Im Jahre 1528 erhalten die Oberhäupter der Stadt Lübeck ein Schreiben von
einem gewissen Johannes Cochläus. Sein Inhalt: Ein Text, der zur Rekapitulation
der Aussagen und Thesen des großen Kirchenreformators Martin Luther
anregen soll. Der Titel dieses Textes lautet „Sieben Köpfe Martin Luthers von
acht hohen Sachen des christlichen Glaubens“. Die „achparn, fursichtigen und
weyßen herrn burgermeistern und radt der Stadt Lübeck“ wählt Cochläus als
Adressaten, da sich zu dieser Zeit, unter anderem durch die offensichtlich starke
Hand des Stadtrates, die Reformation in Lübeck noch nicht durchgesetzt hat.
Zudem besitzt die Stadt eine erhebliche Wichtigkeit und als Hansehauptstadt
eine „exemplarische Bedeutung“ im Norden. Cochläus will mit dem Text unterstützend
gegen die reformatorische Bedrohung zur Hand gehen und beweist
damit gleichzeitig seine unermesslich genaue und weitläufige Kenntnis von Luthers
Lehren und Schriften, indem er durch exakte Zitate, die er geschickt in
einem „siebenköfficht gesprech“ anordnet, seine Überzeugung aufzeigt, dass
Martin Luther in seinen Entwicklungsstufen verschiedene Meinungen und Ansichten
vertrat, die sich zum Teil widersprechen, was einer gewissen Konsequenz
entbehrt und damit Luther und seine Botschaften in eine weniger ernstzunehmende
Ecke drängt.
Gegenstand der vorliegenden Arbeit soll dabei sein, die Argumentation der sieben
Persönlichkeiten, so wie sie Cochläus darstellt, nachzuvollziehen und wiederzugeben,
sowie die darin enthaltene Strategie zur Diffamierung Luthers aufzuzeigen.
Außerdem sollen weiterhin kurz das Leben und Wirken des Autors,
Johannes Cochläus bis zur Entstehung des zu behandelnden Textes, umrissen
werden, um seine biographischen Hintergründe und damit etwaige Motive besser verstehen zu können. Ziel wird unter anderem auch sein, die Wirkung, die
das Werk auf seine Rezipienten wahrscheinlich hatte, kritisch zu betrachten und
eine Meinung darüber zu entwickeln, inwieweit die verwendete Strategie des
Cochläus sinnvoll war, beziehungsweise einen Ansatzpunkt für weitere Forschungsarbeiten
aus dieser Perspektive zu schaffen. [...]
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Johannes Cochläus
Sieben Köpfe Martin Luthers von acht hohen Sachen des christlichen Glaubens
Die Sieben Köpfe – „Martinus Luther Siebenkopff“
Die acht hohen Sachen des christlichen Glaubens
Die Strategie Cochläus’
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Argumentationsstruktur und die Diffamierungsstrategie, die Johannes Cochläus in seinem Werk „Sieben Köpfe Martin Luthers von acht hohen Sachen des christlichen Glaubens“ (1528) gegenüber Martin Luther anwendet. Dabei soll analysiert werden, wie Cochläus durch die Personifizierung verschiedener Entwicklungsstufen Luthers als „sieben Köpfe“ versucht, die Konsequenzlosigkeit und vermeintliche Widersprüchlichkeit von Luthers Lehren aufzuzeigen, um dessen Glaubwürdigkeit als Reformator gezielt zu untergraben.
- Biographische Einordnung und Motivation des Autors Johannes Cochläus
- Analyse der siebenköpfigen Personifizierung Martin Luthers
- Untersuchung der Argumentationsführung anhand der acht theologischen Themengebiete
- Kritische Bewertung der verwendeten rhetorischen und polemischen Strategien
- Diskussion der historischen Wirksamkeit und Rezeption des Werkes
Auszug aus dem Buch
Die Sieben Köpfe – „Martinus Luther Siebenkopff“
Eine sehr anschauliche Darstellung der sieben Persönlichkeiten Luthers, wie Cochläus sie sieht, liefert der Künstler Hans Brosamer 1529 mit seiner Karikatur „Martinus Luther Siebenkopff“ (Anhang), die zugleich das Titelblatt der gedruckten Fassung von Cochläus’ Werk ziert. Der Holzstich zeigt den Körper eines Mannes von der Hüfte aufwärts. Er hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand, wahrscheinlich die Bibel. Auf seinem Hals prangen sieben Köpfe über denen jeweils ein Name steht. Unterhalb der Köpfe auf Brusthöhe des Mannes befindet sich ein Schild, auf dem „Martinus Luther Siebenkopff.“ geschrieben steht. Dargestellt ist also ganz offensichtlich ein siebenköpfiger Martin Luther. Die Köpfe sind von links nach rechts folgendermaßen benannt: Doctor, Martinus, Lutther, Ecclesiast, Visitirer, Schwirmer und Barrabas. Im Folgenden möchte ich diese einzeln charakterisieren.
Der mit Doktorhut dargestellte Doctor ist die erste Stufe in der Persönlichkeit Martin Luthers. Cochläus schreibt über diesen Charakter, „das der Doctor in den ersten büchern eben bescheiden redte“, also eine sanfte und am ehesten glaubwürdige Art hat. Der Doctor ist der Wissenschaftler Luther, der Gelehrte, der an der Universität doziert und keine Irrlehren verbreitet.
Darauf folgt Martinus, der Mönch. Mit Kutte dargestellt, ist dies wohl eine Anspielung auf Luthers Zeit im Augustinereremitenkloster in Erfurt. Dieser Luther wagt sich laut Cochläus „ettwas weytleufftiger in seinem schreiben“ zu sein, ist aber trotzdem noch relativ bodenständig und wenig aufrührerisch. Dass der Mönch jedoch einen Bart trägt, lässt sich als erste Kritik an Luthers Person interpretieren. Regine C. Hrosch schreibt hierzu „Mönche konnten keinen Bart tragen, deshalb verweist dies darauf, dass Luther den Mönchsstand aufgegeben hat.“ Eine klare Verspottung Luthers.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einführung in den historischen Kontext der Schrift und die Zielsetzung der Arbeit, die Strategie Cochläus’ zur Diskreditierung Luthers aufzuzeigen.
Johannes Cochläus: Skizzierung des Lebensweges und der biographischen Hintergründe des Autors, von seiner Ausbildung bis hin zu seiner Gegnerschaft zur Reformation.
Sieben Köpfe Martin Luthers von acht hohen Sachen des christlichen Glaubens: Analyse der Struktur der Flugschrift und der Intention der Anrede an den Lübecker Rat.
Die Sieben Köpfe – „Martinus Luther Siebenkopff“: Charakterisierung der sieben personifizierten Entwicklungsstufen Luthers in der Karikatur von Hans Brosamer und im Text.
Die acht hohen Sachen des christlichen Glaubens: Darstellung und inhaltliche Analyse der theologischen Diskussionen innerhalb der acht Kapitel des Werkes.
Die Strategie Cochläus’: Untersuchung der polemischen Mittel und der wissenschaftlichen Vorgehensweise, die Cochläus zur Herabwürdigung Luthers nutzt.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Wirksamkeit der Cochläus’schen Taktik und Reflexion über die historische Bedeutung seines Wirkens.
Schlüsselwörter
Johannes Cochläus, Martin Luther, Reformation, Flugschriften, Sieben Köpfe, Polemik, Theologie, Antilutheranismus, Lübeck, Konfessionalisierung, Glaubensstreit, Reformationsgeschichte, Kirchengeschichte, Historische Quellenanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die rhetorischen und inhaltlichen Strategien des katholischen Theologen Johannes Cochläus in seinem Werk von 1528, mit dem er Martin Luther in der Stadt Lübeck diskreditieren wollte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Analyse der polemischen Schrift „Sieben Köpfe Martin Luthers“, die Biografie des Autors Cochläus, das Bild Martin Luthers in der zeitgenössischen katholischen Publizistik sowie die Wirksamkeit solcher Flugschriften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuvollziehen, wie Cochläus die von ihm konstruierten „sieben Köpfe“ Luthers nutzt, um durch das Aufzeigen angeblicher inhaltlicher Widersprüche den Reformator als unbeständigen und gefährlichen Akteur darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quellenkritische Analyse, die das primäre Dokument von Cochläus mit dem aktuellen Forschungsstand und wissenschaftlicher Sekundärliteratur vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Autors, die ikonographische Analyse der sieben Köpfe, die Zusammenfassung der theologischen Debatten in den acht Kapiteln sowie die kritische Würdigung der Strategie von Cochläus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Johannes Cochläus, Martin Luther, Reformation, Flugschriften, Polemik, theologische Kontroverse und Konfessionalisierung.
Welche Rolle spielt die Karikatur von Hans Brosamer für die Argumentation des Autors?
Die Karikatur dient als visuelle Stütze für Cochläus' Argumentation, da sie Luthers Charakterwandlungen physisch in einem „siebenköpfigen Monster“ manifestiert und somit die Diffamierung einprägsam visualisiert.
Warum wählte Cochläus explizit den Rat der Stadt Lübeck als Adressaten?
Cochläus wählte Lübeck aufgrund der strategischen Bedeutung der Hansestadt für den Norden und der Tatsache, dass sich die Reformation dort zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht vollständig durchgesetzt hatte.
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- Josepha Mohr (Author), 2007, Sieben Köpfe Martin Luthers von acht hohen Sachen des christlichen Glaubens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121291