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"Hitlers willige Vollstrecker" oder "Ganz normale Männer"

Title: "Hitlers willige Vollstrecker"  oder  "Ganz normale Männer"

Seminar Paper , 2001 , 16 Pages , Grade: 1

Autor:in: Thomas Hanifle (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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1. Einleitung

"Mir schien, ich hätte die Untaten als kollektive erfahren: Vor dem braungewandeten NS-Amtswalter mit Hakenkreuzbinde hatte ich auch nicht mehr Angst gehabt als vor dem schlichten feldgrauen Landser. Auch wurde ich den Anblick der Deutschen auf einem kleinen Bahnsteig nicht los, wo man aus den Viehwaggons unseres Deportationszuges die Leichen aufgeladen und aufgeschichtet hatte, ohne daß ich auch nur auf einem der steinernen Gesichter den Ausdruck des Abscheus hätte lesen können."(1)
Wie war es möglich, daß sogenannte normale Bürger während des Nationalsozialismus zu Massenmördern wurden? Wie kam es, daß die Mehrheit der deutschen Bevölkerung zumindest passiv den Holocaust hinnahm und kein Mitgefühl für die Ermordeten entwickelte? Was war die Motivation der Täter? Was für ein institutioneller Rahmen umgab die Aktionen der Massenvernichtung? Wie wurden diese von den Tätern beurteilt? Warum waren die Männer brutaler, als es für die Erfüllung eines Befehls erforderlich war? Warum zeigten die meisten eine erstaunliche Eigeninitiative und Freiwilligkeit bei der Verfolgung von Juden?
Mit diesen Fragen möchte ich mich in meiner Arbeit beschäftigen. Mit Hilfe der Darstellung und des Vergleichs der Werke von Daniel Jonah Goldhagen und Christopher R. Browning werde ich versuchen, die Handlungsmotivationen der „Täter“ darzustellen. Der Vergleich der Werke ist deshalb interessant, weil sich die jeweiligen Darstellungen des Reserve-Polizeibataillons 101 auf die gleichen Quellen beziehen, jedoch von den beiden Autoren unterschiedlich interpretiert werden.
[...]
______
1 Amery, Jean: S.106

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. JONAH DANIEL GOLDHAGEN: „HITLERS WILLIGE VOLLSTRECKER: GANZ GEWÖHNLICHE DEUTSCHE UND DER HOLOCAUST“

2.1 Goldhagens „willige Vollstrecker"

2.2 Die drei Fallstudien

2.3 Täter- und Verhaltensanalyse

2.4 Die Deutschen - als Kollektiv – eine „andere“ Gesellschaft

2.5 Goldhagens Begriff des "eliminatorischen Antisemitismus"

2.6 Hitler und die Deutschen: NS-Führung und Bevölkerung auf dem Weg zum Holocaust

3. CHRISTOPHER R. BROWNING: GANZ NORMALE MÄNNER: DAS RESERVE-POLIZEIBATAILLON 101 UND DIE „ENDLÖSUNG“ IN POLEN

3.1 Brownings „ganz normale Männer“: Das Reserve-Polizeibataillone 101

3.2 Das Verhalten der „Männer“: ein Erklärungsversuch

4. GOLDHAGEN IM VERGLEICH

5. FAZIT

6. LITERATURVERZEICHNIS

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht und vergleicht die unterschiedlichen Erklärungsansätze von Daniel Jonah Goldhagen und Christopher R. Browning zur Frage, warum gewöhnliche deutsche Bürger während des Nationalsozialismus zu Massenmördern wurden und welche Motivationen diesen Handlungen zugrunde lagen.

  • Analyse der Tätermotivation im Holocaust
  • Vergleich der Thesen von Goldhagen und Browning
  • Untersuchung des Reserve-Polizeibataillons 101
  • Bedeutung von Antisemitismus und Männlichkeitskultur
  • Rolle von Gruppendruck und Gehorsam

Auszug aus dem Buch

3.1 Brownings „ganz normale Männer“: Das Reserve-Polizeibataillon 101

Das Polizeibataillon 101 ist dabei von besonderem Interesse, da seine Geschichte aufgrund von Gerichtsakten eines umfangreichen Prozesses besonders gut dokumentiert ist. Diesen Gerichtsakten bediente sich auch Goldhagen, dessen Beschreibungen der Polizeibataillone also auf den gleichen Quellen beruhten, aber zu einem anderen „Resultat“ führten als Browning. Die Polizisten des Bataillons 101 kamen aus Hamburg und bildeten von ihrer sozialen Herkunft einen repräsentativen Schnitt aus dem traditionell arbeitergeprägten Milieu in Hamburg. Fast genau ein Drittel der Polizisten gehörten der NSDAP oder anderen parteigebundenen Organisationen an. Beteiligt war das Bataillon auch an Massenexekutionen von Juden - nach Beginn der Operation Barbarossa in der Sowjetunion und bei der Aktion Reinhart, dem Decknamen für die Ermordung der polnischen Juden. 500 Polizisten des Bataillions erschossen vom Juli 1942 bis November 1943 mindestens 38 000 Juden und deportierten 45 000.

Christopher Browning verfolgt in einem Zeitraum von sechs Monaten die Einheit des Polizeibataillons und beschreibt nicht nur ihre grauenvollen Taten, sondern fragt sich auch, was diese „normalen Männer“ dazu bewogen hat, Mörder zu werden.

Die erste Massenexekution des Bataillons fand im Ort Józefów in Polen statt. Zuvor hielt der Bataillionskommandant Trapp eine Ansprache an die Polizisten: „Trapp versammelte die Männer im Halbkreis um sich und erläuterte den Mordauftrag, den das Bataillon erhalten hatte. Dann machte er sein außergewöhnliches Angebot: Wer von den Älteren sich dieser Aufgabe nicht gewachsen fühle, möge vortreten. Eine Weile war es still, dann meldete sich ein Angehöriger der 3. Kompanie, Otto-Julius Schimke. Hauptmann Hoffmann, (...) war wütend darüber, dass ausgerechnet einer seiner Männer sich als erster meldete. Er machte Schimke Vorwürfe, wurde aber von Trapp unterbrochen. Und nachdem der Major den Untergebenen in Schutz genommen hatte,

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die zentrale Fragestellung ein, wie gewöhnliche Bürger zu Massenmördern werden konnten, und stellt den Vergleich der Ansätze von Goldhagen und Browning vor.

2. JONAH DANIEL GOLDHAGEN: „HITLERS WILLIGE VOLLSTRECKER: GANZ GEWÖHNLICHE DEUTSCHE UND DER HOLOCAUST“: Dieses Kapitel erläutert Goldhagens These des eliminatorischen Antisemitismus als primäre Ursache für die Beteiligung der Deutschen am Holocaust.

3. CHRISTOPHER R. BROWNING: GANZ NORMALE MÄNNER: DAS RESERVE-POLIZEIBATAILLON 101 UND DIE „ENDLÖSUNG“ IN POLEN: Hier wird Brownings Untersuchung über das Reserve-Polizeibataillon 101 dargestellt, wobei insbesondere die Rolle von Gruppendruck und Männlichkeitskultur im Vordergrund steht.

4. GOLDHAGEN IM VERGLEICH: In diesem Kapitel werden die konträren Positionen von Goldhagen und Browning gegenübergestellt, insbesondere in Bezug auf die Bedeutung struktureller Zwänge versus ideologischer Überzeugung.

5. FAZIT: Das Fazit wertet die beiden Ansätze kritisch aus und kommt zu dem Schluss, dass Brownings Analyse aufgrund ihrer wissenschaftlichen Fundierung und Berücksichtigung vielfältiger Faktoren überzeugender erscheint.

6. LITERATURVERZEICHNIS: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Holocaust, Nationalsozialismus, Polizeibataillon 101, Antisemitismus, Täterforschung, Daniel Jonah Goldhagen, Christopher R. Browning, Eliminatorischer Antisemitismus, Gruppendruck, Männlichkeitskultur, Massenexekution, NS-Führung, Handlungsspielraum, Gehorsam, Völkermord.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit vergleicht die zwei zentralen wissenschaftlichen Ansätze von Daniel Jonah Goldhagen und Christopher R. Browning bezüglich der Täterforschung im Holocaust.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?

Die Untersuchung behandelt das Handeln der Polizeibataillone, den Stellenwert von Antisemitismus als Tatmotiv und die sozialen Faktoren, die Menschen zu Mördern machen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Handlungsmotivationen der „Täter“ (hier am Beispiel des Reserve-Polizeibataillons 101) aufzuzeigen und die unterschiedlichen Interpretationsweisen beider Autoren einander gegenüberzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Bearbeitung verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Methode (Vergleichsanalyse), um die Werke der beiden Historiker auf Basis ihrer Interpretation derselben Gerichtsakten zu bewerten.

Welche Themen behandelt der Hauptteil?

Der Hauptteil analysiert detailliert Goldhagens These des eliminatorischen Antisemitismus sowie Brownings Fokus auf Gruppendynamik, Konformitätsdruck und die Rolle der Männlichkeitskultur.

Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit besonders?

Die zentralen Charakteristika sind die Begriffe Holocaust, Täterforschung, Eliminatorischer Antisemitismus, Männlichkeitskultur und Reserve-Polizeibataillon 101.

Warum unterscheidet sich die Einschätzung zum Antisemitismus zwischen Goldhagen und Browning?

Für Goldhagen ist der Antisemitismus die alleinig treibende Kraft (kulturelles Axiom), während Browning ihn lediglich als einen unter vielen Faktoren betrachtet, der durch andere Feindbilder ersetzbar gewesen wäre.

Was ist das zentrale Argument der Männlichkeitskultur laut Browning?

Browning argumentiert, dass in einer männlich dominierten Kultur die Angst, als "Weichei" zu gelten, dazu führte, dass sich Polizisten am Morden beteiligten, um nicht sozial stigmatisiert zu werden.

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Details

Title
"Hitlers willige Vollstrecker" oder "Ganz normale Männer"
College
University of Vienna  (Politikwissenschaft)
Course
Proseminar Politische Theorie - Theorien über Neorassismus und Antiislamismus
Grade
1
Author
Thomas Hanifle (Author)
Publication Year
2001
Pages
16
Catalog Number
V1214
ISBN (eBook)
9783638107679
Language
German
Tags
Hitlers Vollstrecker Ganz Männer Proseminar Politische Theorie Theorien Neorassismus Antiislamismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Hanifle (Author), 2001, "Hitlers willige Vollstrecker" oder "Ganz normale Männer", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1214
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