Improtheater und Theaterpädagogik


Essay, 2007

11 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Micetro

Gorillatheater

Sozial-gesellschaftliche Erfahrung

Sozial-individuelle Erfahrung

Therapeutisch-kathartische Erfahrung

Ästhetisch-Künstlerische Erfahrung

Literatur

Einleitung

„Improvisation (von lat. Improvisus = unvorhergesehen), das spontane, freie Spiel (ohne oder mit nur sehr umrisshaft skizzierter Vorgabe) charakterisiert spezifische Traditionen der Theatergeschichte. (Brauneck 2001:459)

Das Wort „Impro“ bezeichnet auf treffliche Art und Weise den Inhalt. Nämlich etwas Undefinierbares. Ein aus vier Buchstaben bestehendes, nichts sagendes Wort ist auch gleichzeitig etwas sehr bezeichnendes dieser Theaterform. Der Beginn dieses Theaterspiels liegt im Nichts, oder anders ausgedrückt, in einer unfertigen, vielfach durch das Publikum begonnen Form. Impro hat mit improvisieren zu tun, das heißt, keiner klaren Vorgabe zu folgen. Genau diese Freiheit des Raumes hat mich im letzten Sommer bewogen, an einem zweiwöchigen Workshop Improtheater in Kärnten teilzunehmen. Als Laie erfuhr ich peu a peu die wenigen Regeln des theatralen Improvisierens, die uns ein junger Absolvent des Max Reinhardseminars in Wien, pädagogisch zwar ungeschult, aber mit Freude und positiver, konstruktiver Kritik, nahe brachte. Im Rahmen meines Wahlfachsemesters der Studienrichtung Europäische Ethnologie interessierte mich Theaterpädagogik als eine Form der Auseinandersetzung mit dem Theaterspiel. Der Besuch der von Harald Volker Sommer sehr engagiert induzierten und geführten Lehrveranstaltung, „Theaterpädagogische Theorien“, am theaterwissenschaftlichen Institut der Universität Wien im Wintersemester 2008, bewog mich nun, mich näher mit dem Thema des Improvisationstheaters zu beschäftigen. Meine Fragestellung zielt in die Richtung der Reflektion und Auswirkung von Improtheater im Sinne seiner Wirkung auf Mitspieler und Publikum.

Improvisationstheater ist genau wie das Improvisieren im Alltag nichts Neues und beileibe nicht auf die immer wieder zitierte Commedia dell’arte beschränkt; die fahrenden Spielleute waren, so können wir annehmen, anders als die Rhapsoden, die die großen Epen (etwa Homer) rezitierten, in ihren Alltagsgeschichten schon immer improvisierend und begründeten eine Tradition, die Themen, Stoffe, Tricks, Kunststücke und allerlei Späße vom antiken Mimus bis in die Neuzeit transportierte. Trotzdem können wir im 20. Jahrhundert von einer neuen Kunst der Improvisation sprechen, die sich, inspiriert von der Theaterausbildung, rasch entwickelte und ausbreitete. Angestoßen wurde sie von Viola Spolin, 1906 geboren, langjährige Theaterlehrerin. Sie gründete 1960 in Chicago das Improvisationstheater „Second City.“ (vgl.Wikipedia:2008). Die Basis der Entstehung des Improtheaters führt nach Kanada. Dort begründete der 1933 in Großbritannien geborene Keith Johnstone quasi aus dem Leben heraus diese Kreativform, indem er die Forderung in einer diskutierenden Autorenrunde stellte, nicht zu reden, bzw. nichts zu diskutieren, was man auch darstellen könne (vgl. 2004:37). Edward Bond, ein Mitglied dieser Gruppe, meinte: „In dieser Autorengruppe habe ich gelernt, dass es in einem Drama nicht um Charaktere, sondern um Beziehungen geht.“ (ebd.) Beschränkte sich Johnstone zu Beginn noch auf Erzähltechniken, begann er in den 1960iger Jahren den Focus auf die Beziehungen zwischen einander fremden Personen zu legen. Sein Ansatz wurde auch vom Unterrichtsministerium gefördert, was zu diversen Auftritten mit dieser Gruppe an Universitäten und Schulen führte. Eine zusätzliche Idee, dem Spiel mehr publike Reaktionen zu verleihen, erhielt er durch die amerikanischen Catcher und deren Interaktion mit dem Publikum. So erfand er verschiedene Spielarten, wie zum

Micetro (kleine Mäuse), gleicht einem Wettkampf mit zwei Regisseuren, einem Punkterichter und bis zu sechzehn Spielteilnehmern. Diese Teams haben Aufgaben zu lösen und werden vom Publikum bewertet. Heute erinnern diverse Medienformate und Shows (z.B. Dschungelcamp) an diese Grundidee.

Gorillatheater heißt eine Form, weil nach jedem Auftritt ein als Gorilla verkleideter Schauspieler auftritt und dem verantwortlichen Regisseur eine Banane als Bewertung (gut oder schlecht) in die Hand drückt. Gewonnen hat Jener, der dem Publikum die meiste Hitze (Zorn, Emotion) hervorruft.

Es existiert eine Fülle von Spielen, die von Keith Johnstone beschrieben und zum Teil auch bewertet werden mit „empfohlen“ oder „nicht empfohlen“. Dazu gibt es Spielregeln, deren Ziel es ist, eine gute Geschichte entstehen zu lassen. Diese Regeln müssen von den Darstellern auch eingehalten werden. Verhaltensweisen, welche nicht erlaubt sind, oder die eine Geschichte auch ruinieren können, sind zum Beispiel: Negativ sein, blockieren, kneifen, auslöschen, tratschen, abgemachte Tätigkeiten, überbrücken, ablenken, ausweichen, originell sein, Warteschleifen, Gags, komische Übertreibungen, Konflikte, den Einsatz senken usw. (vgl.2004 :158).

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Improtheater und Theaterpädagogik
Hochschule
Universität Wien  (Theaterwissenschaft)
Veranstaltung
Übung
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V121385
ISBN (eBook)
9783640258154
ISBN (Buch)
9783640259748
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Improtheater, Theaterpädagogik
Arbeit zitieren
Andrea Klabach (Autor), 2007, Improtheater und Theaterpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121385

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