Bis in die Gegenwart nehmen die USA eine herausgehobene Stellung bezüglich der Produktion und des Vertriebs von populärer Unterhaltungsmusik ein. Die vorliegende Arbeit setzt sich in Form eines einführenden Überblicks mit einem Phänomen auseinander, das als historischer Ursprung dieser US-amerikanischen Musikindustrie angesehen werden kann - mit dem um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert als "Tin Pan Alley" bekannt gewordenen New Yorker Verlagsdistrikt.
Neben der Begriffsgenese und den (musik-)historischen Ursprüngen werden auch die im hier betrachteten Zusammenhang besonders bedeutsamen Vermarktungsstrategien der Musikverlage in der damaligen Zeit zusammengefasst erläutert. Kompositorische Mittel sind hierbei ebenso Gegenstand der Betrachtungen, wie Aspekte der Distribution und des Urheberrechts.
Alle genannten Merkmale werden in ein Verhältnis zu den multikulturellen Einflüssen innerhalb der USA gesetzt, wobei der afroamerikanischen Kultur aufgrund ihrer großen Bedeutung für die Herausbildung einer genuin (US-)amerikanischen Musiksprache eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Entstehung des Begriffs
2. Historische Zusammenhänge
2.1. Entwicklung der Popular Song Industry
2.2. „Konsum“ populärer Musik im Amerika des ausgehenden 19. Jahrhunderts
2.3. Ein kurzer Überblick über die musikalischen Einflüsse in den damaligen USA
2.3.1. Minstrel Shows
3.3.2. Ragtime
3.3.3. Die amerikanische Operette
2.3.4. Die Vaudeville Show
3. Formen der Vermarktung
3.1. „Song Plugging“
3.2. Einsatz kompositorischer Mittel
3.3. Verkaufszahlen und Urheberrecht
4. Die bedeutendsten Komponisten und ihre bekanntesten Songs
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die Vermarktungsstrategien der sogenannten „Tin Pan Alley“ als Ursprung der modernen Musikindustrie. Sie beleuchtet, wie kulturelle Einflüsse und wirtschaftlicher Erfolgsdruck die Entstehung eines standardisierten Musikmarktes und das professionelle Verlagswesen in den USA um die Jahrhundertwende prägten.
- Historische Entstehung und Begriffsfindung der Tin Pan Alley
- Musikalische Einflüsse durch Minstrel Shows, Ragtime, Operette und Vaudeville
- Innovative Vermarktungsmethoden wie das „Song Plugging“
- Kompositorische Standardisierung zur Effizienzsteigerung
- Etablierung von Urheberrechtsstrukturen durch die Gründung der ASCAP
Auszug aus dem Buch
3.1. „Song Plugging“
Diese Methode, die man wohl am besten mit „Lieder anpreisen“ bzw. „aufdrängen“ übersetzen könnte, brachte einen vollkommen neuen Berufszweig hervor, den man dementsprechend Song Plugger nannte.
Hierbei handelte es sich um hochqualifizierte, wenn auch nicht immer ausgebildete Musiker, die in jedem Fall gute Pianisten und in der Regel auch ausreichend talentierte Sänger sein mussten. Diese wurden von den Verlegern angestellt, um auf verschiedenartigste Weise die potentiellen Hits den in Frage kommenden Käufern vorzusingen und -zuspielen. Jener Klientel gehörten Sänger, Agenten, Theatermanger, Kapellen aber auch Laienmusiker an.
Um diese Aufgabe zu erfüllen, saßen sie in kleinen Kabinen, in denen sie 8 - 10 Stunden täglich ihre mal mehr, mal weniger dankbare Aufgabe zu erledigen hatten. Einerseits ein „Knochenjob“, andererseits aber auch die Möglichkeit zum Einstieg in das Musikbusiness für junge Talente, wie zum Beispiel Jerome Kern oder George Gershwin.
Ein anderes Betätigungsfeld der „Song Plugger“ war etwas, das man mit „Außendienst“ umschreiben könnte. Die „Plugger“ gingen hierfür an alle Orte, an denen Musik in irgendeiner Form dargeboten wurde oder eine Rolle spielte; also in Kabarettveranstaltungen, Gartenlokale oder auch Vaudeville Shows:
„Die ,Song Plugger’ waren bei Sechs-Tage-Rennen und Poloturnieren, in Warenhäusern und bei Wahlkampagnen, an Ausflugplätzen und in Zirkussen anzutreffen“. Hier sangen sie dem Publikum, das sich meistens schon in einer Bier-, Wein- oder Whiskeyseeligkeit befand, die Songs solange vor, bis es sie mitsang und früher oder später unterbewusst als „Ohrwurm“ verinnerlicht hatte.
Da dabei an einem Tag bis zu 10 verschiedene Lokalitäten aufgesucht wurden, war auch dies durchaus nicht immer nur eine unterhaltsame Tätigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Entstehung des Begriffs: Erläutert die Herkunft der Bezeichnung „Tin Pan Alley“, die auf den Journalisten Monroe H. Rosenfeld und seinen Vergleich der Geräuschkulisse in den Musikverlagen mit klappernden Zinn-Pfannen zurückgeht.
2. Historische Zusammenhänge: Analysiert den kulturellen Nährboden und die sozioökonomischen Entwicklungen, die den Aufstieg der US-amerikanischen Unterhaltungsmusikindustrie Ende des 19. Jahrhunderts ermöglichten.
3. Formen der Vermarktung: Beschreibt die aggressiven Marketingstrategien, die standardisierte Kompositionspraxis und die Bemühungen zur rechtlichen Absicherung durch Urheberrechtsgesellschaften.
4. Die bedeutendsten Komponisten und ihre bekanntesten Songs: Bietet eine Auswahl einflussreicher Persönlichkeiten der Tin Pan Alley Ära, wie George Gershwin oder Irving Berlin, und verweist auf ihr wichtigstes Repertoire.
5. Zusammenfassung: Reflektiert das bleibende Erbe der Tin Pan Alley als Vorläufer der modernen Musikindustrie und diskutiert kritisch die sozialen Begleitumstände dieser Ära.
Schlüsselwörter
Tin Pan Alley, Musikindustrie, Song Plugging, Popular Song, Sheet Music, Komposition, Vermarktung, Urheberrecht, ASCAP, Ragtime, Vaudeville, Unterhaltungsmusik, Musikverlag, Amerika, Musikgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und Geschichte der „Tin Pan Alley“, dem zentralen Verlagsdistrikt für populäre Musik in New York, und dessen Bedeutung als Ursprung der modernen Musikindustrie.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die historische Entwicklung des Musikverlagsgeschäfts, die kulturellen Einflüsse (wie Ragtime oder Vaudeville) sowie die Entwicklung professioneller Vermarktungsstrategien und Urheberrechtsnormen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie aus der Kombination von kulturellem Wandel und kommerziellem Druck ein standardisiertes System zur Produktion und Vermarktung von Musik entstanden ist.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse, die das musikgeschichtliche Umfeld mit den wirtschaftlichen Aspekten der Musikindustrie verknüpft, gestützt durch zeitgenössische Quellen und musikwissenschaftliche Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert erläutert?
Der Hauptteil behandelt die Entstehungsgeschichte des Begriffs, die verschiedenen musikalischen Einflüsse aus dem 19. Jahrhundert sowie die konkreten Methoden der Vermarktung (Song Plugging) und der kompositorischen Anpassung an die Massenproduktion.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren das Werk?
Wesentliche Begriffe sind Tin Pan Alley, Song Plugging, Sheet Music, Musikverlage, Kommerzialisierung der Kunst sowie der historische Kontext von Musiktheaterformen wie Vaudeville und Operette.
Wie genau war die Tätigkeit eines „Song Pluggers“ definiert?
Ein Song Plugger war ein von Musikverlagen angestellter Musiker oder Sänger, der aktuelle Hits durch das Vorspielen in Kaufhäusern, Kabaretts oder öffentlichen Plätzen aktiv bei potenziellen Käufern bewarb, um diese als Ohrwürmer zu etablieren.
Warum war die Gründung der ASCAP ein Wendepunkt für Komponisten?
Die Gründung der ASCAP im Jahr 1914 war historisch bedeutend, da sie die erste Institution war, welche die Verteilung der durch Tonträgerverkäufe und öffentliche Aufführungen erzielten Einnahmen kontrollierte und den Urhebern somit eine faire finanzielle Beteiligung ermöglichte.
- Citar trabajo
- Stefan Huth (Autor), 2003, „Schlager vom Fließband“, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121287