Basiskrisenintervention in der Betreuung von Kindern und kindliche Todeskonzepte


Seminararbeit, 2009

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Trauernde und belastete Kinder – eine Herausforderung

Betreuung traumatisierter Kinder in der peritraumatischen Phase

Kindliche Todesvorstellungen und Trennungsschmerz
Kleinkinder bis 3 Jahre
Vorschulkinder, 3 bis 6 Jahre
Grundschulkinder, 6 bis 9 Jahre
Schulkinder, 9 bis 12 Jahre
Jugendliche

Quellenverzeichnis

„Bedenkt -

den eigenen Tod,

den stirbt man nur,

doch mit dem Tod der andern

muss man leben...“

Mascha Kaléko

Trauernde und belastete Kinder – eine Herausforderung

Die Situation in unserer Gesellschaft ist paradox: Einerseits erlauben uns die Massenmedien tagtäglichen Einblick in die tödlichen Ereignisse wie Krieg, Terrorismus und Naturkatastrophen an vielen Brennpunkten dieser Welt. Der Tod wird sozusagen direkt in unser Wohnzimmer geliefert, sei es nachrichtenjournalistisch-neutral oder „pervertiert-übertrieben“[1] aufbereitet. Andererseits werden Sterben und Tod im eigenen Umfeld immer weiter institutionalisiert, „man stirbt den 'weißen Tod' in der Klinik“[2], persönliche Erfahrungen mit dieser Thematik sind selten.

Dieses Abschotten gegenüber den Themen „Tod und Sterben“ findet ein jähes Ende, sobald beispielsweise die engere Familie von einem Todesfall belastet wird. Plötzlich steht der Tod gewissermaßen wieder im Wohnzimmer, diesmal allerdings nicht als Information aus fernen Welten, die sich mit dem Fernseher abschalten lässt, sondern nun geradezu als leibhaftige Erscheinung, die eine intensive Auseinandersetzung fordert.

Die fehlenden Erfahrungen und Kompetenzen im Umgang mit dem Tod vergrößern die Hilflosigkeit der Hinterbliebenen. Und als wäre der Tod eines nahen Menschen nicht schon Herausforderung genug, wird es erst so richtig kompliziert, wenn Kleinkinder unter den Trauernden sind.

„Für Kinder scheint das Fragen ein wichtiger Modus für die Beschäftigung und Auseinandersetzung mit der Erfahrung des Todes zu sein.“[3] Was aber, wenn nun auch die Erwachsenen geradezu überfragt sind? Wenn sich eine Familie mit kleinen Kindern in einer solchen Trauersituation befindet, wird es wohl keinen Weg daran vorbei geben, auf die Fragen der Kinder einzugehen, wenn man den Kindern eine 'gesunde Trauer' ermöglichen möchte. „Je jünger das Kind ist, desto mehr ist es vonnöten, [ihm] beim Verstehen des Geschehenen zu helfen und ein Klima zu schaffen, in dem es sich traut, Fragen zu stellen und seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.“[4] Notfallseelsorger, Mitarbeiter von Kriseninterventionsdiensten und andere im Bereich der Basiskrisenintervention Beschäftigte sollten Eltern auf die Besonderheiten kindlicher Trauer hinweisen und sie ermutigen, ehrlich auf die Fragen und Bedürfnisse der Kinder einzugehen.

Aber nicht nur Situationen, in denen jemand aus dem familiären Umfeld eines Kindes stirbt, können das Kind belasten. „Auch für Kinder, die einen Notfall als Augenzeuge oder Zuschauer miterlebt haben, kann das Erlebte sehr belastend sein.“[5] Selbst ein Bagatellunfall kann zu erheblichen Belastungen führen. Eine Untersuchung der Akademie Bruderhilfe – Familienfürsorge hat beispielsweise herausgefunden, dass 38 Prozent der Kinder, die Zeugen eines Autounfalls wurden, noch vier Jahre später Belastungsreaktionen zeigen[6].

Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, die wichtigsten Erkenntnisse der kindlichen Trauer und die Befindlichkeiten eines Kindes in Notfallsituationen darzustellen, um so eine Hilfe für Mitarbeiter der Basiskrisenintervention zu sein - denn nicht nur die Eltern und Verwandte fühlen sich hinsichtlich trauernder und belasteter Kinder schnell überfordert, sondern oftmals auch die 'psychologischen Ersthelfer', die manchmal in ihren Einsätzen Kinder in der so genannten peritraumatischen Phase, also in jener Phase, die umgehend auf die traumatisierende Erfahrung folgt, zu betreuen haben.

Betreuung traumatisierter Kinder in der peritraumatischen Phase

Immer wieder haben Mitarbeiter von Kriseninterventions- und Notfallseelsorgeteams die Aufgabe, Kinder zu betreuen, die entweder an einem Unfall/ Unglück direkt oder indirekt (zum Beispiel als Augenzeuge) beteiligt sind, oder dass in deren direkten Umfeld eine nahe Person schwer erkrankt oder gar verstorben ist. „In diesem Kontext sind zwei Konstellationen möglich: Zum einen kann es sein, dass keine erwachsenen Bezugspersonen zur Verfügung stehen (...). Zum anderen ist es möglich, dass Erwachsene zwar anwesend, aber aufgrund ihrer Traumatisierung nicht in der Lage sind, sich ihrer Kinder anzunehmen.“[7]

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Kinder keine 'kleinen Erwachsenen' sind und dass sie deshalb immer wieder auf eine Art und Weise reagieren können, die erwachsenen Menschen fremd ist[8]. Obwohl Kinder sicherlich aufgrund ihrer kürzeren Lebenserfahrung weniger Coping-Strategien haben, also Möglichkeiten, „mit inneren oder äußeren Anforderungen umzugehen, welche als einschränkend erlebt werden oder welche die Ressourcen eines Menschen überschreiten“[9], und gegebene Sachverhalte je nach Alter kognitiv nur schwer bis gar nicht erfassen können, konnte in Studien festgestellt werden, dass Kinder „entgegen den gängigen Klischee-Vorstellungen in Notsituationen ein hohes Maß an Problembewältigungskapazität“[10] aufweisen. Deswegen empfiehlt es sich, bei der Betreuung von Kindern ähnlich vorzugehen wie bei der Betreuung von Erwachsenen, „teilweise allerdings leicht modifiziert“[11].

Schon die Kontaktaufnahme kann schwierig sein. Nicht nur die Tatsache, dass sich ein Fremder dem Kind zuwendet, während die vertrauten Personen dem Kind nicht zur Verfügung stehen, kann ein Kind verängstigen. Auch die Uniform kann Angst machen, identifiziert sie den Helfer doch als einen jener Menschen, die – aus der Sicht des Kindes – der Grund dafür sind, dass in der Familie gerade etwas Schreckliches passiert; schließlich hat sich die Situation in der Familie etwa zur gleichen Zeit wie das Eintreffen des Rettungsdienstes verschlechtert. Eine behutsame Annäherung an das Kind ist also ratsam, beginnend mit der Vorstellung und des Grundes, warum man denn vor Ort ist. Sinnvollerweise bieten sich dem Kind nicht mehrere Menschen an, sondern möglichst nur eine Person.

[...]


[1] Student: Im Himmel welken keine Blumen, S. 181.

[2] Condrau: Der Mensch und sein Tod, S. 378.

[3] Holzschuh: Geschwistertrauer, S. 122.

[4] Bischöfliches Ordinariat Regensburg: Trauerbegleitung, S.8.

[5] Bruderhilfe: Betreuung von Kindern in Notfällen, S. 3.

[6] Siehe: Bruderhilfe: Betreuung von Kindern in Notfällen, S. 5.

[7] Daschner: KIT, S. 95.

[8] Vgl. Daschner: KIT, S. 95.

[9] Zimbardo: Psychologie, S. 574.

[10] Lasogga, Psychische Erste Hilfe, S. 57.

[11] Lasogga, Psychische Erste Hilfe, S. 57.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Basiskrisenintervention in der Betreuung von Kindern und kindliche Todeskonzepte
Hochschule
Philosophisch-Theologische Hochschule der Salesianer Don Boscos Benediktbeuern
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V121363
ISBN (eBook)
9783640257225
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Basiskrisenintervention, Betreuung, Kindern, Todeskonzepte
Arbeit zitieren
Timo Grünbacher (Autor), 2009, Basiskrisenintervention in der Betreuung von Kindern und kindliche Todeskonzepte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121363

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