In der gesamten Antike war die Sklaverei, wenn auch in unterschiedlichen Formen, durchweg selbstverständlich. In allen Bereichen des öffentlich-wirtschaftlichen Lebens waren Sklaven beschäftigt; die Spanne der Aufgaben reichte vom Mühlensklaven über den einfachen Landarbeiter bis hin zum Lehrer oder Arzt. Auch Kinder waren Sklaven, und nahmen ganz unterschiedliche Aufgaben wahr, wie sich anhand zahlreicher Einzelzeugnisse beweisen läßt. Natürlich gab es aufgrund körperlicher Schwäche bestimmte Beschränkungen, aber diese waren längst nicht so vielfältig, wie man vielleicht annehmen mag. Mit dieser Arbeit möchte ich ganz speziell auf die Situation und Aufgaben von Sklavenkindern eingehen. Hierbei gilt es zunächst zu klären, welche Kinder Sklaven waren oder zu solchen wurden, was ich im ersten Kapitel darstellen möchte. Desweiteren möchte ich zeigen, wer die Kinder aufzog und aus welchem Grund, bzw. zu welchem Zweck. Wie waren die Bedingungen unter denen sie aufwuchsen; wer übernahm ihre Aufzucht und Ausbildung? Inwiefern war es rentabel Sklavenkinder großzuziehen? Im dritten Teil meiner Arbeit möchte ich explizit auf die verschiedenen Aufgaben eingehen, welche die Kinder innehatten. Diese erklären oftmals das spezielle Verhältnis zu ihrer Herrschaft, auf das ich zwar schon im ersten Kapitel eingehen werde, aber dann noch einmal ausführlicher erklären möchte. Zuvor jedoch ist es zum besseren Verständnis sinnvoll ein paar allgemeine historische Umstände zum Thema Sklavenaufzucht zu nennen.
In der Zeit der römischen Expansion, seit dem 4. Jahrhundert, nahm die Bedeutung der Sklavenwirtschaft zu. Vor allem ständige Kriege lieferten Kriegsgefangene als Sklaven. Besonders im zweiten punischen Krieg (218 – 201) waren Massenversklavungen üblich. Bedarf und Angebot von Sklaven stiegen, da sich auf den großen Latifundien die Bewirtschaftung durch Sklaven durchsetzte.1 Unter den Kriegsgefangenen waren selbstverständlich auch Kinder; hinzu kamen Piraterie und Sklavenimporte.2 Seit der Zeit des römischen Prinzipats spielten diese Ressourcen eine wesentlich weniger wichtige Rolle. Man begann vermehrt Sklaven aus bereits vorhandenem Reservoir zu schöpfen, das heißt, man zog Kinder von Sklaven oder versklavte Kinder auf – entweder zum eigenen Nutzen, oder um damit den Markt zu beliefern.3 Kinder wurden ebenso selbstverständlich als Sklaven gehandelt wie Erwachsene, oftmals sogar bevorzugt gekauft, wie in diesem Gedicht von Horaz geschildert wird:
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Welche Kinder waren Sklaven?
3. Aufzucht und Ausbildung des Sklavenkindes
4. Aufgaben und „Berufe“ von Sklavenkindern
5. Schlussbetrachtung
6. Quellennachweis
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebensbedingungen und Tätigkeitsfelder von Sklavenkindern in der römischen Antike. Dabei liegt der Fokus auf der Herkunft, der Aufzucht sowie der spezifischen Ausbildung und den Aufgaben, die bereits junge Sklaven in privaten und öffentlichen Haushalten übernahmen.
- Kategorisierung von Sklavenkindern (z. B. Vernae, Alumni, Expositi).
- Die Rolle von Ammen und die Ausbildungsprozesse in römischen Haushalten.
- Die wirtschaftliche Bedeutung und Rentabilität von Sklavenkindern.
- Berufliche Einsatzgebiete und die spezifische Situation als „Lustobjekte“.
- Die Darstellung von Sklavenkindern in antiken schriftlichen Quellen und Grabinschriften.
Auszug aus dem Buch
4. Aufgaben und „Berufe“ von Sklavenkindern
Betrachtet man sich die Quellen, so lassen sich viele Aufgaben erkennen, die bereits von Kindern wahrgenommen wurden. Sie können sowohl im Privaten beschäftigt werden, als auch in der Öffentlichkeit. Einige „Berufe“, wie den Capsarius, oder die Pediseques habe ich bereits erwähnt. Aber es kommen noch zahlreiche weitere Aufgaben bereits für Kinder in Frage. Knaben triff man z. B. recht häufig als Pagen an.
„[...] tandem ergo discubuimus pueris Alexandrinis aquam in manus nivatam infundentibus aliisque insquentibus ad pedes ac paronychia cum ingenti subtilitate tollentibus, ac ne in hoc quidem tam molesto tacebant officio, sed obiter cantabant [...]“ – [...] während uns Knaben aus Alexandria schneegekühltes Wasser auf die Hände gossen und andere sich gleich danach an unsere Füße machten, um uns mit ungeheurer Gründlichkeit die Nietnägel zu beseitigen. Und nicht einmal bei diesem überaus mühseligen Geschäft waren sie still, sondern sangen nebenher ein Lied. [...]
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Allgegenwärtigkeit der Sklaverei in der römischen Antike und stellt das Ziel der Arbeit vor, die spezifische Situation und die Aufgaben von Sklavenkindern zu untersuchen.
2. Welche Kinder waren Sklaven?: Dieses Kapitel differenziert verschiedene Kategorien von Sklavenkindern, wie etwa im Haus geborene Vernae, ausgesetzte Expositi oder als Pflegekinder gehaltene Alumni.
3. Aufzucht und Ausbildung des Sklavenkindes: Hier werden die Bedingungen der Kinderaufzucht, die Rolle der Ammen sowie die Bedeutung der Ausbildung für die spätere Wertsteigerung und Rentabilität des Sklaven analysiert.
4. Aufgaben und „Berufe“ von Sklavenkindern: Dieser Teil beschreibt die vielfältigen Tätigkeitsfelder von Kindern, von der Tätigkeit als Pagen oder Haushaltshilfen bis hin zu speziellen Rollen in der Unterhaltungsbranche oder dem Handwerk.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Ausbeutung von Kindern in der römischen Wirtschaft weit verbreitet war, wobei die Quellenlage fast ausschließlich die Perspektive der herrschenden Klasse widerspiegelt.
6. Quellennachweis: Dieses Kapitel listet die verwendeten antiken Primärquellen und Inschriftensammlungen systematisch auf.
7. Literaturverzeichnis: Hier findet sich das Verzeichnis der wissenschaftlichen Sekundärliteratur, die der Arbeit zugrunde liegt.
Schlüsselwörter
Römische Antike, Sklaverei, Sklavenkinder, Vernae, Alumni, Expositi, Kinderarbeit, antike Gesellschaft, Haussklaven, Ausbildung, Kindesaussetzung, Sozialgeschichte, antike Quellen, Grabinschriften, Wirtschaftsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Leben und den Arbeitsbedingungen von Sklavenkindern in der römischen Antike und untersucht deren gesellschaftliche und wirtschaftliche Rolle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die Herkunft der Kinder, ihre Aufzucht, die Ausbildung zu spezifischen Berufen sowie ihr Einsatz im privaten und öffentlichen Leben der Römer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Sklavenkinder in den römischen Haushalt integriert wurden und welche ökonomische Bedeutung sie für ihre Herren hatten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Auswertung antiker literarischer Quellen, Gedichte (insbesondere von Martial) sowie auf epigraphische Zeugnisse und Grabinschriften.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Kategorien von Sklavenkindern, die Bedingungen ihrer Erziehung sowie konkrete Berufsbilder vom Pagen bis zum Handwerker.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind römische Sklaverei, Sklavenkinder, Vernae, Ausbildung, Wirtschaftsgeschichte und Sozialgeschichte.
Warum wurde die Kastration von Sklavenkindern thematisiert?
Die Arbeit geht darauf ein, weil die Kastration – obwohl rechtlich verboten – zur Wertsteigerung der Kinder als Lustknaben in der römischen Oberschicht genutzt wurde.
Welche Herausforderung bestand bei der Auswertung der Quellen?
Eine zentrale methodische Herausforderung ist, dass sämtliche schriftlichen Zeugnisse aus der Perspektive der Sklavenhalter verfasst wurden, was den Zugang zum Empfinden der Kinder erschwert.
- Quote paper
- Sara Gläser (Author), 2002, Kindersklaven in der römischen Antike, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12130