Medienerziehung. Bedingungen, Auswahlkriterien, didaktische Gründe


Hausarbeit, 2008

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Begriffserklärung Medien

2. Medienerziehung als Teil der Medienpädagogik

3. Bedingungen und Auswahlkriterien für den Medieneinsatz

4. Didaktische Gründe für den Medieneinsatz

5. Medienkompetenz als Ziel schulischer Medienerziehung

6. Bezug zu curricularen Vorgaben

7. Methoden der Medienerziehung

8. exemplarisch ausgewählte Medien
8.1 Medium Modell
8.2 Medium Bilder/Fotos
8.3 Medium Buch
8.4 Medium Film/Fernsehen
8.5 Medium Computer/Internet

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Begriffsklärung Medien

Der Begriff ״Medien" ist das Plural von ״Medium" und stammt aus dem lateinischen. Medium bedeutet demnach Mittel bzw. vermittelndes Element. In den Kommunikationswissenschaften steht ״Medium" für jedes Mittel der Publizistik und Kommunikation.[1]

Medien sind also Quellen oder Träger von Informationen. Dabei sind die gespeicherten Informationen überwiegend subjektiv, also vom Verfasser ausgewählt und in Form von Zeichen oder Zeichensystemen codiert. Sinn und Zweck eines Mediums ist es, die gespeicherten Informationen anderen Personen zu vermitteln.[2]

״Der Begriff ״Medien" prägt seit den sechziger Jahren den pädagogischen Sprachgebrauch und ersetzt zunehmend traditionelle Begriffe wie Arbeits- und Unterrichtsmittel, Lehr- und Lernmittel, meint aber zugleich auch elektronische sowie interaktive Medien, Presse, Rundfunk und Fernsehen. In diesem Sinne werden unter ״Medien" heute sämtliche Kommunikationsmittel subsumiert, im pädagogischen Kontext solche, die zur Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen eingesetzt werden."[3]

Medien wurden zu allen Zeiten in der Schule (und nicht nur dort) eingesetzt, um die Bildung zu unterstützen und aufrecht zu erhalten, sie zu vertiefen und sie zu verändern. Die klassischen Bildungsmedien sind Bücher, Texte und Bilder, wobei sich die Palette in den letzten Jahrzehnten in ihrer Vielfalt stark erweitert hat. Hinzugekommen sind die elektronischen Medien wie Fernsehen, Computer, Internet, Handy etc.[4]

In der Fachliteratur gibt es diverse Ansätze, Medien nach verschiedenen Kriterien zu klassifizieren. Rinschede unterteilt sie zum einen nach ״software", ״hardware" und den eingesetzten technischen Geräten. Des Weiteren lassen sich Medien unterscheiden nach der Komplexität und dem Technisierungsgrad oder auch nach dem Abstraktionsgrad der Darstellungsebene.[5]

Die zunehmende Entwicklung und Verbreitung so genannter Neuer Medien hat in den letzten Jahren zu einer Veränderung des Alltags von Familie und auch Schule geführt. Sie können Kommunikation erleichtern und bieten Orientierung an, sie greifen Themen des gesellschaftlichen Lebens auf und wirken sich dadurch stark auf die persönliche Lebensgestaltung aus, und dies schon in früher Kindheit und Jugend. Somit sind Medien zu Miterziehern geworden.[6]

2. Medienerziehung als Teil der Medienpädagogik

Zur Erinnerung: Erziehung soll Unterstützung und Förderung zur geistigen und charakterlichen Entwicklung im Sinne der gegebenen Normen sein, damit der Fleranwachsende sich selbstständig, eigenverantwortlich und sozial verhalten kann.[7]

Medien beeinflussen in immer stärkerem Ausmaß die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen. Daraus ergibt sich für die Schule die Notwendigkeit zur Medienerziehung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Medienerziehung ist eine Teildisziplin der Medienpädagogik, welche sich mit der Rolle der Medien im Bildungswesen befasst. Dabei wird die Medienpädagogik nach Rinschede[8] in folgende Teildisziplinen unterteilt:

3. Bedingungen und Auswahlkriterien für den Medieneinsatz

Um Medienerziehung effektiv Umsetzen zu können und dadurch der Intention, Medienkompetenz bei Schülern und Schülerinnen zu fördern, nachzukommen, müssen einige wichtige Grundlagen und Bedingungen eingehalten werden. Einen fundamentalen Baustein jedweden medienpädagogischen Handelns bildet hierbei die Medienausstattung. Studien zufolge ist zwar eine flächendeckende Ausstattung mit Wiedergabegeräten gegeben, allerdings mangelt es an Geräten, die für eine schülerorientierte, enaktive Mediengestaltung notwendig sind.[9] [10] Medienprojekte, bei denen man auf eine umfangreiche Nutzung des Internets als Recherche- und Gestaltungsmöglichkeit, sowie den Einsatz von Video- und Fotokameras angewiesen ist, können nur unter erschwerten Bedingungen durchgeführt werden. Neben den materiellen Ausstattungsmöglichkeiten spielt auch die Bereitschaft und Fähigkeit der Lehrkräfte zum medienpädagogischen Arbeiten im Unterricht eine große Rolle. Eine aufgeschlossene und offene Haltung des Lehrerkollegiums gegenüber alten aber auch neuen Medien sollte Grundlage dafür sein, dass die Medienerziehung als wichtige und bedeutende Aufgabe in hinreichendem Maße umgesetzt werden kann. Eine kooperative Arbeit mit der Elternschaft kann die Vermittlung medienpädagogischer Inhalte begünstigen und diese mit der Lebenswelt der Schüler verknüpfen. Ein weiterer, die Qualität der Medienerziehung beeinflussender, Faktor ist die Ausbildung der Lehrkräfte. Diese sollten eine umfangreiche und wissenschaftlich fundierte Ausbildung genießen, ohne didaktische Aspekte zu vernachlässigen und der propädeutischen Funktion der Ausbildung zu widersprechen. Durch einen hohen Grad der Auseinandersetzung mit medienpädagogischen Fragen wird neben einer realistischen und kenntnisreichen Einschätzung der kindlichen Mediennutzung auch eine aufgeschlossene Einstellung gegenüber den Möglichkeiten, die Medien bieten, geschaffen.lů Eine gesteigerte Medienkompetenz der Lehrkräfte sollte das Ergebnis jeder lehramtsbezogenen Ausbildung sein. Durchdacht eingesetzte Fortbildungsmaßnahmen sollen die Lücke im Kenntnisstand der Lehrer und Lehrerinnen, die allein schon aufgrund des technischen Wandels entstehen müssen, schließen. Nur so kann eine optimale Förderung der Schüler und Schülerinnen im Schulalltag erfolgen, bei der die Schüler einen differenzierten Umgang mit Medien erlernen, ihre sozial-kognitive Entwicklung gesichert,??? sowie eine moralische Urteilsfähigkeit geschaffen wird. Diese drei Bereiche stellen Grundqualifikationen für das Erreichen der Medienkompetenz dar.[11] Um diese zu erreichen führt Rinschede noch weitere Auswahlkriterien für den Medieneinsatz an. Insbesondere gilt es dabei zu beachten, dass die Medienmaterialien in Inhalt und Darbietung dem Auffassungsvermögen der Kinder entsprechen, damit stets eine Adressatengemäßheit gewährleistet ist. Außerdem sollten Medien so eingesetzt werden, dass sie fortwährend der Form, dem Inhalt und den Zielen des Unterrichts adäquat entsprechen und eine Sozialisationsfunktion innehaben, d.h. Anlass zum gemeinschaftlichen Lernen in Form einer Diskussion, einer besonderen Lernform oder Problemstellung bieten. Der didaktische Einsatzort des Mediums sollte gut durchdacht, je nach Intention der Lehrkraft zu einem bestimmten Zeitpunkt eingesetzt werden und den methodischen Prinzipien der Anschaulichkeit und Selbsttätigkeit genügen.[12]

4. Didaktische Gründe für den Medieneinsatz

Medien jeglicher Art sind zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil der gesellschaftlichen Wirklichkeit geworden und greifen tiefer und unmittelbarer in den Alltag von Kindern ein als noch vor wenigen Jahren. Medien sind somit für Kinder zu einem selbstverständlichen Teil ihrer Alltagswelt geworden. Sie werden für Spiel, Unterhaltung, in Lernsituationen und als Informationsquelle genutzt. Kinder von heute wachsen in ״Medienwelten" auf.[13] In den Familien haben sie frühzeitigen Zugang zu einer Vielfalt von Medien (z.B. Fernsehen, Flörfunk, Computer, Internet, Handy). Sie nutzen diese Medien ganz unbekümmert.[14] Durch die zunehmende Vernetzung von Informationen entstehen virtuelle Realitäten und neue Sinnwelten. Dadurch verändert sich die Deutung der Wirklichkeit. Durch die zunehmende Bedeutung der Massenmedien als Sozialisationsinstanz neben der Familie und Schule muss die Grundschule das Verhältnis von Kind und gegenständlicher, sozialer und symbolischer Realität neu bestimmen.[15] Die Kinder müssen die Fähigkeit erwerben kritisch mit den Medien, die sie umgeben, umzugehen, um Manipulationen und einseitigen Wahrnehmungsmustern entgegenzuwirken.

Von entscheidender Bedeutung für das Bestehen des Einzelnen in der Wissensgesellschaft ist die Fähigkeit, eine Fülle ungeordneter und jederzeit abrufbarer Informationen in organisiertes, und in anwendungsfähiges Wissen zu verwandeln. Ein sicherer Umgang mit Medien in Lernprozessen fördert deshalb Wissenserwerb sowie Entwicklung von Medienkompetenz, die die Medienerziehung zu leisten hat.

Es kann nicht richtig sein, die ״neuen Medien" pauschal als suspekt einzuordnen oder sie als potentiell schädlich zu klassifizieren und sie zum Wohle der Kinder aus der Schule zu verbannen. Es wäre falsch, die Schule zu einer Art Schutzraum machen zu wollen, in dem versucht wird, die Kinder vor jeglichen Medieneinflüssen zu bewahren. Denn der Medienalltag würde durch solch eine Maßnahme unverändert bestehen bleiben, und die Schule, die auch einen Erziehungsauftrag zu leisten hat, könnte keinen Einfluss nehmen auf den möglicherweise problematischen Medienumgang einzelner Schüler.

Durch systematische Auseinandersetzung mit diesen Sachverhalten greift schulische Medienerziehung diese Entwicklungen auf und sichert damit allen Schülern Chancengerechtigkeit für aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und demokratische Mitbestimmung.

5. Medienkompetenz als Ziel schulischer Medienerziehung

״A/s Ziel schulischer Medienerziehung gilt übereinstimmend Medienkompetenz, die Befähigung zu einem sinnvollen, reflexiven und verantwortungsbewussten Umgang mit den Medien. Dazu gehören im Rahmen einer umfassenden Kommunikationsfähigkeit Wahrnehmungs-, Verarbeitungs-, Beurteilungs-, Selektions-, kritische Nutzungs-, kreative Handlungs- und Multimediakompetenz.[16] Erforderlich wird dies, da insbesondere die neuen Medien heute einen großen Einfluss auf die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen haben, der die Wirkungen von familiärer Erziehung und schulischer Bildung oftmals überwiegt. Es entstehen einerseits ״neue Lernzwänge, weil die Kinder an dieser Medienwelt Anteil haben müssen".[17] Andererseits entsteht auch eine veränderte Lernkultur mit neuen Lernvoraussetzungen und Lernmöglichkeiten in der Schule. Diese gilt es in Form von Lernumgebungen und Erfahrungsräumen zu nutzen und den Kindern erfahrbar zu machen.

[...]


[1] vgl. Meyers Lexikon Online.

[2] vgl. Rinschede, Gisbert: Geographiedidaktik. Paderborn: Ferdinand Schöningh 2003. s. 288.

[3] Heckt, D.H., in Einsiedler, w. u.a. 2005, s. 449.

[4] siehe Anlage: Übersicht Medienarten.

[5] vgl. Rinschede: Geographiedidaktik, s. 289 f. (siehe Anlage: Klassifikation von Medien).

[6] vgl. Bildungsserver.

[7] vgl. Meyers Lexikon Online.

[8] vgl. Rinschede: Geographiedidaktik, s. 367. Tulodzieki, Gerhard; Six, Ulrike u.a. (Hrsg.): Medienerziehung in der Grundschule. Grundlagen, empirische Befunde und Empfehlungen zur Situation in Schule und Lehrerbildung. Opladen: Leske+Budrich 2000. s. 461.

[10] Tulodzieki/Six u.a.: Medienerziehung in der Grundschule, S.467. Schill, Fred; stolzenburg, Elke; Theunert, Helga (Hrsg.): Medienkompetenz. Grundlagen und pädagogisches Handeln. München: KoPäd Verlag 1999. s. 63

[12] Rinschede, Gisbert: Geographiedidaktik, s. 294 ff.

[13] vgl. Bartkowski, Karin: Die neuen Medienwelten - Konsequenzen für die medienpädagogische Praxis in: Grundschulunterricht, Band 2 1999, s. 2-4, hier s. 2.

[14] Vgl. Spanhel, Dieter: Medienerziehung, hierS. 657.

[15] Vgl. Spanhel: Medienerziehung, s. 658.

[16] Spanhel, Dieter: Medienerziehung. In: Einsiedler, Wolfgang etai. (Hrsg.): Handbuch Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik, 2. überarb. Aufl. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2005, s. 657-661, hier s. 659-660.

[17] Ebd., s. 657.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Medienerziehung. Bedingungen, Auswahlkriterien, didaktische Gründe
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für Grundschuldidaktik und Sachunterricht)
Veranstaltung
Lehren und Lernen im Sachunterricht
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V121432
ISBN (eBook)
9783640258369
ISBN (Buch)
9783640259885
Dateigröße
915 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Medienerzeihung, Sachunterricht, Grundschule, Methodenkompetenz
Arbeit zitieren
Stefan Wehe (Autor:in), 2008, Medienerziehung. Bedingungen, Auswahlkriterien, didaktische Gründe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121432

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