Migration in Großbritannien nach der Dekolonisation des Indischen Subkontinents


Hausarbeit, 2008
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg

3. Dekolonisation und Migration des Indischen Subkontinents

4. Rechtliche Grundlagen der Migration nach Großbritannien

5. Auswirkungen der Migration in Großbritannien

6. Öffentliche Meinungen in Großbritannien
6.1 Meinungen in der Politik
6.2 Meinungen in der Bevölkerung

7. Fazit

8. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In Folge des Zweiten Weltkrieges fand eine starke Dekolonisation statt, von der alle Kolonialmächte gleichermaßen betroffen waren. Großbritannien, als bedeutendste Kolonialmacht, verlor nach und nach einen Großteil seiner Kolonien. Mit der Dekolonisation, vor allem durch die Unabhängigkeit des indischen Subkontinents 1947, verlor Großbritannien nicht nur eine ihrer wirtschaftlich bedeutendsten Kolonien, sondern sah sich auch dem Problem der Zuwanderung ausgesetzt. Die ehemalige Kolonialmacht war für auswandernde Inder und Pakistaner erstes Ziel, aufgrund der Erfahrungen während der Kolonialzeit und der wirtschaftlichen Attraktivität.

Durch die zahlreiche Migration musste in Großbritannien Bestimmungen gefunden werden um auf die Folgen der Dekolonisation reagieren zu können. Wie aber sahen diese Einwanderungsbestimmungen aus und welche Auswirkungen hatten sie für England? Um diese Fragestellung umfassend zu beantworten wird die vorliegende Arbeit sich mit der Ausgangslage in England und dem indischen Subkontinent auseinandersetzen und im weiteren mit den entstehenden Einwanderungsgesetzen. Als letzten Schritt befasst sich die vorliegende Arbeit mit den Folgen der Migration und der rechtlichen Grundlagen sowie den Reaktionen der englischen Politik und Gesellschaft auf die Einwanderung.

Statt sich den innenpolitischen Problemen zu widmen, konzentrierte sich Großbritannien viel mehr auf außenpolitische Situationen, wie ihre Stellung im weltpolitischen Kontext nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Höhe der Einwanderung und ihre Folgen für die englische Gesellschaft hatte Großbritanniens Politik völlig unterschätzt und sich erst zu spät mit der Migration intensiver auseinandersetzt.

2. Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in den einzelnen Kolonien Unabhängigkeitsbewegungen: Zuerst verlangte Indien die Unabhängigkeit, dann auch andere Territorien in Asien und Afrika. Nach einigen misslungenen Versuchen, diese Bestrebungen zu unterdrücken, akzeptierte man die Wünsche der Kolonien und reformierte die britische Kolonialherrschaft zum heute noch bestehenden Commonwealth of Nations.

Der Zweite Weltkrieg untergrub die schon geschwächte Position der Wirtschaftsmacht Großbritannien weiter. Denn das Vereinigte Königreich litt unter den Folgen des Krieges und die ehemaligen Verbündeten waren nicht mehr bereit, den Kolonialstatus weiterhin zu akzeptieren.1 Eine Wirtschaftskrise im Jahre 1947 zwang die Labour-Regierung unter Clement Attlee dazu, jegliche Versuche aufzugeben sich wieder als Supermacht zu etablieren und die militärische und wirtschaftliche Überlegenheit der USA anzuerkennen.2

Nach dem Regierungswechsel 19513 machte sich Churchill für eine Begrenzung der Einwanderung stark, da er um die Homogenität der Nation bangte und soziale Spannungen erwartete. Für dieses Vorhaben konnte er aber das Kabinett nicht gewinnen. In den 50er verhinderten die Konservativen die Einreisebeschränkung aus humanitären Gründen, da die geforderten Bestimmungen auf eine Diskriminierung der Farbigen abzielten und man eine Spaltung des Commonwealth nicht riskieren wollte. Des Weiteren fürchteten sie durch diskriminierende Bestimmungen die Beschädigung des britischen Ansehens in der Welt.4

Im Jahr 1949, als die Einwanderung aus den karibischen Kolonien gerade erst begonnen hatte und diejenige vom indischen Subkontinent noch gar nicht beziffert wurde, erschien ein demographischer Bericht der Labour- Regierung, der die Einwanderung befürwortete. Sowohl die Labour-Regierung bis 1951 als auch die folgenden konservativen Regierungen zeigten Interesse an der neuen Zuwanderung. Aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung der 1950er und 1960er Jahre fehlte es in Großbritannien an Arbeitskräften und somit konnten die Einwanderer ungehindert nach Großbritannien einreisen. Das Fehlen einer Meldepflicht, die gering ausgeprägte britische Bürokratie, ebenso wie die Tatsache, dass ein Großteil der Einwanderer die britische Staatsangehörigkeit besaß führte dazu, dass keine verlässlichen Daten über die tatsächliche Höhe der Einwanderung existierten. Im November 1955 wurde in einer Kabinettsdiskussion beispielsweise geschätzt, dass im laufenden Jahr 20.000 Einwanderer aus der Karibik, 6.000 bis 7.000 aus Südasien und ungefähr 60.000 aus Irland eingereist seien.

Vor allem außenpolitische Absichten waren Gründe die Einwanderung aus den ehemaligen Kolonien zu tolerieren: Großbritannien forderte nach dem Zweiten Weltkrieg die moralische Führung in der Welt, wollte das Commonwealth erhalten und Einfluss auf die Dekolonisationsprozesse in den einzelnen Ländern nehmen, um weiter vom Handel mit ihnen profitieren zu können. Ab 1968 spielte die Rücksichtnahme auf das Commonwealth nur noch eine untergeordnete Rolle, da man einsehen musste, dass die Zeit als Kolonialmacht vorbei war. Der neue Schwerpunkt lag auf inneren Fragen, wie die Entlastung des Sozialstaates und des Wohnungsmarktes und zum anderen die Vermeidung von inneren Konflikten.5

Das Ende der britischen Weltmachtstellung förderte eine allgemeine Unzufriedenheit in der Bevölkerung, die sich an der Frage der Einwanderungspolitik entzündete. Die Zuwanderung war für die Bevölkerung Englands Neuland, denn eine Migration solchen Ausmaßes kannten sie nicht. Vor allem die Fremdwirkenden Einwanderer aus den ehemaligen Kolonien waren Anstoß der Unzufriedenheit, während man die Arbeitsmigration aus Irland nicht als Einwanderung als solche verstand.6 Die große Präsenz von Ausländern führte zu einem stärkeren nationalen Bewusstsein der Briten. Obwohl Großbritannien bis dahin als „das Mutterland von Freiheit und Demokratie und ein Vorkämpfer gegen den Rassismus und für die Gleichbehandlung der Individuen galt“.7 Durch diese Vergangenheit war man sich anfangs in Großbritannien sicher, keine gesetzlichen Regelungen für die Einwanderung zu brauchen.

In der Karibik, Afrika, Asien und im Pazifik geschah die Dekolonisation, in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, angesichts der zunehmend blutigen Unabhängigkeitsbewegungen mit schon beinahe übertriebener Hast. Das Vereinigte Königreich wehrte sich kaum gegen die Auflösung ihres Kolonialreiches und unterschätzte das Thema der Migration nach Großbritannien völlig.

3. Dekolonisation und Migration des Indischen Subkontinents

Der Zweite Weltkrieg setzte die Beziehungen zwischen London und den politischen Akteuren auf dem Subkontinent einer neuen Belastungsprobe aus, weil der Vizekönig Deutschland 1939, ohne Absprache mit London, die Kriegserklärung im Namen des Subkontinents erteilte. Daraufhin kündigte die Kongresspartei8 die Kooperation auf und zog sich auf dem Subkontinent aus den Provinzregierungen zurück. Doch der japanische Vorstoß und der Druck Washingtons ließen in London die Bereitschaft wachsen, den indischen Forderungen auf mehr Mitspracherecht entgegenzukommen. Im Sommer 1942 wurde der Labour-Politiker Stafford Cripps nach Dehli entsandt und er unterbreitete dem Kongress ein Angebot des Dominionstatus9 nach Kriegsende, der aber auf Ablehnung stieß. Die Kongresspartei verschärfte daraufhin die Lage mit der Quit-India Kampagne: Im Zuge dieser Kampagne wurden durch die Behörden in Dehli tausende Kongressanhänger verhaftet. Nach dem Krieg und dem Wahlsieg der Labour-Party schienen die Zeichen auf eine schnelle Einigung zu stehen. Doch die Wahlen 1944/46 spiegelten die ethnische Spaltung des Subkontinents wieder und etablierten die Muslimliga, als Interessenvertretung der muslimischen Bevölkerung. Eine neue Kabinettsdelegation im Frühjahr 1946 sollte die Möglichkeit einer indischen Föderation ausloten, diese provozierte aber nur den Zorn der Muslimliga, die auf ein selbstständiges Pakistan beharrte. Als Folge rief die Muslimliga zum Protest auf und es kam zu Ausschreitungen zwischen den Parteien, bei denen in Kalkutta circa 5000 Menschen starben.10

[...]


1 Vgl. Maurer, Michael: Kleine Geschichte Englands, Bonn 2005, S.458.

2 Vgl. Schröder, Hans-Christoph: Englische Geschichte, 3.überarbeitete Auflage, München 2000, S.88.

3 Vgl. Maurer, Michael: Kleine Geschichte Englands, Bonn 2005, S.450.

4 Vgl. Altmann, Gerhard: Abschied von Empire. Die innere Dekolonisation Großbritanniens 1945-1985, Göttingen 2005, S.328.

5 Vgl. Schönwälder, Karen: Einwanderung und ethnische Pluralität. Politische Entscheidungen und Debatten in Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland von den 1950er bis zu den 1970er Jahren, Essen 2001, S.637.

6 Vgl. ebd., S.640.

7 Ebd., S.641.

8 Die Kongresspartei, eigentlich der indische Nationalkongress, war die führende Unabhängigkeitsbewegung Indiens und stellte in den ersten Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit die Regierung Indiens.

9 Der Dominionstatus sah die Selbstverwaltung der Kolonie vor.

10 Vgl. Altmann, Gerhard: Abschied von Empire. Die innere Dekolonisation Großbritanniens 1945-1985, Göttingen 2005, S.78.

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Details

Titel
Migration in Großbritannien nach der Dekolonisation des Indischen Subkontinents
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V121121
ISBN (eBook)
9783640250974
ISBN (Buch)
9783640251964
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migration, Großbritannien, Dekolonisation, Indischen, Subkontinents
Arbeit zitieren
Christoph Kern (Autor), 2008, Migration in Großbritannien nach der Dekolonisation des Indischen Subkontinents, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121121

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