Die Diskussion über das Verhältnis von Mensch und Tier hat bereits eine lange Tradition und gewinnt stetig an gesellschaftlicher Relevanz. Dies erfolgt über mehrere Felder: Nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch zum Beispiel in Bereichen wie Kunst und Recht wird sich zunehmend mit dem Thema befasst. So nennt Waldow neben der wissenschaftlichen Untersuchung der Beziehung zwischen Menschen und Tieren oder der Rolle des Tieres und dessen „kulturelle und symbolische Bedeutung[]“ für den Menschen, auch den „gesellschaftspolitischen Streit um den richtigen Umgang mit dem Tier, der Auseinandersetzung um die Angemessenheit von Tierversuchen […] [sowie] de[n] Aufschwung von bewusst vegetarischer und veganer Ernährung“. (WALDOW 2015)
Da die Argumentationsanalyse Wissens- und Denkmuster aufzeigen kann, soll an Aufnahmen von Streitgesprächen zwischen Vertretern unterschiedlicher Positionen exemplarisch gezeigt werden, welche Argumentationsmuster und Topoi von besonderer Relevanz für den Teildiskurs zu den verschiedenen Ernährungsweisen des Menschen, besonders der vegetarischen/veganen Ernährungsweise im Kontrast zur Ernährung, die Fleisch und tierische Produkte enthält, zu sein scheinen.
Zu Beginn sollen in Bezug auf die Arbeit und deren Untersuchungsgegenstand relevante Aspekte der Theorie zur Diskurslinguistik und Argumentations- bzw. Toposanalyse angesprochen werden. Anschließend wird sich dem konkreten Thema und der Untersuchung gewidmet, indem der Kontext geschildert und auf die bisherige Forschung eingegangen wird. Des Weiteren wird der Untersuchungsgegenstand theoretisch definiert und das konkrete Korpus sowie die darin enthaltenen und zu untersuchenden Positionen vorgestellt und erklärt. Zur Vermeidung von Intransparenz oder fehlender Nachvollziehbarkeit des Vorgangs von Vorbereitung und Analyseschritten wird dabei das methodische Vorgehen z. B. in Bezug auf die Korpus-Zusammenstellung und Transkription im Detail erläutert. Darauf folgen die Ergebnisse, die aus der gründlichen Analyse des Korpus hervorgegangen sind und damit die Präsentation der einzelnen Topoi und Gruppen von Topoi, welche besondere Relevanz im Diskurs zur Mensch-Tier-Beziehung und zu den Ernährungsweisen der Menschen zu haben scheinen. Zum Abschluss wird verglichen, wie die herausgearbeiteten Topoi von den Positionen verwendet werden, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede dabei entstehen und welche Folgerungen daraus gezogen werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Diskurslinguistik und Toposanalyse
2.1 Diskurslinguistik
2.2 Argumentations-/Topos-Analyse
3. Analyse
3.1 Untersuchungsgegenstand
3.1.1 Sachverhalt und Kontext
3.1.2 Streitgespräche
3.2 Methodisches Vorgehen
3.2.1 Korpus
3.2.2 Positionen
3.3 Ergebnisse
3.3.1 Topoi
3.3.1.1 Alternativen-Topoi
3.3.1.2 Analogie-Topos
3.3.1.3 Ausdehnungstopos
3.3.1.4 Autoritätstopos
3.3.1.5 Bewusstseinstopos
3.3.1.6 Euphemismus-Topos (Sprachthematisierung)
3.3.1.7 Gesundheitstopos
3.3.1.8 Kosten-Nutzen-Topos
3.3.1.9 Natur-Topoi
3.3.1.10 Reduktionstopos
3.3.1.11 Topos der düsteren Zukunftsprognose
3.3.1.12 Topos der Wahl
3.3.1.13 Topos des Tötungsverbots
3.3.1.14 Traditionstopos
3.3.1.15 Umwelt-Topoi
3.3.1.16 Weitere Topoi
3.3.2 Vergleich
4. Fazit
5. Quellenverzeichnis
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Internetquellenverzeichnis
5.3. Korpusquellen (YouTube)
6. Anhang
6.1 Abbildungsverzeichnis
6.1.1 Abb. 1: Chronologische Übersicht der Formate
6.1.2 Abb. 2: Teilnehmer:innen-Übersicht
6.1.3 Abb. 3: Übersicht der behandelten Topoi
6.1.4 Abb. 4: Google Trends - Suchanfrage „vegan“ in Deutschland (Zeitlicher Verlauf)
6.1.5 Abb. 5: Google Trends - Google Trends - Suchanfrage „vegan“ in Deutschland (Verwandte Themen & Ähnliche Suchanfragen)
6.2 Transkripte
6.2.1 Nr°1 – ZDF: 13 Fragen
Deckblatt – NR° 1
6.2.2 Nr°2 – ZDF: Markus Lanz (2016)
Deckblatt – NR° 2
6.2.3 Nr°3 – ZDF: Markus Lanz (2019)
Deckblatt – NR° 3
6.2.4 Nr°4 – STERN: Diskuthek (2019)
Deckblatt – NR°4
6.2.5 Nr°5 – ARD: Hart aber fair (2019)
Deckblatt – NR°5
6.2.6 Nr°6 – ARD: Hart aber fair (2015)
Deckblatt – NR°6
6.2.7 Nr°7 – ZDF: 37 Grad
Deckblatt – NR°7
6.2.8 Nr°8 – SRF: Sternstunde Philosophie
Deckblatt – NR°8
6.2.9 Nr°9 – STERN: Diskuthek (2021)
Deckblatt – NR°9
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Argumentationsmuster in öffentlichen Streitgesprächen über den Fleischkonsum, um implizite Wissens- und Denkmuster der beteiligten Akteure aufzudecken. Ziel ist es, die Verwendung rhetorischer Topoi zu analysieren und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der Argumentation zwischen vegetarisch/vegan lebenden Personen und Fleischessern herauszuarbeiten.
- Diskurslinguistische Analyse der Mensch-Tier-Beziehung.
- Untersuchung von Argumentationsmustern in Streitgesprächen.
- Identifikation und Kategorisierung von Topoi (z. B. Natur-, Kosten-Nutzen- oder Autoritätstopoi).
- Gegenüberstellung der Positionen von Fleischessern und Veganern/Vegetariern.
- Reflexion über gesellschaftliche Machtstrukturen und Mentalitäten im Diskurs.
Auszug aus dem Buch
3.3.1.1 Alternativen-Topoi
In der Analyse wurde deutlich, dass die Erwähnung von Alternativen und die Argumentation für diese auffällig häufig vertreten ist. Da es sich jedoch nicht um einen einzelnen Topos, sondern eher um eine Gruppe von Topoi handelt, die dasselbe thematisieren, werden diese unter dem Begriff der Alternativen-Topoi zusammengefasst:
(1) Der Topos der Zukunftsnotwendigkeit (Weil das (zukünftig) bestehende Angebot nicht für alle befriedigend/ausreichend ist/sein wird bzw. nicht den Ansprüchen der Zukunft gerecht wird, sollten Alternativen thematisiert, geschaffen, gefördert und angeboten werden.) (vgl. z. B. T1/MKo: 12; T1/NR: 12-13; T3/KS: 12; T5/MKa: 5 & T9/PK: 17)
(2) Förderungstopos (Weil etw. erstrebenswerter ist als das Bisherige, sollen Maßnahmen getroffen werden, um die bessere Alternative zu fördern bzw. das Bisherige zu reduzieren.) (vgl. z. B. T1/MKo: 6; T2/RDP: 5; T3/JB: 24; T5/PB: 9; T9/CP: 19 & T9/GP: 15)
(3) Lösungstopos (Weil eine Alternative besteht, die viele Probleme lösen würde, sollte diese gefördert/gewählt/ausprobiert werden. (T1/NR: 13; T2/RDP: 1 & 5; T3/JB: 13-14; T4/MP: 6 & T9/GP: 15)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die gesellschaftliche Relevanz der Mensch-Tier-Beziehung ein und erläutert die methodische Wahl der Argumentationsanalyse zur Untersuchung von Streitgesprächen über Ernährungsweisen.
2. Diskurslinguistik und Toposanalyse: Das Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen der Diskurslinguistik und erläutert die Toposanalyse als Instrument zur Freilegung kollektiver Wissens- und Denkmuster.
3. Analyse: Im Hauptteil werden der Untersuchungsgegenstand, die methodische Vorgehensweise bei der Korpuszusammenstellung und die detaillierten Ergebnisse der Toposanalyse sowie deren Vergleich präsentiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über die Toposverwendung zusammen und reflektiert die unterschiedlichen Argumentationsstrategien der untersuchten Positionen.
Schlüsselwörter
Diskurslinguistik, Toposanalyse, Argumentationsmuster, Fleischkonsum, Veganismus, Mensch-Tier-Beziehung, Argumentation, Rhetorik, Wissensstrukturen, Speziesismus, Karnismus, Konsumentenverantwortung, Diskurs, Umweltdiskurs, Ethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Argumentationsstrukturen in öffentlichen Diskussionen und Streitgesprächen zum Thema Fleischkonsum und alternative Ernährungsweisen.
Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Mensch-Tier-Beziehung, ethische Fragen des Tierwohls, Umweltbelastungen durch Fleischproduktion sowie die Rollenverteilung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Positionen wie Veganern und Fleischessern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die diskurslinguistische Methode der Toposanalyse aufzuzeigen, mit welchen Argumentationsmustern verschiedene Positionen ihre Ansichten plausibilisieren und wie sich gesellschaftliches Wissen in diesen Diskussionen manifestiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine diskurslinguistische Argumentationsanalyse (Toposanalyse) verwendet, um implizite Prämissen und wiederkehrende argumentative Muster (Topoi) in transkribierten Videoaufnahmen zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Vorstellung und Kategorisierung zahlreicher Topoi – von Alternativen-Topoi über den Gesundheitstopos bis hin zu Umwelt- und Traditionstopoi – und deren spezifischer Ausfüllung durch die jeweiligen Akteure.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wesentliche Begriffe sind Diskurslinguistik, Toposanalyse, Argumentationsmuster, Fleischkonsum, Veganismus, Mensch-Tier-Beziehung sowie ethische und normative Argumentationsstrategien.
Warum wird die „Jäger-Sprache“ in der Analyse explizit erwähnt?
Die Analyse zeigt, dass Jäger eine spezifische Sprache nutzen, die durch Distanzierung zum Tier geprägt ist, um die Jagdhandlung psychologisch zu erleichtern, was eine interessante Facette des euphemistischen Diskurses darstellt.
Wird im Fazit ein Konsens zwischen den Diskurs-Positionen ausgemacht?
Die Arbeit identifiziert zwei Topoi, den Bewusstseinstopos und den Reduktionstopos, als mögliche Konsenspunkte, da sich beide Seiten in gewissem Maße auf die Notwendigkeit einer bewussteren Ernährung und einer Reduktion des Fleischkonsums einigen können.
- Arbeit zitieren
- Kim Henn (Autor:in), 2022, Argumentationsmuster in Streitgesprächen über Fleischkonsum und Veganismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1214503