In der vorliegenden Arbeit soll anhand des Vergleichs zweier Filme die Auseinandersetzung beider deutscher Staaten mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in den sechziger Jahren erhellt werden. Insofern handelt es sich um einen historischen Vergleich der Narrative und Motive, die durch den Film einerseits in die Gesellschaft hinein vermittelt werden. Als methodisches Konstrukt soll das kulturelle Gedächtnis nach ASSMANN ET AL. das filmanalytische Vorgehen insofern erweitern, als dass Film weder als ein reines sozipolitisches Konstrukt, noch als Kunstprodukt für sich allein steht, sondern immer ein komplexer Prozess aus künstlerischen Darstellungsformen und ästhetischen Praktiken, aber auch aus historisch-kulturellen Praktiken und sozialer Bedingtheit darstellt. Neben der Methode der Filmanalyse mit Bezugnahme auf den Produktions- und Rezeptionskontext der einzelnen Werke werden auch kulturpolitische Rahmenbedingungen in Rückbindung an ihre Wirkung auf die Filmwerke aber auch die kollektive Identität der Deutschen analysiert.
Nach einem Methodenteil, der die Theorieprobleme ausführen wird, folgen im Hauptteil die Filmanalysen der Werke Abschied von Gestern von ALEXANDER KLUGE aus dem Jahr 1966 und Ich war neunzehn von KONRAD WOLF aus dem Jahr 1968.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Film und kulturelles Gedächtnis
2.1 Das kollektive Gedächtnis Assmanns und seine Anwendung auf das Medium Film
2.2 Medien und ihre Doppelstellung
2.3 Das kollektive Gedächtnis als integrativer methodischer Ansatz
2.4 Spielfilm zwischen Fiktion und Authentizität
3. Kulturpolitik in der DDR
3.1 Sozialistischer Realismus und Filmproduktion
3.2 Das 11. Plenum und seine Folgen
3.3 Ich war neunzehn
3.3.1 ästhetische Stilmittel
3.3.2 Analyse der Narrative zur Entstehung des Nationalsozialismus und Schuldfrage
3.3.3 Opfer des Nationalsozialismus
3.3.4 Zusammenfassung Ich war neunzehn
4. Kulturpolitik in der BRD
4.1 Der Niedergang des Kinos in der BRD
4.2 Neuer Deutscher Film
4.3 Abschied von Gestern (Anita G.)
4.3.1 ästhetische Stilmittel
4.3.2 Analyse der Narrative des Nationalsozialismus
4.3.3 Die Vergangenheit in der Gegenwart - Täter und Opfer
4.3.4 Zusammenfassung Abschied von Gestern
6. Zusammenfassung
VII Anhang:
Anhang 1: Sequenzprotokoll: Ich war neunzehn
Anhang 2: Einstellungsprotokoll: Ich war neunzehn 9. Sequenz: 1. Mai, Feier am Abend
Anhang 3: Sequenzprotokoll: Abschied von Gestern. (Anita G)
Anhang 4: Einstellungsprotokoll: Abschied von Gestern 2. Sequenz: Gerichtssaal
Anhang 5: Rahmendaten Ich war neunzehn
Anhang 6: Rahmendaten: Abschied von Gestern (Anita G.)
VIII Literaturverzeichnis:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht anhand eines historischen Vergleichs die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in der DDR und der BRD in den 1960er Jahren, indem sie die Spielfilme "Ich war neunzehn" und "Abschied von Gestern" mittels des Konzepts des kollektiven Gedächtnisses analysiert.
- Filmanalyse als Zugang zum kulturellen Gedächtnis
- Kulturpolitische Rahmenbedingungen in Ost und West
- Darstellung und Bewältigung der NS-Vergangenheit in Spielfilmen
- Historischer Vergleich zwischen DEFA und Neuem Deutschem Film
Auszug aus dem Buch
3.3 Ich war neunzehn
Der einzige Regisseur, der sich in den sechziger Jahren neu und dauerhaft etablieren konnte war KONRAD WOLF, der trotz des 11. Plenums mit seinem autobiografischen Film Ich war neunzehn 1968 einen Lichtblick im künstlerischen Leerlauf bot, der durch das 11. Plenum entstanden war.
Sein Film muss, ob des vorhergehenden Verbotes von Der geteilte Himmel als Reaktion gelten, sich statt der Gegenwart, der nationalsozialistischen Vergangenheit zuzuwenden und diese wieder auf das Selbstverständnis und die offiziellen politischen Positionen der DDR-Führung in der Gegenwart zurückzubinden und zu kritisieren. So hatte einzig Konrad Wolf als DDR-Filmemacher auch international hohes Ansehen. SCHLÖNDORFF nannte Ich war neunzehn gar den wichtigsten deutschen Nachkriegsfilm.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in den Vergleich der beiden Filme ein und erläutert die methodische Herangehensweise über das Konzept des kulturellen Gedächtnisses.
2. Film und kulturelles Gedächtnis: Dieses Kapitel fundiert den methodischen Ansatz, Film als Repräsentation und Teil eines kollektiven Gedächtnisses zu begreifen.
3. Kulturpolitik in der DDR: Das Kapitel beleuchtet das politische Umfeld der DEFA-Produktion, den sozialistischen Realismus und die Auswirkungen des 11. Plenums auf die Filmkunst.
4. Kulturpolitik in der BRD: Es wird die Situation des westdeutschen Kinos in den 1960er Jahren, der Niedergang und der Aufbruch durch den Neuen Deutschen Film dargestellt.
6. Zusammenfassung: Die Ergebnisse des Vergleichs werden zusammengefasst und die unterschiedlichen Strategien der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in beiden deutschen Staaten reflektiert.
Schlüsselwörter
kulturelles Gedächtnis, Spielfilm, nationalsozialistische Vergangenheit, DDR, BRD, Filmanalyse, Ich war neunzehn, Abschied von Gestern, Konrad Wolf, Alexander Kluge, 11. Plenum, Neuer Deutscher Film, Schuldfrage, Vergangenheitsbewältigung, DEFA
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die beiden deutschen Staaten in den 1960er Jahren filmisch mit der Zeit des Nationalsozialismus umgegangen sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Kulturpolitik, die Produktionsbedingungen für Filme in Ost und West sowie die filmische Konstruktion von Erinnerung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist ein historischer Vergleich zweier exemplarischer Filme, um zu zeigen, wie unterschiedliche politische Systeme gesellschaftliches Gedenken und Vergangenheitsbewältigung steuerten oder problematisierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt das methodische Konstrukt des kollektiven Gedächtnisses nach Assmann, um filmische Narrative und kulturelle Mentalitäten zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Kulturpolitik in DDR und BRD und die anschließende spezifische Untersuchung der Filme "Ich war neunzehn" und "Abschied von Gestern".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören kulturelles Gedächtnis, NS-Vergangenheit, DEFA, Neuer Deutscher Film und Vergangenheitsbewältigung.
Warum wurde gerade "Ich war neunzehn" als Beispiel für die DDR gewählt?
Der Film von Konrad Wolf stellt eine Ausnahme im DEFA-Kino dar, da er trotz des politischen Drucks durch das 11. Plenum eine sehr persönliche, autobiografische und differenzierte Auseinandersetzung mit dem Kriegsende wagte.
Welche Rolle spielt die Figur der Anita G. in der Analyse?
Anita G. dient als Seismograph für die Befindlichkeiten der BRD, wobei ihre Figur als Opfer des Nationalsozialismus und als rastlose Suchende die mangelnde Auseinandersetzung der BRD mit ihrer Vergangenheit spiegelt.
- Quote paper
- Juliane Scholz (Author), 2008, Die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit im deutschen Spielfilm der sechziger Jahre , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121373