Interkulturelle Zusammenarbeit

Grundlagen der interkulturellen Kommunikation am Beispiel Wales


Hausarbeit, 2007
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt:

Das studienbegleitende Praktikum in Wales

1. Wie werden Sie sich auf kulturelle Spezifika in Ihrem gewählten Zielland vorbereiten?

2. Welche kulturspezifischen Standards in Ihrem Zielland unterscheiden sich Ihrer Meinung nach am stärksten von entsprechenden Verhaltensweisen in Deutschland? Nennen Sie bitte als Beispiel zwei Kulturdimensionen bzw. – standards

3. Auf welche kulturspezifischen Standards werden Sie in Ihrem Zielland besonders achten, um sich dort möglichst adäquat zu verhalten?

4. Stellen Sie sich vor, zwischen Ihnen und einem Kollegen/einer Kollegin der Zielkultur taucht ein Problem auf. Wie werden Sie sich verhalten? Bitte beschreiben Sie drei konkrete Schritte bzw. Maßnahmen, die Sie unternehmen würden und begründen Sie Ihre Entscheidung

Literaturverzeichnis

Das studienbegleitende Praktikum in Wales

Im März/April 2008 werde ich ein studienbegleitendes Praktikum in der ERDF1-Abteilung des Welsh European Funding Office (WEFO)2 Wales(UK) absolvieren. Das WEFO befasst sich mit der Verwaltung und Abwicklung der EU-Strukturfonds (EFRE3 und ESF4) in Wales. Ich erhoffe mir durch das Praktikum interessante und lehrreiche Einblicke in die Arbeitsweisen, die operationellen Programme und die Förderprojekte meines Gastlandes. Zudem bin ich sehr gespannt auf das Land und die Menschen in Wales und auf die Erfahrungen, die ich dort machen werde. Beispielsweise interessiert es mich sehr, ob es für mich spürbare Unterschiede gibt zum Leben in England wo ich drei Monate, oder auch in Irland wo bereits ich ein Jahr gelebt habe.

1. Wie werden Sie sich auf kulturelle Spezifika in Ihrem gewählten Zielland vorbereiten?

love your neighbour but maintain your hedge“ (Walisisches Sprichwort)

Im Umgang mit Angehörigen einer „anderen“ Kultur ist es hilfreich, sich ein Grundwissen über das Kulturgebiet (Geschichte, Institutionen, Gesellschaft, Staat), die Kulturgemeinschaft und über die Gestaltung des Alltags (Begrüßung, Einstellung zur Arbeit, Freizeit, Familie, Konfliktlösungen, Religion, Sprache) anzueignen. Der dieser Arbeit zugrunde liegende Kulturbegriff leitet sich aus der sozialwissenschaftlichen Forschung, insbesondere aus den Arbeiten Geert Hofstedes zur interkulturellen Wirtschaftskommunikation ab5. Geert Hofstede teilt kulturelle Wertorientierungen in fünf Dimensionen ein, die das Verhalten von Mitgliedern eines Kulturkreises, in diesem Fall von Nationen, beschreiben. Sie ermöglichen einen Vergleich der Kulturen und liefern – sofern sie als eine flexible Richtschnur und unter Berücksichtigung eines stetigen gesellschaftlich-kulturellen Wandels sowie individueller Persönlichkeitsmerkmale des Gegenübers – eine erste Orientierung und Bewertung eines uns fremd erscheinenden Verhaltens.

Wales ist ein Teilstaat des Vereinigten Königreichs von Großbritannien, einer der ältesten multinationalen Staaten Europas. Ein Sonderfall, der durch den englischen Begriff „cultural melting-pot“ treffend ausgedrückt wird. Angesichts der Unterteilung in die Teilstaaten Schottland, Wales, Nordirland, England sowie der Vielfalt der ethnischen Gruppen existieren innerhalb des Vereinigten Königreichs sehr unterschiedliche Vorstellungen über Konzepte und Werte und die Identifizierung mit der Nation Großbritannien. 6

„Ein großer Teil unseres einzigartigen Kulturerbes entstand direkt aus der walisischen Sprache und die Sprache ist eine große Quelle des Stolzes (...). Diese Liebe zur Sprache verhilft uns zu Ansehen als künstlerische, musikalische und literarische Nation. (...) Wahrscheinlicher ist jedoch, dass unser Nationalcharakter hervorragende Leistungen wertschätzt und fördert und Kunst als eine unserer wichtigsten Ausdrucksmöglichkeiten von nationaler Identität angesehen werden kann.“7

Die walisische Sprache ist für viele Waliser eine wichtige Form der Abgrenzung gegenüber der englischen Verwaltung. „Die Sprache hat - wie die Waliser selbst - ein langes Gedächtnis: Noch heute ist ein Engländer auf walisisch ein Saes, ein Angelsachse“.8 Die britische Identität wird daher als eine zusätzliche Note der kulturellen Identität empfunden 9, dies sollte man im Kontakt mit den Bewohnern des Landes respektieren.

„Britishness should be seen as a kind of "added value" to the cultural identities of the various nations on the territory of the British state.“10

Um ein Gespür für die walisisch-britische Kultur zu bekommen, werde ich einige Grundbegriffe der walisischen Sprache lernen und mich über die kulturellen Errungenschaften der Waliser informieren – im Internet finden sich sowohl für die kulturelle Bildung als auch zum Spracherwerb einige sehr gut aufbereitete Seiten, z.B. Websites für Kinder, die dem Besucher mit audiovisueller Unterstützung spielerisch einfache Redewendungen nahe bringen.11

In Wales spielen Musik und Literatur im kulturellen Leben eine wichtige Rolle. Ein Hauptorgan der walisischen Kultur, das alljährlich stattfindende internationale Fest der Literatur, der Musik und des Gesangs „Eisteddfod Genedlaethol“ ist ein „buntes kulturelles Ereignis (...), das durch eine pragmatische Toleranz dem Andersdenkenden gegenüber gekennzeichnet ist.“12 Die walisische Vorliebe für Chormusik, die neben der walisischen Sprache ebenfalls gerne als Abgrenzungsmerkmal zu England herangezogen wird, drückt eine Waliserin namens Cerys in einem Interview aus:

“Singing is another thing about Wales (…). We’ve got a reputation for being really good singers, the Welsh, and there’s a lot of choirs, male-voice choirs that tour all around the world (…) The Celts are a different breed to the English.”13

Da ich in meiner Freizeit selber in einem Chor singe, freue ich mich schon besonders auf diese Seite walisischer Kultur und werde versuchen, die eine oder andere Aufführung walisischer Chöre zu besuchen.

In Wales wie in ganz Großbritannien gilt zudem der Sport, insbesondere die Mannschaftssportarten Rugby und Fußball, als wichtiges kulturstiftendes und gesellschaftlich verbindendes Element. Obwohl ich mich selber nur sehr begrenzt für Rugby und Fußball interessiere, werde ich dennoch versuchen, auf dem Laufenden zu sein, um zumindest beim Smalltalk ein wenig mitreden zu können.

Neben Hofstedes Erkenntnissen über kulturelle Werthaltungen, die in den Studienbriefen zur Lerneinheit 5-1 behandelt werden, finden sich weitere inspirierende Informationsquellen im Internet: Die offiziellen und privat betriebenen Internetseiten über Wales14, dessen Geschichte und Kultur15 sowie über die Region Südwales16, in der ich mein Praktikum absolvieren werde, liefern viele aktuelle Informationen über das Leben in Wales, relevante Themen des täglichen Lebens, und über die Einstellungen der Waliser zu Politik und Weltgeschehen. Es finden sich zudem viele Aussagen über das Selbstbild der Waliser und deren Verhältnis zu Großbritannien und der EU.17 Weiterführende Informationen finde ich außerdem z. B. in Fachliteratur über interkulturelle Kompetenz 18, in den online-Ausgaben walisischer Tageszeitungen „Western Mail“19, „This Is South Wales“20, „Merthyr Express“21 und den Webseiten der BBC22. Seit meinem Fachlich informiere ich mich über den aktuellen Stand der Planung und Umsetzung der EU-Förderprogramme auf den Internetseiten meiner künftigen Praktikumstelle23.

Auch wenn es innerhalb eines Nationalstaates verschiedene Kulturkreise gibt, bilden Staaten dennoch „ein historisch entwickeltes Ganzes, selbst wenn sie aus sehr unterschiedlichen Gruppen bestehen, und auch wenn sie weniger integrierte Minderheiten umfassen“24. Ähnlich starke Bedürfnisse nach Identitätssicherung und Abgrenzung benachbarter Staaten finden sich auch u.a. innerhalb Belgiens zwischen Flamen und Wallonen oder auch in Deutschland z. B. zwischen Ostund Westdeutschen. Waliser fühlen sich neben ihrer nationalen Identität auch als Briten, genauso wie die Engländer. An welcher Stelle die Britische Identität für den Einzelnen steht ist daher bei der Betrachtung kulturspezifischer Standards zweitrangig. Von Bedeutung ist, dass das Leben im Vereinigten Königreich verbindet, und man die Einstellungen zu gemeinsamen Werten und Konzepten teilt z.B. durch eine dominante Landessprache, gemeinsame Massenmedien, ein nationales Bildungssystem. Insofern ist es möglich allgemeingültige Aussagen über kulturell bedingte Verhaltensweisen der Briten zu treffen.

2. Welche kulturspezifischen Standards in Ihrem Zielland unterscheiden sich Ihrer Meinung nach am stärksten von entsprechenden Verhaltensweisen in Deutschland? Nennen Sie bitte als Beispiel zwei Kulturdimensionen bzw. –standards.

Großbritannien und Deutschland zählen beide zu den nordeuropäischen Kulturen. Sie sind christlich geprägt, verfügen über demokratische Staatsformen, haben vergleichbare wirtschaftliche Standards und ein ähnliches Klima. Diese Nähe spiegelt sich auch in den Ergebnissen Hofstedes wider. Deutliche Unterschiede sind jedoch in Bezug auf die Dimensionen Kollektivismus / Individualismus sowie Unsicherheitsvermeidung zu erwarten. In Hofstedes Individualismusindex liegt Großbritannien an dritter Stelle, die damalige Bundesrepublik Deutschland (Hofstede führte seine Untersuchung in den 1970er Jahren durch) hingegen auf Rang 1825. Noch deutlicher ist die Differenz beim Unsicherheitsvermeidungsindex.

Unsicherheitsvermeidung beschreibt den Grad, in dem die Mitglieder einer Kultur sich durch ungewisse oder unbekannte Situationen bedroht fühlen: Wie reagieren Mitglieder der Kultur auf Unbekanntes und auf Unsicherheiten? Wieviel Struktur und Sicherheit braucht man im Leben?

[...]


1 European Regional Development Fund

2 Welsh European Funding Office; http://www.wefo.wales.gov.uk/

3 Europäischer Fonds für regionale Entwicklung

4 Europäischer Sozialfonds

5 Hofstede & Hofstede (2006): „Lokales Denken, globales Handeln“, S. 3

6 Interview mit Cerys, 28 Jahre: „The Celtic nations like Wales, Scotland and Ireland they seem to be more proud of where they’re from than the English and they’re much more friendly (…). Because we’re (…) a smaller country and so we like to just to be proud of it.“ zitiert aus: British Studies Web Pages, http://elt.britcoun.org.pl/elt/u_wales.htm

7 Welsh Assembly Government: Website “Leben in Wales” www.walesworldnation.com/server.php?show=nav.5891&outputLang=Tr3

8 Office for National Statistics UK: National Identity in Wales: www.statistics.gov.uk

9 ebd.: National Identity in Wales :“67% of people in Wales identify themselves as Welsh. Sixty per cent said that their national identity was Welsh only. A further 7 per cent described their identity as Welsh but included another identity, most commonly British in their answer.” (Erhebung von April 2001) http://www.statistics.gov.uk/cci/nugget.asp?id=294

10 vgl. Weber, Victoria: “Scottish, English, British, European Identities: A Literature Review” S. 1: http://www.sociology.ed.ac.uk/youth/docs/v_webers_lit_rev.pdf

11 z.B.: http://www.bbc.co.uk/wales/colinandcumberland/

12 Bundeszentrale für politische Bildung, Ausgabe: 1/97, Wales; www.deutschlandundeuropa.de/34_97/dueur34i.htm

13 Interview mit Cerys, 28 Jahre, zitiert aus: British Studies Web Pages, http://elt.britcoun.org.pl/elt/u_wales.htm

14 www.visitwales.com

15 http://en.wikipedia.org/wiki/History_of_Wales; http://en.wikipedia.org/wiki/Culture_of_Wales

16 http://en.wikipedia.org/wiki/South_Wales; www.south-wales.org.uk

17 “Wie sind die Waliser als Volk? Wir werden als leidenschaftlich, herzlich, gastfreundlich, humorvoll – und mit einem ausgeprägten Sinn für Geschichte und Gemeinschaft beschrieben. Zurückhaltung ist keine Charaktereigenschaft, die mit uns assoziiert wird, und unsere reservierten Nachbarn, die Engländer, finden uns vielleicht manchmal zu emotional. Wir sind eine freundliche, auf Gleichheit bedachte und begeisterte Nation (...).“ www.walesworldnation.com/server.php?show=nav.5891&outputLang=Tr3

18 z.B. bei Khan-Panni, Phillip; Swallow, Deborah: “Communicating Across Cultures“, Oxford 2003, S. 76 ff; und bei Klein, Hans-Michael: ”Cross Culture – Benimm im Ausland” S. 91 ff

19 http://icwales.icnetwork.co.uk

20 http://www.thisissouthwales.co.uk

21 http://icwales.icnetwork.co.uk/2000localinfo/merthyrexpress

22 http://www.bbc.co.uk/wales/

23 Welsh European Funding Office; http://www.wefo.wales.gov.uk/

24 Hofstede & Hofstede (2006): „Lokales Denken, globales Handeln“, S. 22

25 Scheitza et al, vgl. Bild 1.3, S. 12

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Zusammenarbeit
Untertitel
Grundlagen der interkulturellen Kommunikation am Beispiel Wales
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Veranstaltung
Modul: Interkulturelle Zusammenarbeit - Grundlagen der interkulturellen Kommunikation
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V121320
ISBN (eBook)
9783640253388
ISBN (Buch)
9783640256921
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturell Projektmanagement
Arbeit zitieren
Claudia Harms (Autor), 2007, Interkulturelle Zusammenarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121320

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