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Grenzüberschreitung durch "ars" in Ovids Metamorphosen

Title: Grenzüberschreitung durch "ars" in Ovids Metamorphosen

Essay , 2004 , 13 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Theresa Marx (Author)

Latin philology - Literature
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Man erkennt deutlich die verschiedenen Interpretationen und Auswirkungen des ars-Begriff in Ovids Metamorphosen. Die erste Metamorphose, Pygmalion, verkörpert hierbei die positivsten Aspekte der ars. Entscheidend ist aber auch die pietas des Schöpfers – eine herausragende künstlerische Begabung ist nicht allein ausschlaggebend für ein gelungenes Resultat im Leben des Kunstschaffenden. Pygmalions Kunst ist die Realisierung eines glücklicherweise im Künstler angelegten ästhetischen Empfindens. Jedoch interpretiert er selbst viel mehr in seine Statue hinein als es bloße Zufriedenheit oder Freude am schönen Anblick erwarten ließe. Er legt die Perfektion seines Elfenbeinmädchens auch ethisch aus, lässt sie, obwohl unbelebt, in seinen Augen zur Verkörperung der Sittsamkeit und Tugen werden. Er besitzt die Fähigkeit, über das bloße Nachahmen hinauszugehen und etwas zu schaffen, das er in der Realität noch nie erlebt hat – sonst gäbe es für ihn allerdings auch gar keinen Anlass, die Statue zu meißeln.

Arachne ist ebenso begabt wie Pygmalion; was er als Bildhauer vollbringt, gelingt ihr beim Weben. Auch sie verfügt über ein fast übernatürliches Talent, was ja schließlich auch den fatalen Hinweis auf ihre vermeintliche Lehrerin Athene zur Folge hat. Doch beim gleichen Grad der Kunstfertigkeit weist Arachne einen Charakterzug auf, der sie gewaltig vom gottesfürchtigen Pygmalion unterscheidet: Sie ist „impia“ und begeht das folgenschwere Verbrechen der Hybris. Nicht nur kritisiert sie die Götter, was Sterblichen ja ohnehin nicht zusteht, sie fordert auch eine Göttin zum Wettkampf. Durch Überschreiten dieser Grenzen beweist sie einen gefährlichen Wagemut, der wohl aus der Eitelkeit ihrer Kunstfertigkeit resultiert. So ist also die gleiche ars, die bei Pygmalion zur Erfüllung seines sehnlichsten Wunsches beitrug, verantwortlich für das hybride Verhalten der Arachne. Zugleich mit der erniedrigenden Verwandlung zur Spinne, wird auch der ars-Begriff degradiert: Von der schöpferischen Selbstverwirklichung wird sie zum bloßen Mittel zum Zweck. Auch Daedalus benutzt seine Kunstfertigkeit für pragmatische Zwecke.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Was ist eigentlich "ars"?

2. Ovid: Leben und "ars"

3. Die Bedeutung von "ars" in

a) Pygmalion

b) Arachne

c) Daedalus

d) Die vier Zeitalter

4. Abschließender Vergleich und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Facetten und die ambivalente Rolle des Begriffs "ars" (Kunst/Kunstfertigkeit) innerhalb von Ovids Metamorphosen, wobei insbesondere die thematische Grenzüberschreitung durch menschliches Schaffen im Fokus steht.

  • Etymologische und kontextuelle Einordnung des Begriffs "ars"
  • Lebenslauf Ovids und dessen Einfluss auf sein dichterisches Schaffen
  • Analyse ausgewählter Mythen (Pygmalion, Arachne, Daedalus) unter Aspekten der Grenzüberschreitung
  • Untersuchung des Verhältnisses zwischen menschlicher Kunstfertigkeit und moralischem Verfall in den Weltaltern

Auszug aus dem Buch

Die Bedeutung von "ars" in

Pygmalion hat die Frauenwelt satt. Er hält das weibliche Geschlecht für verbrecherisch und bleibt daher ehelos. Jedoch ist er ein geschickter Bildhauer und schafft mit eigener Hand die Statue eines wunderschönen Mädchens, in die er sich prompt verliebt. Er beschenkt und bekleidet sie, küsst sie und meint, sie erwidere seine Küsse. Jedoch ist dies alles nur Täuschung, sie ist und bleibt unbelebtes Elfenbein – bis zum Feiertag der Venus: Pygmalion opfert und bittet die Göttin der Liebe und Schönheit indirekt, seinem Mädchen Leben einzuhauchen. Und das Wunder geschieht, sie wird lebendig, die beiden heiraten mit dem Segen der Göttin und die ehemalige Statue gebiert neun Monate später Paphos, „de qua tenet insula nomen“, von welcher die Insel ihren Namen erhält.

In dieser Metamorphose findet eine mehrfache Grenzüberschreitung statt. Die Kunstfertigkeit des Bildhauers Pygmalion bewirkt zunächst, dass er selbst die Grenzen zwischen Realität und Mimesis nicht mehr finden kann. Das verwundert noch um einiges mehr, als wenn diese „Verwechslung“ irgendjemand anderem passiert wäre. Denn eigentlich erscheint es uns doch unvorstellbar, dass jemand dem Elfenbein, dem er selbst die Form einer Frau verliehen hat, plötzlich Perlen an die „Ohren“ hängt und die selbstgemeißelte Statue seine Gemahlin nennt. Doch für Pygmalion scheint dies nicht unmöglich. Er befindet sich in einem inneren Zweispalt. Zum einen weiß er ganz genau, dass sein Elfenbeinmädchen nicht lebendig ist, sonst würde er ja nicht mit diesem Wunsch zur Göttin der Liebe gehen. Zum andern aber kann er auch nicht glauben, dass sie wirklich nur aus unbeseeltem Material bestehen soll, prüft er doch ständig nach, ob es nicht doch Fleisch und Blut sind, die er da so vergöttert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Was ist eigentlich "ars"?: Dieses Kapitel erläutert die vielschichtigen Übersetzungsmöglichkeiten von "ars" im Stowasser und grenzt den Begriff von der reinen Ästhetik hin zur menschlichen Geschicklichkeit und handwerklichen Tätigkeit ab.

2. Ovid: Leben und "ars": Hier wird der Lebensweg des Dichters Ovid skizziert, wobei die rhetorische Prägung und der Bezug zu seinen Werken wie der "Ars Amatoria" und den "Metamorphosen" im Vordergrund stehen.

3. Die Bedeutung von "ars" in: Anhand der Beispiele Pygmalion, Arachne, Daedalus und der Weltalter wird aufgezeigt, wie Kunstfertigkeit sowohl schöpferische Erfüllung als auch Hybris und Verderben bedeuten kann.

4. Abschließender Vergleich und Fazit: Das Kapitel reflektiert die gegensätzlichen Rollen der Kunst bei den betrachteten Figuren und verdeutlicht, wie "ars" von schöpferischer Selbstverwirklichung zum bloßen Mittel zum Zweck degradiert werden kann.

Schlüsselwörter

Ovid, Metamorphosen, Ars, Kunstfertigkeit, Grenzüberschreitung, Pygmalion, Arachne, Daedalus, Weltalter, Hybris, Pietas, Mimesis, Antike, Mythologie, Schöpfung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung und den Auswirkungen des Begriffs "ars" innerhalb von Ovids "Metamorphosen" und untersucht, wie Kunstfertigkeit menschliche Grenzen überschreitet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind das Verhältnis von Kunst und Natur, die Rolle des Künstlers, das menschliche Streben nach dem Höheren sowie die moralischen Implikationen des handwerklichen Schaffens.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den "ars"-Begriff in unterschiedlichen mythologischen Kontexten aufzuzeigen und zu analysieren, wie Ovid die Ambivalenz von menschlichem Können und göttlicher Ordnung darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse und Interpretation der ausgewählten Texte Ovids unter Einbeziehung etymologischer und philosophischer Perspektiven.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Mythen um Pygmalion, Arachne und Daedalus sowie die Darstellung der vier Weltalter als Paradebeispiele für die Entwicklung und den Missbrauch menschlicher Kunstfertigkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär durch die Begriffe Ars, Metamorphosen, Hybris, Grenzüberschreitung und Pietas charakterisieren.

Warum wird Pygmalion als positives Beispiel für "ars" gewertet?

Pygmalion verbindet seine Kunstfertigkeit mit echter Pietas gegenüber den Göttern, was zu einer göttlichen Belohnung und der Erfüllung seines Wunsches führt, im Gegensatz zur zerstörerischen Hybris anderer Figuren.

Wie unterscheidet sich die Rolle von "ars" bei Arachne?

Bei Arachne führt das überragende handwerkliche Können in Kombination mit menschlicher Eitelkeit zur Hybris, wodurch die "ars" zur Ursache ihres Fluches und ihrer Verwandlung in eine Spinne wird.

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Details

Title
Grenzüberschreitung durch "ars" in Ovids Metamorphosen
Grade
1,7
Author
Theresa Marx (Author)
Publication Year
2004
Pages
13
Catalog Number
V121481
ISBN (eBook)
9783640480722
ISBN (Book)
9783640480715
Language
German
Tags
Ovid Metamorphosen Pygmalion Arachne Daidalos Ikarus Kunst In Interpretation Ovid Metamorphose Kunst Daidalos Dädalus Ikarus Arachne Pygmalion Mythos
Product Safety
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Quote paper
Theresa Marx (Author), 2004, Grenzüberschreitung durch "ars" in Ovids Metamorphosen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121481
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