Mit dem angesprochenen, in der Literatur üblicherweise als erster Chattenkrieg bezeichneten Feldzug Domitians möchte sich diese Arbeit befassen. Dabei sollen die Fragen der Datierung, des Verlaufes und der geographischen Verortung dieser Kampagne ebenso Behandlung erfahren, wie die hinter dem militärischen Engagement stehenden Motive des Princeps und die bereits angesprochene Bewertung durch die antike Geschichtsschreibung und Literatur. Die besondere Relevanz des gewählten Themas ergibt sich daraus, dass Domitians Feldzug gegen die Chatten nicht nur für die Beziehungen der Römer und dieses Stammes zueinander, sondern auch für die römische Germanienpolitik im Allgemeinen „von zentraler Bedeutung“ ist, sind hier doch Lösungen für seit langem offene Fragen gefunden und eine Strategie für die weitere Entwicklung in der Rheinregion begründet worden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Quellenlage
3. Die Germanienpolitik der Flavier bis Domitian
4. Der erste Chattenkrieg Domitians
4.1 Datierung und Verlauf des Feldzuges
4.2 Siegespropaganda und Errichtung der Provinzen
4.3 Die Motive Domitians
4.4 Die Bewertung in der antiken Literatur
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht den ersten Chattenkrieg Domitians (83-85 n. Chr.) im Hinblick auf seine historische Einordnung, die zugrundeliegenden militärischen Strategien sowie die verzerrte Darstellung in den antiken Quellen. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der kaiserlichen Selbstdarstellung und der faktischen Bedeutung des Feldzuges für die römische Germanienpolitik zu klären.
- Analyse der Quellenlage und der Rezeption Domitians in der antiken Literatur
- Untersuchung der flavischen Germanienpolitik zwischen Vespasian und Domitian
- Detaillierte Rekonstruktion des Verlaufs und der Chronologie des Chattenkrieges
- Evaluierung der politischen Motive hinter dem militärischen Engagement Domitians
- Einordnung des Krieges als präventive Maßnahme zur Sicherung der Rheingrenze
Auszug aus dem Buch
4.1 Datierung und Verlauf des Feldzuges
Insgesamt ist festzustellen, dass sich die Einzelheiten des römischen Feldzuges gegen die Chatten trotz intensiver Bemühungen der Forschung weiterhin „in ein lückenhaften und tendenziösen literarischen Überlieferung“ verlieren; Quellen archäologischer Natur tragen zur Rekonstruktion des Feldzuges wenig bei, weder die zeitliche Begrenzung noch die genaue Lokalisierung des Feldzuges ist eindeutig gesichert.31
Wenn auch die Wissenschaft weiterhin kein exaktes Datum für den Beginn des Feldzuges liefern kann, so kann dieser Zeitraum zumindest eingegrenzt werden. Als eine Art traditionelles Datum mit großer Wahrscheinlichkeit hat sich das Frühjahr 83 durchgesetzt.32 Da literarische Quellen keine sicheren Aussagen über die Datierung liefern,33 hat die Forschung sich darauf gestützt, den Beginn und die Dauer der Kampfhandlungen über die im fraglichen Zeitraum zwischen September 82 und dem Jahr 84 stark steigende Zahl der imperatorischen Akklamationen Domitians und die Annahme des Siegerbeinamens Germanicus zu erklären.34 Ein Militärdiplom über die Entlassung von Veteranen des obergermanischen Heeres und die Verlegung von mindestens drei Auxiliareinheiten von Germanien nach Moesien und nicht zu letzt der nahende Winter, lassen hingegen den Herbst 82 als Anfangstermin unwahrscheinlich erscheinen.35 Becker, der den Versuch unternimmt, die imperatorischen Akklamationen den verschiedenen Kriegsschauplätzen zuzuordnen – im Frage kommenden Zeitraum seien neben Germanien in Britannien und Mauretanien Kampfhandlungen gesichert – schlägt als möglichen Termin für den Ausbruch des Krieges den März 83 vor.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema des Chattenkrieges und Erläuterung der Relevanz des Feldzuges für die flavische Dynastie.
2. Zur Quellenlage: Kritische Untersuchung der antiken Autoren wie Frontin, Martial, Tacitus, Sueton und Cassius Dio hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit und Voreingenommenheit.
3. Die Germanienpolitik der Flavier bis Domitian: Analyse der militärischen Situation am Rhein nach dem Bataveraufstand und der Reorganisationsmaßnahmen unter Vespasian.
4. Der erste Chattenkrieg Domitians: Umfassende Behandlung von Datierung, Verlauf, Propaganda, Motiven und literarischer Bewertung des Krieges.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung der militärischen Erfolge Domitians und deren langfristige Bedeutung für die Konsolidierung der Rheingrenze.
Schlüsselwörter
Chattenkrieg, Domitian, Flavier, Germanienpolitik, Antike Geschichtsschreibung, Rheingrenze, Militärgeschichte, Siegespropaganda, Germania Capta, Quellenkritik, Imperator, Provinzialisierung, Tacitus, Frontin, Grenzsicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den ersten Chattenkrieg unter Kaiser Domitian und beleuchtet die historische Realität dieses Feldzuges im Kontrast zur zeitgenössischen Überlieferung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die flavische Außenpolitik, die strategische Sicherung der Rheingrenze, die Rolle der kaiserlichen Propaganda und die kritische Auswertung antiker Quellen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das primäre Ziel ist es, den tatsächlichen militärischen und politischen Charakter des Chattenkrieges zu bestimmen und die einseitige, oft negative Darstellung in der Literatur historisch einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die literarische Quellen mit archäologischen Erkenntnissen und numismatischen Daten vergleicht.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Quellenkritik, die politische Ausgangslage in Germanien sowie eine detaillierte Untersuchung der militärischen Ereignisse und der darauf folgenden Siegespropaganda.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Chattenkrieg, Domitian, Grenzpolitik, Propaganda, Quellenkritik und flavische Dynastie charakterisieren.
Warum wird Domitian in der antiken Literatur oft kritisch gesehen?
Die antiken Autoren wie Tacitus standen dem flavischen Kaiserhaus, insbesondere Domitian, aus persönlichen oder senatsaristokratischen Gründen oft kritisch gegenüber, was ihre Berichterstattung verzerrte.
Welche Bedeutung hatte der Beinamen "Germanicus" für Domitian?
Der Beinamen diente als zentrales Element der kaiserlichen Propaganda, um militärische Stärke zu suggerieren und den Erfolg gegen die Chatten als bedeutende Errungenschaft darzustellen.
Wie bewertet die moderne Forschung den Ausgang des Feldzuges?
Die Forschung sieht den Krieg heute als eine zwar begrenzte, aber erfolgreiche Konsolidierung der römischen Machtposition am Rhein, die den Weg für spätere Entwicklungen ebnete.
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- Florian Unzicker (Author), 2008, "Quae datur ex Chattis laurea" - Domitians erster Chattenkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121523