Papsttum und Päpste in der Spruchdichtung Walters von der Vogelweide


Hausarbeit, 2007

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Papst Innozenz III
2.1 Kurzbiographie
2.2 Politisches Wirken

3. Der Unmutston
3.1 Historische Einordnung
3.2 Formale Aspekte des Unmutstons

4. Innozenz und Gerbrecht (L 33, 21)
4.1 Kernaussagen
4.2 Sprachliche Mittel und Analyse
4.3 Zielgruppe
4.4 Zusammenfassung

5. Die erste Opferstockstrophe (L 34, 4)
5.1 Kernaussagen
5.2 Sprachliche Mittel und Analyse
5.3 Zielgruppe
5.4 Zusammenfassung

6. Die Zweite Opferstockstrophe (L 34, 14)
6.1 Kernaussagen
6.2 Sprachliche Mittel und Analyse
6.3 Zielgruppe
6.4 Zusammenfassung

7. Resümee

8. Literaturangaben

1. Einleitung

Walther von der Vogelweide wurde um das Jahr 1170 geboren und verstarb im Jahre 1228. Während seines Lebens als fahrender Sänger an den verschiedensten Höfen im deutschsprachigen Raum entstand seine Spruchdichtung, die sich mit dem Lob seiner Gönner, der Schelte von ungerecht handelnden Adligen, politischen Themen, sowie der Kritik an Kirche und Papst beschäftigte. Aus der Vielzahl der überlieferten kirchenkritischen Sprüche Walthers möchte ich vier im Unmutston überlieferte Strophen aufgreifen und an ihrem Beispiel die Art der Kritik näher beleuchten. Diese Arbeit kann aufgrund des vorgegebenen Umfangs natürlich nicht alle Aspekte der Kirchenkritik Walthers erläutern, aber ich werde versuchen, einen Einblick in die Form der Kritik zu geben und vor allem auf die Methode eingehen, mit der Walther seine Kritik unter die Menschen trug. Zu diesem Zweck werde ich die vier Sprüche hinsichtlich ihrer Form, ihrer Sprache, ihrer Kernaussagen und ihres Publikums untersuchen. Doch im ersten Kapitel möchte ich mich dem Mann zuwenden, dem der Hauptanteil der Kirchenkritik Walthers galt, nämlich Papst Innozenz III.

Abschließend möchte ich die Form der Kirchenkritik Walthers kurz zusammenfassen.

2. Papst Innozenz III

2.1 Kurzbiographie

Papst Innozenz III., der mit bürgerlichem Namen Lothar von Segni hieß wurde im Jahre 1160 in Perugia als Sohn des Grafen Trasimund von Segni und der römischen Patrizierin Claricia Scotti geboren. Er verbrachte seine Kindheit auf Kastello Gavignano und erhielt seine schulische Ausbildung in der Klosterschule des St. Andreasklosters zu Rom.

Sein theologisches Studium absolvierte Lothar in Paris unter Lehrern wie Peter von Corbeil, von denen viele nach Lothars Amtseinsetzung als Papst in hohe Kirchenämter berufen wurden. Der zu jener Zeit in Paris vorherrschende konservative Ton findet sich auch im Wirken Lothars als Papst wieder. Im Anschluss an sein Theologiestudium wandte sich Lothar der Justiz zu und betrieb in den Jahren 1178 bis 1187 Studien in Bologna. Nach dieser umfassenden Ausbildung wurde er im November 1187 zum Subdiakon geweiht. Zwei Jahre später folgt die Weihe zum Kardinaldiakon von SS. Sergius und Bacchus in Rom und die Berufung nach Rom. In dieser Zeit entstand die erste wichtige Schrift „De misera condicione hominis“ (Das Elend des Menschseins) die in über 700 Handschriften überliefert ist und in der sich der spätere Papst der Frage widmet: ‚Was ist der Mensch – Was ist der Papst’. Die daraus resultierende Kernaussage ist folgende: „Der Mensch ist ein elendes und ganz auf die Gnade Gottes angewiesenes Geschöpf.“[1] Zur Frage, was der Papst sei sagte Lothar in einer Predigt anlässlich seines Weihetages: „Ich bin über das Haus Gottes gesetzt…damit meine Stellung alles überrage. Mir ist gesagt vom Propheten: Ich will dich über Völker und Königreiche setzen….Der Knecht, der über das ganze Haus Gottes gesetzt wird, ist der Stellvertreter Christi…;er ist in die Mitte gestellt zwischen Gott und die Menschen, geringer als Gott, aber größer als die Menschen.“[2] Mit dieser Aussage ersetzt Lothar den bis dahin gültigen Titel des Papstes „Vicarius Beati Petri“ durch „Vicarius Christi“ (Vertreter Christi).

Am 8. Januar 1198 stirbt der amtierende Papst Cölestin III und am selben Tag wird, der mit 37 Jahren Jüngste unter den anwesenden Kardinälen, Lothar von Segni einstimmig zum neuen Papst gewählt. Von nun an trägt er den Namen Innozenz III und beginnt seine reformerische Tätigkeit in der katholischen Kirche.

2.2 Politisches Wirken

Innozenz III. lebte in einer Zeit der politischen Instabilität. In seine Amtszeit fanden der deutsche Thronstreit, sowie zwei Kreuzzüge statt. Sein Hauptaugenmerk legte er zum Einen auf die Festigung der Machtstellung der Kirche und des Kirchenstaats, zum Anderen auf die Loslösung der Kirche von den feudalen Herrschaftsformen.

Zu Beginn seiner Amtszeit wurde eine Fälscherbande entlarvt, die päpstliche Dokumente vertrieb und Innozenz nahm dies zum Anlass, ein neues System zum Überprüfung der Echtheit von Urkunden zu etablieren. Daher gilt er als der ‚Vater der Urkundenlehre’.

Des Weiteren sammelte er alle päpstlichen Dekretalen und fasste sie in einem Schriftstück zusammen. Dieses Sammelwerk an Regeln legte den Grundstein für eine geordnete Gesetzgebung.

Als dritten Schritt etablierte er schließlich eine einheitliche Gebühren- und Geschäftsordnung innerhalb der katholischen Kirche.

Betrachtet man all diese Neuerungen wird schnell deutlich, warum Innozenz III der Reformbewegung zugeordnet wird. Diese Maßnahmen resultierten zum einen aus der fundierten Bildung, die er in jungen Jahren genoss, als auch aus der Notwendigkeit heraus, die katholische Kirche gegen die wachsender Unzufriedenheit ihrer eigenen Anhänger zu stärken. Seinen Höhepunkt fand die Gegenbewegung zu Kirche in Frankreich durch die Albigenser in Frankreich, gegen die Innozenz hart durchgriff und im Jahr 1208 einen Ketzerkreuzzug ins Leben rief, der den Widerstand rigoros niederschlug. Aber Innozenz trat den Gegenbewegungen nicht ausschließlich mit Gewalt entgegen. Im Gegenteil, er gliederte einige große Strömungen wieder in die Kirche ein. Als Beispiele seien die Waldenser und die Humiliaten genannt, beides Vertreter der Armutsbewegung. Von Besonderem Interesse im Bezug auf Walther von der Vogelweide ist sicher die Rolle Innozenz III. im Thronstreit des heiligen römischen Reiches.

Im Jahr seines Amtsantritts übernahm Innozenz die Vormundschaft für Friedrich II . welchen er gegen Ende das Thronstreits zur Macht lancierte. Den Auslöser des Thronstreits gab die Doppelwahl des Welfen Otto IV. und des Staufers Phillip von Schwaben zum deutschen König. Die deutschen Fürsten konnten sich nicht auf einen König einigen und der Papst übernahm die Schiedsrichterrolle. Innozenz nutzte diese Gelegenheit, indem er die Dekretale ‚Venerabilem’ erließ, welche festlegte, dass der Deutsche König von Hauptwählern, den Kurfürsten, gewählt wurde und dem Papst die Aufgabe zufiel, den König zum Kaiser zu salben. Durch diese Regelung hatte der Papst ein Vetorecht und einen immensen Einfluss auf die Wahl, da im Rat der Kurfürsten drei Erzbischöfe ihren Sitz innehatten.

Nach vorheriger Absprache mit Otto unterstützte Innozenz diesen, da er den Anspruch auf Sizilien aufgab und der zu Amtszeiten Innozenz bis zur Adria erweiterte Kirchenstaat somit der Einschließung durch das Heilige Römische Reich entging. Im deutschen Reich bricht ein blutiger Bürgerkrieg aus, aus dem Phillip siegreich hervorgeht. Innozenz söhnt sich mit ihm aus, aber Phillip wird 1208 ermordet und Otto IV. wird zum Kaiser gekrönt. Kurz nach der Krönung ändert dieser seine Italienpolitik, woraufhin der Papst ihn bannt und Friedrich II. als Gegenkönig einsetzt. Friedrich wird 1214 von den deutschen Fürsten anerkannt und der Thronstreit ist damit beendet.

Neben der politischen Festigung der kirchlichen Macht waren die Kreuzzüge ein zentrales Anliegen Innozenz. Nach dem gescheiterten dritten Kreuzzug erlässt Innozenz 1213 die Bulle ‚Quia major’ zur Finanzierung eines Kreuzzuges unter kirchlicher Leitung. Auf diese Bulle nimmt Walther in der Opferstockstrophen Bezug.

Im Jahre 1214 rief Innozenz das 4. Lateralkonzil ein. Diesem Ruf folgten über 1200 Bischöfe, Äbte und Prälaten. Die Beschlüsse dieses Konzils beeinflussten das Kirchenrecht über das gesamte Mittelalter hinweg.

Am 16. Juli 1216 stirbt Papst Innozenz III. auf einer Reise nach Perugia und geht als einer der bedeutendsten Päpste seiner Zeit in die Geschichte ein.

3. Der Unmutston

3.1 Historische Einordnung

Der Unmutston besteht aus 18 Sprüchen und ist in drei Handschriften überliefert. Auffällig ist, dass in keiner der drei Überlieferungen alle 18 Sprüche zu finden sind und dass die Reihenfolge der Sprüche variiert. Auch sind in den Überlieferungen die Sprüche mit anderen vermischt. Eine nähere Untersuchung ergab, dass die Sprüche nach Inhalt und Wortwahl zusammengestellt wurden. So sind zum Beispiel kirchenkritische oder lobende Sprüche eines Gönners als Einheit überliefert.[3] Diese Zusammenstellung macht im Falle des Unmutstons nur in Hinsicht der Sammlung der Strophen Sinn, da ein gemeinschaftlicher Vortrag der einzelnen Strophen ihrer Wirksamkeit wohl eher beeinträchtigt hätte.

Die Wortwahl und die äußere Form legen nahe, den Unmutston der späteren Dichtung Walthers zuzuschreiben. Eine genaue Datierung ist hierbei natürlich nicht möglich, der Zeitraum lässt sich jedoch eingrenzen. Die Datierungen der einzelnen Sprüche liegen zwischen 1200 und 1221.[4]

3.2 Formale Aspekte des Unmutstons

Die Sprüche des Unmutstons weisen einen stolligen Aufbau auf und beinhalten zumeist zehn Zeilen. Die Strophen lassen sich also der Kanzonenform zuschreiben, auch wenn Walther das Reimschema nicht strikt einhält und auch im Bereich der Hebungen variiert. Die von mir bearbeiteten Strophen weisen alle einen 4 zeiligen Aufgesang und einen 6 zeiligen Abgesang auf. Walther verwendet den Sechstakter als Grundelement und variiert diesen durch Erweiterung auf sieben bzw. Verkürzung auf fünf Hebungen und den regelmäßigen Wechsel der Kadenzen, was für sein späteres Werk charakteristisch ist.

Der Aufgesang ist in der Mehrzahl der Fälle nach dem gleichen Schema geordnet und bildet eine inhaltliche, metrische und syntaktische Einheit:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Horst Fuhrmann: Die Päpste. Von Petrus zu Benedikt XVI. 3. Auflage, München 2005. S.128.

[2] Horst Fuhrmann, 2005. S.128.

[3] Vgl.: Susanne Padberg: Ahî wie kristenlîche nû der bâbest lachet. Walthers Kirchenkritik im Unmutston. Herne 1997. S. 88f.

[4] Vgl.: Susanne Padberg, 1997. S.103.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Papsttum und Päpste in der Spruchdichtung Walters von der Vogelweide
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Mediaevistik)
Veranstaltung
Walter von der Vogelweide (Spruchdichtung)
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V121545
ISBN (eBook)
9783640263349
ISBN (Buch)
9783640441884
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Walther, Vogelweide, Papst, Unmutston
Arbeit zitieren
Lars Blisch (Autor), 2007, Papsttum und Päpste in der Spruchdichtung Walters von der Vogelweide, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121545

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