Einschränkung könnte sein, die Matte bei dem Überqueren zusätzlich mit den Händen zu berühren und dabei die Füße in die Höhe zu strecken. Jetzt werden vermutlich nur noch Räder oder Handstände angewendet, um das Hindernis zu überqueren, da Sprungvariationen durch die zusätzliche Vorgabe „verboten“ wurden. So wird jeder einzelne Schüler an die Problemstellung des Handstützüberschlags herangeführt, ohne das Bewegungsmuster vorgegeben zu bekommen. Nun sollte jeder Lernende die Gelegenheit bekommen, sich mit der momentanen Problemstellung auseinander setzen zu können. Während dieser Zeit kann die ungewohnte Position des Handstandes erfahren beziehungsweise können sämtliche Radvariationen ausprobiert werden. Der Schüler sollte versuchen, so viele unterschiedliche Erfahrungen wie möglich auf diesem Gebiet zu sammeln, da aus Variabilität bekannter Weise Stabilität folgt. Haben die Lernenden unterschiedliche Erfahrungen gesammelt, liegt es an dem Lehrer weitere Einschränkungen vorzunehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der menschlichen Bewegung und die Zielsetzung, den Zusammenhang von Bewegung und Wahrnehmung theoretisch und didaktisch zu beleuchten.
2 THEORETISCHER HINTERGRUND: Erläuterung der Gestaltkreistheorie und des dialogischen Bewegungskonzepts als Fundament für ein Verständnis von Bewegung als Mensch-Welt-Bezug.
3 DIDAKTISCHE PERSPEKTIVE: Diskussion pädagogischer Ansätze, die den Schüler in den Mittelpunkt des Lernprozesses stellen und die Bedeutung individueller Bewegungserfahrungen betonen.
4 BEISPIEL: Konkrete Veranschaulichung der theoretischen Erkenntnisse am Prozess des Erlernens eines Handstützüberschlags im Unterricht.
5 FAZIT: Kritische Reflexion der Bewegungsvermittlung und Plädoyer für ein ganzheitliches Verständnis von Bewegung als Dialog.
Schlüsselwörter
Bewegungslernen, Gestaltkreis, dialogisches Bewegungskonzept, Sportunterricht, Intentionalität, Leiblichkeit, Bewegungsvermittlung, Wahrnehmung, didaktische Perspektive, Bewegungshandlung, Mensch-Welt-Bezug, motorisches Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Bewegung und Bewegungslernen als ein „Dialog“ zwischen dem Menschen und seiner Welt verstanden und im Sportunterricht vermittelt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die theoretischen Grundlagen der Wahrnehmung und Bewegung (Gestaltkreis), das dialogische Bewegungskonzept nach Gordijn sowie deren praktische Umsetzung in der Sportdidaktik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schüler durch eine autonome Auseinandersetzung mit Bewegungsproblemen statt durch reines Nachahmen vorgegebener Muster zu eigenen Bewegungslösungen gelangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse sportpädagogischer Konzepte und deren Anwendung in praktischen Unterrichtsbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch die Gestaltkreistheorie und das dialogische Bewegungskonzept sowie die Ableitung didaktischer Konsequenzen für die Schule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Bewegungslernen, dialogisches Bewegungskonzept, Intentionalität, Leiblichkeit und die subjektive Bedeutsamkeit von Bewegung.
Was unterscheidet das dialogische Bewegungskonzept von traditionellem Unterricht?
Traditioneller Unterricht setzt oft auf das sture Nachahmen fester Muster, während das dialogische Konzept den Schüler als Aktor begreift, der in einer konkreten Situation individuell eine eigene Lösung für ein Bewegungsproblem entwickelt.
Warum ist das Beispiel des Handstützüberschlags im Buch gewählt worden?
Es dient als praxisnahe Demonstration dafür, wie durch schrittweise Einschränkungen einer Bewegungssituation der Lernende dazu geführt wird, den Handstützüberschlag als eigene Antwort zu entdecken.
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- Steffen Weber (Author), 2006, Bewegungslernen als Dialog von Mensch und Welt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121093