Chomskys Minimalist Program

Annahmen und Probleme


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung

2. Chomskys Minimalist Program
2.1. Die Derivation
2.2. Ökonomie
2.3. Neuerungen

3. Probleme
3.1. Willkür bei Subjekten?
3.2. Ökonomie bei Split Infl?

4. Schlussbetrachtungen

5. Literaturverzeichnis

1. Hinführung

Zahlreiche Wissenschaften versuchen immer wieder ihre theoretischen Ansätze zu minimieren um universal möglichst viele Aspekte abzudecken. Auch im Bereich der Grammatik, genauer gesagt der so genannten Generativen Grammatik, sollte ein Anstoß zur Minimierung aller bestehenden Konstituenten vorgebracht werden. Einer der ersten ausbuchstabierten Versuche dessen scheint zwar von Noam Chomsky selbst zur Bedingung der Minimalität[1] getroffen worden zu sein, jedoch folgten 1990 erst noch Gedanken zum Minimalismus von Rizzi in der Theorie der Relativierten Minimalität, die in diesem Rahmen von Bedeutung sind. Dieses wird hier allerdings vorausgesetzt und nicht näher darauf eingegangen, falls nicht unbedingt notwendig.

Mit seinem Minimalistischen Programm (MP) versuchte Noam Chomsky nun gleich zwei Ansprüchen gerecht zu werden. Auf der einen Seite nahm er die Annahmen der Universalgrammatik (UG) als grundlegend. Das bedeutet, dass grammatische Phänomene für verschiedene Sprachen denselben Erklärungen unterliegen. Anspruch einer UG ist es somit, „von endlichen Mitteln unendlichen Gebrauch machen“[2] zu können.[3] Was allerdings das Minimalistische betrifft, versucht Chomsky auf zweierlei Art, diese zu einer Theorie zu verflechten. Program nennt er es nun allerdings deswegen, weil er es noch nicht für eine ausgereifte Theorie hält. Bis heute haben die verschiedenen Versuche nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt. So bestehen verschiedene Ansatzpunkte, die jedoch meist bald teils oder vollkommen widerlegt werden. Wissenschaftliche Lücken, die nicht geschlossen werden können, Eliminierung von Daten, die schlicht unzureichend sind sowie teilweise scheinbar willkürlich getroffene Festlegungen erschweren eine vollkommen fundierte Version des Minimalismus in der Generativen Grammatiktheorie.

Im Folgenden sollen die Annahmen Chomskys dargestellt werden, so wie sie seit 1992, nachdem der Aufsatz A minimalist program for linguistic theory veröffentlicht wurde, bestanden haben. Dabei soll auf Grundlegendes des Programms Bezug genommen werden, das die Wissenschaft bis heute rezipiert hat. Angesichts dessen werden Problemkreise angesprochen werden, die eben dafür sorgen, dass das MP den Status einer Theorie noch nicht erlangt hat.

Vorwiegend anhand von Beispielen des Deutschen sollen Erklärungen folgen, die zum Verständnis des Gedankengangs beitragen. Jedoch ist dies nicht immer möglich. Deswegen sind Belege aus anderen Sprachen, zum Beispiel dem Englischen teilweise unverzichtbar.[4]

2. Chomskys Minimalist Program

Das Minimalistische Programm Noam Chomskys bedeutet eine Weiterentwicklung der Generativen Grammatik, die allerdings, wie schon erwähnt, keine vollkommene Theorie ist. Deswegen überschreibt Chomsky es auch mit dem Wort Program. Grundanliegen ist es nun, mit so wenig Repertoire wie nötig, so viele Phänomene und dies in so vielen Sprachen wie möglich zu erklären. Im Vordergrund steht die Minimierung von syntaktischen Kategorien, Grundoperationen, Repräsentationsebenen sowie universellen Prinzipien, um vor allem Syntax zu erklären. Chomsky postuliert, dass alles Ökonomieprinzipien unterliege und der Rest lexikalisch geregelt werde. Ausschlaggebend für das Zustandekommen einer minimalistischen Gedankenführung hinsichtlich generativer Grammatik sind Überlegungen Mechanismusinteraktionen, wie zum Beispiel Move-α und Prinzipien wie dem Kasusfilter.[5]

Für das Verständnis des Ablaufs der Derivation ist es jedoch vorerst notwendig zu betrachten, wie Chomsky eine Theorie des Gehirns entwirft, von der ausgehend er den Minimalismus der Syntax aufbaut. Dazu folgt an dieser Stelle ein Modell anhand dessen die einzelnen Schritte erläutert werden und Neuerungen gegenüber den bisherigen Konzeptionen sichtbar gemacht werden.

Das Lexikon ist die Ebene, die in ihren Einträgen phonologische Formen, syntaktische Kategorien sowie semantische Charakterisierungen enthalten. Es stellt demnach ein „Inventar primitiver Symbole“[6] zur Verfügung, das zusammen mit einem Berechnungssystem, in dem Falle die Syntax, grundlegend für ein Konzept einer Universalgrammatik ist.[7] Select und Merge sind Grundoperationen der Satzgenerierung, zusammengefasst unter dem syntaktischen Generator[8], die Kopiervorgängen unterliegen und nach dem Strukturerhaltungsprinzip erfolgen, das besagt, dass Strukturen vom Anfang einer Derivation bis zum Ende hin bestehen bleiben müssen.[9] Dazu müssten auch θ-Rollen zählen:

VP

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

V0[10]

Das Theta-Kriterium entfällt allerdings im Minimalistischen Programm.[11]

Syntaktische Strukturen sowie Strukturprinzipien erfordern manchmal die Umstellung von Satzbausteinen. Dann greift die Operation Move, die zum Beispiel Kasusübereinstimmung und Übereinstimmung von Verbflektion gewährleistet. Move kann overt, also vor dem Spell-Out[12], oder kovert, das heißt nach dem Spell-Out[13] erfolgen. Spell-Out meint die Artikulation im Sinne der tatsächlichen sprachlichen Äußerung, die an das phonetische Interface angebunden ist, und somit zur Aussprache dient.[14]

Im Anschluss wird nun wieder eine Unterteilung in die semantische und die phonologische Komponente als Repräsentationsebenen getroffen. Dabei ist die logische Form (LF) die Ebene des konzeptuell-intentionalen Systems (CI), und diejenige, die die Bedeutung der sprachlichen Äußerung umfasst. Währenddessen ist die phonetische Form (PF) die Repräsentationsebene zum phonetisch-artikulatorischen System (AP), das die physikalisch messbaren Aspekte der Äußerung, also den hörbar akustischen Output, betrifft. PF und LF bilden damit „eine ‚Inhalts-’ und eine ‚Ausdrucksseite’“[15], CI und AP „Performanzsysteme“[16].

Folgendes Schema wird entworfen, da Chomsky davon ausgeht, dass „die auf die Sprachfähigkeit bezogenen Prinzipien der Universalen Grammatik aus allgemeinen Prinzipien der kognitiven Organisation abzuleiten“[17] ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Dieses Schema ist aus verschiedenen Vorlagen diverser Literaturen[18] zusammengestellt. Dabei wurde versucht möglichst alle wichtigen Komponenten mit einzubeziehen.)

2.1. Die Derivation

Aus dem Lexikon werden in ungeordneter Reihenfolge Lexeme - eine „lexikalische Kollektion“[19] - entnommen, die zusammen eine Phrase ergeben sollen. Als selbstgewähltes Beispiel fungiert hier:

(1) [...] weil sie die Arbeit betreut hat.

Jedes der Lexeme enthält einen Index in Höhe der Anzahl, in der sie in der Phrase vorkommen:

(2) Arbeit1 betreut1 die1 hat1 sie1 weil1

In welcher abfolge die Lexeme nun zu einer Einheit verbunden werden, hängt von der zu erreichenden Struktur ab. Meistens gibt es nur eine adäquate Variante. Falls diese im Laufe der Zusammenfügung nicht gewählt wird, scheitert die Derivation.

Ziel ist es nun, anders als in der Generativen Grammatik bis hier hin, die Merkmale der einzelnen Lexeme zu überprüfen und nicht, sie erst zuzuweisen. Chomsky nennt diesen Vorgang Feature-Checking. Das ist eine „syntaktische Operation, die die Flexionsmerkmale eines Lexems mit dem Flexionsmerkmalen einer funktionalen Kategorie vergleicht und die Merkmale bei Merkmalübereinstimmung aus der Struktur eliminiert“[20].

[...]


[1] Vgl. Chomsky (1986): Barriers. Cambridge, Mass.

[2] Schmidt (1995:11)

[3] Angenommen wird also, dass die Satzstrukturen in allen Sprachen identisch sind, Bewegungsoperationen ebenda auch gleiche Motivationen haben und LF-Repräsentationen nicht variieren. (Vgl. Wilder/Damir (1994)

[4] Dies ist schon ein Problem, das, wenn der Minimalismus Chomskys eine ausgereifte Theorie wäre, nicht auftauchen sollten, wenn sie wirklich einen universalen Anspruch haben würde.

[5] Vgl. Webelhuth (1995:352)

[6] Schmidt (1995:5)

[7] Ebd.

[8] Die frühere D-Struktur, die als Schnittstelle zwischen Lexemen und der Syntax fungierte, ist überflüssig geworden. (Vgl. Schmidt (1995:12)

Chomsky nennt diese Komponente „computational system“ (Chomsky (1995:169)

[9] Vgl. auch die Wiederauffindbarkeitsbedingung, deren Tilgung unterliegen muss, um dem Hörer eine eindeutige Interpretation zu ermöglichen. (Vgl. Schmidt (1995:18)

[10] Vgl. Dürscheid (1999:108)

[11] Vgl. ebd. S. 110.

[12] Bei starken Merkmalen

[13] Bei schwachen Merkmalen, wie zum Beispiel syntaktischen Kategorien

[14] „’Spell-Out,’ determines which movement will affect the pronounciation of a sentence.“ (Webelhuth (1995:356)

[15] Schmidt (1995:5)

[16] Ebd. S. 11.

[17] Grewendorf (2006:158)

[18] U.a. Philippi (2008:311); Kollek/Hiller

[19] Grewendorf (2006:166)

[20] Dürscheid (2007:236)

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Chomskys Minimalist Program
Untertitel
Annahmen und Probleme
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Germanistische Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
Infinite Verbformen
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V121461
ISBN (eBook)
9783640261178
ISBN (Buch)
9783640261390
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"übersichtlich, eigenständig (auch Sekundärliteratur)"
Schlagworte
Chomskys, Minimalist, Program, Infinite, Verbformen
Arbeit zitieren
Josephine Ernst (Autor), 2009, Chomskys Minimalist Program, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121461

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Titel: Chomskys Minimalist Program



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