Der Begriff Differenzierung ist als weit gefasster Sammelbegriff zu verstehen, welcher didaktische und schulische Organisationsformen beschreibt, in denen Unterricht und Lernen stattfinden sollen. Differenzierung zielt grundsätzlich auf die individuelle Förderung des Schülers, d. h. Förderung von Begabungen, Lerndisposition und auch hinsichtlich von Lernschwächen und Motivationsschwächen ab. Mit differenzierten Lernangeboten und Forderungen, die sich am Leistungsvermögen des Schülers orientieren, können Erfolgserlebnisse geschaffen werden, die sich positiv auf die Motivation und das Lernverhalten des Schülers auswirken, sein Selbstbewusstsein und damit seine Persönlichkeit stärken. Zur Entwicklung der Schülerpersönlichkeit trägt maßgeblich bei, Begabungen zu erkennen und in geeigneter Weise zu fördern sowie Defizite mit individuellen Lernangeboten auszugleichen. Differenzierung wird demzufolge notwendig aus der Heterogenität der Schülerschaft und den gesellschaftlichen Anforderungen, die sich beispielsweise in verschiedenen Schulformen und -abschlüssen ausdrücken. Sie erfolgt in der kategorialen Trennung der Zielgruppe in Hinblick auf die Homogenisierung nach einem bestimmten Kriterium wie zum Beispiel dem Alter, als äußere Differenzierung, oder der Durchführung des Unterrichts als innere Differenzierung. Im Folgenden wird darauf eingegangen welche Ziele die Differenzierung verfolgt und in welchen Arten sie durchzuführen ist. Hierbei werden Modelle vorgestellt, welche die umfangreiche Anwendung der Differenzierung verdeutlichen sollen.
Die Begeisterung von Schülerinnen und Schülern für die klassische Leichtathletik hält sich in Grenzen. Verständlich, wenn immer nur die gleichen Übungen und Bewegungsformen absolviert werden. Leichtathletik ist dann für viele Schüler Ausdruck einer eher langweiligen und einseitigen Bewegungswelt. Laufen, Springen und Werfen in der Schule sollte aber so arrangiert und thematisiert werden, dass tatsächlich Freude an der Bewegung und Lust auf Leichtathletik entsteht. Deshalb folgt im praktischen Teil ein Konzept einiger Sportstunden, bei dem, ausgeführt in der Sportart Leichathletik, veranschaulicht werden soll, wie die Differenzierung in die Praxis umgesetzt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Schulmethodik Leichathletik
2.1 Schulische Bedingungen
2.2 Unterrichtsziele in der Leichtathletik
2.3 Mehrperspektivität im Leichtathletikunterricht
3 Übersicht des Begriffs Differenzierung
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Arten von Differenzierung
3.3 Möglichkeiten und Ebenen der inneren Differenzierung
3.3.1 Didaktische Differenzierung
3.3.2 Methodische Differenzierung im Unterricht
4 Innere Differenzierung am Beispiel Speerwurf und Hochsprung
4.1 Lehrplananalyse Sek. I + II Speerwurf und Hochsprung
4.2 Methodisch konvergente Unterrichtseinheit Speerwurf
4.3 Methodisch divergente Unterrichtseinheit Hochsprung
5 Fazit
6 Literatur
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht Möglichkeiten, den Leichtathletikunterricht durch gezielte Differenzierungsmaßnahmen an die heterogene Schülerschaft anzupassen, um Motivation und individuelle Erfolgserlebnisse zu fördern und die Sportart als moderne, lebendige Praxis zu etablieren.
- Grundlagen der Schulmethodik in der Leichtathletik unter Berücksichtigung schulspezifischer Bedingungen.
- Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Differenzierung und deren methodischen Ebenen.
- Analyse des Lehrplans für die Sekundarstufen I und II mit Fokus auf Speerwurf und Hochsprung.
- Praktische Anwendungsbeispiele für konvergente (Speerwurf) und divergente (Hochsprung) Unterrichtseinheiten.
Auszug aus dem Buch
Konvergente (annährende) Differenzierung
Dies bedeutet, dass Schüler mit verschiedenen Ausgangsniveaus zum generell gleichen Ziel gebracht werden. In der Regel werden sich in der Klasse drei Gruppen ergeben: Eine kleine Gruppe wird Übungen bereits können, oder mit wenigen Versuchen direkt erlernen, die Mehrzahl muss an die Übungen herangeführt werden, mit methodischen Maßnahmen erreichen sie das Ziel über Zwischenstufen dann relativ schnell. Eine Minderheit von Schülern wird nicht, oder nicht ganz das Ziel erreichen und auf einer Zwischenstufe stehen bleiben. Die konvergente Differenzierung ist gekennzeichnet durch eine Gruppe mit bestehenden Leistungsunterschieden. Das bedeutet, dass es einen normativen Lehrweg für die Mittelgruppe gibt und jeweils ein Sonderprogramm für extrem leistungsstarke bzw. leistungsschwache Schüler.
Das Programm für die leistungsschwachen Schüler sehe so aus, dass sie im normalen Übungsbetrieb „mitlaufen“ oder „mitschwimmen“ könnten, aber andere Bedingungen als die anderen Schüler hätten. So dürften sie zum Beispiel: später ins Ziel kommen, geringere Wiederholungszahlen haben, technisch schlechtere Ausführungen der Übungen zeigen, einfachere technische Varianten benutzen. Das Programm für die leistungsstarken Schüler könnte wie folgt konzipiert sein: bessere Zeiten als gefordert erzielen, höhere Wiederholungszahlen haben, bessere Bewegungsausführungen zeigen, Einsatz als Helfer der Mittelgruppe anbieten. Bei der Anwendung dieser Sonderprogramme ist jedoch darauf zu achten, dass sie soweit wie möglich in den allgemeinen Lehrweg integriert werden, damit der einheitliche Klassenunterricht beibehalten wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung definiert Differenzierung als notwendiges Instrument zur individuellen Förderung angesichts einer heterogenen Schülerschaft und skizziert die Zielsetzung, den Leichtathletikunterricht durch Differenzierung motivierender zu gestalten.
2 Schulmethodik Leichathletik: Das Kapitel beleuchtet die spezifischen Rahmenbedingungen des schulischen Sportunterrichts, wie organisatorische Zwänge und die Notwendigkeit einer mehrperspektivischen Vermittlung der Leichtathletik.
3 Übersicht des Begriffs Differenzierung: Hier werden theoretische Grundlagen der Differenzierung, ihre Ziele sowie verschiedene Grundformen und Ebenen der inneren Differenzierung unter Bezugnahme fachdidaktischer Literatur dargelegt.
4 Innere Differenzierung am Beispiel Speerwurf und Hochsprung: Dieser Teil führt eine Lehrplananalyse durch und stellt konkrete methodische Konzepte vor: Speerwurf als Modell für konvergente und Hochsprung als Modell für divergente Differenzierung.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Resümee, dass trotz erhöhtem Vorbereitungsaufwand eine bewusste Differenzierung der Schlüssel zu einem spaßbringenden und erfolgreichen Leichtathletikunterricht ist, der alle Leistungsniveaus einbezieht.
6 Literatur: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Differenzierung, Leichtathletikunterricht, Heterogenität, Innere Differenzierung, Speerwurf, Hochsprung, Konvergente Differenzierung, Divergente Differenzierung, Individuelle Förderung, Schulmethodik, Sportunterricht, Leistungsfaktoren, Bewegungsvielfalt, Schulsport, Mehrperspektivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Notwendigkeit und den praktischen Möglichkeiten, Leichtathletikunterricht durch das Prinzip der Differenzierung an die individuellen Voraussetzungen von Schülern anzupassen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Schulmethodik in der Leichtathletik, theoretische Grundlagen der Binnendifferenzierung sowie deren praktische Anwendung in den Disziplinen Speerwurf und Hochsprung.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie durch differenzierte Lernangebote sowohl leistungsschwache als auch leistungsstarke Schüler gefördert werden können, um die Freude am Leichtathletikunterricht nachhaltig zu steigern.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zur Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Grundlagenanalyse (Literaturstudium) in Verbindung mit einer Lehrplananalyse und der Entwicklung praktischer Unterrichtskonzepte.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit detailliert untersucht?
Der Hauptteil analysiert die Möglichkeiten der inneren Differenzierung, unterteilt in die konvergente Methode am Beispiel Speerwurf und die divergente Methode am Beispiel Hochsprung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Kern der Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Differenzierung, Leichtathletikunterricht, Heterogenität, konvergente und divergente Differenzierung sowie individuelle Förderung definieren.
Wie unterscheidet sich die konvergente von der divergenten Differenzierung nach dem vorliegenden Modell?
Die konvergente Differenzierung führt alle Schüler zu einem identischen Ziel, wobei der Weg durch Sonderprogramme angepasst wird. Die divergente Differenzierung startet einheitlich, fächert sich aber während der Übungsreihe auf, sodass individuelle Ziele erreicht werden.
Warum empfiehlt die Autorin die Anwendung des "Flops" erst ab Klasse 8?
Der Flop erfordert spezifische Bewegungsabläufe, Sicherheitsvorkehrungen wie Weichbodenmatten und eine gewisse körperliche Reife, die laut Autorin ab Klassenstufe 8 eher gegeben ist als in den jüngeren Klassen 5/6.
Welche Rolle spielen "Sinnrichtungen" im Leichtathletikunterricht?
Sinnrichtungen nach Dietrich Kurz sollen die Leichtathletik über das reine Leistungsmessen hinaus öffnen, indem sie Aspekte wie Miteinander, Abenteuer oder Fitness betonen, um den Sport für mehr Schüler attraktiv zu machen.
- Citation du texte
- Franziska Arnold (Auteur), 2009, Differenzierung im Leichtathletikunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121281