Argumentationsmuster in Streitgesprächen über Fleischkonsum und Veganismus


Masterarbeit, 2022

85 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Diskurslinguistik und Toposanalyse
2.1 Diskurslinguistik
2.2 Argumentations-/Topos-Analyse

3. Analyse
3.1 Untersuchungsgegenstand
3.1.1 Sachverhalt und Kontext
3.1.2 Streitgespräche
3.2 Methodisches Vorgehen
3.2.1 Korpus
3.2.2 Positionen
3.3 Ergebnisse
3.3.1 Topoi
3.3.1.1 Alternativen-Topoi
3.3.1.2 Analogie-Topos
3.3.1.3 Ausdehnungstopos
3.3.1.4 Autoritätstopos
3.3.1.5 Bewusstseinstopos
3.3.1.6 Euphemismus-Topos (Sprachthematisierung)
3.3.1.7 Gesundheitstopos
3.3.1.8 Kosten-Nutzen-Topos
3.3.1.9 Natur-Topoi
3.3.1.10 Reduktionstopos
3.3.1.11 Topos der düsteren Zukunftsprognose
3.3.1.12 Topos der Wahl
3.3.1.13 Topos des Tötungsverbots
3.3.1.14 Traditionstopos
3.3.1.15 Umwelt-Topoi
3.3.1.16 Weitere Topoi
3.3.2 Vergleich

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Internetquellenverzeichnis
5.3. Korpusquellen (YouTube)

6. Anhang
6.1 Abbildungsverzeichnis
6.1.1 Abb. 1: Chronologische Übersicht der Formate
6.1.2 Abb. 2: Teilnehmer:innen-Übersicht
6.1.3 Abb. 3: Übersicht der behandelten Topoi
6.1.4 Abb. 4: Google Trends - Suchanfrage „vegan“ in Deutschland (Zeitlicher Verlauf)
6.1.5 Abb. 5: Google Trends - Google Trends - Suchanfrage „vegan“ in Deutschland (Verwandte Themen & Ähnliche Suchanfragen)
6.2 Transkripte
6.2.1 Nr°1 – ZDF: 13 Fragen
Deckblatt – NR° 1
6.2.2 Nr°2 – ZDF: Markus Lanz (2016)
Deckblatt – NR° 2
6.2.3 Nr°3 – ZDF: Markus Lanz (2019)
Deckblatt – NR° 3
6.2.4 Nr°4 – STERN: Diskuthek (2019)
Deckblatt – NR°4
6.2.5 Nr°5 – ARD: Hart aber fair (2019)
Deckblatt – NR°5
6.2.6 Nr°6 – ARD: Hart aber fair (2015)
Deckblatt – NR°6
6.2.7 Nr°7 – ZDF: 37 Grad
Deckblatt – NR°7
6.2.8 Nr°8 – SRF: Sternstunde Philosophie
Deckblatt – NR°8
6.2.9 Nr°9 – STERN: Diskuthek (2021)
Deckblatt – NR°9

1. Einleitung

Die Diskussion über das Verhältnis von Mensch und Tier hat bereits eine lange Tradition und gewinnt stetig an gesellschaftlicher Relevanz. Dies erfolgt über mehrere Felder: Nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch z. B. in Bereichen wie Kunst und Recht wird sich zunehmend mit dem Thema befasst. So nennt Waldow neben der wissenschaftlichen Untersuchung der Beziehung zwischen Menschen und Tieren oder der Rolle des Tieres und dessen „kulturelle und symbolische Bedeutung[]“ (WALDOW 2015: 7) für den Menschen, auch den „gesellschaftspolitischen Streit um den richtigen Umgang mit dem Tier, der Auseinandersetzung um die Angemessenheit von Tierversuchen […] [sowie] de[n] Aufschwung von bewusst vegetarischer und veganer Ernährung“ (WALDOW 2015: 7). (vgl. WALDOW 2015: 7)

Das Thema der vegetarischen und veganen Ernährung im Gegensatz zur fleischhaltigen Ernährung scheint auch in den Medien immer wieder aufzukommen und stetig präsenter zu werden. Dies passiert z. B. durch Veröffentlichungen von Studien mit anschließenden Debatten zum Thema (vgl. ZDF MOMA 2021), die Aufdeckung von Zuständen in Zuchtbetrieben (vgl. UTOPIA 2019), Artikel, die z. B. über
Corona-Ausbrüche in Schlachtbetrieben (vgl. ZEIT ONLINE 2020 & OSWALD 2020) berichten oder die ethische Auseinandersetzung aufnehmen (vgl. LADWIG 2021). In dieser Arbeit wird ein Teilbereich des Diskurses ausgewählt und untersucht.

„Eher selten machen wir in unserem Alltag Erfahrungen, die unsere Weltsicht ins Wanken bringen. Meist interpretieren und handeln wir nach einem Wissensvorrat übernommener Welterfahrungen und Vorstellungen, so auch im Kontakt mit Tieren, […]“ (STEEN 2020: 253)

Da die Argumentationsanalyse eben solche Wissens- und Denkmuster aufzeigen kann, soll an Aufnahmen von Streitgesprächen zwischen Vertretern unterschiedlicher Positionen exemplarisch gezeigt werden, welche Argumentationsmuster und Topoi von besonderer Relevanz für den Teildiskurs zu den verschiedenen Ernährungsweisen des Menschen, besonders der vegetarischen/veganen Ernährungsweise im Kontrast zur Ernährung, die Fleisch und tierische Produkte enthält, zu sein scheinen.

Zu Begrifflichkeiten muss kurz erwähnt werden, dass zur Vermeidung von stetiger Wiederholung, nicht immer die Ausdrücke vegan und vegetarisch gänzlich angeführt bzw. betont werden. Da sich in den Gesprächen zwar auf beide Ernährungsweisen bezogen wird, die Unterscheidung jedoch nicht zentral für diese Arbeit ist, wird nicht immer ausformuliert, ob ausschließlich über Fleisch bzw. dessen Ausschluss oder auch über andere tierische Produkte gesprochen wird. Aufgrund der Auffälligkeit, dass in den analysierten Gesprächen mehrfach eine Unterscheidung zwischen Fleisch und Wurst vorgenommen wird (vgl. T5/SD: 11), soll hier kurz bemerkt werden, dass in dieser Arbeit der Begriff Fleisch auch Wurstwaren impliziert. Des Weiteren wird im Folgenden, die in der Gesellschaft verbreitete, anthropozentrische Sprache angesprochen. (vgl. 3.1.1. Sachverhalt und Kontext & 3.3.1.6. Euphemismus-Topos (Sprachthematisierung)) Hier soll kurz darauf hingewiesen werden, dass in dieser Arbeit versucht wird, wissenschaftliche und neutrale Sprache zu verwenden, jedoch nicht auszuschließen ist, dass durch Sozialisierung und Sprachgewohnheiten solche, durch die Gesellschaft weitergegebene, anthropozentrische und eindimensionale Denkweisen, trotz Bemühen dies zu vermeiden, durch Sprache reproduziert werden. (vgl. FILL 1993: 130-131)

Zu Beginn sollen in Bezug auf die Arbeit und deren Untersuchungsgegenstand relevante Aspekte der Theorie zur Diskurslinguistik und Argumentations- bzw. Toposanalyse angesprochen werden. Anschließend wird sich dem konkreten Thema und der Untersuchung gewidmet, indem der Kontext geschildert und auf die bisherige Forschung eingegangen wird. Des Weiteren wird der Untersuchungsgegenstand theoretisch definiert und das konkrete Korpus sowie die darin enthaltenen und zu untersuchenden Positionen vorgestellt und erklärt. Zur Vermeidung von Intransparenz oder fehlender Nachvollziehbarkeit (vgl. DEPPERMANN 2008: 29) des Vorgangs von Vorbereitung und Analyseschritten wird dabei das methodische Vorgehen z. B. in Bezug auf die Korpus-Zusammenstellung und Transkription im Detail erläutert. Darauf folgen die Ergebnisse, die aus der gründlichen Analyse des Korpus hervorgegangen sind und damit die Präsentation der einzelnen Topoi und Gruppen von Topoi, welche besondere Relevanz im Diskurs zur Mensch-Tier-Beziehung und zu den Ernährungsweisen der Menschen zu haben scheinen. Zum Abschluss wird verglichen, wie die herausgearbeiteten Topoi von den Positionen verwendet werden, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede dabei entstehen und welche Folgerungen daraus gezogen werden können.

2. Diskurslinguistik und Toposanalyse

Wie Waldow bereits andeutet, handelt „es sich bei diesen gesellschaftlichen Feldern [wie hier, der Mensch-Tier-Beziehung] immer um Diskurse“ (WALDOW 2015: 7). Da in dieser Arbeit eine Diskursanalyse, genauer eine Toposanalyse, vorgenommen werden soll, muss kurz dieser Bereich der Linguistik beleuchtet werden.

2.1 Diskurslinguistik

Der Diskurs als Gegenstand der Diskurslinguistik, unabhängig von anderen Bedeutungen des Wortes Diskurs in anderen Bereichen (vgl. SPITZMÜLLER/WANRKE 2011: 6), wurde von Dietrich Busse und Wolfgang Teubert „im forschungspraktischen Sinn“ (BUSSE/TEUBERT 2013: 16), als die Menge von Texten bzw. „virtuellen Textkorpora, deren Zusammensetzung durch im weitesten Sinne inhaltlich (bzw. semantische) Kriterien bestimmt wird“ (BUSSE/TEUBERT 2013: 16), definiert. (vgl. JUNG 2000: 21-22)

Kriterien der Zugehörigkeit von Texten zum Diskurs sind die Befassung mit einem gewählten Forschungsgegenstand (Thema, Wissenskomplex, Konzept), semantische Beziehungen unter den Texten, dass die Texte den Eingrenzungen des Forschungsprogramms genügen und durch explizite oder implizite, text- oder kontextsemantisch erschließbare Verweisungen Bezug aufeinander nehmen. (vgl. BUSSE/TEUBERT 2013: 16-17 & JUNG 2000: 21-22) Eine andere Herangehensweise findet sich z. B. bei Mathias Jung, der Diskurse eher als „Aussagengefüge[]“ (JUNG 2000: 23) versteht, die sich in Texten realisieren und sich aufeinander beziehen. (vgl. JUNG 2000: 26-28)

Das virtuelle Korpus („Restbestand all jener Texte des Diskurses“ (HERMANNS 2012: 25)) wird in der Diskursanalyse vom imaginären (Gesamtheit aller „Einzeltexte, die das Thema irgendwie behandelt haben oder auch nur streiften.“ (HERMANNS 2012: 25)) und konkreten Korpus, das am Ende der Analyse als Untersuchungsgegenstand dient, unterschieden. (vgl. HERMANNS 2012: 25) Das konkrete Korpus dient dazu, einen Zugang zum Diskurs herzustellen, da eine gänzliche Erfassung eines Diskurses (innerhalb einer einzelnen Untersuchung) unwahrscheinlich scheint. (vgl. RÖMER 2017: 42) Das konkrete Korpus kann somit den Gesamtdiskurs niemals gänzlich wiedergeben. „Dies gilt ganz besonders im Zeitalter der elektronischen Medien.“ (NIEHR 2004: 110) Jedoch kann durch eine „repräsentative Auswahl“ (NIEHR 2004: 110) versucht werden, exemplarisch den Diskurs und die darin vorliegenden „Relationen zwischen den einzelnen argumentativen Positionen“ (NIEHR 2004: 110) nachzuzeichnen. Jung hat zur Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes einer Diskursanalyse das Würfelmodell entworfen. Durch dieses werden unterschiedliche Spezifizierungen (Diskursebene, Teildiskurs und Textsorte) vorgenommen, die den konkreten, zu untersuchenden Teil-Würfel des gesamten Würfels bzw. Diskurses zugänglicher machen. (vgl. JUNG 2000: 22-25) Bei der Auswahl und Zusammenstellung müssen zudem Aspekte, wie z. B. die Verfügbarkeit der Quellen sowie die Entsprechung des Untersuchungsinteresses beachtet werden. (vgl. BUSSE/TEUBERT 2013: 17) Eine andere Methodologie, um Unterspezifiziertheit („über ihren [(Diskurslinguistik)] Gegenstand weniger in Erfahrung [bringen] […], als dies mit sprachwissenschaftlichen Verfahren möglich und notwendig ist.“ (WARNKE/SPITZMÜLLER 2008: 4)) oder Übergeneriertheit („über ihren [(Diskurslinguistik)] Gegenstand mehr in Erfahrung bringt, als dies mit sprachwissenschaftlichen Verfahren möglich und notwendig ist.“ (WARNKE/SPITZMÜLLER 2008: 4)) zu verhindern, ist die von Warnke und Spitzmüller entworfene diskurslinguistische Mehr-Ebenen-Analyse (DIMEAN). Diese soll als „[…] verfahrenspraktisches Modell, mit dem linguistische Diskursanalysen durchgeführt werden können […]“ (WARNKE/SPITZMÜLLER 2008: 23), dienen und die „Dimensionsbestimmung“ (WARNKE/SPITZMÜLLER 2008: 23) und Auswahl der relevanten Gegenstandsbereiche zur Analyse des Diskurses vereinfachen. Das Modell unterteilt dabei beispielsweise in verschiedene Ebenen (transtextuelle Ebene, Akteure1 und intertextuelle Ebene) und die jeweils entsprechenden, verschiedenen Analyseverfahren (z. B. diskursorientierte, textorientierte oder wortorientierte Analyse). Allgemein wird von Warnke/Spitzmüller vermerkt, „dass ein Rückschluss von Sprache auf Diskurse immer nur partiell sein kann.“ (WARNKE/SPITZMÜLLER 2008: 10) (vgl. WARNKE/SPITZMÜLLER 2008: 3-6, 8-10 & 23-45)

Diese Modelle und insgesamt die Diskurslinguistik versuchen einen Zugang zum Diskurs herzustellen und damit etwas über „zeittypische Formen des Sprechens und Denkens über die Welt aussagen zu können“ (WARNKE/SPITZMÜLLER 2008: 15). Nach Foucault ist eben dies, der „Zweck einer Diskursanalyse“ (RÖMER 2017: 23):

„[…] diese als Diskurse verstandenen Formationssysteme oder Beziehungsnetze über die Analyse von Aussagen – bzw. deren Vergegenständlichungen im Diskurs – in ihrer Verbundenheit zu beschreiben. Ziel ist eine Analyse der Entstehungsbedingungen von Sinn, gesellschaftlichem Wissen und Annahmen über die Wirklichkeit. In historischer Perspektive soll beschrieben werden, wie sich Diskurse und damit die Konstitutionsbedingungen des gesellschaftlichen Wissens und kollektiven Wirklichkeitsbewusstseins verändern.“ (RÖMER 2017: 23)

Warnke/Spitzmüller verweisen im Sinne Foucaults ebenfalls auf soziale Machtstrukturen als ein „konstitutiver Bestandteil des Diskurses“ (WARNKE/SPITZMÜLLER 2008: 18). Nach dieser Auffassung sind Macht und Wissen eng miteinander verbunden und können damit nicht einfach voneinander getrennt betrachtet werden. (vgl. WARNKE/SPITZMÜLLER 2008: 18)2 Da in dieser Arbeit ebenfalls eine Diskursanalyse vorgenommen wird, soll damit ebenso impliziertes gesellschaftliches Wissen und darin enthaltene Machtstrukturen und „Mentalitäten“ (HERMANNS 2012: 71) im Rahmen des Mensch-Tier-Beziehungsdiskurs insbesondere in Bezug auf den Sachverhalt des Verzehrs von Tieren durch die Menschen, aufgedeckt werden.

Auf der transtextuellen Ebene des DIMEAN-Modells findet sich innerhalb der Kategorie der diskursorientierten Analyse auch der Topos-Begriff und damit die Toposanalyse, die „[…] zu den zentralen Gegenständen der Diskurslinguistik gehört […]“ (WARNKE/SPITZMÜLLER 2008: 41) und als Methode dienen kann, Muster im Diskurs und die eben besprochenen Mentalitäten offenzulegen.

„Die Argumentationsanalyse hat sich im letzten Jahrzehnt zu einer wichtigen diskurslinguistischen Analysemethode entwickelt. Insbesondere der Topos-Begriff, der auf Plausibilität und nicht auf logische ‚Wahrheit‘ zielt, ist dabei in Anspruch genommen worden.“ (WENGELER 2018: 242)

In dieser Arbeit sollen sowohl der Topos-Begriff als auch die Toposanalyse verwendet werden. Sie werden daher im folgenden Kapitel näher erläutert.

2.2 Argumentations-/Topos-Analyse

Die Toposanalyse ist, wie eben bereits bemerkt, zentraler Gegenstand und Grundwerkzeug der Diskurslinguistik „[…] für die Untersuchung impliziter Diskursmuster.“ (WARNKE/SPITZMÜLLER 2008: 41) Als diskurslinguistische Methode dient auch die Toposanalyse zur „Freilegung des topischen Wissens einer Gesellschaft, das mit Foucault als anonyme Formation des Denkens über die Dinge verstanden wird.“ (WARNKE/SPITZMÜLLER 2008: 15) Durch die Analyse der Topoi kann das darin Implizierte, wie beispielsweise „verborgene Prämissen alltagssprachlicher Argumentation“ (RÖMER 2017: 106), aufgedeckt werden oder „Aufschluss über kohärenzbildende[] bedeutungs-, wissens- und realitätskonstitutive[] Verknüpfungsmuster [ge]geben [werden], die ebenfalls Teil des kollektiven Denkens und Wissens sind“ (RÖMER 2017: 106).

Argumentationen treten insbesondere im Kontext kontroverser Themen auf.

„Der Bedarf nach Argumentation entwickle sich, wenn ein ,situative[r] Problemdruck‘ bestehe, der öffentliche, sozial relevante Problemlagen schaffe, ,die eine angemessene Lösung einklagen‘, um Störungen, die ,eine Problemlage für die soziale Existenz von Subjekten darstell[en]‘ […], kooperativ bewältigen zu können. (RÖMER 2017: 87)

Argumentationen dienen somit zur Lösungsfindung in Bezug auf ein kontroverses Thema bzw. einen Problemverhalt. Somit wird versucht, „[…] kollektiv Fragliches in kollektiv Geltendes […] zu überführen […]“ (WENGELER 2018: 244) oder auch „[…] zu einem gesellschaftlichen Konsens bezüglich einer Fragestellung […]“ (WENGELER 2018: 244) zu gelangen. Dabei wird versucht, die eigene Position zu erklären, zu plausibilisieren und zu stärken oder Überzeugungen und Meinungen zu beeinflussen sowie „Menschen für Ziele und Vorhaben zu gewinnen bzw. sie zu Handlungen in einem intendierten Sinne zu motivieren.“ (RÖMER 2017: 88) (vgl. WENGELER 2018: 244 & RÖMER 2017: 88)

Argumentationsmuster definiert Römer folgendermaßen:

„Gruppen konkreter wiederkehrender Argumentationen und rekurrent auftretender Elemente von Argumentationen […], ,die sich argumentationspraktisch wegen ihres hohen Plausibilitätsgrades bewährt haben‘ […] und entsprechend immer wieder angewendet bzw. sprachlich realisiert werden.“ (RÖMER 2017: 90-91)

Einzelne Argumente können Topoi zugeordnet werden, welche nach Spitzmüller im Diskurs eine gewisse Gültigkeit besitzen, die sie als Topoi kennzeichnet und jegliche Erklärung überflüssig werden lässt, da diese unmittelbar begreiflich sind. (vgl. SPITZMÜLLER 2005: 280 & WENGELER 2018: 250) Das Zurückführen auf Topoi und damit in gewissem Maße die Basis der Argumentationsanalyse bildet die „Tatsache […], dass es meist eine überschaubare Anzahl von Argumenten gibt, die für oder gegen die verhandelten Positionen ins Feld geführt werden.“ (NIEHR 2014: 156) Diese lassen sich trotz der unterschiedlichen Ausformulierungen, bestimmten Topoi zuordnen, welche öfter wiederkehren und in ihrer Anzahl begrenzt sind. (vgl. NIEHR 2014: 156)

Der Ausdruck Topos geht auf die Antike und Aristoteles Befassung mit Enthymemen und Syllogismen zurück. Hier wurde dieser allerdings noch sehr allgemein gehalten und verschieden angewandt. Zudem beruht die heutige „diskurs- und mentalitätsgeschichtliche Analyse von Argumentationen“ (WENGELER 2003: 178) nicht auf formaler Logik bzw. formal-logisch gültigen Schlüssen, sondern auf Plausibilitäten. „Denn es geht ja um das Erkennen der üblichen und verbreiteten Denkweisen in einem Themenfeld, die mit ,Wahrheit‘ oder ,Logik‘ nichts zu tun haben müssen.“ (WENGELER 2003: 178) Topoi können somit z. B. als alltagslogische Schlussregeln, -schema oder Argumentationsmuster verstanden werden, „die den legitimen Übergang von der unstrittigen Aussage zur strittigen Konklusion sichern sollen […]“ (WENGELER 2003: 180). Wozu Römer jedoch bemerkt, dass es nicht die eine Toposdefinition gibt. (vgl. RÖMER 2017: 98) Er präzisiert dabei, dass Topoi besonders in der Sprachhandlung des Argumentierens eingesetzt werden und ein „evoziertes Segment kollektiven Wissens [darstellen], das für das Verstehen der sprachlichen Handlung und der durch sie konstituierten Bedeutung eine notwendige, oft präsupponierte Voraussetzung ist.“ (RÖMER 2017: 101) In der konkreten Verwendung werden Topoi meist verkürzt genutzt, was bedeutet, dass entweder dazugehörige Teilschritte und/oder die Konklusion nicht ausformuliert werden und somit implizit bleiben. Dies kann insbesondere in der Analyse der Topoi, die eben den „in der Schlussregel hergestellte[n] Zusammenhang“ (WENGELER 2003: 181) beinhalten, eine Schwierigkeit darstellen, da durch die Implikation, die Topoi „erst interpretativ aus den sprachlich realisierten Bestandteilen der Argumentation erschlossen werden“ (WENGELER 2003: 181) müssen. (vgl. RÖMER 2017: 100-101 & WENGELER 2003: 177-181)

Im Rahmen der Toposanalyse wird zwischen kontextspezifischen und -abstrakten Topoi, oft auch als besondere und allgemeine bzw. materiale und formale Topoi bezeichnet (vgl. RÖMER 2017: 98), unterschieden: Die allgemeinen Topoi enthalten das „abstrakte Strukturprinzip einer Argumentation“ (OTTMERS 1996: 90), die inhaltlich nicht ausgefüllt sind und somit in unterschiedlichen Wissensbereichen sowie Argumentationen, Verwendung finden können. Demnach sind, im Gegensatz dazu, kontextspezifische, besondere bzw. materiale Topoi, „inhaltlich spezifizierte, Schlussregeln, die entsprechend nur in einem bestimmten inhaltlichen Bereich verwendbar sind, um plausible Argumentationen zu realisieren.“ (WENGELER 2003: 183) Somit lassen sich diese meistens auf einen formalen Topos zurückführen. (vgl. WENGELER 2003: 182-183) Ein Ansatz der diskurslinguistischen Argumentationsanalyse, der besonders auf den „inhaltliche[n] Aspekt der zu untersuchenden Diskurse“ (WENGELER 2018: 258) eingeht, ist die, von Niehr entwickelte, Analyse prototypischer Argumente. Dabei werden somit nicht unbedingt Topoi, sondern vielmehr „inhaltlich spezifizierte Argumente“ (WENGELER 2018: 259) diskutiert und analysiert. (vgl. WENGELER 2018: 258-259)

Eine Argumentationsanalyse wird von Niehr als „,mittlere‘ Analyse-Ebene“ (NIEHR 2004: 105) angesehen und bietet nach ihm „Gewähr dafür, entscheidende Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Veränderungen in den Blick zu bekommen“ (NIEHR 2004: 105) und die, in einem Diskurs, vertretenen Positionen zu erkennen und sich einen Überblick über diese zu verschaffen. (vgl. NIEHR 2014: 156) Des Weiteren kann durch eine Argumentationsanalyse festgestellt werden, welche Topoi und Argumente von welchen Gruppen bzw. Positionen besonders häufig verwendet werden und damit als typisch anzusehen sind und somit auf deren kollektives Wissen hinweisen und darüber Aufschluss geben können. Des Weiteren können „Topoi Wissenshintergründe, [und] verstehensrelevantes Wissen strukturieren, das zur Produktion von Diskursbeiträgen und Diskurshandlungen zur Verfügung steht und zu deren Verstehen notwendig ist.“ (WENGELER 2018: 251) (vgl. WENGELER 2018: 245-246 & 251)

3. Analyse

3.1 Untersuchungsgegenstand

3.1.1 Sachverhalt und Kontext

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leben in Deutschland 83,1 Millionen Menschen, (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2021: Bevölkerungsstand) davon leben „[l]aut aktuellen Studien […] zwischen 1,13 und 2,6 Millionen Menschen vegan.“ (OSWALD 2020) Seit 2008 (unter 80.000 vegan lebende Menschen) ist die Zahl der Veganer:innen somit stark gestiegen. Mit dieser Entwicklung einhergehend steigt auch die Anzahl an veganen Marktneueinführungen, die Nachfrage und Produktion an Fleischersatzprodukten und auch der Konsum an pflanzlichen Lebensmitteln. Diese Entwicklung wurde durch die Corona-Pandemie nicht aufgehalten, sondern scheinbar sogar noch verstärkt. Während die Zahlen in Bezug auf eine vegetarische oder vegane Lebensweise steigen, scheint sich, zumindest in Deutschland, der Fleischkonsum zu reduzieren. (vgl. OSWALD 2020)

Mit der steigenden Anzahl an vegan und vegetarisch lebenden Menschen wird das Thema einer alternativen Lebensweise, zu der bisher geläufigen, Fleisch implizierenden Ernährungs- und Lebensweise, präsenter. Dies zeigt sich nicht allein durch die steigende Herstellung und den Konsum dieser Produkte, sondern auch durch die immer häufigere Thematisierung in den Medien (vgl. z. B. Abb.4 und 5: Google Trends, OSWALD 2020 zu veganen Kochbüchern und Veganuary-Kampagne seit 2014 (vgl. ebenfalls VEGANUARY 2021))

Auch in der Linguistik wird die Beziehung zwischen Mensch und Tier und damit einhergehend auch in gewisser Weise die Ernährungsweise des Menschen behandelt, dies vor allem in den Bereichen der Öko- und Tierlinguistik3. Steen merkt in ihrer Arbeit zur Moralisierung im Web 2.0 aus tierlinguistischer Perspektive folgendes an:

„Tiere sind im Internet häufig Diskussionsthema, weil die Frage nach dem Verhältnis von Tier und Mensch »eine der grundlegendsten politischen, philosophischen und ethischen Fragen des Abendlandes« ist, und weil sich das »Verständnis des Mensch-Seins [...] von Beginn an in Abgrenzung vom und in Auseinandersetzung mit dem Tier-Sein« bestimmt.“ (STEEN 2018: 194)

Wie im Kapitel zur Diskurslinguistik bereits angedeutet (vgl. 2.1 Diskurslinguistik), beeinflusst Sprache unser Denken und Handeln. Heuberger verweist darauf, dass diese Annahme und die Wahrnehmung dieser als wahr zwangsläufig zu einer Sprachkritik führt. Er verweist auf die Mängel an linguistischen Arbeiten im Rahmen der Human Animal Studies4 und die wünschenswerte Zusammenarbeit dieser mit der Ökolinguistik, welche sich eben mit dem „Themenfeld ˃Sprache und Umwelt˂ bzw. ˃Sprache und Tiere˂“ (HEUBERGER 2015: 124) beschäftigt. (vgl. HEUBERGER 2015: 124) Zur Sprachkritik betont Heuberger jedoch, dass es „vor allem um eine Bewusstseinsschaffung für diese Problematik“ (HEUBERGER 2015: 133) geht, bei der ökologische Umbenennungen ausschließlich als didaktisches Mittel dienen können. (vgl. HEUBERGER 2015: 133 & FILL 1993: 109-111)

„Anthropozentrik in der Sprache ist ein Phänomen, das selbst in gebildeteren Schichten eher unbekannt ist. […] Hier liegt vermutlich die wichtigste Aufgabe für die Ökolinguistik bzw. den linguistischen Bereich der Human-Animal Studies – Bewusstseinsschaffung für diesen bisher vernachlässigten Aspekt sprachlicher Wahrnehmungsfilterung. Denn wie bei Sexismen kann der Hinweis auf Sprachliches teilweise zu einer Wende im ökologischen Denken und Handeln führen und so langfristig die Lebensbedingungen von Tieren verbessern.“ (HEUBERGER 2015: 133)

Des Weiteren sind auch diskursanalytische Untersuchungen in Bezug auf Sprache und die Mensch-Tier-Beziehungen keine Neuheit. Mechthild Habermann untersucht beispielweise in „Du armes Schwein!“ – Vom sprachlichen Umgang mit dem Tier, einer korpusbasierten Diskursanalyse, „wie der Mensch mit sprachlichen Mitteln auf das Tier referiert“ (HABERMANN 2015: 73) und untersucht dabei kritisch z. B. Wortschatz, Tiermetaphern, Redensarten, Beleidigungen, Kookkurrenzen, usw.

3.1.2 Streitgespräche

Der Duden definiert ein Streitgespräch als „[l]ängeres, kontrovers geführtes Gespräch; Diskussion um ein strittiges Thema; Disput“ (DUDEN ONLINE: Streitgespräch). Der Ausdruck setzt sich aus den beiden Wörtern Streit5 und Gespräch zusammen . Klaus Brinker und Sven F. Sager unterscheiden zwischen einer alltäglichen und linguistischen Bedeutung des Ausdrucks Gespräch : Die alltäglichen Definitionen beinhalten vor allem die Komponenten von mehreren beteiligten Personen (mindestens zwei), der Austausch zwischen diesen (Sprecherwechsel) sowie die „mündliche Realisierung [und] Ausrichtung auf ein bestimmtes Thema“ (BRINKER/SAGER 2010: 11). Des Weiteren gilt, nach Brinker/Sager, der Ausdruck Gespräch als neutral und somit geeignet für die Bezeichnung eines linguistischen Gegenstandsbereichs. Als Alternative zu den zwei geläufigen Auffassungen von Gespräch in der Linguistik (restriktive Definition: „Interaktionen […], in denen ein bestimmtes Thema sprachlich konstruiert wird.“ (BRINKER/SAGER 2010: 12); weiter gefasste Definition: „jede sprechsprachliche, dialogische und thematisch zentrierte Interaktion“ (BRINKER/SAGER 2010: 12)) stellen Brinker/Sager folgende Definition von Gespräch auf: „,Gespräch‘ ist eine begrenzte Folge von sprachlichen Äußerungen, die dialogisch ausgerichtet ist und eine thematische Orientierung aufweist.“6 (BRINKER/SAGER 2010: 11)

Angewandt auf die in dieser Arbeit zu besprechende Thematik, werden die Inhalte der folgenden Analyse, Aufnahmen von öffentlichen Streitgesprächen bilden, in denen über den Verzehr von Fleisch und anderen tierischen Produkten diskutiert wird. Dabei sollten die Interaktanten (mindestens zwei) unterschiedliche Positionen vertreten, um einen kontroversen Austausch zu produzieren. Zur linguistischen Analyse müssen jedoch mündlich realisierte Objekte in ein graphisches Medium überführt werden. Somit ist die Transkription ein wesentlicher Bestandteil zur Analyse von „Ereignisse[n], die im akustischen (und ggfs. auch visuellen) Medium stattgefunden haben […]“ (DEPPERMANN 2008: 39). Wie die Recherche für die beschriebenen Inhalte, die Zusammenstellung des Korpus und deren Vorbereitung auf die Analyse vollzogen wurden, wird in folgendem Kapitel zum methodischem Vorgehen, Korpus und vertretenen Positionen näher beschrieben.

3.2 Methodisches Vorgehen

In Anlehnung an Wengeler beginnt die Analyse mit dem Schritt der Korpuszusammenstellung. Hierbei werden die von Wengeler ebenfalls verwendeten Kriterien von Busse/Teubert (Texte befassen sich mit einem bestimmten Thema, Eingrenzung der Texte durch z. B. Zeiträume und Textsorten sowie Relevanz und implizite oder explizite Bezugnahme unter den Texten) (vgl. WENGELER 2003: 294) und das von Jung vorgestellte Würfelmodell (vgl. JUNG 2000: 22-25) einbezogen und berücksichtigt. Zusätzlich müssen die zu untersuchenden Inhalte aufgrund des ausgewählten Mediums (YouTube-Videoclips) zunächst für die linguistische Analyse vorbereitet und damit in Textform gebracht werden. (vgl. 3.2.1 Korpus)

Anschließend wird weiterhin nach der von Wengeler angewandten Methode verfahren: Durch Lektüre der Texte wird versucht, die Topoi zu entlarven und auf der mittleren Abstraktionsebene „[i]nnerhalb des Spannungsfeldes zwischen konkreter Sachargumentation auf der einen und universellem rhetorischen Schema auf der anderen Seite“ (WENGELER 2003: 278) zu formulieren, um diese somit zuordnen und analysieren zu können:

„Da […] zum einen nur inhaltlich bestimmtere Argumentationsstrukturen zu diskursgeschichtlich interessanten Ergebnissen führen können und zum anderen auch die reine Zuordnung einer Argumentation zu einer „Begründungssprache" zu undifferenziert erscheint […].“ (WENGELER 2003: 277)

Die entworfenen Topos-Definitionen mussten im Verlauf der Analyse jedoch oftmals erneuert oder angepasst werden. In diesem Schritt wurden ergänzend Auflistungen und Übersichten zu den verschiedenen Topoi und deren Aufkommen in den unterschiedlichen Texten erstellt. Dabei wurde jeweils auch die Position des/der Sprechers/Sprecherin vermerkt, um anschließend einen Vergleich zwischen den Positionen ziehen zu können. Somit erlauben die erstellten Übersichten eine Art Quantifizierung, welche Tendenzen des Gebrauchs von Topoi der verschiedenen Positionen aufzeigen können, jedoch nicht als „statistisch abgesicherte[] Ergebnisse“ (WENGELER 2003: 298) missverstanden werden sollen. (vgl. WENGELER 2003: 294-300)

3.2.1 Korpus

Zur Korpuszusammenstellung wurde zunächst ein (Gesamt-)Diskurs, der Diskurs zu Mensch-Tier-Beziehungen, ausgewählt, welcher im Rahmen dieser Arbeit analysiert werden soll. Mithilfe des Würfelmodells von Matthias Jung wurde der Untersuchungsgegenstand weiter eingegrenzt: Der Teildiskurs über die Ernährungs- bzw. Lebensweisen des Menschen soll bei der Analyse im Vordergrund stehen und somit auch als thematisches Kriterium, der semantischen Bezüge, bei der Auswahl der, für das Korpus, relevanten Texte dienen. Aus der Tatsache, dass mehrere Ernährungsformen unter den Menschen existieren, resultieren zwangsläufig unterschiedliche Konzepte, die zumindest parallel zueinander laufen und sich gegebenenfalls auch gegenüberstehen. Somit ist es nicht ungewöhnlich, dass Formate existieren, in denen unterschiedliche Parteien sich gegenüberstehen und über die verschiedenen Positionen debattieren. Diese Formate scheinen deshalb besonders interessant, weil jeweils die verschiedenen Parteien vertreten sind und miteinander konfrontiert werden. Im Rahmen des Würfelmodells wurde auf der ersten Ebene (A/Diskursebene, Kommunikationsbereiche), aufgrund der heutigen Möglichkeiten der Zugänglichkeit, ein digitales Medium, nämlich die Plattform YouTube ausgewählt. Da die Inhalte dieser in Form von Videoclips bereitgestellt werden, mussten diese für die Analyse transkribiert werden. Somit handelt es sich bei der, auf der dritten Ebene (C) des Würfelmodells, festgelegten Textsorte und Redekonstellation um transkribierte Videoaufnahmen von Streitgespräch-Formaten. Zur Transkription wurde, wenn möglich, eine Website (DOWNSUB) verwendet, welche auf Anfrage des/der Bereitstellers/Bereitstellerin, die von YouTube automatisch erstellten Untertitel, der angegebenen Videos, in schriftlicher Form als Txt-Datei wiedergibt. Aufgrund der hohen Fehlerquote, z. B. in Form von fehlender Interpunktion und im Bereich der Orthographie, mussten diese jedoch zusätzlich manuell überprüft, korrigiert und ergänzt werden. Hierzu wurde die Textdatei mehrfach mit der Videoaufnahme verglichen und entsprechend angepasst. Aus Gründen der Verständlichkeit und des Analyseziels wurde eine Glättung der Sprache vorgenommen, die z. B. Dialekte, Wiederholungen, Versprecher, usw., tilgt. Dabei wurde besonders darauf geachtet, dass relevante Inhalte erhalten bleiben und ausschließlich störende Elemente eliminiert werden. Da in Videoformaten auch nonverbale Kommunikation der Akteure von Relevanz sein kann, um z. B. die Intention von Aussagen vernehmen zu können, wurden diese, falls nötig, in eckigen Klammern wiedergegeben. Zusätzlich wurden nicht (an gleicher Stelle) abgeschlossene Sätze mit drei aufeinander folgenden Punkten gekennzeichnet, um die Verständlichkeit trotz elliptischer Aussagen oder Sätze zu erhalten. (vgl. JUNG 2000: 22-25)

Zur Zusammenstellung des konkreten Korpus (vgl. HERMANNS 2012: 25) wurde im ausgewählten Medium nach den bereits vorgenommenen Eingrenzungen des Korpus in Bezug auf Thematik und Textsorte genügenden Inhalten gesucht: In YouTube wurde somit nach dem Kriterium Relevanz unter den Suchbegriffen Fleisch essen und Tiere töten recherchiert. Dabei wurden insgesamt neun Videoaufnahmen aus sechs unterschiedlichen Formaten von 2014-2021 (vgl. Abb. 1) ausgewählt von denen
7:22:04 Stunden Material zur Analyse transkribiert wurden.7 Ein weiteres Eingrenzungs- und Qualifikationskriterium zur Aufnahme in das Korpus waren Kommunikation in deutscher Sprache und Aktualität (Zeitraum zwischen 2010 und 2021). Zusätzlich werden alle Formate von einer eher neutral zu positionierenden Person moderiert und stammen von bekannten, teils öffentlich-rechtlichen Mediendiensten. Zur Übersichtlichkeit und besseren Handhabung wurde für jedes Transkript ein Deckblatt mit allen nötigen Informationen zu Videoclip, Quelle, Datum, Dauer, Beteiligten, Format und möglichen Anmerkungen angefertigt.8 Im Folgenden werden als Beleg der Ergebnisse Beispiele aus den jeweiligen Transkripten angeführt. Dabei wird folgendes Verweis-Schema angewandt: T (+ Nr. des Transkripts) / (Initialen der sprechenden Person9 bzw. a. T. für „alle Teilnehmer“): (Seitenzahl des Transkripts10 ) (Bsp. T1/SH: 1)

3.2.2 Positionen

Als Qualifikationskriterium zur Aufnahme ins Korpus galt unter anderen, dass im Gespräch mehrere Positionen vertreten sind. Im Diskurs um den Fleischkonsum entstehen durch die verschiedenen Lebensweisen der Personen zwangsläufig unterschiedliche Meinungen und Positionen. Gegenpole bilden vor allem zum einen die neuere Position der Vegetarier:innen und Veganer:innen11 und zum anderen die bisher geläufigere Position der Omnivoren bzw. „Fleischesser:innen“12. Hierzu muss allerdings gesagt werden, dass diese Unterteilung nicht immer eindeutig vorgenommen werden kann, vor allem in Hinblick auf die Argumentation der jeweiligen Personen. Auch in den Gesprächen wird vereinzelt auf den Ausdruck Flexitarier:in hingewiesen (vgl. T1/SH: 3; T1/MKo: 16), der Personen bezeichnet, welche sich bewusst überwiegend fleischlos ernähren, jedoch auch teilweise auf Fleischprodukte zurückgreifen bzw. diese konsumieren. (vgl. DUDEN ONLINE: Flexitarier) Da jedoch zur Organisation der Analyseergebnisse eine klare Zuordnung nötig ist, wird in der Analyse eine klare Trennung vorgenommen: Ausschließlich rein vegetarisch oder vegan lebende Personen werden zu der fleischfreien Position gezählt. Personen, die (egal in welchem Ausmaß) Fleisch konsumieren, zählen zur omnivoren Position. Flexitarier:innen werden somit zur Position dieser dazugezählt, auch wenn deren Argumentation oft Überschneidungen mit der Argumentation der Vegetarier:innen bzw. Veganer:innen aufweist. Eine genauere Übersicht der verschiedenen Teilnehmer:innen und deren Zugehörigkeit zu der jeweiligen Position wurde erstellt und im Anhang hinterlegt. (vgl. Abb. 2)

„Insofern Argumentationen […] rezipientenorientiert sind, da sie an etabliertes Wissen anknüpfen, verraten sie etwas über das in der Kommunikation innerhalb eines Diskursbereichs vorausgesetzte gesellschaftliche Wissen. Große Schnittmengen an Gewissheiten im kollektiven Wissen bestehen innerhalb einer Kultur, einer Gesellschaft, einer Gruppe von Menschen, die sich aufgrund ihrer geteilten Überzeugungen und Denkarten zu Wissensgemeinschaften formieren (Akteursspezifik).“ (RÖMER 2017: 92)

In Hinblick auf die Analyseergebnisse dient die Unterteilung in unterschiedliche Positionen bzw. sich gegenüberstehende Parteien dazu, einen Vergleich zwischen dem, der Argumentation zugrundeliegenden kollektiven, gesellschaftlichen Wissen innerhalb des Diskurses und den damit einhergehenden Überzeugungen, der zwei Gruppen ziehen zu können und mögliche Unterschiede zu entlarven. (vgl. RÖMER 2017: 92)

3.3 Ergebnisse

Im Folgenden sollen die Ergebnisse der Analyse vorgestellt werden. Dabei wird auf eine Auflistung jedes einzelnen Topos verzichtet, um auf die wiederkehrenden und damit als Muster zu verstehenden Topoi im Detail eingehen zu können. Aus Platzgründen kann hier ausschließlich auf die, in diesem Korpus am häufigsten verwendeten Topoi eingegangen werden:

Die einzelnen Topoi sind in mindestens sechs von insgesamt neun Videoclips von jeweils unterschiedlichen Sprecher:innen13 verwendet worden. Bei den präsentierten Topos-Gruppen, die Topoi enthalten, die ein gemeinsames Thema behandeln, bezieht sich das Qualifikationskriterium der Frequenz auf das Thema der Topoi (Dieses wird in mindestens sechs unterschiedlichen Videoclips thematisiert.) und nicht auf die einzelnen Topoi an sich.

Im Rahmen der Präsentation von einzelnen Topoi wird gelegentlich bei Ähnlichkeiten oder interessanten Relationen auf andere Topoi verwiesen, die ebenfalls im Korpus, jedoch seltener, auftreten.

Bevor jedoch auf die frequentesten Topoi eingegangen werden kann, sollen die Abgrenzungsschwierigkeiten vorab Erwähnung finden: Einerseits sind Topoi in der Anwendung selten in der ausformulierten Schlussmuster-Form anzutreffen. Somit enthalten kontextabstrakte Toposdefinitionen, Elemente, die von Sprecher:innen nur impliziert, jedoch nicht ausformuliert werden. So kann zum Beispiel in einer Frage („Würdest du auch deine Hunde essen?“ (T1/VvV: 11)), ein Topos impliziert sein (vgl. 3.3.1.3 Ausdehnungstopos). Andererseits werden Topoi nicht immer allein und von anderen Topoi isoliert verwendet, sondern oft kombiniert. Des Weiteren ähneln sich manche Topoi stark in ihrer Form und Definition, so dass manchmal die Zuordnung nicht eindeutig vorzunehmen ist und eine Zuordnung des Beispiels sogar zu mehreren Topoi möglich ist.

3.3.1 Topoi

3.3.1.1 Alternativen-Topoi

In der Analyse wurde deutlich, dass die Erwähnung von Alternativen und die Argumentation für diese auffällig häufig vertreten ist. Da es sich jedoch nicht um einen einzelnen Topos, sondern eher um eine Gruppe von Topoi handelt, die dasselbe thematisieren, werden diese unter dem Begriff der Alternativen-Topoi zusammengefasst:

(1) Der Topos der Zukunftsnotwendigkeit ( Weil das (zukünftig) bestehende Angebot nicht für alle befriedigend/ausreichend ist/sein wird bzw. nicht den Ansprüchen der Zukunft gerecht wird, sollten Alternativen thematisiert, geschaffen, gefördert und angeboten werden. ) (vgl. z. B. T1/MKo: 12;
T1/NR: 12-13; T3/KS: 12; T5/MKa: 5 & T9/PK: 17)
(2) Förderungstopos14 ( Weil etw. erstrebenswerter ist als das Bisherige, sollen Maßnahmen getroffen werden, um die bessere Alternative zu fördern bzw. das Bisherige zu reduzieren. ) (vgl. z. B. T1/MKo: 6; T2/RDP: 5; T3/JB: 24; T5/PB: 9; T9/CP: 19 & T9/GP: 15)
(3) Lösungstopos ( Weil eine Alternative besteht, die viele Probleme lösen würde, sollte diese gefördert/gewählt/ausprobiert werden. (T1/NR: 13;
T2/RDP: 1 & 5; T3/JB: 13-14; T4/MP: 6 & T9/GP: 15)

Vorwiegend werden diese Topoi verwendet, um auf Alternativen zu Fleisch, tierischen Produkten oder deren Produktion hinzuweisen. (vgl. z. B. T1/NR: 13; T3/KS: 12; T5/MKa: 5 & T9/ GP: 15) Allerdings wird von der Omnivoren-Seite diese Art von Topoi auch angeführt, um z. B. auf geschmackliche oder nährstofftechnische Mängel von vegetarisch/veganen Produkten hinzuweisen. (vgl. z. B. T1/MKo: 12 & T9/PK: 17)

Im Umweltdiskurs (Gentechnik) wird von Wallis ebenfalls ein Alternativen-Topos identifiziert, der in gewisser Weise auch in diesem Korpus wiederzufinden ist: Dieser besteht darin, dass „gute Beispiele“ angeführt werden, wie etwas bzw. eine gewisse Handlung anders gehandhabt werden kann und demnach zeigen, wie eine Alternative zum Bestehenden aussehen kann. (vgl. WALLIS 2016: 210)

„Durch Nennung guter Beispiele wird anschaulich gemacht, dass eine alternative Verhaltensweise (einfach und problemlos) möglich ist. Auffällig ist dabei, wie vielfach durch Perspektivmarker die Selbstverständlichkeit bzw. Leichtigkeit alternativen Handelns betont wird. […] Weil der Schluss, dass Gentechnik vermeidbar ist, zwangsläufig aus dem bloßen Benennen guter Beispiele folgt wird in vielen Fällen auf seine Formulierung verzichtet. In einigen Belegen wird dieser implizite Schluss jedoch deutlicher expliziert.“ (WALLIS 2016: 210)

Als kontextabstrakte Toposdefinition, könnte der Alternativen-Topos von Wallis folgendermaßen formuliert werden: Weil es gute Beispiele gibt, ist eine alternative Verhaltensweise (ohne Probleme) möglich. (vgl. WALLIS 2016: 210)

In Streitgesprächen spielt dieser Topos ebenfalls eine Rolle, auch wenn er vermutlich eher indirekt und unbewusst angewandt wird. So sind die vegetarischen oder veganen Teilnehmer:innen „personifizierte“ Alternativen-Topoi nach Wallis bzw. sie stellen die angeführten „guten Beispiele“ dar. Diese beschreiben, meist in ihrer Vorstellung, wie bzw. aus welchem Grund sie vegetarisch/vegan geworden sind. Elemente, die ergänzend dazu verwendet werden, sind z. B. die Informationen, wann bzw. wie lange sie so leben („Das ist jetzt sechs Jahre her.“ (T6/NJ: 4) „Ich bin jetzt, ich habe gerade überlegt, so ungefähr zwei Jahre komplett vegan […]“ (T4/MP: 9)) und wie die Umstellung verlief bzw. es jetzt immer noch umgesetzt wird. (vgl. T1/NR: 2; T3/JB: 20; T4/MP: 1-2 & 9; T5/PB: 2-3; T6/NJ: 4, 8, 14; 19 & 23; T7/PB: 1; T9/GP: 2-3) Des Weiteren wird oft eine frühere Ähnlichkeit im Verhalten zu den Omnivoren hervorgehoben, um eine gewisse Nähe herzustellen und die Möglichkeit zu verdeutlichen, dass diese Veränderung für jede(n) umsetzbar ist: „Ich mochte den Geschmack von tierischen Produkten früher sehr, sehr gerne und dachte ein Leben ohne tierische Produkte wäre gar nicht lebenswert.“ (T1/NR: 2) „Ich war ja früher auch nicht anders. Ich bin nicht als Veganerin vom Himmel gefallen […]“ (T6/NJ: 9) „Also ich habe 28 Jahre meines Lebens extrem viel Fleisch gegessen und auch wirklich Fleisch geliebt, […]“ (T9/GP: 2) (vgl. auch T1/AM: 3; T3/JB: 13 & T4/MP: 1 & 2)

3.3.1.2 Analogie-Topos

Weil bestimmte Handlungen positive/negative Folgen haben bzw. zu befürworten/(nicht) abzulehnen sind, sind infrage stehende vergleichbare Handlungen (ebenfalls) zu befürworten/(nicht) abzulehnen. (vgl. RÖMER 2017: 166 & WENGELER 2003: 321)

Der Analogie-Topos basiert auf einer Vergleichsstruktur, bei der Handlungen, die einander ähneln, (in bestimmten Aspekten) verglichen werden und aufgrund der Ähnlichkeit, dieselbe Konsequenz gezogen wird. Dabei kann der Vergleichstopos, durch den Vergleich mit einem positiven oder negativen Beispiel, das zeigt, dass ähnlich oder anders gehandelt werden soll, eine Pro- oder Contra-Argumentation unterstützen. (vgl. RÖMER 2017: 167)

Für den Analogie-Topos lassen sich auch Beispiele von den anderen, in dieser Arbeit behandelten Topoi mit Vergleichsstruktur (Ausdehnungstopos, Topos der Empfindungsfähigkeit (vgl. 3.3.1.3 Ausdehnungstopos) und Topos der Nachahmung (vgl. 3.3.1.9 Natur-Topoi)) nennen, da diese sich stark ähneln.15 Im Gegensatz zu den genannten vergleichbaren Topoi steht beim Analogie-Topos nicht eine bestimmte Objektgruppe oder Eigenschaft, sondern die Ähnlichkeit der zu vergleichenden Handlungen und die daraus zu ziehende Konklusion im Vordergrund. Somit ist der Analogie-Topos offener in der konkreten Ausfüllung.

Dementsprechend wird der Analogie-Topos auf beiden Seiten (vermehrt auf Seite der Veganer:innen) unterschiedlich ausgefüllt. Auf veganer Seite sind z. B. folgende Verwendungen anzutreffen:

(1) Analogien im Umweltbereich: Verkehr-Ernährungs-Analogie („Ein Kilo Fleisch zu essen ist wie 1600 Kilometer Auto zu fahren.“ (T3/ML16 : 1)),
(2) Ethische-Analogien: Die Analogie der Produktionsprozesse von Fleisch und anderen tierischen Produkten („Tierleid passiert nicht nur in der Fleischproduktion, sondern eben auch, wenn ich mir angucke, wenn industriell quasi Milchkühe gehalten werden, […] und auch bei der Produktion von Eiern, […]“ (T5/PB: 2)), Gefängnis-Analogie zur Tierhaltung (vgl. T5/PB: 19 & T8/HS: 17), die Tier-Kind-Analogie in Bezug auf die Schmerzempfindung (vgl. T5/PB: 25-26) und die Analogie von der Tötung eines Menschen und eines Tieres zur Entkräftung des gegnerischen Arguments

[...]


1 „Es sind die Handelnden im Diskurs, oder in sozialwissenschaftlicher Terminologie die Akteure, vermittels derer Sprache und Wissen verschränkt sind. Akteure gebrauchen Sprache in der Kontextualisierung jeweiliger Wissensbestände, um Wissen wiederum zu generieren, zu reformulieren, zu affirmieren etc.“ (WARNKE/SPITZMÜLLER 2008: 16)

2 Zitat von Foucault

3 „Änderungen oder auch nur Variationen des Relevanzsystems sind möglich (vgl. Schütz 1971, 11), und es ist eine Aufgabe der Tierlinguistik, zu untersuchen, in welcher Weise sich Notwendigkeiten oder Bedürfnisse bezüglich verschiedener Formen von Empathie in einzelnen kommunikativen Praktiken manifestieren, wie sie durch diese modifiziert werden, insofern sowohl individuelle Handlungen als auch Sozialität aus spezifischen Praktiken resultieren (vgl. Schäfer 2016, 12; Schatzki 1996, 13). Ein Anhaltspunkt für die Analyse ist die Frage, ob Menschen den Tieren, mit denen sie in Kontakt treten, überhaupt Subjektqualität zuschreiben.“ (STEEN 2020: 254)

4 „Die sog. Animal Studies oder auch Human-Animal Studies, die sich dem Verhältnis von Tier und Mensch in besonderer Weise angenommen haben, stammen ursprünglich aus dem anglo-amerikanischen Raum, wo sie sich seit den 1980er Jahren herausgebildet haben. Ausgehend von den Geistes- und Sozialwissenschaften widmen sich aber auch die Naturwissenschaften, etwa die Biologie, die Medizin oder die Zoologie den Animal Studies. Seit der Jahrtausendwende werden die Debatten aus dem Forschungsfeld der Animal Studies auch verstärkt in Deutschland geführt.“ (WALDOW 2015: 7)

5 „1. heftiges Sichauseinandersetzen, Zanken [mit einem persönlichen Gegner] in oft erregten Erörterungen, hitzigen Wortwechseln, oft auch in Handgreiflichkeiten“ (DUDEN ONLINE: Streit)

6 Die Definition wird von Brinker/Sager näher erläutert, da dies jedoch für diese Arbeit nicht von besonderer Relevanz ist, wird hier auf weitere Erläuterungen verzichtet und für weitere Informationen auf den Quelltext verwiesen. (vgl. BRINKER/SAGER 2010: 11)

7 Manche Videoclips wurden nicht vollständig transkribiert: Zum Beispiel wurden Ausschnitte, die weniger oder gar keine Relevanz für diese Arbeit haben, ausgespart oder wenn durch Zusammenschnitt, Wiederholungen entstanden sind, so wurden diese ebenfalls nicht erneut transkribiert.

8 Transkripte und Deckblätter sind im Anhang zu finden. (vgl. 6.2 Transkripte)

9 siehe Tabelle der Teilnehmer:innen – Abb. 2

10 Die Seiten im Anhang, auf denen die Transkripte wiedergegeben werden, enthalten zwei Seitenzahlen, dabei steht die obere Seitenzahl für die des einzelnen Transkripts und die untere für die durchgehende Seitenzahl der vorliegenden Arbeit.

11 Hier könnte ebenfalls eine weitere Unterteilung in mehrere Gruppen vorgenommen werden z. B. nicht nur zwischen Vegetarier:innen und Veganer:innen, sondern auch aufgrund der unterschiedlichen Motiven. (vgl. MARKO 2000: 220) Zur Einfachheit und im Rahmen der Möglichkeiten dieser Arbeit wird hier jedoch darauf verzichtet.

12 Im täglichen Gebrauch wird dieser Begriff oftmals verwendet. Er referiert allerdings nicht auf eine ausschließlich karnivore Ernährung, sondern vermittelt bloß, dass neben anderen Lebensmitteln, auch Fleisch verzehrt wird.

13 Einzelne Sprecher:innen (Teilnehmer:innen: Sarah Dhem, Victoria van Violence, Patrik Baboumian/Moderator:innen: Markus Lanz, Frank Plasberg, Brigitte Büscher) sind in mehreren Videoclips involviert. Somit kann es sein, dass die selbe Person, das Argument zu unterschiedlichen Zeitpunkten wiederholt verwendet hat.

14 vgl. ebenfalls 3.3.1.12 Topos der Wahl

15 Diese Beispiele werden zur Vermeidung von Wiederholungen und aus Platzeinsparungsgründen nicht erneut angeführt.

16 „Zitiert“ die Frau von Jan Bredack (JB), demnach ist dieses Zitat den Veganer:innen zuzuordnen.

Ende der Leseprobe aus 85 Seiten

Details

Titel
Argumentationsmuster in Streitgesprächen über Fleischkonsum und Veganismus
Hochschule
Universität Trier
Note
1,0
Autor
Jahr
2022
Seiten
85
Katalognummer
V1214503
ISBN (Buch)
9783346628763
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Anhang: - Jeweiliges Deckblatt mit allen wichtigen Informationen zu den Transkripten (geglättete Sprache) von YouTube-Videos bzw. Streitgespräch/Diskussions-Formaten, die auf YouTube hochgeladen wurden - Übersicht-Tabellen zu Formaten, Topoi und Teilnehmer:innen der Formate
Schlagworte
argumentationsmuster, streitgesprächen, fleischkonsum, veganismus
Arbeit zitieren
Kim Henn (Autor:in), 2022, Argumentationsmuster in Streitgesprächen über Fleischkonsum und Veganismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1214503

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