Das Modell von Wilhelm Georg Roscher ist bis dato maßgebend für die Geschichtswissenschaft. Roscher ist von seiner Dreiteilung der Entwicklung des Absolutismus in Europa überzeugt. Er geht von einer kontinuierlichen Steigerung aus, die mit einem „konfessionellen“ Absolutismus beginnt, sich in einen „höfischen“ Absolutismus wandelt und schließlich im „aufgeklärten“ Absolutismus mündet. Mit Reinhold Koser erfährt die Absolutismusforschung des 19. Jahrhundert einen weiteren Ansatz zur Entwicklung des absolutistischen Prinzips. Koser bezweifelt, dass Roschers Modell ein durchgreifendes Prinzip beschreibt. Anhand eines Aufsatzes in der Historischen Zeitschrift zeigt Koser nunmehr seine Ansichten über die politischen Entwicklungen in Europa zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert auf. Die Vorstellung seiner Person, seiner Historischen Zeitlage und die Interpretation seiner Überlegungen sind Bestandteil dieser Arbeit. Am Ende werden die Ansätze Roschers und Kosers kontrastiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung des Autors
2.1. Biographische Angaben
2.2. Die historische Zeitlage des Autors
2.3. Das wissenschaftliche Umfeld des Autors
3. Formales
3.1. Angaben zum Text
3.2. Der Publikationskontext
3.3. Aufbau und Gliederung
4. Interpretation
4.1. Einleitung
4.2. Kapitel I
4.3. Kapitel II
4.4. Kapitel III
4.5. Die Problematisierung des Absolutismusbegriffes nach Koser
4.6. Koser und Roscher im Vergleich
5. Zusammenfassung
6. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Reinhold Kosers Interpretation des Absolutismus auseinander, wobei sie dessen Modell in den historischen Kontext einordnet und einem Vergleich mit Wilhelm Georg Roschers Thesen unterzieht. Ziel ist es, die Eigenständigkeit von Kosers Periodisierung zu beleuchten und ihre Bedeutung für die Geschichtswissenschaft des 19. Jahrhunderts zu bewerten.
- Biographische und wissenschaftshistorische Einordnung Reinhold Kosers.
- Analyse des Diskurses über die Epochen der absoluten Monarchie.
- Gegenüberstellung der Interpretationsansätze von Roscher und Koser.
- Untersuchung der Transformation absolutistischer Prinzipien vom 16. bis zum 18. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
4.2. Kapitel I
Einleitend thesisiert Koser, dass sich die Langsamkeit der Fortschritte des fürstlichen Absolutismus daraus erklärt, dass die eingeschränkte Monarchie der gegebene Umstand gewesen sei und sich als historisches Recht etabliert hatte.45 Er verweist dazu auf unter anderem auf Beispiele der Karolingischen Herrschaft (Karolingisches Kapitular 864 n. Chr.) und der Magna Charta in England.46 Den Prototyp einer absoluten Monarchie sieht Koser in Unteritalien bei Friedrich II.47 Das bestehende Kaisertum sei die Fortsetzung des alten Imperiums.48 Der große Staatstheoretiker Voltaire hingegen benennt Ludwig XI. als ersten absoluten König in Europa. Koser ergänzt in diesem Kontext, dass auch Francis Bakon von Verulam Ludwig XI. neben Heinrich VII. und Ferdinand von Aragonien als Magier seiner Zeit bezeichnet.49 Für den Autor Indiz, dass sich die Menschen des 16. Jahrhunderts darüber bewusst sind, dass eine neue Art des fürstlichen Regiments aufkommen würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung und Einführung in die Modelle von Roscher und Koser zur Entwicklung des Absolutismus.
2. Vorstellung des Autors: Detaillierte Betrachtung der Biografie, des zeitgeschichtlichen Umfelds und des wissenschaftlichen Mentoring-Umfelds von Reinhold Koser.
3. Formales: Analyse des Publikationskontexts von Kosers Aufsatz in der Historischen Zeitschrift sowie Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.
4. Interpretation: Kernstück der Arbeit, welches die drei Absolutismus-Phasen nach Koser untersucht, den Absolutismusbegriff problematisiert und Koser mit Roscher vergleicht.
5. Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung der wissenschaftlichen Relevanz von Kosers Thesen und seiner Position in der Absolutismusforschung.
6. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Reinhold Koser, Wilhelm Georg Roscher, Absolutismus, Frühe Neuzeit, Preußen, Monarchie, Geschichtswissenschaft, Historische Zeitschrift, Aufgeklärter Despotismus, Souveränität, Ständegesellschaft, Preußische Staatsarchive, Johann Gustav Droysen, Friedrich II., Politikgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Reinhold Kosers historische Einordnung und Periodisierung des Absolutismus, wie er sie in seinem Aufsatz über die Epochen der absoluten Monarchie darlegte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die historische Entwicklung der absolutistischen Herrschaftsform, die wissenschaftliche Diskussion im 19. Jahrhundert sowie der Vergleich zwischen den Modellen von Roscher und Koser.
Welche Forschungsfrage verfolgt der Autor?
Die zentrale Forschungsfrage ist, inwieweit Kosers Modell eine methodische Weiterentwicklung oder Neuerung gegenüber der bestehenden Auffassung Roschers darstellt und wie Koser die drei Phasen des Absolutismus definiert.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer quellenorientierten Interpretation und einer komparativen Methode, bei der zeitgenössische Texte und Forschungsliteratur einander gegenübergestellt werden.
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie Kosers, seine Einordnung in das historische Umfeld und die detaillierte Untersuchung der drei absolutistischen Phasen: praktischer, grundlegender und aufgeklärter Absolutismus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Absolutismus, Konstitutionalismus, monarchischer Radikalismus, Naturrecht, Souveränität und die Gegenüberstellung von Frankreich und Preußen als Fallbeispiele.
Wie bewertet Koser den Übergang vom praktischen zum grundsätzlichen Absolutismus?
Koser sieht darin eine Verschärfung der Machtverhältnisse, bei der traditionelle Rechtsvorstellungen und ständische Mitbestimmung zugunsten eines absolutistischen Dogmas – oft unter Berufung auf das Gottesgnadentum – zurückgedrängt werden.
Welche Rolle spielt Friedrich II. von Preußen in Kosers Modell?
Friedrich II. dient Koser als Prototyp und Protagonist des "aufgeklärten Despotismus", der den Herrscher nicht mehr als gottgleiches Subjekt, sondern als "ersten Diener des Staates" definiert.
- Citation du texte
- Tobias Zander (Auteur), 2008, Reinhold Koser: Die Epoche der absoluten Monarchie in der neueren Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121414